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Full text of "Hitlers Zweites Buch 1928/1961"

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VERÖFFENTLICHUNGEN 
DES INSTITUTS FÜR ZEITGESCHICHTE 



QUELLEN UND DARSTELLUNGEN 
ZUR ZEITGESCHICHTE 

BAND 7 

HITLERS ZWEITES BUCH 
Ein Dokument aus dem Jahr 1928 



DEUTSCHE VERLAGS- ANSTALT 
STUTTGART 



HITLERS ZWEITES BUCH 



Ein Dokument aus dem Jahr 1928 



Eingeleitet und kommentiert von Gerhard L.Weinberg 
Mit einem Geleitwort von Hans Rothfels 



1961 

DEUTSCHE VERLAGS -ANSTALT 
STUTTGART 



© 1961 Deutsche Verlags - Anstalt GmbHö Stuttgart. Sehuiaumschlag 
und Einbandentwurf: Hans-Joachim Kilsbach. Geaaanatherstellung : 
Deutsche Verlags -Anstalt GmbH-, Stuttgart. Printed in Germany. 



INHALTSVERZEICHNIS 



GELEITWORT 7 

VORWOKT 11 

EINLEITUNG 

I Das Dokument 15 

II Das Datum des Dokuments 20 

III Die Situation des Jahres 1928 21 

IV Der Inhalt des Buches 30 

V Warum wurde das Manuskript nicht veröffentlicht ? 36 

VI Warum den Text jetzt veröffentlichen? 38 

VII Zur technischen Seite der Ausgabe 40 

DAS DOKUMENT 

Vorwort 43 

I Krieg und Frieden im Lebenskampf 46 

II Der Kampf, nicht die Wirtschaft sichert das Leben 53 

III Rasse, Kampf und Macht 63 

IV Außenpolitische Kritik und Vorschläge 70 

V Die Politik der NSDAP 78 

VI Von der Reichseinigung zur Raumpolitik 80 

VII Die verfehlte Wirtschafts- und BündnispoUtik des Zweiten Reiches 85 

VIII Notwendigkeit der Militärmacht— Die Grenzen von 19 14 kein Ziel 104 

IX Weder Grenzpolitik noch Wirtschaftspolitik noch Paneuropa . . 117 

X Keine Neutralität 133 

XI Deutschlands politische Lage — Kein Bündnis mit Rußland , . 145 

XII Grundsätze der deutschen Außenpolitik 160 

[XIII Die möglichen Ziele 161 

|XIV Deutschland und England 164 

XV Deutschland und Italien 176 

A 
B 

C 

XVI Schlußwort 216 

A 
B 
C 



Anlage 1 : Bericht über die Beschlagnahme des Dokuments 225 

Register 226 



GELEITWORT 



Daß Adolf Hitler ein „Zweites Buch" geschrieben hat, das in Ergänzung von 
„Mein Kampf" wesentlich Fragen der deutschen Außenpolitik behandelte, bedeu- 
tet für die mit der Erforschung der Quellen zur Geschichte des Nationalsozialismus 
Befaßten keine völlige Überraschung. Erste Mitteilungen darüber sind dem Insti- 
tut für Zeitgeschichte im Mai 1951 durch den Schriftsteller Erich Lauer zugegan- 
gen. Sie veranlaßten Hermann Mau bei seinem Aufenthalt in den Vereinigten 
Staaten im Juni 1951, Nachforschungen anzustellen, die aber ergebnislos blieben. 
Weitere Bemühungen folgten, hatten aber ebenfalls kein positives Resultat. Das 
Dokument schien verschollen zu sein. Dr. Mau führt es in der der Historical Divi- 
sion des State Department übermittelten Übersieht der in die USA verbrachten 
deutschen Archiv- und Bibliotheksbestände vom 12. Juni 1951 als „angeblieh vor- 
handenes Manuskript von 1935" an, und der englische Historiker Trevor-Roper 
spricht noch in einem in München gehaltenen Vortrag vom November 1959 von 
einem nicht mehr existierenden Buch, das er auf 1924 datiert. (Vierteljahrshefte 
für Zeitgeschichte, VHI, [1960], 2, S. 133.) 

Inzwischen aber waren dem Institut nähere Mitteilungen zugegangen, und zwar 
durch Josef Berg, der eine leitende Stellung im Eher- Verlag bekleidet hatte. In 
einem Brief vom 12. September 1958 machte er eine Reihe von Angaben, die sich 
teils als Gedächtnisfehler erwiesen haben, zum anderen Teil aber durchaus be- 
stätigt worden sind, so der Beschlagnahmevorgang durch das im Anhang dieser 
Ausgabe abgedruckte Dokument, so die Tatsache der Geheimhaltung durch Hitler 
und die andere, jedenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Recht bestehende Be- 
hauptung, daß Hitler das Manuskript dem Verlagsleiter Max Amann direkt in 
die Maschine diktiert habe 1 . 

Als ich im Herbst 1958 zu Archiv-Studien in Washington war, wurde ich vom 
Institut gebeten, diesen Spuren nachzugehen. Ich wandte mich deswegen an Dr. Ger- 
hard L.Weinberg, Associate Professor für Geschichte an der Michigan University, 
der in Chicago mein Schüler gewesen war. Er hat eine sehr wertvolle Arbeit 2 und 
eine Reihe von Untersuchungen — insbesondere zur nationalsozialistischen Außen- 
politik — veröffentlicht und im Rahmen des von Fritz T. Epstein geleiteten War 
Documentation Project einen „Guide to Captured German Documents" hergestellt 3 . 

1 Amann war als geübter Stenograph und Maschinenschreiber bekannt. Erst 1932 hat er 
durch einen Jagdunfall seinen linken Arm verloren. 

2 Germany and the Soviet Union 1939-1941 (Leyden 1964). 

a War Documentation Project, Study No. 1, 1952, dazu jetzt der Nachtrag: Supplement to 
the Guide to Captured German Documenta (Washington 1959). 



7 



In seinen Studien wie namentlich als Leiter der im Auftrage der American 
Historical Association durchgeführten Verfilmung der deutschen Akten im Record 
Center in Alexandria, Virginia, hat er sich eine ungewöhnlich eingehende Kennt- 
nis der nach den Vereinigten Staaten verbrachten deutschen Akten und anderer 
Quellen zur Geschichte der nationalsozialistischen Zeit erwerben können. 

Ich benutze gern diese Gelegenheit, um zu bezeugen, eine wie wertvolle Förde- 
rung der internationalen Forschung nicht nur durch diese weitgespannte Verfil- 
mungsaktion zuteil geworden ist 1 , sondern auch durch die vorhergehenden Ord- 
nungsarbeitenj ja allein schon durch die Sicherstellung von Materialien, die in den 
ersten Jahren nach dem Kriege in Deutschland erheblichen Gefahren ausgesetzt 
gewesen wären. So wenig die Beschlagnahme der Quellen zu unserer neuesten 
Geschichte in der Absicht einer „Rettung" unternommen worden war, so gewiß 
hat sie sich als solche ausgewirkt. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß 
die Zurückführung nunmehr im Gange ist. 

Es traf sich sehr glücklich, daß Dr. Weinberg schon von sich aus dem unbekann- 
ten und verloren geglaubten Manuskript nachgegangen war. Es gelang ihm, es zu 
finden beziehungsweise Zugang zu ihm zu erhalten. Die Identität des Manuskripts 
ergab sich zunächst aus dem ihm beihegenden und in der Anlage abgedruckten 
Beschlagnahme-Protokoll, Über diesen äußeren Herkunfts- und Entstehungsbe- 
weis hinaus ist Dr. Weinberg mit größter Sorgfalt allen Indizien direkter oder in- 
direkter Art nachgegangen, die für die Prüfung der Authentizität, der Entstehungs- 
geschichte, der Datierung wesentlich waren. Er ist in allen diesen Beziehungen zu 
völlig schlüssigen und bis ins Philologische gesicherten Resultaten gelangt, wie er 
auch die Edition selbst textkritisch einwandfrei betreut hat. Es bestanden daher, 
was die gesicherte Urheberschaft und den wissenschaftlichen Charakter der Aus- 
gabe betrifft, für das Institut für Zeitgeschichte keine Bedenken, sie in die Reihe 
der von ihm veröffentlichten „Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte" auf- 
zunehmen. 

Freilich gab es noch andere und gewichtiger scheinende Bedenken, mit denen 
man sich auseinanderzusetzen hatte. Sollte man dieses schwülstige Buch nicht 
ruhig der Vergessenheit anheimfallen lassen, die ihm Hitler selbst offenbar zuge- 
dacht hatte? Warum er das tat, läßt sich nicht schlüssig beantworten. Der Heraus- 
geber geht den möglichen Gründen dafür mit Erwägungen nach, die sich auf die 
finanzielle Lage des Parteiverlages im Jahre 1928 beziehen, sowie auf die inner- 
deutsche Entwicklung, die bald darauf einsetzte. Im Zeichen der „Nationalen 
Front" hätte das Buch so wohl kaum erscheinen können, erst recht wären später 
Revisionen nötig gewesen, zu denen Hitler keine Zeit mehr fand. Das erscheint an 
sich durchaus plausibel. Ebenso aber ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu ver- 
muten, daß zu diesen Hinderungsgründen außenpolitische Erwägungen hinzu- 
traten. Dem Führer der schnell wachsenden Partei, der einen Durchbruch zur 

1 Verfügbar sind bisher 16 Kataloge der auf Mikrofilm aufgenommenen und in dieser Form 
im Nationalarchiv in Washington benutzbaren -wie auch von dort erhältlichen Bestände. 



8 



Macht unter Wahrung des Anscheins der Legalität für möglich erachtete, konnten 
auch Bedenken kommen, durch allzu offenherzige Darlegung seiner außenpoliti- 
schen Vorstellungen die Erreichung seines Zieles zu gefährden und insbesondere 
England zu alarmieren, um das er ja in seiner Weise „warb". 

In diesem Zusammenhang ist es vielleicht von symptomatischem Interesse, daß 
Hitler eine vollständige Übersetzung von „Mein Kampf" — zumindest ins Eng- 
lische — unterbunden hat. Nur knapp ein Fünftel des Originaltextes erschien in 
Großbritannien, und erst 1939 durchbrach ein englischer Verleger das Publika- 
tionsverbot (Trevor-Roper, a. a. 0., S, 124). 

Man könnte aus dieser Vermutung einer bewußten Zurückhaltung des Manu- 
skripts schon ein Argument, wenn auch gewiß kein entscheidendes, dafür herleiten, 
daß seine Veröffentlichung, nachdem es zugänglich geworden war, nicht wohl 
unterbleiben durfte. Eine ihrer Verantwortung bewußte Wissenschaft kann sioh 
nicht darauf einlassen, das Vergessenwollen zu unterstützen, das immer wieder 
sich anmeldet, und ist nicht berechtigt, die brutale Sprache, die in diesem Zweiten 
Buch zum Teil noch schriller ist als in „Mein Kampf", ungehört verhallen zu lassen. 
Das Bedenken, daß „Diehards" sich an ihr erbauen könnten, hält demgegenüber 
nicht Stich. Mit Recht weist der Herausgeber darauf hin, daß der, den es nach sol- 
cher Auffrischung etwa gelüstet, sie jederzeit in „Mein Kampf" finden kann. 

In der Tat, und darin könnte ein weiteres Bedenken gegen die Veröffentlichung 
erblickt werden, ist das Buch in vielem bloße Wiederholung von Gedankengängen 
und Formulierungen, die bekannt sind. Es enthält gewiß nichts Sensationelles. 
Aber damit ist keineswegs gesagt, daß es wissenschaftlich als Quelle wertlos und 
als Dokument überflüssig ist. Zunächst fehlt es nicht an Besonderheiten des In- 
halts. So weichen, wie auch in der Einleitung betont wird, die Partien, die von den / 
Vereinigten Staaten handeln, von Hitlers sonstigen Ausführungen zu diesem Ge- | 
genstand in bemerkenswerter Weise ab, und auffallend ist ferner, daß in dem | 
Zweiten Buch die in allem bekannten Schrifttum eine so wesentliche Rolle spie- ■ 
Tehde Jüderifrage 1£ £|i!gSiptaiii!iiUig erscheint. Weiter aber ist vom 
Standpunkt der geschichtlichen Wissenschaft zu sagen, daß gerade das Gleich- 
bleibende dem Dokument mit der erneuten Beleuchtung der Persönlichkeit Hit- 
lers auch sachlich und inhaltlich seinen Wert gibt. Es wird damit die Lücke über- 
brückt zwischen „Mein Kampf" und den Gesprächen mit Hermann Rauschning, 
also für die Zeit der späten zwanziger Jahre, für die es bisher an einem ähnlichen 
„Fenster" fehlte. 

Was sich dem kritischen Blick nun als außenpolitische Theorie des Partei- 
führers mit einem Anschein von Systematik anbietet, nimmt im Zy nismus se iner 
Diktion die spätere Praxis einer verflachten und entarteten „Realpolitik" mit einer 
Unzweideutigkeit vorweg, die zeitweilige Tarnungen des Diktators selbst ebenso 
zunichte macht wie nachträgliche Besehönigungsversuche Unentwegter. Denn 
niemand, der Hitlers stereotype Verhöhnung der kleinmütigen bürgerlich-nationa- 
len Politiker liest, die in ihren „kühnsten Plänen" bloß bis zur Vollendung des 



9 



deutschen Nationalstaats gelangen würden, wird mehr behaupten können, der 
„Führer" habe ja nur die Revision des Versailler Vertrages gewollt und nur Selbst- 
bestimmungsrecht für die Deutschen jenseits der Reichsgrenzen verlangt. Gegen- 
über diesem „kleinsten außenpolitischen Ziel" (wie Hitler sagt) entwickelt sein 
Zweites Buch das Grundthema seiner Außenpolitik, die Lösung der „Raumnot" 
auf russischem Boden, mit einer Schärfe und einer Vielfalt der Variation, welche 
die bekannten Parallelstellen in „Mein Kampf" noch übertreffen. Der Weg zu 
diesem Ziel und zur eigenen Katastrophe aber zeigt sich mit rassischen Vorurteilen 
gepflastert, indem er allen Ernstes meint, dem russischen^Ton^,he'ge kein arfcher* 
innerer Wert bei, daß seine Zahl zu einer Gefahr für die Freiheit der Welt werden 
könnte". Ja, Hitler, der später nicht müde wurde, den Bolschewismus als Welt- 
bedrohung zu plakatieren, nennt es hier „ein Glück", daß Rußland bolschewistisch 
geworden sei, weil dies auch die bürgerlich-konservative Illusion eines deutsch- 
russischen Bündnisses zerstöre und damit Deutschland in die einzig wahre Bahn 
zwinge : Lebensraum im Osten. 

Es wird somit durch dieses Dokument gegenüber der Auffassung vom bloßen 
Opportunisten Hitler, von der nihilistischen Revolution um der Revolution willen, 
überhaupt gegenüber der Unterschätzung des Inhaltlichen in seinem Programm, 
die Konstanz der außenpolitischen Grundvorstellungen belegt, die zwar in ihrer 
Realisierung opportunistische Abweichungen zulassen mochten, aber letztlich in 
einem bis zum Fanatismus starren Neo-Darwinismus mit allen seinen Folgen be- 
fangen blieben. 

So konnte das Institut für Zeitgeschichte seiner rein wissenschaftlichen Aufgabe 
gemäß sich der Pflicht dieser Quellenveröffentlichung nicht entziehen. Auch durfte 
die Gefahr nicht übersehen werden, daß ein Dokument, das privater Benutzung 
nunmehr zugänglich geworden ist, irgendwo in tendenziöser Auswahl und in einer 
Aufmachung erscheinen könnte, die auf irregeleitete Neugier spekuliert. Solche 
Möglichkeiten haben unter den Motiven für die vom Institut für Zeitgeschichte 
beschlossene und von seinem wissenschaftlichen Beirat gebilligte Publikation eine 
nicht zu vernachlässigende Rolle gespielt. Wir hoffen, daß das Buch in dem glei- 
chen, aller Sensationen abholden Sinn der Feststellung peinlicher Tatsächlichkei- 
ten aufgenommen werden möge, in dem es dargeboten wird. Möge es zu seinem 
Teil, wie das von den autobiographischen Aufzeichnungen des Kommandanten 
von Auschwitz gesagt worden ist, „zu jener Katharsis beitragen, die nach der 
Katastrophe des Dritten Reiches ein Gebot nationaler Selbstachtung ist". 

Um auch die leiseste, wenngleich unwahrscheinliche Mißdeutung der Publika- 
tion auszuschließen, zugleich aber auch, um das Interesse, das dem Buch aus was 
für Motiven immer entgegengebracht werden mag, einer guten Sache dienstbar zu 
machen, ist festgesetzt worden, daß ein etwa verfügbar werdender Reinertrag 
Opfern nationalsozialistischer Verfolgung zukommen soll. 



Tübingen, im Juli 1960 



HANS ROTHFELS 



VORWORT 



In der vorliegenden Arbeit wird der vollständige Text einer wichtigen Quelle zur 
Persönlichkeit Hitlers und insbesondere zu seinem außenpolitischen Programm der 
Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ich möchte hier den Herren Sherrod East, 
Philip Brower und Richard Bauer (United States National Arcbives), Brian Mel- 
land (Cabinet Office, London), George Friedrichsen (British Joint Services Mission, 
Washington) und dem Reference Staff der Universitäts-Bibliothek Michigan für 
ihre Hilfe danken. Ich bin Herrn Dr. Fritz T. Epstein (Library of Congress, 
Washington) zu besonderem Dank für seine Ratschläge verpflichtet. Der Heraus- 
geber übernimmt die alleinige Verantwortung für die Einleitung und den Kommen- 
tar, während der weitschweifige, vieles wiederholende und nach der menschlichen 
und sachlichen Seite höchst angreifbare Inhalt des Dokumentes, wie sich versteht, 
allein dem Autor zur Last fällt. Es wird damit noch einmal mehr unter Beweis 
gestellt, und der Öffentlichkeit sollte dieser Beweis nicht vorenthalten werden, 
mit welcher Geradhnigkeit die Gedankenwelt Hitlers in das Verhängnis des Zwei- 
ten Weltkrieges hineingeführt hat. 

Ann Ar bor, Michigan 



Dezember 1959 



GERHARD L. WEINBERG 



EINLEITUNG 



I. DAS DOKUMENT 



Unter den zur öffentlichen Benutzung freigegebenen deutschen Dokumenten 
in der Abteilung „II. Weltkrieg" des amerikanischen Nationalarchivs (National 
Archives, World War II Records Division, ehemals DepartmentalRecords Branch 
of The Adjutant General's Office) befindet sich unter der Signatur EAP 105/40 ein 
mit Schreibmaschine geschriebenes Manuskript von 324 Seiten zur deutschen 
Außenpolitik. Dieses Dokument ist ein unveröffentlichtes Buch Adolf Hitlers, das, 
wie sich beweisen läßt, im Sommer 1928 entstanden ist. Allem Anschein nach han- 
delt es sich um einen in die Maschine diktierten ersten Entwurf. Der Charakter 
häufiger Schreibfehler (Hörfehler), die nicht beachtet wurden, da es sich ja um 
einen Entwurf handelte, weist darauf hin, daß es sich um ein Schreibmaschinen- 
diktat handelt 1 . Mit einer einzigen Ausnahme wurden alle Korrekturen mit der 
Schreibmaschine geschrieben, und zwar offenbar zur Zeit des Diktats. Auch die 
von Hitler selbst wahrend des Diktats vorgenommenen Änderungen im Wortlaut 
wurden sofort in dieser Weise festgehalten. Die Fehler oder der erste Wortlaut 
wurden dann einfach durch einen Strich mit der Schreibmaschine getilgt. 

Den Angaben Josef Bergs zufolge diktierte Hitler das Manuskript Max Amann 
in die Maschine 2 . Josef Berg war schon seit den frühen zwanziger Jahren ein Mit- 
arbeiter Amanns im Zentralverlag der NSDAP, Franz Eher Nachfolger 8 . Im 
Januar 1935 übernahm Berg die Abteilung Buchverlag im Eher-Verlag und da- 
mit das Manuskript, welches später im Luftschutzkeller verwahrt wurde. Außer 
dem Exemplar des Verlages gab es jedoch noch eine Kopie des Textes, die sich an- 
geblich auf dem Obersalzberg befand. Uber den Verbleib dieses Exemplares ist bis 
heute nichts bekannt, doch spricht für seine ehemalige Existenz die Tatsache, daß 
das Verlagsexemplar, das unserer Veröffentlichung zugrunde liegt, nur für die 
Seiten 1 — 239 Schreibmaschinen-Erstschrift darsteDt, während die Seiten 240 — 324 

1 Besonders sprechen dafür viele Stellen, in denen vor einem Punkt oder Komma eine Lücke 
ist. Der Maschinenschreiber hatte sich schon auf das nächste Wort vorbereitet und merkte dann 
erst, daß Punkt oder Komma nötig sei. Durch den höchstwahrscheinlich auf Hitlers Sekretärin, 
Fräulein Schröder, zurückgehenden Bericht in Albert Zoller, Hitler privat, Erlebnisbericht seiner 
Geheimsekretärin (Düsseldorf: Droste- Verlag, 1949, S. 14), ist bekannt, daß Hitler gewöhnlich 
direkt in die Maschine diktierte. (Über Zoller siehe das Vorwort des Herausgebers der fran- 
zösischen Ausgabe, Donze ans aupris d'HiÜer, Paris: Rene Juillard, 1949, S. 7f.). Dasselbe be- 
richtet Karl Wilhelm Kianse, Zehn Jahre Kammerdiener bei Eitler (Hamburg: Hermann 
Laatzen Verlag, 1949), S. 42. 

2 Brief Bergs an das Institut für Zeitgeschichte, 12. September 1958. 

3 Adolf Dreeler, Geschichte des „ Völkischen Beobachters" und des Zentralverlags der NSDAP, 
Franz Eher Nachf. (München: Eher, 1937), S. 89. ' 



lö 



Durchschläge sind 1 . Bei der Zusammenstellung der Exemplare scheint ein Fehler 
gemacht worden zu sein, der aber den Vorteil mit sieh bringt, daß er die ehemalige 
Existenz von zwei oder mehr Exemplaren beweist. Das Exemplar des Eher- Ver- 
lags verblieb dort unveröffentlicht bis zum Endo des Krieges. Im Mai 1945 wurde es 
von einem amerikanischen Offizier beschlagnahmt. Dieser übernahm das Doku- 
ment von Berg, der ihm erklärte, daß es eine „vor über 15 Jahren" von Hitler ge- 
schriebene Arbeit sei (siehe den Bericht des Offiziers in der Anlage). Kurz danach 
wurde für eine englische Behörde ein Mikrofilm hergestellt. Das Original wurde mit 
anderen Akten nach den Vereinigten Staaten gebracht ; jedoch erst im Sommer 1958 
wurde es auf Grund von Informationen, die in den vorhergehenden Jahren vom 
Herausgeber über ein angebliches, unveröffentlichtes Hitler-Manuskript gesammelt 
worden waren, identifiziert. Nachdem es auf dem vorgeschriebenen Wege für private 
wissenschaftliche Forschung freigegeben worden ist, kann es nun der Öffentlichkeit 
vorgelegt werden. 

Dies ist — kurz gefaßt — die Geschichte des vorliegenden Textes, soweit sie zur 
Zeit rekonstruierbar ist. Zu ihrer Erhellung verdient indessen noch ein zeitlich 
genau fixiertes Zeugnis Beachtung, ehe zu Fragen des Textes selbst Stellung ge- 
nommen werden kann: nämlich die Erwähnung des Manuskripts durch Hitler 
selbst. Das erwähnte Zeugnis findet sich in den „Tischgesprächen", allerdings nur 
in ihrer englischen Ausgabe, und zwar unter dem 17. Februar 1942. 

In diesem Zusammenhang ist daher das Problem der „Tischgespräche" zu be- 
rühren, dessen genaue Klärung eine wichtige, aber bisher unerfüllte Voraussetzung 
für die Erforschung des Dritten Beiches ist. Drei verschiedene Versionen sind be- 
kannt. Eine wurde unter Auflösung der zeitlichen Folge von Prof. Gerhard Ritter 
unter dem Titel Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941—1942 ver- 
öffentlicht 2 . Eine zweite Version erschien zuerst in einer französischen Über- 
setzung 3 und später in einer englischen Übersetzung 4 . Diese Version (nachstehend 
als die Trevor-Roper-Ausgabe zitiert) enthält zwar weit mehr Material als die- 
jenige Ritters, doch fehlen darin eine ganze Anzahl der von Ritter veröffentlichten 
Stücke. Der Herausgeber schließlich hat 1951 in der Kongreß-Bibliothek in Wa- 
shington einen kleinen Teil einer dritten — teilweise handschriftlich korrigierten — 
Version gefunden 6 . 

1 Die Seiten des Dokuments erwecken zunächst den Anschein, als seien sie mechanisch hek- 
tographiert; dies ist jedoch nicht der Fall, wie sich schnell herausstellt, wenn man den Finger 
über die Bückseite des Papiers gleiten läßt. Ab Seite 240 wurde dünneres Papier verwandt; 
da der Aufschlag der Punkte und Kommas dennoch leichter ist als auf den Seiten vor 240, 
darf man annehmen, daß ein Durchschlag vorliegt. 

2 Bonn: Athenäum- Verlag, 1951. 

3 Libres propos sur la guerre et la paix, Paris: Flammarion, 1952-1954. 

4 Hitler's Table TM 1941—1944, Übersetzung von Norman Cameron und R. H. Stevens, 
Einleitung von H. R. Trevor-Roper, London: Weidenfeld & Nicolson, 1953. 

6 Guide to Captured German Documents, prepared by Gerhard L. Weinberg and the WDP 
Staff under the direction of Fritz T. Epstein (Montgomery, Ala., 1952), S. 55. 1959 wurde auch 



16 



Die Aufzeichnung zum 17. Februar 1942, mittags, ist in der Trevor-Roper-Aus- 
gabe als Nr. 148, in der Ritter- Ausgabe als Nr. 101 veröffentlicht ; der Hinweis auf 
das unveröffentlichte Werk findet sich aber nur in der Trevor-Roper- Ausgabe. Ehe 
der Wortlaut des Hinweises selbst besprochen wird, muß diese Diskrepanz kurz 
erläutert werden. Wenn man annimmt, daß die verschiedenen Versionen der Tisch- 
gespräche wenigstens zum Teil auf wirkliche Äußerungen Hitlers zurückgehen, 
bestehen hier zwei Möglichkeiten. Entweder erwähnte Hitler das Manuskript, und 
die Erwähnung wurde später in einer Passung gestrichen, oder aber die von Hitler 
gar nicht gesprochenen Worte wurden später von irgend jemandem in die andere 
Fassung eingeschoben. Diese letztere Möglichkeit würde bedeuten, daß entweder 
Ministerialrat Heim, der den ersten Entwurf der Aufzeichnung niederschrieb, 
oder Martin Bormann, der die Vermerke aufbewahrte, aber wahrscheinlich auch 
manchmal frisierte, für die Einschiebung verantwortlich sein müßten. Heim 
dürfte als Urheber der Einschiebung ausscheiden; denn selbst wenn er von dem 
Manuskript ohne die Erwähnung durch Hitler überhaupt etwas gewußt hätte, was 
höchst unwahrscheinlich ist, so würde er sicher nicht gewagt haben, diesen Hinweis 
Hitler in den Mund zu legen (noch dazu einen fehlerhaften Hinweis, wie sich im 
folgenden zeigen läßt). Bormann dagegen wäre sicherlich nicht davor zurück- 
geschreckt, seinen politischen Plänen dienende angebliche Äußerungen Hitlers zu 
erfinden und einzuschieben. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß dies hier der 
Fall ist. Cui bono? Daher bleibt nur die Annahme übrig, daß Hitler tatsächlich 
eine entsprechende Äußerung getan hat und daß Bormann selbst für den von ihm 
redigierten endgültigen Text diese Bemerkung wieder streichen ließ aus Besorgnis 
vor möglichen Folgerungen, die aus einem solchen Hinweis entstehen konnten. Im 
Falle, daß Hitler selbst etwas mit dem Manuskript vorhatte, stand ihm die Mög- 
lichkeit der öffentlichen Verwertung ja immer noch offen. 

Diese Erklärung wird durch einen sorgfältigen Vergleich der beiden überlieferten 
Texte gestützt. In der Ritter- Ausgabe fehlen an vielen Stellen Wörter, Wortgrup- 
pen und ganze Sätze der Trevor-Roper- Ausgabe, auch wenn das deutsche Satzbild 
gegenüber dem englischen als Folge der Übersetzung erweitert erscheint . Manche 
dieser Streichungen sind wichtig, manche sind rein stilistisch. Nun berichtet Henry 
Picker, von dem die Sammlung der Tischgespräche in der Ritter-Ausgabe stammt, 
daß Bormann ihm „die von Herrn Heim vom 21. Juli 1941 bis zum 11. März 1942 
mitstenographierten Darlegungen Hitlers" gab, aber nur insoweit Bormann dies 
für die „Abrundung meiner [Pickers] Beobachtungen" für notwendig hielt. Die 
von Picker überlieferte Version darf also als eine spätere — und daher mehr redi- 
gierte — Fassung gelten, womit auch zusammenpaßt, daß vier unmittelbar vorher- 
gehende und drei folgende Stücke der Trevor-Roper-Ausgabe von Bormann Picker 
ganz vorenthalten wurden. Die Äußerung Hitlers darf also als echt angesehen Wer- 
der Text angeblicher Bormann-Vermerke aus dem Februar 1946 veröffentlicht: Le teetament 
politique de Hitler, Vorwort von H. B. Trevor-Roper, Anmerkungen von Andre Frangois- 
Poncet, Paris : Artheme Fayard. 



2 



17 



den. Bis zum Beweis des Gegenteils darf angenommen werden, daß Bormann sie 
in der für Picker bestimmten Version der Tischgespräche gestrichen hat. Hitler hat 
auch andere unveröffentlichte Schriften auf diese Weise gelegentlich erwähnt, 
z. B. seine Denkschrift zum Vierjahresplan im Oktober 1940 1 und sein persönliches 
Testament von 1938 im November 1941 und im Mai und Juli 1942 a . 

Was hat Hitler nun an der betreffenden Stelle gesagt? Im Zusammenhang mit 
einer seiner vielen Schmähungen des Christentums und Judentums (Christentum 
sei jüdische Erfindung) sagte er: „Im Jahre 1925 habe ich in Mein Kampf (und 
auch in einem unveröffentlichten Werk) geschrieben, daß das Weltjudentum in 
Japan einen Gegner sehe, an den es nicht herankönne 8 ." Hitler spielt hier sicher 
auf Ausführungen zu diesem Problem in Mein Kampf, Bd. II (S. 723 f.) an, die 
er Amann im Jahre 1925 diktiert hatte. Sie wurden 1926 in einem Sonderdruck 
des 13. Kapitels unter dem Titel „Die Südtiroler Frage und das deutsche Bünd- 
nisproblem"* veröffentlicht und erschienen im Dezember 1926 mit Copyright- 
Datum 1927 im Rahmen des zweiten Bandes 6 . In dem hier veröffentlichten Ma- 
nuskript ist von Japan in dem genannten Sinne nicht die Rede, dagegen vom 
„Weltjudentum" sehr viel. Der Hinweis ist also ungenau 6 . Aber die Entstehung 
der Bücher lag 14 beziehungsweise 17 Jahre zurück, und Hitlers Hinweise auf 
sein weniger als vier Jahre zurückliegendes persönliches Testament sind ebenfalls 
in wichtigen Punkten ungenau 7 . 

Hitler hat angeblich auch sonst das Manuskript manchmal erwähnt. In dem 
schon zitierten Buch von Albert Zoller, Hitler privat, erzählt eine Sekretärin Hit- 
lers folgendes : 

„Schon 1925 hatte Hitler ganz heimlich ein Buch über Außenpolitik zu schrei- 
ben begonnen. Es hat nie jemand den Stapel der Blätter, die er mit seiner kleinen, 

1 Trevor-Roper-Ausgabe, S. 56. Der vollständige Text dieser Denkschrift wurde zuerst in 
englischer Übersetzung in TriaU of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals 
(Grüne Reihe), Bd. XIII, S. 430—439, gedruckt. Der deutsche Text, mit Einführung und Kom- 
mentar von Wilhelm Treue, in Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, III (1954), S. 184—203. Das 
diesen Veröffentlichungen zugrunde liegende Nürnberg-Dokument NI-4965 entstammt an- 
scheinend der Akte „RMfRuK/353" der Sammlung der Speer- Akten in Alexandria (Mikrofilm 
in National Archives Microcopy T-73, Roll 19). 

! Text und Kommentar in Gerhard L, Weinberg, „Hitler's Private Testament of May 2, 
1938", Journal of Modern History, XXVII (1955), S. 415—419. 

8 Aus dem Englischen rückübersetzt. Der Text lautet: „In 1925 1 wrote in Mein Kampf (and 
also in an unpublished work) that world Jewry saw in Japan an Opponent beyond its reach." 

* München: Eher, 1926. 

8 „The Story of ,M ein Kampf " in Wiener Library Bulletin, VI (1952), S. 31 f. Zur Geschichte 
von Mein Kampf siehe auch Reginald H. Phelps, „Die Autoren des Eher- Verlages", Deutsche 
Rundschau, Bd. 81 (1955), S. 30—34, und Oron J. Haie, „Adolf Hitler: Taxpayer", American 
Historical Review, LX (1955), S. 830-852. Der Artikel von C. Caspar, „Mein Kampf ~ A Best 
Seiler", Jewish Social Studies, XX (1958), S. 3-16, bringt nichts Neues. 

* Das verbindende Glied der beiden Texte in Hitlers Erinnerung war vielleicht, daß er beide 
Amann diktiert hatte. 

7 Siehe S. 417 der zitierten Veröffentlichung des Herausgebers. 



18 



fast unleserlichen Schrift bedeckt hatte, zu sehen bekommen. Ganz selten und 
nur in Augenblicken quälendster Sorge sprach er von dem begonnenen Werk. 
1939, kurz nach der englischen Kriegserklärung, sagte er in meinem Beisein aus 
einem Anfall von Größenwahnsinn zu Heß: ,Mein ganzes Werk zerfällt nun. 
Mein Buch ist für nichts geschrieben worden.' 

Ich glaube, daß Heß der einzige war, den er von den in seinem Manuskript ent- 
wickelten Gedanken unterrichtet hatte, und daß eben Heß auf Grund seiner 
intimeren Kenntnis der Hitlerschen Vorstellungen seinen Flug nach England 
unternommen hat." (S. 155 f.) 

Auch Zollers Buch bedarf einer quellenkritischen Untersuchung, die sich hier 
aber auf die angeführte Stelle beschränken muß 1 . Der zweite Satz ergibt keinen 
Sinn, wenn „nie jemand" das Manuskript gesehen hatte, konnte die Sekretärin 
auch nicht wissen, daß es sich um einen Stapel handschriftlich beschriebener 
Blätter handelte. Auch die Ausführungen über Heß sind nur Vermutungen; das 
in diesem Zusammenhang erwähnte Buch war wohl Mein Kampf; damals sah 
Hitler noch klar genug, um zu wissen, daß nur ein veröffentlichtes Manuskript 
irgendeinen politischen Zweck erreichen könnte 2 . Hält man sich indessen in der 
Äußerung der Sekretärin an das angebliehe Datum : 1925, den Gegenstand : Außen- 
politik und die „ganz seltene" Erwähnung, dann passen die beiden letzten Merk- 
male gut mit dem hier veröffentlichten Dokument und dem vorher Gesagten zu- 
sammen. Das Datum jedoch — welches auch in der zitierten Stelle der Tischge- 
spräche anklingt — ist unmöglich : entweder handelt es sich um einen Gedächtnis- 
fehler oder um ein anderes Buch. Das erstere dürfte der Fall sein. Die Sekretärin, 
die erst seit 1933 für Hitler arbeitete 8 , konnte das Datum nur von Hitler gehört 
haben. Dieser aber sprach, wenigstens in dem einen überlieferten Text, von dem 
unveröffentlichten Manuskript in Zusammenhang mit dem 1925 diktierten zweiten 
Band von Mein Kampf. Das Ganze paßt — wenn auch mit kleinen Widersprüchen 
— zusammen. Auch das „ganz selten" dürfte zutreffen. Dem Herausgeber sind 
jedenfalls andere Bemerkungen Hitlers über das Manuskript nicht bekannt ge- 
worden. 



1 Der Herausgeber teilt die Ansicht Trevor-Ropers (S. XV, Anm. 2), daß dies Buch nicht ohne 
Wert ist. So werden z. B. Einzelheiten wie der angebliche Paratyphus des Photographen Hoff- 
mann (S. 275) und die „nicht-arische" Abstammung einer der Köchinnen Hitlers (S. 135) 
durch die jetzt zugänglichen Morell-Akten belegt, (Siehe National Arcbives, „Guides to Ger- 
man Becords Microfilmed at Alexandria, Va., No. 9: Records of Private German Individuais", 
Washington : National Archives 1959, S. 7 f.) 

2 Zu dem Mug von Heß nach England hat der Herausgeber in seinem Buche Qermany and 
the Soviet Union, 1939-1941 (Leyden: Brill, 1954, S. 122-124), Stellung genommen. 

3 Zoller, S. 14. 



19 



n. DAS DATUM DES DOKUMENTS 



Die Frage der Datierung des hier veröffentlichten Manuskriptes kann nach dem 
Inhalt im allgemeinen und nach einigen genauen Angaben des Textes einwandfrei 
beantwortet werden. Die vielen Angriffe auf den noch lebenden Stresemann (z.B. 
S. 85 und 135), die Bemerkung über das besetzte linke Rheinufer (S. 148), das 
Fehlen eines Hinweises auf den Young-Plan (S. 174) deuten auf die Jahre 1927 bis 
1929. Das Dokument enthält aber auch Einzelheiten, die uns erlauben, die Ent- 
stehungszeit genauer zu fixieren. Im Vorwort spricht Hitler von den zwei Jahren 
seit der 1926 erfolgten Veröffentlichung des Kapitels über die Südtiroler Frage 
aus dem zweiten Band von Mein Kampf. An einer Stelle (S. 201) bezieht sich 
Hitler auf die Zerstörung des Bismarckturms in Bromberg Anfang Mai 1928 als 
ein Ereignis, das „in diesen Monaten" stattgefunden habe. Das Buch enthält 
verschiedene Hinweise auf die Oper „Jonny spielt auf" (siehe S. 197, 200), die im 
Juni 1928 in München aufgeführt und von den Nationalsozialisten angegriffen 
wurde. An einer Stelle (S. 198) spricht Hitler von den angeblichen Verlusten der 
Partei in den ersten fünf Monaten des Jahres mit denselben Worten, die er in 
einer Rede am 13. Juli 1928 gebrauchte. Besonders wichtig ist das Zitat eines „in 
diesen Tagen" erschienenen Artikels der Münchener Neuesten Nachrichten (S. 212 ff.) ; 
der zitierte Artikel erschien am 26. Juni 1928, und ein Artikel zum gleichen Thema 
erschien im Völkischen Beobachter am 18. August 1928. Diese und andere Stellen 
werden im folgenden Text eingehend kommentiert; sie wurden hier angeführt, 
um zu zeigen, daß eine genaue Datierung des Diktats möglich ist. Es läßt sich auch 
nachweisen, daß die Umstände, unter denen das Buch im Sommer 1928 entstand, 
im ganzen mit dem Inhalt in Einklang stehen. 



20 



III. DIE SITUATION DES JAHRES 1928 



Die Erforschung der Geschichte der NSDAP vor 1933 hat sich auf drei Perioden 
konzentriert: die Anfänge bis zum November 1923, die Zeit der Neugründung der 
Partei, ungefähr 1925—1926, und den Weg zur Machtergreifung seit dem Sommer 
1929, als Hitler sich beim Volksbegehren gegen den Young-Plan mit Hugenberg 
zusammenschloß. Die Jahre 1927—1928 werden dagegen in der Literatur meist 
nur kurz gestreift 1 . Es ist auch hier nicht möglich, die Geschichte der Partei im 
Jahre der Entstehung dieses Manuskriptes eingehend zu verfolgen, nur die wich- 
tigsten, mit dem Dokument in Zusammenhang stehenden Ereignisse können er- 
wähnt werden. Weil die Probleme der Außenpolitik, insbesondere das durch die 
Südtiroler Frage belastete Verhältnis zu Italien, im Mittelpunkt der Betrachtung 
stehen, ist es nötig, in der Behandlung dieser Frage etwas zurückzugreifen. 

Schon vor dem Putschversuch am 9. November 1923 hatte Hitler sich mit der 
Frage einer zukünftigen nationalsozialistischen Außenpolitik befaßt. Er hat in 
diesem Zusammenhang die deutsch-italienischen Beziehungen als besonders wich- 
tig herausgestellt 2 und sich schon damals für ein Bündnis mit Italien entschieden. 
Aus der angeblichen Notwendigkeit dieses Bündnisses zog er die Folgerung, daß 
Südtirol diesem Bündnis geopfert werden müsse 8 . Ob das, wie später behauptet 
wurde, zum Teil mit finanzieller Unterstützung der NSDAP durch Mussolini zu- 
sammenhängt, ist ungeklärt. 

In der Muße des Gefängnisses begann Hitler mit der Ausarbeitung von Mein 
Kampf. Der erste, 1925 veröffentlichte Band enthält schon manche Ausführungen 
zur Außenpolitik, aber erst der 1926 erschienene zweite Band behandelte sie ein- 
gehender. Der Inhalt kann hier als bekannt vorausgesetzt werden. Schon damals 
wurde Hitlers Haltung in der Südtiroler Frage als anfechtbar empfunden, so daß 



1 So enthalten z. B. die bekannten Sammlungen der Beden Hitlers von Norman Baynes, 
The Speeches of Adolf Hitler, 1922-1939 (2 Bände, Oxford Univ. Press, 1942), und Raoul de 
Boussy de Sales, My New Order (New York: Reynal & Hitchcock, 1941), keine einzige Rede 
des Jahres 1928. Die Sammlung von Ernst Boepple, Adolf Hitlers Beden (München : Deutscher 
Volksverlag, 1934), bringt nur Reden der Zeit 1922—1924. Die von Heinz Preiß im Auftrag 
Julius Streichers herausgegebene Sammlung Adolf Hitler in Franken, Beden aus der Kampf- 
zeit (Nürnberg, 1939), enthält nur eine Rede aus dem Jahre 1928 (vom 8. Dezember), 

* Siehe hierzu Walter Werner Pese, „Hitler und Italien 1920—1926", Viertel jahrshefte für 
Zeitgeschichte, III (1955), S. 113—126; Edgar R. Rosen, „Mussolini und Deutschland", ebenda, 
V (1957), S. 17—41. Wichtig sind die Angaben Kurt Ludeckes in I Knew Hitler (New York: 
Seribner's, 1937), S. 69, 77, 135. 

3 Pese, S. 118 und 121 und die dort angeführten Quellen. Zur Südtiroler Frage selbst siehe 
Paul Herre, Die Südtirohr Frage (München: C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, 1927). 



21 



er, entsprechend seinem offensiven Instinkt, beschloß, das Kapitel zu diesem 
Thema (Kapitel 13, Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege) als Sonderdruck 
zu veröffentlichen und mit einem vom 12. Februar 1926 datierten Vorwort zu ver- 
sehen. In diesem Vorwort der unter dem Titel „Die Südtiroler Frage und das 
deutsche Bündnisproblem" in einer Auflage von 10000 Exemplaren 1 gedruckten 
Broschüre beklagte sich Hitler darüber, daß außer über den Locarno-Vertrag 
(Oktober 1925) die Zeitungen nur über Südtirol berichteten. Hitler hielt dieses 
Interesse für Südtirol nur für einen Vorwand, um gegen das „überragende Genie" 
Mussolini zu hetzen — eine Annahme, die er in dem hier veröffentlichten Manu- 
skript ausgiebig wiederholt. Um der Verunglimpfung Mussolinis entgegenzuwir- 
ken, habe er sich zur Verbreitung des einschlägigen Teils seines Werkes als Son- 
derdruck entschlossen 8 . 

Im folgenden Jahr — 1927 — erschien Alfred Rosenbergs Buch Der Zukunftsweg 
einer deutschen Außenpolitik. Die Gedankengänge sind im großen ganzen die glei- 
chen, die man in Mein Kampf findet, besonders die unablässig wiederkehrende 
Hauptforderung des Nationalsozialismus, daß „Lebensraum" im Osten Europas 
erkämpft werden müsse. Frankreich und Polen seien die Feinde Deutschlands; 
England und Italien dagegen seien von diesem völkischen Imperialismus „nicht 
berührt" (S. 21). Die Ausführungen über Italien betonen, daß Mussolini, wenn er 
sich auch noch nicht gegen die Juden gewendet habe, doch die Gefahr der Frei- 
maurerei erkannt habe und sie bekämpfe. Deshalb sei die Südtiroler Frage der 
willkommene Anlaß für die Hetze gegen Mussolini, der in der Behandlung dieser 
Frage selbst schlecht beraten gewesen sei. Italien müsse seine Zukunft in Nord- 
afrika und am Adriatischen Meer suchen und deshalb gegen Frankreich und Süd- 
slawien vorgehen. Das führe es auch an Deutschland heran, lasse die Südtiroler 
Frage verschwinden und zeige gleichzeitig, daß es nicht im Interesse Italiens 
hege, den Anschluß Österreichs an Deutschland zu verhindern (S. 43— 57) 4 . Im 
gleichen Jahre führten ähnliche Worte Hitlers in einer Rede am 30. März zu einem 
Angriff auf ihn in einem offenen Brief der „Deutsch- völkischen Arbeitsgemeinschaft 
für Südtirol" 5 . 

1 So laut Honorar-Buch des Eher- Verlages in der Handschriftenabteilung der Kongreß- 
Bibliothek. Die Broschüre kostete 50 Pf. 

a Soweit dem Herausgeber bekannt, wird da« Vorwort in der Hitler-Literatur nirgends er- 
wähnt. Hitler spricht darin auch von der (nioht ausgeführten) Absicht, das (14.) Kapitel über 
die deutsch-russischen Beziehungen als Sonderdruck erscheinen zu laesen. In dem vorliegenden 
Manuskript geht er auch auf diese letzte Frage ein. 

8 München: Eher, Vorwort vom August 1927. 

* Auf den Rest des Buches braucht hier nicht eingegangen zu werden. In einigen Teilen 
steht der Inhalt im Widerspruch zu Hitlers Ansichten. Das Buch wurde später nur selten 
zitiert. 

6 Dieser offene Brief wurde im Wahlkampf 1930 vom „Bund Deutscher Aufbau" in einer 
kleinen Broschüre „Geheimdokumente" abgedruckt. Diese ist im Wiener Library Catalogue 
Series No. 2, From Weimar to Hitler, Gertnany 1918-1933 (London, 1951), als Nr. 1150 ver- 
zeichnet. Die Michigan University Library besitzt ebenfalls ein Exemplar. 



22 



Im Jahre 1928 rückte die Südtiroler Frage wieder in den Vordergrund, Im Fe- 
bruar erregte sich die öffentliche Meinung besonders in Österreich über die Ein- 
führung der italienischen Sprache im Religionsunterricht in Südtirol. Auf eine 
scharfe Rede des Bundeskanzlers Seipel blieb Mussolini eine Erwiderung nicht 
schuldig und beantwortete sie überdies mit der zeitweiligen Abberufung des Ge- 
sandten Auriti von Wien. Im März und in den folgenden Monaten entbrannte um die 
Südtiroler Frage eine Pressekampagne, an der die deutsche Öffentlichkeit und Presse 
lebhaft teilnahm, bis die Beilegung des Konflikts durch das Zurückweichen Seipels 
Anfang Juli 1928 zu einer Beruhigung führte. Der Völkische Beobachter konnte 
diese für die NSDAP wohl etwas peinlichen Vorgänge nicht ganz verschweigen. Als 
der Konflikt begann, berichtete der VB darüber recht sachlich (am 20. Januar, 24. 
und 25. Februar), versuchte aber gleichzeitig, die Ereignisse zu bagatellisieren (siehe 
den „Reisebrief aus Italien" im VB vom 17. Januar). Am 3. März ergriff Rosen- 
berg in einem Artikel „Wien und Rom" das Wort : Alles sei ein Vorwand für die 
Hetze der Juden und Marxisten gegen Italien. Am 6. März kommentierte Rosen- 
berg Mussolinis Rede vom 4. März etwas negativer. Er glaubte, Mussolini sei 
„schlecht beraten gewesen"; er habe seinen und Deutschlands Feinden mit seinen 
scharfen Worten in die Hände gearbeitet. Schon am nächsten Tag hatte Rosen- 
bergs Leitartikel wieder einen ganz anderen Klang. Unter der Schlagzeile „Der 
marxistische Weltbetrug an Südtirol" behauptete er, daß die internationalen 
Presse- Agenturen die Rede Mussolinis entstellt hätten; es handele sich im Grunde 
nur um eine Hetze gegen Italien, die im Deutschtum Südtirols ein Mittel zum 
Kampf gegen Mussohm sehe. Ähnliche Artikel erschienen in den folgenden Wochen 
(z. B. am 9. und 14. März), und am 11. April kommentierte Rosenberg zustimmend 
eine von einem Dr. Eduard Melkus, Wien, stammende Befürwortung eines deutsch- 
italienisch-ungarischen Bündnisses, welches der Südtiroler Agitation ein Ende be- 
reiten würde durch die darauf folgende Erleichterung des Anschlusses und durch 
italienische Konzessionen in Südtirol. 

Inzwischen hatte in Deutschland für die Reichstagswahl am 20. Mai der Wahl- 
kampf begonnen. Stresemann kandidierte in Bayern, wo Hitler ihn in einer Rede 
am 17. April in München angriff 1 . Unter dem Titel „Stresemann als Kandidat von 
Frankreichs Gnaden" leierte er die bekannte Melodie in der üblichen Tonart vor 
seinen begeisterten Anhängern herunter. Die Politik sei der Kampf um die Er- 
nährungsgrundlage des Volkes; Deutschlands Raumnot könne nicht durch die 
Wirtschaft behoben werden und dürfe nicht durch Auswanderung ausgeglichen 
werden. Frankreich sei der Erbfeind. Stresemann führe Deutschland nach Frank- 
reichs Wünschen ins Verhängnis. Sodann erläuterte Hitler die Agitation gegen 
ihn gewissermaßen am Beispiel der Südtiroler Frage : „Es ist genau das gleiche 
Spiel wie Südtirol : Ein großes Tam-Tam-Geschrei, aber wenn ein Andreas Hofer 
aufsteht, soll er sich hüten, daß er auf der Flucht nicht nach Deutschland kommt, 

1 Völkischer Beobachter, 19. April 1928, S. lf. Die Rede erschien als Sondernummer des VB 
mit dem Titel „Nieder mit Gustav Stresemann!". 



23 



sonst wird er verhaftet und ausgeliefert (Stürmischer Beifall)." Als Stresemann 
am 25. April vor einer Münchener Wahlversammlung sprach, wurde er von Natio- 
nalsozialisten niedergeschrien 1 . Hitlers spätere Wahlreden bewegten sich in den 
gewohnten Geleisen: Lebensraum; nicht Wirtschaft, Internationalismus oder 
Pazifismus, sondern Kampf — „Wir brauchen Macht, um Lebensraum zu erwer- 



\ ben" — Blutswert, Persönlichkeitswert usw. usw. 2 . 

In den letzten Tagen des Wahlkampfes wurde aber die Südtiroler Erage gegen die 
Nationalsozialisten ins Feld geführt. Diese Angriffe gipfelten in dem am Wahltag — 
dem 20. Mai — in München von der Sozialdemokratischen Partei angeschlagenen 
Plakaten „Adolf Hitler entlarvt" mit Behauptungen über angebliche finanzielle 
Unterstützung Mussolinis für Hitler und Ritter von Epp (Spitzenkandidat der 
NSDAP) gegen einen Verzicht auf Südtirol. Hitler und Epp stellten Strafantrag 3 . 
Es folgte hierauf aber erst in den Jahren 1929—1931 ein langer und aufregender Pro- 
zeß 4 , in dem als Hauptzeuge ein Werner Abel auftrat, der 1935 in Dachau ermordet 
wurde. Die Zuverlässigkeit von Abels Angaben haben wir hier nicht zu untersuchen. 
Hitler jedenfalls wollte auf die Angriffe sofort antworten. Bereits am 19. Mai hatte 
er über die Südtiroler Erage in München gesprochen, und zwar in Ausführungen 
sehr ähnlich denen, die sich in dem vorliegenden Manuskript finden. Nicht die 
Nationalsozialisten, sondern die Juden und Marxisten hätten Südtirol verraten. 
Italien und Deutschland müßten zusammengehen. Überhaupt seien die Grenzen 
von 1914 kein vernünftiges Ziel. Ein Anwesender, der in Zwischenrufen für Süd- 
tirol plädierte, wurde von der SS hinausgeworfen. Gleichzeitig wurde eine Ver- 
sammlung der Partei für den 23. Mai 1928 im Bürgerbräukeller angezeigt ; in dieser 
würde Hitler gegen die Verleumdungen bezüglich Südtirols ausführlich Stellung 
nehmen. 

In seiner Rede vom 23. Mai wiederholte Hitler viele der in Mein Kampf schon 
vorgetragenen Gedanken 5 , Er behauptete, die Marxisten und die Juden seien 

1 Siehe hierzu den VB vom 27.-30. April 1928; Gustav Stresemann, Vermächtnis, Bd. III 
(Berlin: Ullstein, 1933), 281-296. 

2 Bericht über eine Bede in Bamberg am 29. April ( VB vom 2. Mai) ; eine Rede im Bürger- 
bräukeller in München am 2. Mai ( VB vom 4. Mai, auch Extranummer „Geist und Dr. Strese- 
mann") ; in Leipzig am 8. Mai (VB vom 17./18. Mai) ; wieder in München am 19. Mai ( VB vom 
22. Mai), Siehe auch den Bericht über eine Wahlrede in Zwickau, abgedruckt aus der Zwik- 
kauer Zeitimg vom 7. April in Adolf Hitler und seine Bewegung im Lichte neutraler Beob~ 
achter und objektiver Gegner (Vorwort von Rudolf Heß, 2. Aufl. München: Eher, 1928). 

3 VB vom 22. Mai 1928. 

4 Eine Sammlung interessanter Zeitungsausschnitte hierüber aus den Akten der Deutschen 
Botschaft in Rom (Quirinal) in National Archives Microcopy T-120, Container 2582, Serial 
5257, frames E 326329—63. Siehe hierzu die recht unverläßlichen Angaben von Hans Frank, 
Im Angesicht des Galgens (München: F. A. Beck, 1953), S. 78-81, und, wichtiger, von Kurt 
Hiller, Köpfe und Tröpfe, Profile aus einem Vierteljahrhundert (Hamburg: Rowohlt, 1950), 
S. 323—327, 376f. Die ganze Frage wird in einer Dissertation der Universität Michigan von 
Alan Cassels eingehend untersucht. 

5 Völkischer Beobachter, 25. Mai 1928. 



24 



Deutschlands Feinde, die Italien als den einzigen autoritär regierten Staat be- 
kämpften. Ähnlich werde auch Japan als Ruhestörer im Fernen Osten angegrif- 
fen 1 . Rückschauend behauptete er, die Sozialdemokraten hätten Südtirol ver- 
raten; für die Deutschen im Elsaß, Sudetenland usw. hätten sie nichts übrig, nur 
um die Südtiroler Deutschen machten sie Radau, wohl aus Angst, daß auch in 
Deutschland die nationale Bewegung siegen werde. Wie immer verwarf Hitler die 
Grenzen von 1914 als ungenügende Ziele, um die ein Krieg nicht geführt werden 
dürfe. „Ich glaube, daß ich Tatkraft genug besäße, unser Volk auch zum blutigen 
Einsatz zu führen, aber nicht für eine Grenzregulierung, sondern zur Rettung in 
fernste Zukunft hinein, damit es so viel Grund und Boden erhält, daß ein Vielfa- 
ches des Bluteinsatzes der Nachwelt zurückgegeben werden kann (starker Bei- 
fall)." Alles müßte auf die Vorbereitung des Krieges gegen Frankreich abgestimmt 
sein. „Wenn heute der Satan käme und sich mir als Verbündeter antragen würde, 
gegen Frankreich würde ich ihm die Hand geben (stürmischer Beifall)." Auf Satan 
wollte Hitler aber anscheinend nicht warten, denn er erklärte, daß Italien und 
vielleicht England an einem Krieg gegen Frankreich interessiert sein würden. Die 
Südtiroler aber sollten als Brücke zwischen Italien und Deutschland dienen, bis 
die beiden zusammen zum Kampf gegen Frankreich antreten könnten 2 . 

Im Juli wurde der Konflikt über die Südtiroler Frage zeitweilig beigelegt. Das 
wurde auf der einen Seite begrüßt, weil es der Hetze gegen Italien die Spitze ab- 
breche 3 , auf der anderen Seite zu einem Angriff auf Seipel benutzt 4 , Rudolf Heß 
schloß die Behandlung des Themas mit einem Artikel „Hitler, Südtirol und die 
völkische Presse" am 27. Juli. Mit den üblichen Argumenten wies er die Angriffe 
der völkischen sowie der anderen Presse auf Hitler zurück. Hitler selbst sprach in 
der Öffentlichkeit nach dem 23. Mai mehrere Wochen anscheinend überhaupt 
nicht. Am 6. Juli erschien er kurz in einer Münchener Werbeversammlung für die 
SA 5 , aber seine erste große Rede seit der eigentlich noch mit dem Wahlkampf zu- 
sammenhängenden vom 23. Mai war die Berliner Rede zur Außenpolitik am 13. Juli. 
Diese Rede enthält lange Ausfuhrungen, die denen des Dokuments inhaltlich, teil- 
weise sogar wörtlich entsprechen. Um einen Vergleich zu ermöglichen, sind längere 
Auszüge aus der Rede als Anhang zu diesem Abschnitt wiedergegeben. 



1 Im Mai 1928 fanden auf der Schantung-Halbinsel Kämpfe zwischen japanischen und natio- 
nalohinesischen Truppen statt. Anfang Juni ermordeten die Japaner den Marschall Chang 
Tso-lin in der Mandschurei. Siehe hierzu Paul S. Dull, „The Assassination of Ohang Tso-lin", 
Far Eastern Quarierly, XI (1952), S. 453-H163. 

2 Hitler erwähnte schließlieh noch in dieser Rede die Zerstörung des Bromberger Bismarck- 
turmes, und ein solcher Hinweis findet sich auch im vorliegenden Manuskript (s. u. S. 201). 
In gleicher Weise werden nationalsozialistische Demonstrationen gegen die Oper „Jonny 
spielt auf", über die der VB in diesen Wochen berichtete, auch im Manuskript wieder erwähnt. 

8 VB, 6. Juli 1928, siehe auch den VB vom 13. Juli. 
4 VB, 21. Juli 1928. 

6 VB, 8./9. Juli 1928. Siehe besonders die Bemerkung, daß Hitler sofort den Saal verließ, 
noch ehe ein anderer Sprecher das Wort ergriff, weü er abreisen mußte. 



25 



Dieser kurze Überblick über die Polemik in den Spalten des VB während der 
ersten Hälfte des Jahres 1928 erlaubt uns, Hitlers Motive für die Abfassung des 
hier veröffentlichten Manuskriptes festzustellen. Die genau zu datierenden Teile 
des Buches stammen aus dem Zeitraum Mai— Juli 1928, und der gesamte Inhalt 
greift so ineinander, daß eine längere zeitüche Unterbrechung des Diktats höchst 
unwahrscheinlich ist. Da aber Hitler während des Wahlkampfes kaum Zeit für 
eine solche Arbeit gehabt haben wird, darf angenommen werden, daß er das Buch 
erst nach der Wahl vom 20. Mai 1928 begonnen hat. Die Wahl hatte den National- 
sozialisten 840000 Stimmen und 12 Reichstagssitze von 30738000 gültigen Stim- 
men und 491 Sitzen gebracht 1 . Wenn auch von den Nationalsozialisten als Sieg 
gefeiert, zeigte das Ergebnis doch, daß es noch einige Zeit dauern werde, bis ein 
wirklich großer Teil der Wählerschaft sich zum Hakenkreuz bekennen würde. Die 
Schlußfolgerung, daß die außenpolitische Linie der Partei hieran wenigstens zum 
Teil die Schuld trage, lag auf der Hand; denn wenn Hitler sich das Resultat der 
Wahl überlegte, mußte er an die letzten Tage des Wahlkampfes — und damit an 
die Südtiroler Frage — denken. Dies macht es verständlich, warum er im Vorwort 
von der Herausgabe des Sonderdruckes über das Südtiroler Problem spricht und 
erklärt, daß es ihm „im Laufe der letzten 2 Jahre immer klarer" geworden sei, daß 
die damalige Schrift schon mit nationalsozialistischen Erkenntnissen als Voraus- 
setzung rechnete. Die notwendige grundsätzliche Beweisführung für die Richtig- 
keit seiner Auffassung wollte er jetzt nachholen, „denn die Angriffe der Gegner 
haben sich in den letzten Jahren nicht nur verstärkt , sondern es ist durch sie auch 
das große Lager der Indifferenten bis zu einem gewissen Grade mobilisiert wor- 
den". Im Juni oder Juli, höchstwahrscheinlich kurz vor der Rede des 13. Juli, 
diktierte er das Buch. Alle zeitlich genau zu fixierenden Teile des Manuskripts 
stammen aus dieser Zeit, und es besteht kein Grund, eine frühere oder spätere 
Komposition zu vermuten 2 . 



1 Neben der brauchbaren Übersicht hierzu in Meinrad Hagmann, Der Weg ins Verhängnis, 
Seichstagmahlergebnüse 1919 bis 1933, München: Michael Beekstein Verlag, 1946, vgl. jetzt 
vor allem die Angaben bei Karl Dietrich Bracher, Die Auflösung der Weimarer Bepublik, 
2. Aufl., Stuttgart und Düsseldorf, 1957, S. 646-656. 

2 Gerade zu dieser Zeit wurde die Entscheidung, im Jahre 1028 keinen Parteitag, sondern 
eine General-Mitgliederversammlung und gleichzeitig Führertagung zu halten, bekanntge- 
geben. (VB, 15./16. Juli 1928). Die Tagungen wurden auf den 31. August bis 2. September 
festgesetzt. Siehe unten, S 36. 



26 



Anhang zum III. Abschnitt: Hitlers Rede vom 13. Juli 1928 
(nach dem Völkischen Beobachter vom 18. Juli 1928) 



Wenn wir Kritik üben an der außenpolitischen Tätigkeit der heute Regierenden, so ist es 
nicht der Ausfluß eines Nörgelgedankens, nicht der Wunsch, alles schlecht zu machen, sondern 
das Bewußtsein, daß wir einst die Verantwortung tragen werden, und daß wir dann unseren 
Gedanken die feste Form geben werden. Auoh die Sozialdemokraten übten einst Kritik, doch 
die Kritiker von damals sind die Regierenden von heute und geben Anlaß zu vernichtender 
Kritik. Sie haben Angst davor . . . Jeder begründeten Kritik wird der Satz Bismarcks entge- 
gengehalten: Politik ist die Kunst des Möglichen. Man sagt dann: Wir tun das Mögliche und 
betreiben somit Staatskunst. Diese Auffassung des Bismarckischen Satzes ist aber eine jäm- 
merliche Verdrehung. Bismarck war der Ansicht, daß ein bestimmtes, klar erkanntes Ziel mit 
allen Möglichkeiten zu verfechten und zu erkämpfen sei. Das aber ist der grundlegende Unter- 
schied zwischen ihm und seinen Nachfolgern, denn sie haben überhaupt kein politisch klares 
Ziel. 

Kein Volk der Welt hat solche Summen von Opfern gebracht und dabei so viel Blut für 
seine Existenz hingegeben wie das deutsche. Raum- und zahlenmäßig ist es dabei zurückge- 
blieben . . . Die ungeheuren Blutopfer wirkten sich negativ aus, weil kein klares außen- wie 
innerpolitisches Ziel da war. Auch in den Weltkrieg sind wir ohne festes klares Ziel gezogen . . . 

Die deutsche Einigung durch Bismarck, die man aus Vernunftsgründen kommen sehen 
wollte, kam nicht von selbst, weil Interessengruppen und Traditionen nur der Gewalt wichen. 
Natürlich war diese Einigung nicht das abgeschlossene Ergebnis einer Einigung des Deutsch- 
tums, sondern nur die grandiose Leistung eines Bismarcks. Nun mußten seine Nachfolger 
weiter ausbauen und nicht sich lediglich auf den Kampf um die Erhaltung des Erreichten be- 
schränken. Nationalpolitische Einsicht hätte die Einigung fortführen müssen. Als Cavour 
einen Teil Italiens geeint hatte, erlosch nicht einen Augenblick der Zusammenfassungsgedanke. 
In Deutschland sollte der erreichte Zustand ewig vorhalten. Dabei war er niflitärgeographisch 
ungünstig und es fehlte vor allem die gesunde ErnährungBbasis. Man vergaß den gesundesten 
Gedanken, daß der Boden der Bevölkerungszahl anzupassen sei. Die Folge war die Industriali- 
sierung des Volkes, der Volksgenosse wurde zum Kuli der Welt. 

Die innerpolitische Staatsauffassung beschränkte sich darauf, den Staatsbürger zu gemein- 
samer Staatssprache zu bringen. Wir glauben aber nicht, daß ein Tscheche oder Pollaoke mit 
der Sprache Deutscher wird. Wenn ein Chinese deutsch spricht, wird er das mit chinesischem 
Denken tun. Ein Jude spricht deutsch und verbirgt damit seine jüdischen Gedanken. Mit der 
Sprache wird dann nicht das Wesen des Volkes ausgedrückt, sondern langsam die Kultur 
herabgemindert. 

Wir dachten an Ostsiedlung, um Land für Brot zu schaffen, das Bürgertum gründete einen 
polnischen Staat. Man wollte annektieren, Erz- und Kohlenbecken, neue Fürstentümer er- 
richten, und für so läppische Ziele opferte man zwei Millionen Volksgenossen und hundert 
Jahre deutscher Entwicklung, 

So oft wird gesagt, der Pazifismus ist gegen jeden Krieg. Nun, solange man ums Brot 
kämpft, gibt es keinen Pazifismus. Erst wenn man Kriege für andere führt, dann macht er 
sich bemerkbar. Unsere Kolonialpolitik war nicht von dem Gedanken getragen, überflüssige 
Volksmengen in den Kolonien anzusiedeln, sondern sollte nur dem Ausbau unserer Wirtschaft 
dienen. Auch wir sind gegen Wirtschaftskriege. Kein Tropfen Blut für Ziele, die nicht im 
Interesse des Volkes liegen. 



27 



Typisch bürgerlich ist der Gedanke, durch Steigerung der Wirtschaft das Volk zu ernähren 
und durch den Erlös der exportierten Ware Nahrungsmittel und Rohstoffe einzuführen. Es 
ist die feige pazifistische Auffassung, die hofft, damit Kriege zu umgehen , . , Eine national- 
sozialistische Baumpolitik blendet das Volk nicht, denn es weiß, hast du kein Brot, dann 
jammere nicht, dann muß das gesamte Volk zur Erringung von Raum eingesetzt werden. 

Auswanderung entzieht einem Staat die Tatkräftigsten, das Volk blutet langsam aus. Die 
Kolonie (hier das Gebiet, welches die Auswanderer aufnimmt) wird auf Grund ihres rassischen 
Wertes zur Lenkerin der Geschicke des Mutterlandes. Die Geburtenbeschränkung dezimiert 
die Höchstleistung eines Volkes, weil die wertvollsten Kräfte nicht in der Erst- und Zweitge- 
burt gezeugt werden. 

Heute stehen wir als Folge der bürgerlich-marxistischen Politik vor der Tatsache, daß sich 
62 Millionen auf 460000 Quadratkilometern ernähren sollen. Das Ergebnis ist Hunger und 
Not, 60000 Selbstmorde 1 im Jahr, 180000 Auswandernde, 300000nicht geborene Kinder, ins- 
gesamt ein jährlicher Verlust von rund 500000 Menschen. Das geht vielleicht 100 Jahre so 
weiter, dann sind wir rassisch völlig entwertet, degeneriert. 

Es heißt, wir sind waffenlos. Jawohl, aber nicht Waffen, sondern Wille ist Kraft eines 
Volkes . . . 

Geben Sie dem Volk eine andere Leitung, und Sie werden Wunder erleben, wenn ein Volk 
überhaupt noch zum Waffentragen fähig ist. Das heutige ist nicht fähig dazu . . . 

Die beste Waffe liegt in der Führung, im Geist, der sich auf die Massen überträgt. 

Wir können keinen Krieg führen. Gewiß, denn wir müssen erst uns selbst bekämpfen, wir 
müssen erst den deutsehen Sklaven beseitigen . . . 

Freiheit erringen, Grund und Boden erringen, das sind unsere Ziele. 

Wir wollen keine Grenzkorrekturen. 10 oder 20 Kilometer verbessern nicht die Zukunft 
unserer Nation. Das sind niemals Ziele einer gesunden Außenpolitik. 

Wir brauchen keine Fabrikation von Protesten. Mein Protest geht nicht nach Paris, London 
oder Rom, wo man doch nur über Bittende hohnlächelt, sondern gegen Berlin, als Ausläufer 
des Libanon. 

Wie lösen wir unser Volk aus seiner politischen Isolierung ? Solange wir nicht die Sieger - 
koalition lösen, werden alle Versuche unmöglich sein. 

Englands Ziel ist die Beseitigung jeder kontinentalen Vormacht, soweit sie Weltmachts- 
ziele verfolgt. Es hat sein Ziel Deutschland gegenüber erreicht. An dessen Stelle trat Amerika 
als Wirtschaftsmacht. Somit ist ein Kampf gegen Deutschland unsinnig geworden. Der neue 
Gegner heißt Amerika, und die Verwandtschaft spielt dabei keine Rolle, denn Interessen- 
gegensätze werden stets ausgefochten. 

Frankreichs Ziel war und ist Deutschlands Auflösung seit 300 Jahren. Deutschland ver- 
sucht jetzt trotzdem mit Frankreich zu gehen. Das ist falsch . . . Jeder Verständigungsversuch 
wird unmöglich sein, denn der Franzose jeder Schattierung sagt: Über Versailles gibt es keine 
Diskussion. Wir sagen: Mit Versailles gibt es keine Gesundung. 

Rußland, einst durch Deutsche zum Staat geworden, sieht jetzt internationale Juden an 
seiner Spitze. Ein Bündnis hätte ungeachtet dessen schon keinen Wert, erstens wegen des 
trennenden Polens, zweitens wegen der militärpohtischen Minderwertigkeit Rußlands . . . 

Ein möglicher Bundesgenosse ist Italien. Eine solche Erwägung bringt uns den Widerspruch 



1 Vielleicht ein Hörfehler für 16000. — Dieser Absatz der Rede (einschl. des Fehlers) wurde 
in Karl Richard Ganzers Buch Vom Bingen Hitlers um das Reich 1924 — 1933 (Berlin: Zeit- 
geschiehteverlag, 1935, S. 83) aufgenommen. Dieses Buch war zuerst als Anhang zu einer eng- 
lischen Übersetzung von Mein Kampf gedacht (S. 160), erschien dann aber als Separatdruck 
mit dem Unbedenkhchkeitsvermerk der Parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des 
NS-Schrifttums vom 5. Oktober 1934. 



28 



der ganzen bürgerlichen Welt ein. Gerade aber der Widerspruch der I'reimaurer und Juden be- 
weist uns die Eichtigkeit unserer Auffassung. Man wirft mir Mussolini-Schwärmerei vor. Nun, 
ich habe den großen Staatsmann (groß im Gegensatz zu Gustav Stresemann) noch nicht ken- 
nengelernt, aber ich beneide Italien darum und bedaure, daß wir ihn nicht besitzen. Die Inter- 
essen Italiens und Deutschlands kreuzen sich nicht. Es ist ein Blödsinn, zu fragen, ob die 
Italiener denn auch prodeutsche Gesinnung haben. Sie sind so hundertprozentig italienisch, 
wie ich hundertprozentig deutsch bin. Unsere gemeinsamen Interessen sind in der Gegner- 
schaft mit Frankreich zu suchen, in dem gemeinsamen Gegensatz. Italien muß sich am mittel- 
ländischen Meer ausdehnen und kommt damit automatisch in einen Gegensatz mit Frankreich. 
Italien braucht Afrika zum Auffüllen. Dann ist Italien ja Imperialist ? Ja, Gott sei Dank, denn 
damit ist es Frankreichs Gregner. Und der Tag wird bestimmt kommen, an dem sich beide als 
Todfeinde gegenüberstehen. Beide rüsten sich. Eine Pistolenkugel kann den Kampf zum Aus- 
bruch bringen. Frankreich ist auch unser Gegner. Wir aber müssen die Hand jedes Verbünde- 
ten ergreifen, von dem wir wissen, daß er Gegner Frankreichs ist. Im mittelländischen Meer 
werden die zwei Mächte um die Hegemonie ringen. Ich hoffe, daß Italien siegt und Frankreich 
verliert, denn siegt Frankreich, wendet es sich sofort gegen uns, Italien dagegen muß dann 
kolonisieren und ist damit beschäftigt. 

Der Bundesgedanke darf nicht aufgebaut sein auf Sympathien, sondern auf Zweckmäßig- 
keitsgründen. 

Man sagt, gegen ein Bündnis mit Italien spräche Südtirol. Nun, gegen das mit Frankreich 
spricht Elsaß-Lothringen, Saar und Eheinland, gegen das mit England die Kolonien, gegen das 
mit Polen Schlesien und Westpreußen, gegen das mit der Tschechoslowakei Böhmen, gegen das 
mit Jugoslawien das Banat, gegen das mit Bumänien Siebenbürgen, mit wem will man dann 
zusammengehen ? Mit den unterdrückten Völkern in Indien und Oberägypten I Befreit man 
Südtirol durch ein Nichtzusammengehen mit Italien ? Wer hat Südtirol denn verraten ? Doch 
die, die alles verraten haben . . . 

Nur Tirol heiliges Land ? Elsaß . , . Südtirol wird unterdrückt, in Deutschland unterdrücken 
sie noch mehr. In Südtirol wird verfolgt, in Deutschland verfolgt man noch viel ärger. In den 
ersten fünf Monaten dieses Jahres hat uns der „deutsche" Terror 9 Tote und 670 Verletzte ge- 
bracht. Die deutsche Kultur wird vergiftet, wer vergiftet sie denn am meisten? In Berlin 
werden mehr Deutsche geistig vernichtet, als Südtirol Einwohner hat, und mehr Frauen und 
Mädchen zugrunde gerichtet, als Südtirol Frauen und Mädchen hat. Das sieht niemand. Man 
putscht die Südtiroler auf und läßt sie dann im Stich, wie man das auch mit den jungen Natio- 
nalisten in Deutschland gemacht hat. 

Gegen die Heuchlerei kämpfen wir bewußt. Es heißt nicht Südtirol befreien, sondern Deutsch- 
land das Leben geben. Südtirol hat das Geschrei nichts genutzt, betrachten wir es lieber als 
Brücke zwischen Deutschland und Italien, das wird den Tirolern mehr nutzen. 

Das Eintreten für das Deutschtum in Südtirol auch der Juden entspricht nur dem Hasse 
gegen den Faschismus. Würden in Born Freimaurer herrschen, wie in Paris, so würde alles 
schweigen. 

Unsere Auffassung wird das Los Südtirols eher bessern als die heutige amtliche. Nur die 
Notwendigkeit, ein Bündnis einzugehen, kann Italien zur Änderung seines Verhaltens brin- 
gen. (Schluß) 



29 



IV. DER INHALT DES BUCHES 



Um dem Leser den Überblick über das hier veröffentlichte Manuskript zu er- 
leichtern, erscheint es nützlich, die Hauptgedanken von Hitlers weitschweifigen 
Ausführungen (ohne Anmeldung der Bedenken des Herausgebers) in Stichworten 
zusammenzufassen und einen kurzen Kommentar anzuschließen. Die Aufteilung 
des Textes in Abschnitte entspricht (vgl. unten S. 40) Vermerken im Manuskript, 
die Numerierung sowie die Titel stammen vom Herausgeber. 

Vorwort (S. 1—4 des Originals) 

Erläuterung des Entschlusses zu einer eingehenden Darlegung der Grundgedanken natio- 
nalsozialistischer Außenpolitik unter Hinweis auf die 1926 veröffentlichte Broschüre über die 
Südtiroler Frage. Notwendigkeit solcher Stellungnahme angesichts der Verständnislosigkeit, 
auf die die NSDAP in ihrer proitalienischen Politik in Deutschland treffe. 

I. Krieg und Frieden im Lebenskampf (S. 5—15 des Originals) 

Ausführungen über Geschichte als Kampf um die Erhaltung und Fortpflanzung des Lebens. 
Politik wegen des begrenzten Umfangs der Erde ein Kampf um Lebensraum. Bedeutung von 
Krieg und Frieden im Kampf um den Lebensraum; Krieg nur berechtigt für große Ziele in 
diesem Kampf. Nachteile eines Friedens um jeden Preis : Verlust der rassisch Wertvollsten 
durch Auswanderung oder Ausfall der Wertvollen durch Geburtenbeschränkung. 

II. Der Kampf, nicht die Wirtschaft sichert das Leben (S. 16—32 des Originals) 

Ideale wertvoll allein als Kraftquelle für den' Lebenskampf des Volkes. Notwendigkeit der 
Deckung des Brotbedarfe im eigenen Land. Steigerung der Produktion kein Ausgleich. Die 
Gewinnung von Lebensraum für Deutschland als Ursache und Rechtfertigung von Kriegen. 
Begrenzung der Bevölkerungszahl kein Ausweg. Gefahren der Geburtenbeschränkung. Lösungs- 
vorschläge ohne Aussicht auf Dauer: innere Kolonisation durch Aufteilung des Großgrund- 
besitzes oder Steigerung des Warenexports zur Deckung der Nahrimgsnutteleinfuhr — eine 
Möglichkeit, die durch langsame Industrialisierung der ganzen Welt immer mehr eingeschränkt 
wird. Krieg mit der Waffe auch bei derartigen Lösungaversuchen auf die Dauer unvermeidbar. 
Schwäche des Wirtschaftsstaats in solchem Kampf. Vorbereitung für den unvermeidlichen 
Krieg als Aufgabe der inneren Politik. 

III. Rasse, Kampf und Macht (S. 33—44 des Originals) 

Waffenrüstung eine Voraussetzung für den Kampf, ihr derzeitiges Fehlen kein unüberwind- 
liches Hindernis. Rassenmäßige Stärke des Volkes hingegen die wichtigste Voraussetzung. 
Rassebewußtsem des Volkes als seine eigentliche Lebenskraft, Notwendigkeit seiner Pflege. 
Gefahren für die Erhaltung der rassischen Eigenart: die internationale Gesinnung als Tod- 
feind der Rasse; Demokratie als Hindernis für die Entwicklung führender Persönlichkeiten, 
der Kraftquelle einer kühnen Politik. Selbsterhaltungstrieb als dritter notwendiger Faktor. 



30 



Die Förderung dieser Grundlagen der Machtbildung Hauptaufgabe der Regierung. Die Her- 
stellung der militärischen Machtmittel eine fast zwangsläufige Folge davon. 

IV. Außenpolitische Kritik und Vorschläge (S. 45—58 des Originals) 

Gewinnung der Ernährungsgrundlage wichtigste Aufgabe der Außenpolitik. Schwächen der 
zeitgenössischen Kritik an der deutschen Außenpolitik vor 1914. Notwendigkeit eines neuen 
Weges. Unvermeidbarkeit von Nachteilen bei jeder außenpolitischen Neuorientierung. Wich- 
tiger als hundertprozentige Richtigkeit die entschlossene Durchführung des einmal gefaßten 
Plans. 

V. Die Politik der NSDAP (S. 58-60 des Originals) 

Raumpolitik statt Grenzpolitik. Keine Germanisierung der zu unterwerfenden Völker, son- 
dern Ausbreitung des eigenen Volkes. 

VI. Von der Reichseinigung zur Raumpolitik (S. 61—68 des Originals) 

Außenpolitik der Kampf um den zur Volksernährung notwendigen Raum. Deutschlands 
Einigung im 19. Jahrhundert ein Schritt in dieser Richtung. Polen und Franzosen im Reich 
Fremdkörper im nationalen wie völkischen Staat. Schwäche des bürgerlichen Staats: Verzicht 
auf Austreibung. Raumproblem auch nach 1864, 1866 und 1871 ungelöst. Gesteigerte Raum- 
not infolge der Vermehrung der Volkszahl nach der Reichsgründung. 

VII. Die verfehlte Wirtschafts- und Bündnispolitik des Zweiten Reiches 

(S. 69-102 des Originals) 

Das von Bismarck geschaffene Machtinstrument ungenutzt. Auflösung des Habsburgerstaa- 
tes ein vertretbares Ziel, nicht Bündnis mit ihm. Schärfste Kritik am Staat der Habsburger, 
seinen Parteien, seiner Presse und seinem Herrscherhaus. Italien ein geeigneter Verbündeter 
Deutschlands, Brüchigkeit des Dreibunds wegen der österreichisch-italienischen Feindschaft. 
Ursachen und Berechtigung der Haltung Italiens im Weltkrieg. 

Notwendigkeit einer völkischen Außenpolitik für Deutschland. Frühere koloniale Politik 
nicht Gewinn von Siedlungsgebieten, sondern allein Teil der Wirtschaftspolitik. Ursache des 
Kriegs mit England, der außenpolitisch nicht vorbereitet war. Als Alternative: Verzicht auf 
Überseeabenteuer und Kampf gegen Rußland. 

VIII. Notwendigkeit der Militärmacht — Die Grenzen von 1914 kein Ziel 

(S. 102-124 des Originals) 

Das Fehlen wirklicher Kriegsziele im Weltkrieg eine Ursache des Zusammenbruchs. Haupt- 
ursachen allerdings in der Innenpolitik. Seither statt innerer Wandlung weiterer Verfall und 
damit Gefahr für Deutschland, aus der Zahl der Nationen auszuscheiden. Aufgabe der NSDAP, 
den außenpolitischen Lebenskampf vorzubereiten. Voraussetzung ein Heer wie das der Vor- 
kriegszeit; die damalige Chance durch Verzicht auf Präventivkrieg versäumt. Die Reichswehr 
eine Söldnertruppe, in Gefahr des Absinkens zur Polizeitruppe. Voraussetzung einer Änderung 
die Sprengung der Koalition der Siegermächte. Das Ziel der Grenzen von 1914 nicht wünsch- 
bar, weil ein Bindemittel zwischen den ehemaligen Gegnern Deutschlands. Zudem Unvoll- 
kommenheit dieser Grenzen angesichts der großen Zahl außerhalb wohnender Deutscher. 

IX. Weder Grenzpolitik noch Wirtschaftspolitik noch Paneuropa 

(S. 125-153 des Originals) 

Gewinnung der Deutschen außerhalb der Grenzen nur durch Kampf, nicht durch Protest- 
kundgebungen. Ungenügende Ernährungsgrundlage Deutschlands. Gründe für den begrenzten 



31 



Wert einer Produktionssteigerung. Wirtschaftspolitik auch in den Grenzen von 1914 wegen der 
Überlegenheit Englands zum Scheitern verurteilt. Amerika als neuer starker Konkurrent. 
Nachteilige Polgen von Auswanderung und Geburtenbeschränkung: Stärkung Amerikas, Ein- 
schränkung der dringend notwendigen Persönlichkeitswerte. Das rassische Prinzip als Bet- 
tung. Paneuropäisohe Idee wertlos, Unterlegenheit gegenüber den Vereinigten Staaten von 
Amerika. 

X. Keine Neutralität (S. 154—174 des Originals) 

Passive Außenpolitik zum Zweck der bloßen Friedenserhaltung keine mögliehe Zielsetzung. 
Ein festes Ziel Voraussetzung für Diskussion der Möglichkeiten und Wahl von Bundesgenossen, 
auch für richtige Bewertung von kleinen Vorfällen und Hindernissen. Das Fehlen klarer Ziele 
in der gegenwärtigen Außenpolitik Deutschlands. Durch Neutralität nur wirtschaftliche Vor- 
teile; für Machtgewinn Parteinahme erforderlich. Unmöglichkeit einer risikofreien Politik; 
Risiko durch eigene Stärke gemindert. 

XI. Deutschlands politische Lage — Kein Bündnis mit Rußland 
(S. 175-203 des Originals) 

Heutige Schwäche Deutschlands vorübergehend, Beweis: seine Kraft im Weltkrieg und nach 
1806. Für Deutschlands Außenpolitik das Verhältnis zu England, Bußland und Frankreich 
entscheidend. Offene Grenzen in Ost und West. Aussichtslosigkeit eines Kampfes gegen Frank- 
reich und seine Bundesgenossen. Bündnis mit Rußland gefährlich wegen drohender Luftan- 
griffe aus dem Westen. Frankreich der ewige Feind, Ausschaltung durch Bündnispolitik. Bünd- 
nis mit Rußland eine Herausforderung aller anderen Staaten. Nichtjüdisches Rußland eben- 
falls als künftiger Partner ungeeignet, da Slawen staatsbildende Kraft fehlt. 

XII. Grundsätze der deutschen Außenpolitik (S. 203—205 des Originals) 
Acht Grundsätze. 

XIII. Die möglichen Ziele (S. 205-211 des Originals) 

Notwendigkeit eines klaren Ziels. Erörterung der Möglichkeiten: 

1. Ohne Zielsetzung: Deutschland Objekt fremder Politik oder im Verdacht besonders ge- 
fährlicher Pläne. 

2. Steigerung der Ausfuhr: England als Gegner wie vor 1914. 

3. Die Grenzen von 1914: unmöglich und unerwünscht. 

4. Gewinnung von Lebensraum, Streben nach Landmacht im Osten. Frankreichs Gegner- 
schaft hiergegen unvermeidbar, dagegen nicht die Englands oder Italiens. 

XIV. Deutschland und England (S. 211-234 des Originals) 

Politik und Ziele Englands, ihre Bedeutung für Deutschland, die Ursachen für die deutsch- 
englische Feindschaft in der Vergangenheit. Die Grundlagen für eine deutsch-englische Freund- 
schaft in der Zukunft. Verzicht Deutschlands auf Kolonial- und Wirtschaftspolitik zur Be- 
ruhigung Englands. 

XV. Deutschland und Italien (S. 234-308 des Originals) 
A (S. 234-261 des Originals) 

Italiens natürlicher Feind Frankreich; deshalb Deutschland sein natürlicher Bundesge- 
nosse. Seit Mussolinis Regierungsantritt offene Feindschaft Frankreichs gegen Italien und 
Werben um Österreich als Bundesgenossen. Begünstigung der französischen Politik durch den 



32 



Charakter Wiens und die österreichische Propaganda für Südtirol. Auch, in Deutschland Hetze 
gegen Mussolinis Italien wegen Südtirol, Während des Weltkriegs schon nach Italiens Kriegs- 
eintritt für Deutschland gebotene Politik: Sonderfrieden mit Bußland und Preisgabe Öster- 
reich-Ungarns. Nach dem Weltkrieg itaüenisohe Forderungen gegen Österreich erfüllt. Ge- 
winn neuen Lebensraums für Italien jetzt nur gegen Frankreich möglich. Wendung gegen 
Frankreich besonders seit Mussolinis Machtergreifung. 

B (S. 262-300 des Originals) 
Geringer Widerhall der Propaganda Hitlers für ein Bündnis mit Italien. Ursaohe hierfür 
nicht Gegnerschaft gegen diesen Gedanken, sondern Unterschätzung des Vorschlags und seiner 
Träger. Seit Mussolinis Machtergreifung die Südtiroler Frage ein Mittel der Hetze. Notwendige 
Stellungnahme hierzu: Erstens Zahl Deutscher in Südtirol geringer als angenommen; zweitens 
mehr Deutsche unter Fremdherrschaft in anderen Staaten. Zudem Befreiung Südtirols nur mit 
eigener Armee und Bundesgenossen möglich. Frankreich als Bundesgenosse hierfür möglich, 
aber unerwünscht. Hilfe für Südtirol nur mit Italien gegen Frankreich; dadurch zugleich 
Rückenfreiheit gegen Osten. Die Verantwortlichen für den Verlust des Krieges und den Ver- 
zicht auf Südtirol in den Friedensverträgen. Propaganda für Südtirol allein gegen Mussolini 
gerichtet, nicht aus Interesse an den dort lebenden Deutsohen. Bessere Behandlung der Süd- 
tiroler im eigenen Interesse Italiens und als Verdienst seiner Freunde in Deutschland. Freund- 
schaft Deutschlands für Italien ebenso wichtig wie Italiens Freundschaft für Deutschland. 
Appell an Italien, sich dem Anschlußgedanken nicht entgegenzustellen. 

C (S. 301-308 des Originals) 
Zusammenfassung : Verrat Südtirols durch andere, nicht durch nationalsozialistische Politik. 

XVI. Schlußwort (S. 308-324 des Originals) 

A (S. 308-311 des Originals) 
Deutschland und Italien natürliche Verbündete. Verschiedene Bichtungen ihrer Lebens- 
interessen. Verständigung in der Südtiroler Frage möglich zwischen einer zukünftigen natio- 
nalsozialistischen Regierung Deutschlands und der faschistischen Regierung Italiens. 

B (S. 311-315 des Originals) 
Nur Italien und England geeignete Bundesgenossen Deutschlands. Gemeinsame Abneigung 
beider gegen Frankreich. Spanien und Ungarn vermutlich diesen Mächten zuzurechnen. Deut- 
sche Aufrüstung nur möglich naoh Auflösung der feindlichen Koalition und deutscher Betei- 
ligung an neuer Koalition. Aufbau einer neuen Völkervereinigung gegen die Vereinigten Staa- 
ten. Danach deutsche Raumpolitik im Osten — naoh einem Sieg über Frankreich — möglich. 
Die Bauern Großdeutschlands der zukünftige Absatzmarkt für die deutsche Industrie. 

C (S. 315-324 dea Originals) 
Mussolinis Politik nach realen nationalen Interessen die beste Grundlage für Italiens Eig- 
nung als Bundesgenosse Deutschlands. Verantwortlichkeit der Juden für die derzeitige Lage. 

Betrachtet man das Dokument als Ganzes, so sind sofort Hitlers bekannte 
Hauptthemen und demnach viele Wiederholungen zu erkennen. In der Geschichte 
sieht er nur den Kampf um Lebensraum naoh den Regeln des rassischen Deter- 
minismus 1 . Der letzte große Kampf, der Weltkrieg, wurde nicht zur rechten Zeit 

1 Wenn es aber um die Einverleibung deutsch-bewohnter Gebiete geht, verschwindet das 
Problem der Emährungsbasis regelmäßig, z. B. in der Anschlußfrage. 



3 



33 



von Deutschland angefangen und dann wegen des Dolchstoßes verloren. Daß das 
deutsche Heer militärisch besiegt war und im Weiterkämpfen nur der bedingungs- 
losen Kapitulation entgegensah, will er (wie viele andere) nicht wahrhaben, weü 
es mit seinem Wunschbild nicht zusammenpaßt. Daß gerade die politische Struk- 
tur, die Bismarck dem Reiche gegeben hatte, das Emporkommen eines großen 
Volksführers durch das systematische Fernhalten der Parteiführer von verant- 
wortlichen Positionen unmöglich machte, während in England und Frankreich der 
parlamentarische Prozeß solche Männer an die Führung brachte, will er aus den- 
selben Gründen nicht eingestehen. Genau wie das Geschichtsbild durch Wahnvor- 
stellungen getrübt ist, so verbauen diese auch den klaren Blick in die Zukunft. 
Aus dem Irrtum, daß England 1914 den Weltkrieg aus wirtschaftlichen Gründen 
entfacht und durchgefochten habe, stammt folgerichtig der ebenso falsche Glaube, 
Deutschlands Verzicht auf eine große Rolle im Welthandel werde im nächsten 
Kriege England an Deutschlands Seite bringen. Weil nur das „nordische" Element 
in Rußland staatsbildend gewesen sei und dieses Element durch die Revolution 
vernichtet wurde, können die überlebenden Slawen angeblich keinen Staat bauen 
, usw., usw. 

/ In Gegenwart und Zukunft sieht und proklamiert Hitler den Kampf gegen die 
Juden und für Raum im Osten. Dieses waren zeitlebens seine Hauptideen. Immer- 
hin mag auffallen, daß die Judenfrage in dem vorliegenden Manuskript von relativ 
geringerer Bedeutung zu sein scheint als die Raumfrage. Man weiß jedoch, welch 
zentrale Rolle sie für ihn gespielt hat; nicht nur in Mein Kampf, sondern auch in 
Äußerungen der späten zwanziger Jahre kehrt sie immer wieder. In der gleichen 
Linie lag es, wenn Hitler auch gleich nach der Machtergreifung am 3. Februar 1933 
den Generälen den Zweck der neu aufzubauenden Wehrmacht erklärte: „Erobe- 
rung neuen Lebensraumes im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung 1 ." 
Man wird gleichwohl nie übersehen dürfen, daß in die Raumfrage und die Ger- 
manisierungsfrage die Judenvernichtung als integraler Teil eingeschlossen war. 
Am Ende seines Lebens wies Hitler noch einmal auf den Zusammenhang dieser 
Themen hin als berechtigt im Rückblick und gültig für die Zukunft*. 

Wenn das hier veröffentlichte Dokument zu diesen Hauptthemen etwas Neues 
beizutragen hat, so ist es (insbesondere in Abschnitt IX) die Betonung der Not- 
wendigkeit einer späteren großen Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staa- 
ten, die übrigens sehr viel positiver beurteilt werden als in anderen Zeugnissen 8 . 
Selbstverständlich nimmt die Südtiroler Frage einen besonders großen Raum ein. 



1 Aufzeichnung von Gen. d. Inf. a. D. Liebmann, Viertdjahrshefte für Zeitgeschichte, II (1954), 
S. 435. Wie an vielen anderen Stellen verharmlost Admiral Raeder in seinem Rechtfertigungs- 
buch dieee Worte, indem er sie fälschlich wiedergibt als „Schutz des Reiches nach außen" 
(Mein Leben, Bd. I, Tübingen-Neckar: Verlag Fritz Schlichtenmayer, 1956, S. 280f.). 

a Im politischen Testament Hitlers und im Nachwort zu diesem Testament (Trevor-Roper, 
The Last Days of Hitler, New York: Macmülan, 1947, S. 194f.). 

8 In Anbetracht der überlieferten spärlichen Äußerungen Hitlers über die Vereinigten Staa- 



34 



Sie wird nicht ohne Zweideutigkeit behandelt, indem Hitler zwar die Südtiroler 
Deutschen als nicht „lohnend" abschüttelt, aber dabei soviel Volkstumspathos 
als möglich einfließen läßt. Im weiteren Verlauf wollte er bekanntlich die Südtiro- 
ler nach Deutschland und dem besetzten ^olen umsfecfeln. Später soÜtSTsSß^aTIftlie 
toim^verpTanzt wOTden i ."!XnTi. Juli 194*5' erHSrte^ffitler den Heeresgruppen- 
führern der Ostfront, daß seine Haltung in der Südtiroler Frage „zunächst . . . 
wirküch nicht Taktik, sondern . . . wirkliche "Überzeugung" gewesen sei 2 . Drei 
Monate später leitete er durch die Gründung der „Operationszone Alpenvorland" 
die Annexion Südtirols an Deutschland in die Wege. Man wird kaum fehlgehen in 
der Annahme, daß für Hitler die Südtiroler wie alle anderen Menschen nur Mittel 
zum Zweck, dem hemmungslosen Kampf um die hemmungsfreie Macht, waren. 



ten siehe auch Fritz T. Epstein, „Germany and the United States : Basic Pattems of Oonflict 
and Understanding", in; George L. Anderson, ed. Isawes and Conflicts (Lawrence : University 
of Kansas Press, 1959), S. 284-314. 

1 Siehe Alexander Daliin, German Buk in Russia 1941—1945 (London & New York: St. 
Martin's Press, 19Ö7), S. 256—257 und die dort angeführten Quellen, auch Helmut Heiber, 
„Der Generalplan Ost", Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, VI (1958), S. 291. 

2 Helmut Krausnick, „Zu Hitlers Ostpolitik im Sommer 1943", Vierteljahrshefte für Zeitge- 
schichte, II (1954), S. 311. 



35 



V. WARUM WURDE DAS MANUSKRIPT NICHT VERÖFFENTLICHT? 



Die Existenz des Dokuments wirft natürlich die Frage auf, warum es nicht vom 
Eher- Verlag veröffentlicht wurde. Aus dem Text selbst ergibt sich, daß ein Buch, 
nicht eine geheime Niederschrift, beabsichtigt war. Es ist auch klar, daß nach dem 
Diktat keine Überarbeitung, Revision oder Korrektur, wie es mit den Bänden von 
Mein Kampf geschehen war, stattgefunden hat. Das Manuskript wurde also in der 
ersten Fassung beiseite gelegt und weder sofort noch später zur Drucklegung vor- 
bereitet. Sichere Beweise, warum das Buch nie erschien, gibt es nicht. Es können 
aber einige naheliegende Gesichtspunkte als mögliche Gründe angeführt werden. 

Es ist sehr wohl möglich, daß Amann in der Lage vom Sommer 1928 dazu riet, 
von einer Veröffentlichung wenigstens vorläufig abzusehen. Als Direktor des Eher- 
Verlages wußte er, daß Mein Kampf gerade in diesem Jahr sehr schwer zu ver- 
kaufen war; es war das schlechteste Jahr seit dem Erscheinen des ersten Bandes 
— nur 3015 Exemplare sind im Honorar-Buch vermerkt 1 . Ein neues Buch Hitlers 
wäre sofort mit Mein Kampf in Konkurrenz getreten. Die Partei mußte sowieso 
schon gerade zu dieser Zeit den jährlichen Parteitag aus finanziellen Gründen aus- 
fallen lassen: konnte man da erwarten oder verlangen, daß der parteieigene Verlag 
ein Buch herausbringen sollte, das den Verkauf des nur langsam zu vertreibenden 
zweiten Bandes von Mein Kampf fast unmöglich gemacht hätte? Max Amann 
wurde von seinem Kriegskameraden Hitler später immer als besonders geschäfts- 
tüchtig gerühmt 2 ; vielleicht hat er, der den Inhalt des alten wie des neuen Buches 
kannte, Hitler den Gedanken einer Veröffentlichung, wenigstens zum damaligen 
Zeitpunkt, ausgeredet. 

Eine weitere Ursache für die NichtVeröffentlichung dürfte darin bestanden ha- 
ben, daß schon nach kurzer Zeit im Manuskript größere Revisionen unvermeid- 
bar gewesen wären. Vom Sommer 1929 an stand die NSDAP im Kampf gegen den 
(im Manuskript natürlich nicht erwähnten) Young-Plan. Stresemann, der im 
Manuskript als Hauptgegner erscheint, starb im Oktober 1929. Danach über- 
stürzten sich die Ereignisse in der politischen und wirtschaftlichen Endkrise der 
Weimarer Republik. Unter diesen Umständen hätte Hitler schwerlich Zeit für die 
notwendige Überarbeitung des Manuskripts gefunden. Auch andere Rücksichten 
mögen dazu beigetragen haben, eine Veröffentlichung inopportun erscheinen zu 

1 Das Honorar-Buoh des Eher- Verlages befindet sich in der Handschriften-Abteilung der 
Kongreßbibliothek in Washington. Siehe auch den zitierten Artikel von Oron J. Haie. 

* Siehe die Tischgespräche, Trevor-Roper-Ausgabe, S. 329-331, 346f., 464f., 479; Ritter- 
Ausgabe, S. 280 f.; siehe auch Walter Petwaidic, Die autoritäre Anarchie (Hamburg: Hoff- 
mann und Campe, 1946), S. 45. 



36 



lassen. Im Jahre 1928 war Alfred Hilgenberg Führer der Deutschnationalen Volks- 
partei geworden. Ein ebenso grimmiger wie beschränkter Feind der Bepublik, 
verband er sich im folgenden Jahr mit Hitler und finanzierte den Aufstieg der 
NSDAP im „Volksbegehren gegen den Young-Plan". Zu dieser Zeit waren die 
Ergüsse des Manuskripts über die bürgerlichen Politiker schwerlich am Platze. Es 
ist in diesem Zusammenhang von Interesse, darauf zu verweisen, daß gerade da- 
mals — und zwar wohl aus ähnlichen Rücksichten — eine der wenigen sachlichen 
Änderungen im Text von Mein Kampf vorgenommen worden ist, indem ein Ausfall 
gegen die deutschen Spießbürger gestrichen wurde 1 . 

Die vorstehenden Vermutungen, die sich aus sorgfältiger Prüfung der Zeitum- 
stände ergeben, bieten immerhin einige Gesichtspunkte zur Beantwortung der 
Frage, warum das Manuskript nicht veröffentlicht wurde, ohne sie doch völlig 
lösen zu können. 



1 Siehe die sorgfältige Arbeit von Hermann Hammer, „Die deutschen Ausgaben von Hitlers 
Mein Kampf", Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, IV (1966), S. 161—178, insbesondere S. 175. — 
Im Text der 1. Ausgabe des 2. Bandes und auch in dem schon besprochenen Sonderdruck des 
Kapitels XIII über die Tiroler Frage wird diese wie folgt eingeleitet: „Jawohl, Südtirol. Wem 
von unseren Spießbürgern brennt dabei nicht gleich die Flamme der hellen Empörung aus dem 
geistreichen Gesieht! Wenn ioh mich hier an dieser Stelle gerade mit dieser Frage beschäf- 
tige ..." In den Ausgaben von 1930 an fehlt der Satz „Wem von unseren Spießbürgern . . . 
Gesicht!". Die englische Ausgabe (New York: Reynal & Hitoheock, 1939) folgt dem alten 
Text (S. 911). — In diesen Zusammenhang gehört vielleicht auch eine Geschichte Konrad 
Heidens. Er berichte t, daß Hitler 1929 oder 1930 an einem Manuskript über das Verhältnig /lex, 
Kunst zur kä^jMEeitete. 'viele der IdeenlthnSKen iäenTOn*Bösenb5^°iin Mythus des 20. Jahr- 
"%itwterts im öktob"er"l93Ö aufgestellten Thesen. Wegen des durch Bosenberg ausgelösten Strei- 
tes entschloß sich Hitler, sein Manuskript nicht zu veröffentlichen (Der Fuehrer, New York: 
Houghton Mifflin, 1944, S. 363 und 365). Zur Geschichte von Bosenbergs Buch siehe „The 
Story of Rosenberg's .Mythus' ", Wiener Library Bulletin, VII (1953), S. 33 f. ; Albert K. Chand- 
ler, Rosenberg's Nazi Myth, Ithaca, N. Y. : Cornell University Press, 1945. 



37 



VI. WARUM DEN TEXT JETZT VERÖFFENTLICHEN? 



Um die Frage nach der Zweckmäßigkeit einer Publikation dieses^Dokuments zu 
beantworten, muß erst ein möglicher Einwand beseitigt werden, nämlich der, es 
könnte dadurch Wasser auf die Mühlen eines Neonazismus gelenkt werden. Dazu 
ist einmal zu sagen, daß die Hitler-Bewegung in Deutschland bestimmt nicht 
durch das Erscheinen von Mein Kampf groß geworden ist. Falls außerhalb einer 
kleinen Gruppe unter Hitlers Gefolgsleuten jemand vor 1933 das Credo des selbst- 
stilisierten „Führers" gelesen hat, wird er schwerlich dadurch bestimmt worden 
sein, sich der NSDAP anzuschließen. Diejenigen, die auch heute noch den Wahn- 
vorstellungen Hitlers verfallen sind, werden in dieser Lektüre kaum ein Stärkungs- 
mittel rinden. Und daß dieses Buch Menschen heute anziehen könnte, die sich nicht 
durch die immerhin zugänglichen Exemplare von Mein Kampf überzeugen ließen, 
ist bestimmt nicht anzunehmen. Aus den vielen Wiederholungen wird sich kein Anlaß 
zur Verherrlichung ergeben. Worin aber hegt gleichwohl der positive Wert des 
Manuskripts? 

Wenn auch das hier gedruckte Dokument wenig grundsätzlich Neues bringt, 
ist doch seine VeröffentUchung aus verschiedenen Gründen gerechtfertigt. Erstens 
zeigt sieh hier die Entwicklung, oder vielmehr das Fehlen jeglicher wirkhohen Ent- 
wicklung, der Hitlerschen Gedanken in der Zeit zwischen der Niederschrift des 
Textes von Mein Kampf und der Machtergreifung. Für eine Zeitspanne in der Ge- 
schichte des Nationalsozialismus, die bis jetzt von der Forschung am wenigsten 
beachtet wurde, stellt dieses Dokument eine wichtige Quelle dar. 

Neben seiner Bedeutung als Geschichtsquelle hat das Dokument indessen einen 
besonderen biographischen Wert. Es haben wenige Menschen die moderne Welt 
so einschneidend beeinflußt wie der Autor. Die Irrgänge seiner Gedankenwelt kön- 
nen auch anderswo verfolgt werden, hier aber treten sie dem Leser unkorrigiert 
vor Augen. In einer Zeit, in der die meisten seine Bewegung als unwichtig übersahen, 
nach den Wahlen, die ihm knapp drei Prozent der Wähler gebracht hatten, dik- 
tierte Hitler seinem ehemaligen Kriegsgefährten ein Buch, das in vielem Gedan- 
kengänge jener J ahre — häufig genug in Form der Rede — wiederholt, in die Schreib- 
maschine. Zum Verständnis der Person Hitlers im Kampf um die Macht in Deutsch- 
land leistet das Studium dieses Materials einen gewichtigen Beitrag. 

Darin hegt auch die Gegenwartsbedeutung dieser Veröffentlichung. Vieles ist in 
den letzten Jahren in Vergessenheit geraten; die Probleme des heutigen Tages 
beanspruchen die Aufmerksamkeit, die Quellen des Unglücks werden dabei oft 
übersehen. Sie liegen aber nicht nur in der Person Hitlers, sondern auch darin, 
daß ein Mann den hier vorgetragenen Ideen ähnliche Gedanken jahrelang in öffent- 



38 



licher Rede äußern konnte, daß Tausende Eintrittsgeld zahlten, ihn zu hören, und 
daß Millionen ihm hierfür ihre Stimmen gaben. Nur wenn unser historisches Bemü- 
hen immer wieder mit dieser Wirklichkeit konfrontiert wird, kann diese bewältigt 
werden. In Wahrheit ist die Welt noch lange nicht mit Hitler als Person und Sym- 
bol ins reine gekommen. Wenn Shakespeare sagte „Des Menschen schlechte Taten 
überleben ihn, die guten nimmt er mit ins Grab", so ist Hitlers Grab leer, aber die 
Folgen der Schreckenstaten wirken weithin nach. Nur vertieftes Verständnis dea 
Bösen kann der Menschheit helfen, mit diesen Folgen moralisch fertig zu werden; 
möge die Veröffentlichung hierzu beitragen. 



39 



VII. ZUR TECHNISCHEN SEITE DER AUSGABE 



Der Text ist vollständig und in der Reihenfolge der Abschnitte des Originals 
veröffentlicht. Buchstabenverstellungen und andere offensichtliche Tippfehler, 
auch orthographische und Interpunktions-Fehler, wurden korrigiert; alle für den 
Verfasser charakteristischen Unebenheiten der Syntax und des Stils blieben da- 
gegen unangetastet. Die manchmal ganz willkürliche Länge oder Kürze der Ab- 
sätze ist originalgetreu wiedergegeben. Abkürzungen, die aus der Schnelligkeit des 
Diktats herzuleiten sind — wie „bürgerl." für bürgerliehe, usw. — , wurden aufgelöst. 
Von den im Manuskript enthaltenen Korrekturen ist neben der endgültigen Fas- 
sung auch die jeweilige Streichung (in eckiger Klammer) wiedergegeben, wenn 
sich aus ihr irgendeine Variante des Gedankengangs oder sprachlichen Ausdrucks 
ergibt. Fehlende Worte oder sinnentstellende Fehler sind, wo es nötig schien, 
(in runder Klammer) sinngemäß ergänzt bzw. richtiggestellt worden. 

Die Einteilung in Abschnitte ist dem Original entnommen. Die ersten Seiten 
sind auch im Dokument als „Vorwort" bezeichnet. Danach sind die Abschnitte 
nur durch Striche abgeteilt. Die Numerierung sowie die Titel stammen vom 
Herausgeber. Sonstige Änderungen des Stils oder der Gliederung wurden nicht 
vorgenommen. Das als Anlage veröffentlichte Dokument lag dem Original- 
Manuskript bei; die Übersetzung stammt vom Herausgeber. 

Anmerkungen wurden nur zur Erläuterung des geschichtlichen Hintergrunds 
bestimmter Ausführungen und zum besseren Verständnis einzelner Gedanken- 
gänge hinzugefügt. Ihr Sinn war nicht eine Kommentierung der vielen Fehldeu- 
tungen und der häufig so widerspruchsvollen Entwicklung einzelner Thesen, son- 
dern eine wissenschaftlich zuverlässige Quellenveröffentlichung. Die geistige Aus- 
einandersetzung mit Hitler kann durch die Edition nicht selbst schon geleistet, 
wohl aber nachhaltig gefördert werden. 



DAS DOKUMENT 



VORWORT 



Im August 1925 legte ich anläßlich der Niederschrift des 2. Bandes (Mein 
Kampf) in der durch die Verhältnisse gebotenen Kürze die Grundgedanken einer 
nationalsozialistischen deutschen Außenpolitik nieder. Im Rahmen dieser Arbeit 
behandelte ich besonders das Südtiroler Problem, das für die Bewegung der Anlaß 
ebenso heftiger wie unmotivierter Angriffe war. Im Jahre 1926 sah ich mich ge- 
zwungen, diesen Teil des 2. Bandes als Sonderdruck erscheinen zu lassen. Ich 
glaubte nicht, dadurch jene Gegner zu bekehren, die in der Südtiroler Hetze ein 
erwünschtes Mittel des Kampfes gegen die verhaßte nationalsozialistische Bewe- 
gung überhaupt sahen. Diese Menschen können nicht eines Besseren belehrt wer- 
den, weil für sie nicht die Frage Wahrheit oder Irrtum, Recht oder Unrecht über- 
haupt eine Rolle spielt. Sowie eine Angelegenheit geeignet erscheint, für ihre zum 
Teil parteipolitischen, zum Teil sogar höchst persönlichen Interessen verwendet 
zu werden, scheidet für diese Menschen die Wahrhaftigkeit oder Richtigkeit einer 
solchen Sache vollständig aus. Dies ist um so mehr der Fall, wenn dadurch einer 
allgemeinen Erhebung unseres Volkes Abbruch getan werden kann. Denn die 
Männer der Vernichtung Deutschlands aus der Zeit des Zusammenbruchs sind 
seine heutigen Regenten, und ihre Gesinnung von damals hat sich bis jetzt in 
nichts geändert. So wie sie damals kalten Herzens um parteidoktrinärer Vorstel- 
lungen oder eigener Vorteile wegen Deutachland opferten, so hassen sie heute je- 
den, der ihren Interessen widerspricht und mag er auch tausendmal alle Gründe 
eines deutschen Wiederaufstiegs für sich haben. Ja noch mehr. Sowie sie glauben, 
eine Wiedererhebung unseres Volkes durch einen bestimmten Namen vertreten 
zu sehen, pflegen sie gegen alles Stellung zu nehmen, was von einem solchen Na- 
men ausgehen könnte. Die nützlichsten Vorschläge, ja selbstverständliche An- 
regungen werden dann boykottiert, einfach nur deshalb, weil ihr Träger als Name 
in Verbindung gebracht erscheint mit allgemeinen Gedanken, die sie aus ihrem 
parteipolitischen und persönlichen Gesichtskreis heraus bekämpfen zu müssen 
vermeinen. Solche Menschen aber bekehren zu wollen, ist [unmögl] aussichtslos. 

Als ich daher im Jahre 1926 meine damalige Südtiroler Broschüre in Druck 
gab, glaubte ich natürlich keine Sekunde daran, damit einen Eindruck auf die- 
jenigen ausüben zu können, die schon infolge ihrer allgemeinen weltanschaulichen 
und politischen Einstellung in mir den grimmigsten Feind erblicken. Ich hatte 
aber damals die Hoffnung, daß wenigstens ein Teil der nicht von vorneherein bös- 
willigen Gegner unserer nationalsozialistischen Außenpolitik unsere Auffassung 
auf diesem Gebiete prüfen und darnach erst urteilen würde. Dies ist auch ohne 
Zweifel in zahlreichen Fällen geschehen. Ich kann heute mit Genugtuung darauf 



43 



hinweisen, daß eine sehr große Anzahl von auch im öffentlichen politischen Leben 
stehenden Männern ihre bisherige Haltung zur deutsehen Außenpolitik einer Re- 
vision unterzogen haben. Und selbst, wenn sie im einzelnen nicht glaubten, auf 
unseren Standpunkt treten zu können, so haben sie doch die ehrenhaften Absich- 
ten, die uns dabei leiten, anerkannt. Freilich wurde mir selbst im Laufe der letzten 
2 Jahre immer klarer 1 , daß meine damalige Schrift eigentlich doch schon auf all- 
gemein nationalsozialistischen Erkenntnissen als Voraussetzung aufgebaut ist. Daß 
viele nicht folgen, weniger aus schlechtem Wollen heraus als vielmehr aus einem 
gewissen Nichtkönnen. Bs war damals nicht möglich, innerhalb der enggezogenen 
Grenzen eine wirklich grundsätzliche Beweisführung für die Richtigkeit unserer 
nationalsozialistischen außenpolitischen Auffassung zu geben. Ich fühle mich 
heute gezwungen, dies nachzuholen. Denn die Angriffe der Gegner haben sieh 
in den letzten Jahren nicht nur verstärkt, sondern es ist durch sie auch das große 
Lager der Indifferenten bis zu einem gewissen Grade mobilisiert worden. Die 
Hetze, die seit 5 Jahren planmäßig gegen Italien getrieben wird, droht langsam 
Früchte zu tragen, an denen die letzten Hoffnungen einer deutschen Wiederauf- 
erstehung sterben und vernichtet werden können. 

So, wie schon öfter in anderen Dingen steht heute die nationalsozialistische Be- 
wegung in ihrer außenpolitischen Einstellung innerhalb des deutschen Volkes und 
seines politischen Lebens vollkommen vereinsamt und vereinzelt da. Zu den An- 
griffen der allgemeinen Feinde unseres Volkes und Vaterlandes im Inneren ge- 
sellt sich die sprichwörtliche Dummheit und Unfähigkeit der bürgerlich nationalen 
Parteien, die Indolenz der breiten Masse und als besonders mächtiger Verbünde- 
ter die Feigheit. Jene Feigheit, die wir heute bei all denen beobachten können, die 
ihrem ganzen Wesen nach unfähig sind, der marxistischen Seuche einen Wider- 
stand entgegenzusetzen und die sich aus diesem Grunde geradezu glücklich schät- 
zen, ihre Stimme der öffentlichen Meinung in einer Angelegenheit vorzuführen, 
die weniger gefährlich ist als der Kampf gegen den Marxismus und die trotzdem 
nach so etwas Ähnlichem aussieht und klingt. Denn indem sie heute ihr Südtiroler 
Geschrei erheben, scheinen sie ebensosehr nationalen Kampfinteressen zu dienen, 
als sie umgekehrt damit am ehesten jeden wirklichen Kampf gegen die ärgsten 
Feinde der deutschen Nation im Inneren aus dem Wege gehen können. Es ist 
für diese vaterländischen, nationalen und auch zum Teil völkischen Kämpen 
immerhin wesentlich leichter, in Wien und München ihr Kriegsgeschrei gegen 
Italien loszulassen unter wohlwollender Förderung und im Verein mit marxi- 
stischen Volks- und Landesverrätern als gegen diese selber einen ernstlichen Kampf 
auszufechten. So, wie heute vieles zum Schein geworden ist, so ist auch das ganze 
nationale Getue dieser Leute schon längst nur ein äußerer Schein, der sie selbst aller- 
dings befriedigt und von einem großen Teü unseres Volkes nicht durchschaut wird. 

Gegen diese mächtige Koalition, die aus den verschiedensten Gesichtspunkten 



1 Ein Beweis für 1928 als Entstehungsjahr des Dokuments. 



44 



heraus versucht, die Südtiroler Frage zum Angelpunkt der deutschen Außen- ; 
politik zu machen, kämpft die nationalsozialistische Bewegung, indem sie ent- 1 
gegen der herrschenden frankophilen Tendenz unentwegt für ein Bündnis mit I 
Italien eintritt. Sie betont dabei und steht damit im Gegensatz zur gesamten 
öffentlichen Meinung in Deutschland, daß Südtirol weder so noch so ein Hinder- 
nis für diese Politik sein kann und sein darf. Diese Auffassung aber ist die Ursache 
unserer heutigen außenpolitischen Isolierung und Bekämpfung und wird später 
einmal allerdings die Ursache des Wiederaufstiegs der deutschen Nation sein. 

Um aber diese gläubige Auffassung im einzelnen zu begründen und verständ- 
lich zu machen, schreibe ich dieses Werk. Denn so wenig mir daran liegt, von den 
Feinden des deutschen Volkes verstanden zu werden, so sehr fühle ich die Ver- 
pflichtung, mich zu bemühen, den an sich nationalgesinnten und nur schlecht 
belehrten oder schlecht geführten Elementen unseres Volkes die nationalsoziali- 
stischen Grundgedanken einer wirklich deutschen Außenpolitik [verständlich zu 
machen.] vorzulegen und aufzuzeigen. Ich weiß, viele von ihnen werden nach 
redlicher Überprüfung der hier niedergelegten Auffassung ihre bisherige Stel- 
lungnahme [einer Nachprüfung] aufgeben und ihren Weg in die Reihen der 
nationalsozialistischen Freiheitsbewegung der deutschen Nation finden. Sie wer- 
den damit jene Kraft stärken, die eines Tages die Auseinandersetzung mit jenen 
herbeiführen wird, die nicht belehrt werden können, weil nicht das Glück ihres 
Volkes, sondern Interessen ihrer Partei oder ihrer eigenen Person ihr Denken und 
Handeln bestimmt. 



45 



I 



KRIEG UND FRIEDEN IM LEBENSKAMPF 



Politik ist werdende Geschichte. Geschichte selbst ist die Darstellung des Ver- 
laufs des Lebenskampfes eines Volkes. Ich setze hier mit Absicht das Wort 
„Lebenskampf" ein, weil in Wahrheit jegliches Ringen um das tägliche Brot, 
ganz gleich ob im Frieden oder Kriege, ein ewiger Kampf ist gegen tausend und 
abertausend Widerstände, so wie das Leben selbst ein ewiger Kampf gegen den 
Tod ist. Denn warum sie leben, wissen die Menschen so wenig als irgendeine an- 
dere Kreatur der Welt. Nur ist das Leben erfüllt von der Sehnsucht, es zu be- 
wahren. Die primitivste Kreatur [könnte ohne den] kennt nur den Selbsterhaltungs- 
trieb des eigenen Ichs, für Höherstehende überträgt er sich auf Weib und Kind, 
für noch höhere auf die gesamte Art. Indem aber der Mensch auf seinen eigenen 
Selbsterhaltungstrieb scheinbar nicht selten zugunsten der Art entsagt, dient 
er ihm in Wahrheit dennoch am höchsten. Denn nur in dieser Entsagung des ein- 
zelnen liegt nicht selten die Gewährung des Lebens für die Gesamtheit und damit 
dennoch wieder für den einzelnen. Daher der plötzliche Mut der Mutter in der 
Verteidigung der Jungen und der Heldensinn des Mannes im Schutze seines Vol- 
kes. Der Größe des Triebes der Selbsterhaltung entsprechen die beiden mächtig- 
sten Triebe des Lebens : Hunger und Liebe. Indem die [Erfüllung] Stillung des 
ewigen Hungers die Selbsterhaltung gewährleistet, sichert die Befriedigung der 
Liebe die Forterhaltung. In Wahrheit sind diese beiden Triebe die Regenten des 
Lebens. Und wenn tausendmal der fleischlose Ästhet gegen eine solche Behaup- 
tung Protest einlegt, so ist doch schon die Tatsache seiner eigenen Existenz die 
Widerlegung seines Protestes. Was aus Fleisch und Blut besteht, kann sich nie 
den Gesetzen entziehen, die sein Werden bedingten. Sowie der menschliche Geist 
glaubt, darüber erhaben zu sein, vernichtet er jene reale Substanz, die der Träger 
des Geistes ist. 

Das, was aber für den einzelnen Menschen gilt, gilt auch für Völker. Ein Volks- 
körper ist nur eine Vielheit mehr oder minder gleicher einzelner Wesen. Seine 
Stärke liegt im Wert der ihn bildenden Einzelwesen an sich und in der Art und 
dem Umfange der Gleichheit dieser Werte. Dieselben Gesetze, die das Leben der 
einzelnen bestimmen und denen diese unterworfen sind, haben damit ihre Geltung 
für das Volk. Selbsterhaltung und Forterhaltung sind die großen Antriebe zu jeg- 
lichem Handeln, solange ein solcher Körper noch Anspruch auf Gesundheit er- 
heben kann. Damit werden aber auch die Folgeerscheinungen dieser allgemeinen 
Lebensgesetze für die Völker untereinander ähnliche sein, wie sie für die Einzel- 
wesen untereinander sind. 

Wenn für jede Kreatur auf dieser Erde der Selbsterhaltungstrieb in seinen beiden 



46 



Zielen der Selbsterhaltung und Forterhaltung die elementarste Gewalt darstellt, 
die Möglichkeit der Befriedigung jedoch begrenzt wird, dann ist die logische Folge 
dessen der Kampf in all seinen Formen um die Möglichkeit der Erhaltung dieses 
Lebens, also der Befriedigung des Selbsterhaltungstriebes. 

Ungezählt sind die Arten aller Lebewesen der Erde, unbegrenzt jeweils im 
einzelnen ihr Selbsterhaltungstrieb sowie die Sehnsucht der Forterhaltung, 
begrenzt hiegegen der Baum, auf dem dieser gesamte Lebensprozeß sich ab- 
spielt. Es ist die Oberfläche einer genau bemessenen Kugel, auf der das Rin- 
gen von Milliarden und Abermilliarden von Einzelwesen um Leben und Lebens- 
nachfolge stattfindet. In dieser Begrenzung des Lebensraumes liegt der Zwang 
zum Lebenskampf, im Lebenskampf dafür aber die Voraussetzung zur Entwick- 
lung. 

Weltgeschichte in Zeiten, in denen es noch keine Menschen gab, war zunächst 
eine Darstellung geologischer Ereignisse. Der Kampf der Naturgewalten mitein- 
ander, die Bildung einer bewohnbaren Oberfläche dieses Planeten, die Scheidung 
von Wasser und Land, die Formung der Gebirge, der Ebenen und der Meere. 
Das ist die Weltgeschichte dieser Zeit. Später, mit dem Auftreten des organischen 
Lebens konzentriert sich das Interesse des Menschen auf das Werden und Ver- 
gehen seiner tausendfältigen Formen. Und ganz spät wird der Mensch endlich 
selbst sichtbar, und damit beginnt er unter dem Begriff Weltgeschichte in erster 
Linie nur mehr die Geschichte seines eigenen Werdens, d. h. die Darstellung seiner 
eigenen Entwicklung zu verstehen. Diese Entwicklung ist gekennzeichnet durch 
einen ewigen Kampf der Menschen gegen Tiere und gegen Menschen selbst. Aus 
dem unsichtbaren Durcheinander der Einzelwesen erheben sich endlich Forma- 
tionen, Sippschaften, Stämme, Völker, Staaten, allein die Darstellung ihres Ent- 
stehens und ihres Vergehens ist die Wiedergabe eines ewigen Lebenskampfes. 

Wenn aber Politik werdende Geschichte ist und Geschichte selbst die Darstel- 
lung des Ringens von Menschen und Völkern um die Selbst- und Forterhaltung 
gibt, dann ist damit Politik in Wahrheit die Durchführung des Lebenskampfes 
eines Volkes. Politik [also] aber ist damit nicht nur der Kampf eines Volkes um 
sein Dasein an sich, sondern für uns Menschen die Kunst der Durchführung die- 
ses Kampfes. 

Indem nun die Geschichte als Darstellerin des bisherigen Lebenskampfes der 
Völker zugleich die versteinerte Wiedergabe der jeweiligen Politik ist, ist sie damit 
aber auch die geeignetste Lehrmeisterin für unser eigenes politisches Handeln. 

Wenn die höchste Aufgabe der Politik die Erhaltung und Fortführung des Lebens 
eines Volkes ist, dann [steht mithin als Einsatz stets das Leben eines Volkes] ist 
damit dieses Leben der ewige Einsatz, mit dem sie kämpft, ringt und um den und 
über den entschieden wird. Ihre Aufgabe ist damit, die Erhaltung [jener] einer 
Substanz aus Fleisch und Blut. Ihr Erfolg ist die Ermöglichung dieser Erhaltung. 
Ihr Mißerfolg ist die Vernichtung, also der Verlust dieser Substanz. Damit aber ist die 
Politik stets die Führerin des Lebenskampfes, die Leiterin desselben, seine Organi- 



47 



satorin und ihre Wirksamkeit wird, ganz gleich wie der Mensch sie formal bezeich- 
net, [eine solche] die Entscheidung über Leben oder Tod eines Volkes bringen. 

Bs ist notwendig, sich dies klar vor Augen zu halten, weil damit die beiden Be- 
griffe Friedens- oder Kriegspolitik sofort in ein Nichts versinken. Denn da der 
Einsatz, um den durch die Politik gerungen wird, immer das Leben ist, wird das 
Ergebnis bei Mißerfolg oder Erfolg auch immer dasselbe sein, ganz gleich, mit 
welchen Mitteln die Politik die Lebenserhaltung eines Volkes durchzuführen ver- 
sucht. Eine Politik des Friedens, die versagt, führt genau so zur Vernichtung eines 
Volkes, also zur Auslöschung seiner Substanz aus Fleisch und Blut, wie eine Poli- 
tik des Krieges, die mißglückt. In einem Falle ist die Raubling der Lebensvoraus- 
setzungen die Ursache des Volksaussterbens genau so wie im anderen. Denn die 
Völker sind nicht auf Schlachtfeldern ausgestorben, sondern verlorene Schlachten 
haben ihnen die Mittel zur Existenzerhaltung entzogen, oder besser, zur Entzie- 
hung geführt oder sie nicht mehr zu verhindern vermocht. 

Überhaupt stehen die Verluste, die direkt durch den Krieg entstehen, in kei- 
nem Verhältnis zu den Verlusten eines schlechten und ungesunden Lebens eines 
Volkes an sich 1 . Der stille Hunger und schlechte Laster töten in 10 Jahren mehr 
Menschen als in 1000 Jahren der Krieg es fertigbrächte. Der grausamste Krieg 
aber ist gerade derjenige, der der heutigen Menschheit am friedlichsten erseheint, 
nämlich der friedliche Kampf der Wirtschaft. Gerade dieser führt in seinen letz- 
ten Konsequenzen zu Opfern, gegenüber denen selbst die des Weltkrieges zu- 
sammenschrumpfen. Denn er betrifft nicht nur die Lebenden, sondern er faßt 
vor allem die zu Gebärenden, Während der Krieg im höchsten Fall einen Bruchteil 
der Gegenwart tötet, mordet er die Zukunft. Ein einziges Jahr Geburtenbeschrän- 
kung in Europa tötet mehr Menschen, als seit der Französischen Revolution bis 
heute in allen Kriegen in Europa einschließlich dem Weltkrieg an Menschen ge- 
fallen sind. Dies aber ist die Folge einer wirtschaftsfriedlichen Politik, die Europa 
übervölkert hat, ohne einer Anzahl von Nationen die Möglichkeit einer gesunden 
Weiterentwicklung zu gewähren. 

Im allgemeinen soll dazu noch folgendes gesagt werden: 

Sowie ein Volk vergißt, daß es Aufgabe der Politik ist, sein Dasein mit allen 
Mitteln und nach allen Möglichkeiten zu erhalten, statt dessen aber die Politik 
einer bestimmten Wirkungsweise unterwerfen will, zerstört es den inneren Sinn 
dieser Kunst, ein Volk in seinem Schicksalskampf um Freiheit und Brot zu leiten. 

1 Diese „Verlust-Mathematik" hat Hitler auch im Krieg gepflegt. So erklarten Todt und 
Feldmarschall Keitel General Thomas die Auffassung Hitlers über den bevorstehenden Angriff 
auf Bußland wie folgt: „Der Verlauf des Krieges zeigt, daß wir in unseren autarkischen Be- 
strebungen zu weit gegangen sind . . . Man muß einen anderen Weg gehen und muß das, was 
man benötigt und nicht hat, erobern. Der Menscheneinsatz, der dazu einmal notwendig ist, 
wird nicht so groß sein wie der Menscheneinsatz, der für die Betreibung der betreffenden syn- 
thetischen Werke laufend benötigt wird." Aufzeichnung von General Thomas vom 20. 6. 1941 
(Nürnberger Dokument 1456-PS, Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher, Bd. XXVII, 
S. 220-221). 



48 



Eine Politik, die grundsätzlich kriegerisch ist, wird ein Volk von zahlreichen 
Lastern und Krankheitserscheinungen fernhalten können, allein im Laufe vieler 
Jahrhunderte eine Veränderung des inneren Wertes dennoch nicht verhindern 
können. Der Krieg hat, wenn er zur Dauererscheinung wird, eine innere Gefahr 
in sich, die um so mehr in Erscheinung tritt, je ungleichmäßiger die rassischen 
Grundwerte sind, aus denen sich ein Volkskörper zusammensetzt. Dies hat bereits 
im Altertum für alle uns bekannten Staaten gegolten und gilt auch heute beson- 
ders für alle europäischen. Das Wesen des Krieges bringt es mit sich, daß er in 
tausendfältigen Einzelprozessen zu einer Rassenauslese innerhalb eines Volkes 
führt, die eine bevorzugte Vernichtung des besten Elements bedeutet. In unge- 
zählten Einzelvorgängen findet der Appell an Mut und Tapferkeit seine Beant- 
wortung, indem sich die rassisch besten und wertvollsten Elemente immer wieder 
freiwillig zu besonderen Aufgaben melden oder durch die Art der Organisation 
besonderer Formationen planmäßig herangezogen werden. Der Gedanke der For- 
mierung besonderer Legionen, bestimmter Elitetruppen von Garderegimentern 
und Sturmbataillonen hat die Kriegführung zu allen Zeiten beherrscht. Persische 
Palastwachen, Alexandrinische Elitetruppen, Römische Prätorianerlegionen, ver- 
lorene Haufen der Landsknechte, Garderegimenter Napoleons und Friedrichs 
des Großen, Sturmbataülone, U-Bootsbesatzungen und Fliegertruppen des Welt- 
kriegs verdankten ihre Entstehung alle der gleichen Idee und der gleichen Not- 
wendigkeit, aus einer Vielzahl von Menschen für bestimmte Höchstleistungen die 
entsprechend höchstbefähigten Männer auszusuchen und in besonderen Forma- 
tionen zusammenzufügen. Denn im Ursprung ist jede Garde nicht Exerziertruppe, 
sondern Kampftruppe. Der hohe Ruhm, einer solchen Gemeinschaft anzugehören, 
führt dann zur Bildung eines besonderen Korpsgeistes, der in der Folgezeit aller- 
dings zu erstarren vermag, um endlich in Äußerlichkeiten aufzugehen. Damit 
werden aber solche Formationen nicht selten die schwersten Blutopfer zu tragen 
haben, das heißt : Aus einer Vielzahl von Menschen werden die tüchtigsten heraus- 
gesucht und dem Kriege in konzentrierten Massen zugeführt. Damit wird der 
Prozentsatz der besten Toten eines Volkes unverhältnismäßig gesteigert, wäh- 
rend sieh umgekehrt der Prozentsatz der allerschlechtesten im höchsten Maße 
zu erhalten vermag. Denn dem Extrem idealster Männer, die bereit sind, zugun- 
sten der Volksgemeinschaft das eigene Leben zu opfern, steht die Zahl jener er- 
bärmlichsten Egoisten gegenüber, die in der Erhaltung ihres eigenen rein per- 
sönlichen Lebens auch die höchste Aufgabe dieses Lebens sehen. Der Held stirbt, 
der Verbrecher [bleibt am Leben] bleibt erhalten. Dies erscheint einer heroischen 
Zeit und besonders einer idealistischen Jugend als selbstverständlich. Und es 
ist gut so, denn dies ist der Beweis für den immer noch vorhandenen Wert eines 
Volkes. Der wahrhafte Staatsmann aber muß eine solche Tatsache mit Sorge sehen 
und in Rechnung stellen. Denn was in einem Kriege leicht verschmerzt werden 
kann, führt in 100 Kriegen zur langsamen Ausblutung des besten, wertvollsten 
Teiles eines Volkes. Damit kann man wohl Siege erfochten haben, aber es wird 



4 



49 



endlich kein Volk mehr da sein, das dieser Siege würdig ist, und die Erbärmlich- 
keit der Nachwelt, die manchen unverständlich erscheint, ist nicht selten das 
Ergebnis der Erfolge der Vorzeit. 

Damit wird eine weise politische Leitung eines Volkes im Kriege nie den Zweck 
des Lebens eines Volkes, sondern nur ein Mittel für dieses Leben sehen dürfen, 
Sie muß zur höchsten Mannbarkeit erziehen, das ihr anvertraute Menschengut 
aber mit höchster Gewissenhaftigkeit verwalten. Sie darf sich nicht scheuen, für 
die Existenz eines Volkes, wenn notwendig, den höchsten Bluteinsatz zu wagen, 
muß aber stets bedenken, daß der Friede dieses Blut einst wieder zu ersetzen 
hat. Kriege, die für Zwecke ausgefochten werden, die ihrem ganzen Wesen nach 
einen Ersatz des vergossenen Blutes nicht gewährleisten, sind Frevler am Volks- 
körper, eine Sünde an der Zukunft eines Volkes. 

Zu einer entsetzlichen Gefahr können ewige Kriege aber bei einem Volke wer- 
den, das in seiner rassischen Zusammensetzung so ungleichwertige Elemente be- 
sitzt, daß an sich nur ein Teil davon als staatserhaltend und besonders kultur- 
schöpferisch angesehen werden darf. Die Kultur der europäischen Völker beruht 
auf den Fundamenten, die ihr nordischer Bluteinschlag im Laufe der Jahrtausende 
geschaffen hat. Sowie die letzten Reste dieses nordischen Blutes erst beseitigt 
sein werden, wird die europäische Kultur ihr Antlitz verändern, der Wert der 
Staaten aber entsprechend dem sinkenden Wert der Völker abnehmen. 

Eine Politik, die grundsätzlich friedlich ist, wird demgegenüber zunächst wohl 
eine Erhaltung der besten Blutsträger ermöglichen, sie wird aber im gesamten 
ein Volk zu einer Schwäche erziehen, die eines Tages versagen muß, sowie die 
Existenzvoraussetzungen eines solchen Volkes bedroht erscheinen. Man wird 
dann, statt zu kämpfen um das tägliche Brot, lieber dieses Brot kürzen oder, was 
noch wahrscheinlicher ist, die eigene Zahl beschränken, sei es durch friedliche 
Auswanderung oder durch Geburtenbeschränkung, um auf diesem Wege einer 
übergroßen Not zu entgehen. Damit aber wird die grundsätzlich friedliche Politik 
zu einer Geißel für ein Volk. Denn, was auf der einen Seite der dauernde Krieg 
besorgt, besorgt auf der anderen die Auswanderung. Durch sie wird in Hundert- 
tausenden von einzelnen Lebenskatastrophen ein Volk langsam seiner besten 
Blutsträger beraubt. Es ist traurig, zu wissen, daß unsere gesamte nationalpoliti- 
sche Weisheit, soweit sie nicht in der Auswanderung überhaupt einen Vorteil sieht, 
höchstens die Schwächung der Zahl des eigenen Volkes bedauert oder gün- 
stigstenfalls von einem Kulturdünger spricht, der anderen Staaten dann gegeben 
wird. Was nicht erkannt wird, ist der schwerste [sie]. Indem die Auswanderung 
nicht gebietsweise vor sich geht, auch nicht nach Altersklassen vollzogen wird, 
sondern dem freien Walten des Schicksals anheimgestellt bleibt, zieht sie aus 
einem Volk stets die Mutigsten und Tapfersten, entschlossensten, widerstands- 
bereitesten Menschen heraus. Der Bauernjunge, der vor 150 Jahren nach Amerika 
auswanderte, war in seinem Dorf ebenso der Entschlossenste und Verwegenste, 
wie der Arbeiter, der heute nach Argentinien geht. Der Feigling und Schwächling 



50 



wird lieber zu Hause sterben, als daß er je den Mut aufbrächte, in unbekannter 
Fremde sich sein Brot zu verdienen. Ganz gleich, ob Not, Elend, oder politischer 
Druck oder religiöser Zwang auf Menschen lastet, so werden immer die gesünde- 
sten und widerstandsfähigsten auch den meisten Widerstand zu leisten vermögen. 
Am ersten wird sich stets der Schwächling unterwerfen. Seine Erhaltung ist für 
den Sieger meistens ebensowenig Gewinn, wie es die Zurückgebliebenen für ein 
Mutterland sind. Daher geht nicht selten das Gesetz des Handelns von den Mutter- 
staaten zu den Kolonialländern über, weil sich auf ganz natürlichem Wege dort 
eine Zusammenballung höchsten Menschenwertes vollzogen hat. Der positive Ge- 
winn für das Neuland ist aber damit ein Verlust für das Mutterland. Sowie durch 
die Auswanderung im Laufe von Jahrhunderten ein Volk erst einmal seine be- 
sten, robustesten und natürlichsten Kräfte verloren hat, wird es schwerlich mehr 
die innere Kraft aufbringen, dem Schicksal in kritischen Zeiten den nötigen 
Widerstand entgegenzusetzen. Es wird dann lieber noch zu Geburteneinschrän- 
kung greifen. Und auch hier ist nicht der Verlust der Zahl entscheidend, sondern 
die furchtbare Tatsache, daß durch die Geburteneinschränkung die möglicheii 
Höchstwerte eines Volkes von vorneherein vernichtet werden. Denn die Größe 
und Zukunft eines Volkes wird bestimmt durch die Summe seiner Fähigkeiten 
für Höchstleistungen auf allen Gebieten. Dies aber sind Persönlichkeitswerte, 
die nicht an das Erstgeburtsrecht gebunden erscheinen. Man streiche aus unserem 
deutschen Kulturleben, aus unserer Wissenschaft, ja, aus unserer gesamten 
Existenz an sich alles heraus, was durch Männer geschaffen wurde, die keine Erst- 
geburten waren, und Deutschland wäre wohl kaum ein Balkanstaat. Das deutsche 
Volk besäße keinen Anspruch mehr, als Kulturvolk gewertet zu werden. Dabei 
ist zu bedenken, daß auch bei jenen Männern, die als Erstgeburten dennoch 
Großes für ihr Volk geleistet haben, erst geprüft werden müßte, ob nicht wenig- 
stens einer der Vorfahren nicht Erstgeburt gewesen ist. Denn wenn in seiner gan- 
zen Ahnenreihe auch nur [ein Mann die] einmal die Erstgeburt durchbrochen 
erscheint, dann gehört auch er zu jenen, die nicht wären, wenn unsere Vorfahren 
stets diesem Grundsatz gehuldigt hätten 1 . Im Völker leben aber gibt es keine Laster 
der Vergangenheit, die für die Gegenwart Rechte [wären.] sind. 

Die grundsätzlich friedliche Politik, mit der durch sie in der Folgezeit bedingten 
Ausblutung eines Volkskörpers durch Auswanderung und Geburtenbeschränkung, 
ist ebenfalls um so verhängnisvoller, je mehr es sich dabei um ein Volk handelt, 
das aus rassisch nicht gleichwertigen Elementen zusammengesetzt ist. Denn auch 
hier wird durch die Auswanderung in erster Linie der rassisch beste Teil dem Volke 
entzogen werden, während durch die Geburtenbeschränkung in der Heimat 
ebenfalls zunächst die infolge ihres rassischen Wertes sich höher hinaufgearbeiteten 
Lebensschichten erfaßt werden. Allmählich wird dann deren Ergänzung aus der 
ausgebluteten, minderwertigen breiten Masse erfolgen und endlich, nach Jahr- 

1 Nach dem Lesen dieser typischen Sätze wird niemand die Echtheit des Dokumentes 
bezweifeln. 



51 



minderten zu einer Senkung des gesamten Volkswertes überhaupt führen. Wirk- 
liche Lebenskraft wird ein solcher Volkskörper überhaupt schon längst nicht mehr 
besitzen. 

Damit wird eine Politik, die grundsätzlich friedlich ist, genauso schädlich und 
verheerend wirken als eine Politik, die nur den Krieg als einzige Waffe kennt. 

Um das Leben eines Volkes und für dieses Leben hat die Politik zu kämpfen, 
und sie muß dabei die Waffe ihres Kampfes stets so wählen, daß dem Leben im 
höchsten Sinne gedient wird. Denn man macht nicht Politik, um sterben zu kön- 
nen, sondern man darf 1 nur manchesmal Menschen sterben lassen, auf daß ein 
Volk leben kann. Das Ziel ist die Erhaltung des Lebens und nicht der heroische 
Tod oder [auch] gar die feige Resignation. 



1 Statt „darf" stand ursprünglich „muß"; die einzige handschriftliche Änderung im Text. 
52 



II 



DER KAMPF, NICHT DIE WIRTSCHAFT SICHERT DAS LEBEN 



Der Lebenskampf eines Volkes wird in erster Linie durch folgende Tatsache be- 
stimmt : 

Ganz gleich, wie hoch die kulturelle Bedeutung eines Volkes ist, so steht doch 
an der Spitze aller Lebensnotwendigkeiten der Kampf um das tägliche Brot. 
Gewiß kann eine geniale Volksleitung einem Volk große Ziele vor Augen halten, 
so daß es von materiellen Dingen mehr abgelenkt wird, um überragenden geisti- 
gen Idealen zu dienen. Überhaupt wird das nur materielle Interesse in eben dem 
Maße steigen, in dem ideale geistige Gesichtspunkte im Verschwinden begriffen 
sind. Je primitiver der Mensch in seinem geistigen Leben, um so animalischer wird 
er, bis er endlich in der Nahrungszusichnahme überhaupt den einzigen Zweck des 
Lebens empfindet. Es kann daher ein Volk sehr wohl eine gewisse Beschränkung 
an materiellen Gütern ertragen, solange man ihm einen Ersatz an tragkräftigen 
Idealen gibt. Allein, wenn nicht diese Ideale zum Verderben eines Volkes aus- 
schlagen sollen, dürfen sie nie einseitig auf Kosten der materiellen Ernährung 
stattfinden, sowie dadurch die Gesundheit des Volkskörpers bedroht erscheint. 
Denn ein verhungertes Volk wird eben entweder unter den Folgen seiner Unter- 
ernährung körperlich zusammenbrechen oder eine Änderung seiner Lage herbei- 
führen müssen. Der körperliche Zusammenbruch aber hat früher oder später 
den geistigen im Gefolge. Dann aber hören auch alle Ideale auf. Mithin sind Ideale 
so lange gesund und richtig, als sie mithelfen, die innere und allgemeine Kraft 
eines Volkes zu stärken, so daß diese im letzten Grunde doch wieder der Durch- 
führung des Lebenskampfes zugute kommen kann. Ideale, die dem Zweck nicht 
dienen, sind, und mögen sie dabei tausendmal äußerlich schön erscheinen, dennoch 
von Übel, denn sie entfernen ein Volk immer mehr von der Wirklichkeit des Lebens. 

Das Brot aber, das ein Volk zum Leben braucht, ist bedingt durch den Lebens- 
raum, der ihm zur Verfügung steht. Zumindest ein gesundes Volk wird stets ver- 
suchen, die Befriedigung seiner Bedürfnisse im eigenen Grund und Boden zu 
finden. Jeder andere Zustand ist krank und gefährlich, auch wenn er selbst jahr- 
hundertelang die Ernährung eines Volkes möglich macht. Welthandel, Weltwirt- 
schaft, Fremdenverkehr usw. usw. sind alles vergängliche Mittel zur Ernährung 
eines Volkes. Sie sind abhängig von Faktoren, die zum Teil außerhalb des Ermes- 
sens, zum anderen außerhalb der Kraft eines Volkes liegen. Die sicherste Grundlage 
für die Existenz eines Volkes war zu allen Zeiten der eigene Grund und Boden. 

Nun ist aber folgendes zu bedenken : 

Die Zahl eines Volkes ist ein veränderlicher Faktor. Sie wird bei einem ge- 
sunden Volk eine steigende sein. Ja, die Vermehrung allein vermag die Zukunft 



53 



eines Volkes nach menschlichem Ermessen sicherzustellen. Damit ist aber auch 
die Forderung an Lebensgütern eine wachsende. Die sogenannte innere Erhöhung 
der Produktion kann in den meisten Fällen nur genügen, die steigenden Ansprü- 
che der Menschheit zu befriedigen, keineswegs aber die steigende Zahl. Dies gilt 
besonders für die europäischen Nationen. Die europäischen Völker sind in den 
letzten Jahrhunderten, besonders in allerletzter Zeit in ihren Bedürfnissen so an- 
gewachsen, daß die Steigerung des europäischen Bodenertrages, die von Jahr zu 
Jahr in günstigstem Falle stattfinden könnte, kaum gleichen Schritt hält mit dem 
Wachstum der allgemeinen Lebensbedürfnisse an sich. Die Vermehrung der Zahl 
könnte nur wettgemacht werden durch eine Vermehrung, also Vergrößerung des 
Lebensraumes. Nue ist aber wohl die Zahl eines Volkes veränderlich, der Boden 
jedoch ist ein an sich gleichbleibender. Das heißt: Die Vermehrung eines Volkes 
ist ein so selbstverständlicher, weil natürlicher Prozeß, daß dies nicht als außer- 
gewöhnlicher Vorgang empfunden wird. Die Vermehrung des Bodens hiegegen 
ist bedingt durch die allgemeine Besitzverteilung der Welt, ein Akt besonderer 
Umwälzung, außerordentlicher Vorgänge, so, daß der Leichtigkeit der Volks- 
ernährung 1 eine außerordentüche Schwere der Raumveränderung entgegensteht. 

Und doch ist die Regelung des Verhältnisses zwischen Volkszahl und Boden- 
fläche von unerhörtester Bedeutung für die Existenz eines Volkes. Ja, man kann 
füglich sagen, daß der ganze Lebenskampf eines Volkes in Wahrheit überhaupt 
nur darin besteht, [an] für die steigende Volkszahl den notwendigen Grund und 
Boden als allgemeine Ernährungsvoraussetzung zu sichern. Denn indem die Volks- 
zahl dauernd wächst, der Grund und Boden aber an sich gleich bleibt, müssen 
allmählich Spannungen eintreten, die sich zunächst durch eine Not äußern, die 
durch größeren Fleiß, genialere Produktionsmethoden oder besondere Sparsam- 
keit eine gewisse Zeitlang ausgeglichen werden können, die aber eines Tages 
mit all diesen Mitteln nicht mehr zu beseitigen sind. Dann aber besteht die Auf- 
gabe der Leitung des Lebenskampfes eines Volkes darin, diese unerträglichen 
Verhältnisse gründlich zu beseitigen, d. h. also, zwischen Volkszahl und Grund- 
fläche wieder ein erträgliches Verhältnis herbeizuführen. 

Es gibt nun im Völkerleben einige Wege, das Mißverhältnis zwischen Volks- 
zahl und Grundfläche zu korrigieren. Der natürlichste ist der einer Anpassung 
des Bodens von Zeit zu Zeit an die gewachsene Volkszahl. Dies erfordert Kampf- 
entschlossenheit und Bluteinsatz. Allein dieser Bluteinsatz ist auch der einzige, 
der vor einem Volke gerechtfertigt werden kann. Denn indem aus ihm für die 
weitere Vermehrung eines Volkes der nötige Raum gewonnen wird, findet von 
selbst ein vielfacher Ersatz des auf dem Schlachtfeld eingesetzten Menschentums 
statt. Aus der Not des Krieges erwächst dann das Brot des Friedens. Das Schwert 
war der Wegbereiter des Pfluges, und wenn man überhaupt von Menschenrecht 
reden will, dann hat der Krieg in diesem einzigen Fall dem höchsten Recht ge- 
dient, er hat einem Volk die Erde gegeben, die es fleißig und redlich selbst be- 

1 Offensichtlich Hörfehler oder Diktatfehler für „Volksvermehrung". 



54 



bauen will, auf daß seinen Kindern einst die tägliche Nahrung zuteil werden kann. 
Denn diese Erde ist niemandem zugeteilt und wird aüch niemandem geschenkt, 
wohl aber ist sie den Menschen als Lehen der Vorsehung gegeben, die den Mut 
[besitzen, sie zu erobern] im Herzen tragen, sie in Besitz zu nehmen, die Kraft, 
sie zu bewahren und den Fleiß, sie zu pflügen. 

Jedes gesunde, urwüchsige Volk sieht deshalb im Bodenerwerb nichts Sünd- 
haftes, sondern etwas Natürliches. Dem modernen Pazifisten aber, der dieses 
heiligste Recht leugnet, muß zunächst vorgehalten werden, daß er sich dann zu- 
mindest selbst vom Unrecht der vergangenen Zeiten nährt. Weiter aber, daß es 
keinen Flecken dieser Erde gibt, der für ewige Zeiten als Wohnsitz eines Volkes 
bestimmt worden ist, da schon das Walten der Natur die Menschheit in J ahrzehn- 
tausenden zu ewigem Wandern gezwungen hat. Endlich aber ist die heutige Be- 
sitzverteilung der Erde nicht durch eine höhere Gewalt vorgenommen worden, 
sondern durch den Menschen selbst. Ich kann aber niemals eine von Menschen be- 
sorgte Lösung als Ewigkeitswert ansehen, den die Vorsehung nun in ihren eige- 
nen Schutz nimmt und zum Gesetz der Zukunft heiligt. So, wie die Oberfläche 
der Erde ewig den geologischen Umwandlungen unterworfen erscheint, das or- 
ganische Leben in ununterbrochenem Wechsel Formen vergehen ließ, um neue 
zu erfinden, so ist auch die Begrenzung der menschlichen Wohnstätten einem 
laufenden Wandel ausgesetzt. So sehr auch in gewissen Zeiten Völker ein Inter- 
esse besitzen mögen, die bestehende Weltbodenverteilung als unabänderlich und 
für alle Zukunft bindend hinzustellen, weil sie ihren Interessen entspricht, so 
sehr werden andere Völker in einem solchen Zustande immer nur etwas allge- 
mein Menschliches zu erblicken vermögen, das augenblicklich zu ihren Ungunsten 
spricht und deshalb mit allen Mitteln menschlicher Kraft geändert werden muß. 
Wer dieses Ringen für alle Ewigkeit von der Erde verbannen will, hebt den 
Kampf der Menschen untereinander vielleicht auf, allein beseitigt damit auch die 
höchste treibende Kraft für ihre Entwicklung, genauso, als wenn er im bürger- 
lichen Leben den Reichtum bestimmter Menschen, die Größe bestimmter Ge- 
schäfte verewigen wollte für immer und zu dem Zweck das Spiel der freien Kräfte, 
die Konkurrenz, ausschalten würde. Das Ergebnis wäre ein Unglück für ein Volk. 

Die heutige Weltraumverteilung fällt in einseitigster Weise so sehr zugunsten 
einzelner Völker aus, daß diese ein verständliches Interesse besitzen müssen, an 
der derzeitigen Bodenverteilung nichts mehr ändern zu lassen. Allein dem Über- 
reichtum an Boden dieser Völker steht die Armut anderer gegenüber, die trotz 
emsigstem Fleiße nicht das tägliche Brot zum Leben zu erzeugen in der Lage sind. 
Mit welchem höheren Rechte will man denen entgegentreten, wenn auch sie 
den Anspruch erheben auf eine Bodenfläche, die ihre Ernährung sichert? 

Nein. Das erste Recht auf dieser Welt ist das Recht zum Leben, soferne man die 
Kraft hiezu besitzt. Ein kraftvolles Volk aber wird damit aus diesem Recht stets 
die Wege finden, seinen Boden seiner Volkszahl anzupassen. 

Sowie ein Volk, sei es aus Schwäche oder durch schlechte Führung, das Miß- 



55 



Verhältnis zwischen seiner gewachsenen Volkszahl und dem zurückgebliebenen 
Grund nicht mehr durch die Steigerung der Bodenfläche zu beseitigen vermag, 
wird es zwangsläufig nach anderen Wegen suchen. Es wird die Volkszahl dann dem 
Boden anpassen. 

An sich nimmt die erste Anpassung der Volkszahl an die ungenügende Er- 
nährungsgrundfläche die Natur selbst vor. Not und Elend sind dabei ihre Hilfs- 
mittel. Durch sie kann ein Volk so sehr dezimiert werden, daß eine weitere Ver- 
mehrung der Zahl damit praktisch aufhört. Die Folgen dieser natürlichen An- 
passung der Zahl an den Boden sind nicht immer gleiche. Zunächst setzt ein sehr 
heftiger Lebenskampf untereinander ein, den nur die allerkräftigsten und wider- 
standsfähigsten Einzelsubjekte zu überdauern vermögen. Hohe Kindersterblich- 
keit auf der einen Seite und hohes Lebensalter auf der anderen sind die Haupt- 
anzeichen einer solchen mit dem Einzelleben wenig rücksichtsvoll umgehenden 
Zeit. Indem in diesem Zustande alles Schwächliche von Not und Krankheiten 
hinweggerafft wird und nur das Allergesündeste am Leben erhalten bleibt, tritt 
eine Art natürlicher Auslese ein. Es kann damit sehr wohl die Zahl eines Volkes 
einer Beschränkung unterliegen, der innere Wert jedoch erhalten bleiben, ja, eine 
innere Steigerung erfahren. Zu lange kann aber ein solcher Prozeß nicht dauern, 
da sonst die Not auch in das Gegenteil umzuschlagen vermag. Die ewigen Nah- 
rungsnöte können endlich dazu führen, daß bei rassisch nicht ganz gleichmäßig 
wertvollen Völkern eine dumpfe Ergebung in die Not stattfindet, die Spannkraft 
allmählich nachläßt und an Stelle eines die Auslese fördernden Kampfes ein all- 
mähliches Verkommen eintritt. Ganz sicher ist dies der Fall, sowie der Mensch 
von sich aus, um der ewigen Not zu steuern, auf eine Vermehrung seiner Zahl 
keinen Wert mehr legt und zur Geburtenbeschränkung greift. Denn er selbst geht 
dabei sofort den umgekehrten Weg, den die Natur einschlägt. Während die Natur 
aus einer Vielzahl geborener Lebewesen die wenigen gesündesten und wider- 
standsfähigsten im Lebenskampfe übrig läßt, schränkt der Mensch die Zahl der 
Geburten ein, versucht aber dann, das, was geboren ist, ohne Rücksicht auf wirk- 
lichen Wert und seine innere Würdigkeit am Leben zu erhalten 1 . Seine Humanität 
ist dabei nur die Dienerin seiner Schwäche und damit in Wahrheit die grausamste 
Vernichterin semer Existenz. Wollte der Mensch von sich aus seine Zahl be- 
schränken, ohne zu den entsetzlichen Folgen zu kommen, die aus der Geburten- 
beschränkung entstehen, dann müßte er die Zahl der Geburten freigeben, die der am 
Leben zu bleibenden [sie] jedoch beschneiden. Zu einer solchen weisen Maßnahme 
waren einst Spart [j]aken [sie] fähig, abernicht unser heutiges, verlogen sentimentales, 
bürgerlich-patriotisches Zeug. Die Herrschaft der 6000 Spartaner über 3^2 Hun- 
derttausend Heloten war nur denkbar infolge des rassischen Hochwertes der 
Spartaner 2 . Dieser aber war das Ergebnis einer planmäßigen Rasseerhaltung, 

1 Siehe M ein Kampf ,1, S. 144—145 (Hier und im folgenden immer zitiert nach der Volksausgabe). 

2 Tür die Förderung dieser Gedanken in den Adolf-Hitler-Schulen siehe O. W. von Va- 
oano, Sparta, Der Lebenskampf einer nordischen Herrenschaft, Bücherei der Adolf-Hitler - 



56 



so daß wir im spartanischen Staat den ersten völkischen zu sehen haben. Die Aus- 
setzung kranker, schwächlicher, mißgestalteter Kinder, d. h. also deren Ver- 
nichtung, war menschenwürdiger und in Wirklichkeit tausendmal humaner als 
der erbärmliche Irrsinn unserer heutigen Zeit, die krankhaftesten Subjekte zu er- 
halten, und zwar um jeden Preis zu erhalten, und hunderttausend gesunden Kin- 
dern infolge der Geburtenbeschränkung oder durch Abtreibungsmittel das Leben 
zu nehmen, in der Folgezeit aber ein Geschlecht von mit Krankheiten belasteten 
Degeneraten heranzuzüchten. 

Es kann also im allgemeinen gesagt werden, daß die Beschränkung der Volks- 
zahl durch Not und menschliche Beihilfen wohl eine annähernde Anpassung an 
den ungenügenden Lebensraum durchführt, allein den Wert des vorhandenen 
Menschenmaterials immer mehr senkt, ja am Ende verkommen läßt. 

Der zweite Versuch, die Volkszahl an den Boden anzupassen, liegt in der Aus- 
wanderung, die, sowie sie nicht stammesmäßig stattfindet, aber ebenfalls zu 
einer Entwertung des übrigbleibenden Menschenmaterials führt. 

Geburtenbeschränkung des Menschen löscht die Träger seiner Höchstwerte aus, 
die Auswanderung zerstört den Wert seines Durchschnitts. 

Es gibt nun noch zwei andere Wege, auf denen ein Volk versuchen kann, das 
Mißverhältnis zwischen Volkszahl und Bodenfläche auszugleichen. Der erste heißt 
Steigerung des inneren Bodenertrages, die an sich nichts zu tun hat mit sogenann- 
ter innerer Kolonisation, der zweite Steigerung seiner Güterproduktion und Um- 
stellung der inneren Wirtschaft auf eine Wirtschaft des Exports. 

Der Gedanke einer Steigerung des Bodenertrages innerhalb der nun einmal 
gesteckten Grenzen ist ein uralter 1 . Die Geschichte der menschlichen Boden- 
bearbeitung ist eine solche des dauernden Fortschritts, dauernder Verbesserungen 
und damit steigender Ergebnisse. Lag der erste Teil dieser Fortschritte auf dem 
Gebiete des Ausbaues der Bearbeitungsmethoden des Bodens sowie der Anbau- 
tätigkeit, so liegt der zweite Teil auf dem Gebiete der künstlichen Steigerung des 
Bodenwertes durch Zuführung fehlender oder mangelnder Nährstoffe. Von der 
ehemaligen Hacke bis zum modernen Dampfpflug, vom Stallmist bis zum heutigen 
Kunstdünger führt diese Linie. Ohne Zweifel ist damit die Erträgnisfähigkeit des 
Bodens um ein Unendliches gesteigert worden. Allein ebenso zweifellos ist dabei 
irgendwo eine Grenze gezogen. Besonders, wenn man bedenkt, daß der Lebens- 
standard des Kulturmenschen ein allgemeiner ist, der nicht durch die auf den ein- 
schulen, 2. verb. Aufl., Kempten: Allgäuer Druckerei und Verlagsanstalt, 1942. Das Buch 
hat ein kurzes Vorwort von Kurt Petter, Kommandeur der Adolf-Hitler-Schulen. (Das 
Datum ist auf den Einband gedruckt, das Buch ist aber wohl im Jahr 1943 erschienen, da es 
den Vergleich Stalingrad- Thermopylä aus Görings Appell vom 30. Januar 1943 enthält; 
S. 120.) Bekanntlich wurde im Zweiten Weltkrieg ein großes Programm der Ermordung an- 
geblich „lebensunwürdiger" Kinder durchgeführt. Vgl. Alexander Mitseherlich und Fred 
Mielke, Das Diktat der Mensohenverachtung (Heidelberg: Verlag Lambert Sehneider, 1947), 
S. 132-134. 

1 Siehe Mein Kampf, I, S. 145ff. 



57 



zelnen treffende Gütermenge eines Volkes bestimmt wird, sondern der Beurtei- 
lung der umliegenden Länder genau so unterliegt und umgekehrt durch deren 
Verhältnisse [mitbestimmt] festgesetzt wird. Der heutige Europäer träumt von 
einem Lebensstandard, den er ebensosehr aus den Möglichkeiten Europas wie 
den tatsächlichen Verhältnissen Amerikas ableitet. Die internationalen Beziehun- 
gen der Völker sind durch die moderne Technik und den durch sie ermöglichten 
Verkehr so leichte und innige geworden, daß der Europäer als Maßstab für sein 
eigenes Leben, ohne sich dessen oft bewußt zu werden, die Verhältnisse des amerika- 
nischen Lebens anlegt, dabei aber vergißt, daß das Verhältnis der Volkszahl zur 
Grundfläche des amerikanischen Kontinents ein unendlich günstigeres ist als die 
analogen Verhältnisse der europäischen Völker zu ihren Lebensräumen. Ganz 
gleich wie Italien oder sagen wir Deutschland die innere Kolonisation ihres Bo- 
dens durchführen, ganz gleich wie sie weiter durch erhöhte wissenschaftliche und 
methodische Tätigkeit das Erträgnis ihres Bodens steigern, immer bleibt das 
Mißverhältnis ihrer Zahl zum Boden, gemessen an dem Verhältnis der. Volkszahl 
der amerikanischen Union zum Boden der Union, bestehen. Und wenn durch 
emsigsten Fleiß für Deutschland oder Italien eine weitere Steigerung der Volks- 
zahl möglich wäre, dann würde sie in der amerikanischen Union eben bis zu einem 
Vielfachen dessen möglich sein. Und wenn endlich jede weitere Steigerung in die- 
sen beiden europäischen Ländern endgültig unmöglich ist, dann kann die ameri- 
kanische Union noch jahrhundertelang weiterwachsen, bis endlich das Verhältnis 
erreicht sein wird, das wir heute schon haben. 

Besonders die innere Kolonisation beruht in den von ihm erhofften Wirkun- 
gen auf einem Trugschluß 1 . Die Meinung, durch sie eine wesentliche Steigerung 
des Bodenertrages herbeiführen zu können, ist falsch. Ganz gleich, wie in Deutsch- 
land zum Beispiel der Boden verteilt wird, ob in großen oder in kleinen Bauern- 
gütern oder ob in Parzellen für Kleinsiedler, es ändert dies nichts an der Tat- 
sache, daß 136 Menschen im Durchschnitt auf 1 qkm Grund treffen. Dieses Verhält- 
nis ist ungesund. Eine Ernährung unseres Volkes auf dieser Grundlage und unter 
dieser Voraussetzung ist nicht möglich, ja, es würde nur verwirrend wirken, wenn 
man das Schlagwort der inneren Kolonisation der Masse vorsetzt, die dann daran die 
Hoffnung knüpft, durch sie ein Mittel zur Behebung der heutigen Not gefunden zu 
haben. Dies würde aber nicht der Fall sein. Denn sie ist nicht das Ergebnis einer 
etwa falschen Art der Verteilung des Bodens, sondern die Folge einer im gesam- 
ten ungenügenden Raummenge, die unserem Volke heute zur Verfügung steht. 



1 Mit „innerer Kolonisation" meint Hitler hier nicht die Erschließung bisher unbebauten 
Landes, sondern Besitzveränderungen. Es ist von einigem Interesse, die Ansichten Alfred 
Hugenbergs in seinem Buch Innere Cohnisation im Nordwesten Deutschlands (Abhandlungen 
aus dem Staatswissenschaftlichen Seminar zu Straßbürg, VIII) (Straßburg: Trübner, 1891) 
mit denen Hitlers zu vergleichen. Obwohl Hugenberg die Urbarmachung der Moorgebiete 
befürwortete, kommt auch er zu dem Schluß, daß „nur auswärtige Ackerbaukolonien" unter 
deutscher Herrschaft dem Reich helfen können (S. 452). 



58 



Damit aber können durch die Steigerung des Bodenertrages wohl für eine 
gewisse Zeit Erleichterungen im Leben eines Volkes stattfinden, auf die Dauer 
jedoch wird dies nie eine Enthebung von der Verpflichtung sein, den ungenügend 
gewordenen Lebensraum eines Volkes an die gewachsene Zahl wieder anzupassen. 
Durch die innere Kolonisation selbst aber können im günstigsten Falle nur Ver- 
besserungen im Sinne einer sozialen Vernunft und Gerechtigkeit stattfinden. Für 
die Gesamternährung eines Volkes ist sie ohne jede Bedeutung. Für die außen- 
politische Einstellung einer Nation aber wird sie nicht selten von Schaden sein, 
weil sie Hoffnungen erweckt, die ein Volk vom realen Denken entfernen können. 
Der gewöhnliche ehrsame Bürger wird dann wirklich glauben, durch Fleiß, Emsig- 
keit und gerechte Bodenverteilung sein tägliches Brot auch zu Hause finden zu 
können, statt zu erkennen, daß die Kraft eines Volkes zusammengefaßt werden 
muß, um neuen Lebensraum zu gewinnen 1 . 

Die Wirtschaft, die besonders heute von vielen als die Retterin aus Not 
und Sorge, Hunger und Elend angesehen wird, kann allerdings unter bestimm- 
ten Voraussetzungen einem Volk Existenzmöglichkeiten geben, die außer- 
halb seines Verhältnisses zum eigenen Grund und Boden liegen. Allein es ist 
dies gebunden an eine Anzahl von Voraussetzungen, die ich hier ganz kurz er- 
wähnen muß. 

Der Sinn einer solchen Wirtschaft liegt darin, daß ein Volk an gewissen Gütern 
des Lebens mehr produziert, als es für den eigenen Bedarf nötig hat, diesen 
Überschuß außerhalb der eigenen Volksgemeinschaft verkauft und vom Erlös 
sich diejenigen Lebensmittel und auch Rohstoffe anschafft, an denen es Mangel 
besitzt. Damit ist aber diese Art von Wirtschaft nicht nur eine Frage der Produk- 
tion, sondern in einem mindest ebenso hohen Maße eine Frage des Verkaufes. 
Man redet besonders in der Gegenwart viel von einer Steigerung der Produktion, 
vergißt aber ganz, daß eine solche Steigerung nur Wert hat, solange ein Käufer 
vorhanden ist. Innerhalb des Kreises des Wirtschaftslebens eines Volkes wird jede 
Produktionssteigerung insoferne nutzbringend sein, als sie eben die Zahl der Güter 
vermehrt, die damit auf den einzelnen treffen. Theoretisch müßte jede Steigerung 
der industriellen Produktion eines Volkes zu einer Verbilligung der Waren und 
damit zu einem erhöhten Konsum derselben führen, mithin also den einzelnen 
Volksgenossen in den Besitz größerer Lebensgüter bringen. In der Praxis ändert 
dies aber nichts an der Tatsache der ungenügenden Ernährung eines Volkes in- 
folge des unzulänglichen Bodens. Denn man kann wohl gewisse industrielle Pro- 
duktionen steigern, ja vervielfachen, aber nicht die Lebensmittelerzeugung. Sowie 
ein Volk an dieser Not leidet, wird eine Behebung nur dann stattfinden können, 
wenn ein Teil seiner industriellen Überproduktion nach außen hin abzufließen 

1 Hier wird ein Abrücken vom 17. Punkt — Aufteilung des Großgrundbesitzes — des „un- 
veränderlichen" Parteiprogramms erkennbar. Es ist wohl kein Zufall, daß die Erklärung 
der Partei, daß dieser Punkt sich nur auf die „jüdischen Grundspekulations-Gesellscliaften" 
beziehe, am 13. April 1928 erfolgte (Völkischer Beobachter, 19. April 1928, S. 3). 



59 



vermag, um von außen herein die nicht vorhandenen Lebensmittel der Heimat 
zu ersetzen. Damit aber hat eine Produktionssteigerung für diesen Zweck nur 
dann den gewünschten Erfolg, wenn sieh der Käufer findet, und zwar der äußere 
Käufer. Damit aber steht dann die Frage der Verkaufsmöglichkeit, also des Ab- 
satzes in überragender Bedeutung vor uns. 

Der Absatzmarkt der heutigen Welt ist kein unbegrenzter. Die Zahl der indu- 
striell tätigen Nationen hat dauernd zugenommen. Fast alle europäischen Völker 
leiden unter dem ungenügenden und unbefriedigenden Verhältnis ihres Bodens 
zur Volkszahl und sind deshalb auf Weltexport angewiesen. In letzter Zeit kommt 
zu ihnen noch die amerikanische Union, im Osten Japan. Damit beginnt von selbst 
ein Kampf um den begrenzten Absatzmarkt, der umso härter werden wird, je 
zahlreicher die industriell tätigen Nationen werden und je mehr umgekehrt die 
Absatzmärkte sich verengen. Denn während einerseits die Zahl der um den Welt- 
markt ringenden Völker zunimmt, wird der Absatzmarkt selbst langsam verklei- 
nert, teils infolge einer Selbstindustrialisierung aus eigener Kraft, teils durch 
ein System von Filialunternehmungen, die aus reinem kapitalistischen Interesse 
in solchen Ländern mehr und mehr ins Leben gerufen werden. Denn es ist dabei 
folgendes zu bedenken : Das deutsche Volk zum Beispiel hat ein lebendiges Inter- 
esse daran, nach [sie] China auf deutschen Werften Schiffe zu bauen, weil dadurch 
eine bestimmte Anzahl Menschen unserer Nationalität die Möglichkeit einer Ernäh- 
rung erhalten, die sie aus unserem eigenen nicht mehr genügenden Grund und 
Boden nicht besitzen würde. Das deutsche Volk hat aber kein Interesse daran, 
daß, sagen wir, eine deutsche Finanzgruppe oder auch ein deutsches Werk in 
Shanghai eine sogenannte Filial-Werft ins Leben ruft, die nun mit chinesischen 
Arbeitern und fremden Stählen für China Schiffe baut, auch wenn dabei die Ge- 
sellschaft selbst einen bestimmten Gewinn in Form einer Verzinsung oder Divi- 
dende erhält. Im Gegenteil, denn das Ergebnis dessen wird nur sein, daß eine 
deutsche Finanzgruppe soundsoviele Millionen Gewinn erhält, allein der deutschen 
Volkswirtschaft infolge der dadurch wegfallenden Aufträge ein Vielfaches dieses 
Betrages entzogen wird 1 . 

Je mehr nun rein kapitalistische Interessen die heutige Wirtschaft zu bestimmen 
beginnen, je mehr hier vor allem allgemeine Finanz- und Börsengesichtspunkte 
entscheidenden Einfluß erringen, umsomehr wird dieses System von Filialgrün- 
dungen um sich greifen, damit aber die Industrialisierung bisheriger Absatz- 
märkte [plötzlich] künstlich durchführen und besonders den europäischen Mutter- 
ländern die Exportmöglichkeiten beschneiden. Heute kann noch mancher über 



1 So wollte Hitler, daß auf der Weltwirtschaftskonferenz in London im Sommer 1933 eine 
Vereinbarung gegen die Industrialisierung außereuropäischer Gebiete angestrebt werden 
sollte ; Aufzeichnung über die Konferenz in der Reichskanzlei am 24. April 1933, Documenta 
on German Foreign Policy, 1918-1945, Series C, Bd. I, Nr. 182, S. 337. Hier liegt auch einer 
der Ansatzpunkte für die späteren Pläne eines vollständigen Abbaus der Industrie im be- 
setzten Bußland {Dallin, S. 306-307). 



60 



diese Zukunftsentwicklung lächeln, bei ihrem weiteren Portschreiten wird man 
in 30 Jahren unter den Folgen in Europa stöhnen. 

Je mehr aber die Absatzschwierigkeiten wachsen, um so erbitterter wird der 
Kampf um die übrigbleibenden geführt werden. Wenn nun auch die ersten Waffen 
dieses Kampfes in der Preisgestaltung und in der Güte der Waren liegen, mit denen 
man gegenseitig sich niederzukonkurrieren versucht, so liegt aber die letzte Waffe 
endlich auch hier beim Schwert. Die sogenannte wirtschaftefriedliche Eroberung 
der Welt könnte nur stattfinden, wenn die Erde aus lauter Agrarvölkern bestünde 
und ein einziges industriell tätiges Wirtschaftsvolk besäße. Da aber alle großen 
Völker heute Industrievölker sind, ist die sogenannte wirtschaftsfriedliche Erobe- 
rung der Erde nichts anderes als der Kampf mit Mitteln, die so lange friedliche 
sein werden, solange die stärkeren Völker mit ihnen siegen zu können glauben, 
d. h. aber in Wirklichkeit mit friedlicher Wirtschaft die anderen töten zu können. 
Denn das ist das wirkliche Resultat eines Sieges eines Volkes mit wirtschafts- 
friedlichen Mitteln über ein anderes Volk. Das eine Volk erhält durch sie die Mög- 
lichkeiten zum Leben, und dem anderen Volke werden sie dadurch entzogen. Der 
Einsatz ist auch hier immer die Substanz von Heisch und Blut, die wir als Volk 
bezeichnen. 

Glaubt aber ein wirklich kraftvolles Volk, ein anderes mit wirtschaftsfriedlichen 
Mitteln nicht besiegen zu können, oder will ein wirtschaftlich schwächeres Volk 
sich von einem wirtschaftlich stärkeren nicht töten lassen, indem ihm langsam 
die Möglichkeiten seiner Ernährung abgeschnitten werden, dann wird [es zum 
Schwerte greifen] in beiden Fällen der Dunst der wirtschaftsfriedlichen Phrasen 
plötzlich zerrissen und der Krieg, also die Fortsetzung der Politik mit anderen 
Mitteln, tritt an ihre Stelle. 

Die Gefahr der wirtschaftlichen Betätigung im ausschließlichen Sinne liegt 
aber für ein Volk gerade darin, daß es nur zu leicht dem Glauben verfällt, sein 
Schicksal endgültig durch die Wirtschaft gestalten zu können, daß diese damit 
von einer rein sekundären Stelle in eine primäre vorrückt, ja endlich sogar als 
staatsbildend angesehen wird, und dem Volk diejenigen Tugenden und Eigen- 
schaften raubt, die Völker und Staaten endgültig allein auf dieser Erde am Dasein 
zu erhalten vermögen 1 . 

Eine besondere Gefahr der sogenannten wirtschaftsfriedlichen Politik eines 
Volkes liegt aber darin, daß durch sie zunächst eine Vermehrung der Volkszahl 
möglich wird, die endlich in keinem Verhältnis mehr steht zu den Lebenserträg- 
nissen des eigenen Grund und Bodens. Diese Überfüllung eines ungenügend großen 
Lebensraumes mit Menschen führt dabei nicht selten auch zu schweren sozialen 
Schäden, indem die Menschen nun in Arbeitszentren zusammengefaßt werden, 
die dann weniger Kulturstätten gleichen als vielmehr Abszessen am Volkskörper, 
in denen sich alle üblen Laster, Untugenden und Krankheiten zu vereinigen schei- 

1 [Siehe Mein Kampf, I, S. 164ffJ 



61 



nen. Sie sind dann vor allem Brutstätten der Blutsvermischung und Bastardie- 
rung, damit meistens der Rassensenkung und ergeben damit jene eitrigen Herde, 
in denen die internationale jüdische Völkermade gedeiht und die weitere Zerset- 
zung endgültig besorgt 1 . 

Gerade dadurch aber wird ein Verfall in die Wege geleitet, in dem nun die 
innere Kraft eines solchen Volkes rasch entschwindet, alle rassischen, moralischen 
und sittlichen Werte der Vernichtung anheimfallen, die Ideale abgebaut werden 
und damit endlich die Voraussetzung beseitigt wird, die ein Volk notwendig 
braucht, um die letzte Konsequenz im Ringen um den Weltmarkt auf sich nehmen 
zu können. Die Völker werden, in einem lasterhaften Pazifismus geschwächt, nicht 
mehr bereit sein, mit Bluteinsatz für den Absatz ihrer Waren zu kämpfen. So- 
wie also ein Stärkerer an Stelle wirtschaftsfriedlicher Mittel die realeren Kräfte 
der politischen Macht einsetzt, werden solche Völker zusammenbrechen. Dann 
aber trifft sie die Rache ihrer eigenen Verfehlungen. Sie sind übervölkert und 
haben nun infolge des Verlustes aller wirklichen Voraussetzungen keine Möglich- 
keit mehr, die übergroße Volksmasse genügend ernähren zu können, keine Kraft, 
die Fessel der Gegner zu sprengen, und keinen inneren Wert, das Schicksal würdig 
zu tragen. Sie glaubten einst, um leben zu können, dank ihrer wirtschaftsfriedlichen 
Betätigung, der Gewalt entsagen zu dürfen. Das Schicksal wird sie belehren, daß 
man endgültig ein Volk nur erhält, wenn Volkszahl und Lebensraum in einem 
bestimmten natürlichen und gesunden Verhältnis zueinander stehen. Daß weiter 
dieses Verhältnis von Zeit zu Zeit überprüft werden muß, und in eben dem Maße, 
indem es sich zu Ungunsten des Bodens verschiebt, zu Gunsten der Volkszahl wie- 
der hergestellt werden muß. 

Dazu allerdings braucht ein Volk Waffen. Denn Bodenerwerb ist immer mit 
Machteinsatz verbunden. 

Wenn aber die Aufgabe der Politik die Durchführung des Lebenskampfes eines 
Volkes ist, der Lebenskampf eines Volkes im letzten Grunde darin besteht, der 
jeweiligen Volkszahl die zur Ernährung notwendige Raummenge zu sichern, 
dieser gesamte Vorgang jedoch eine Frage des Machteinsatzes eines Volkes ist, 
dann ergibt sich folgende Schlußdefinition : 

Politik ist die Kunst der Durchführung des Lebenskampfes eines Volkes 
um sein irdisches Dasein, 

[Innenpolitik] Außenpolitik ist die Kunst, einem Volke den jeweils notwen- 
digen Lebensraum in Größe und Güte zu sichern. 

Innenpolitik ist die Kunst, einem Volke [die] den dafür notwendigen [Macht- 
gehalt] Machteinsatz in Form seines Rassenwertes und seiner Zahl zu 
erhalten. 



x Einen kurzen Überblick über die nationalsozialistischen Versuche, der „Verstädterung" 
entgegenzuwirken, bietet Arthur Schweitzer, „On Depression and War: Nazi Phase", Poli- 
lical Science Quarterly, LXII (1947), S. 321-353. 



62 



III 



RASSE, KAMPF UND MACHT 



Ich [möchte] will mich dabei gleich an dieser Stelle mit jener bürgerlichen Auf- 
fassung auseinandersetzen, die unter Macht meist nur den Waffenvorrat einer 
Nation im Auge hat, und zum geringeren Teil vielleicht auch noch die Armee als 
Organisation. Würde die Auffassung dieser Leute zutreffend sein, d. h. würde also 
die Macht eines Volkes wirklich in seinem Waffenbesitz und seiner Armee an sich 
liegen, dann müßte damit ein Volk, das durch irgendwelche Umstände Armee und 
Waffen verloren hat, für alle Zeiten erledigt sein. Das glauben aber diese bürger- 
lichen Politiker selber kaum. Allein schon indem sie dies bezweifeln, geben sie zu, 
daß Waffen und Heeresorganisation Dinge sind, die ersetzt werden können, mithin 
nicht primärer Natur sind, sondern daß es etwas gibt, was über ihnen steht und 
was damit zumindest die Quelle auch ihrer Macht (ist ? ) . Und dem ist auch so . Waffen 
und Heeresformen sind zerstörbar und sind ersetzbar. So groß vielleicht ihre Be- 
deutung für den Augenblick ist, so begrenzt ist sie, für längere Zeiträume betrachtet. 
Im Leben eines Volkes ist endgültig ausschlaggebend der Wille zur Selbsterhal- 
tung und die lebendigen Kräfte, die ihm dabei zur Verfügung stehen. Waffen 
können rosten, Formen können sich überleben, der Wille selbst kann beides immer 
wieder erneuern und einem Volk in jener Gestalt verschaffen, die der Augenblick 
der Not erfordert. Daß wir Deutschen unsere Waffen abliefern mußten, hat eine 
sehr geringe Bedeutung, soweit ich die materielle Seite dabei im Auge behalte. 
Und das ist doch die einzige, die unsere bürgerlichen Politiker sehen. Das Be- 
drückende in unserer Waffenablieferung hegt höchstens in den Begleitumständen, 
unter denen sie erfolgte, in unserer Gesinnung, die sie ermöglichte, sowie in der 
erbärmlichen Art der Durchführung, die wir erlebten. Viel schwerer wiegt die Zer- 
störung der Organisation unseres Heeres. Allein auch dort ist das Hauptunglück 
nicht in der Beseitigung der Organisation als Trägerin unseres Waffenbesitzes 
zu sehen, als vielmehr in der Aufhebung einer Institution der Erziehung unseres 
Volkes zur Mannbarkeit, wie sie kein anderer Staat der Welt besessen hat und 
allerdings auch kein Volk wohl so nötig brauchte, als unser deutsches. Das Ver- 
dienst unseres alten Heeres an der allgemeinen Disziplinierung unseres Volkes 
für Höchstleistungen auf allen Gebieten ist nicht abmeßbar. Gerade unser Volk, 
das in seiner inneren rassischen Zerrissenheit so sehr die Eigenschaften vermissen 
läßt, die z. B. den Engländer auszeichnen — geschlossenes Zusammenstehen in 
Zeiten der Gefahr — hat wenigstens einen Teil dieser bei anderen Völkern natür- 
lichen, instinktmäßig verankerten Veranlagung auf dem Wege der Erziehung durch 
das Heer erhalten. Die Menschen, die so gerne von Sozialismus reden, begreifen 
alle nicht, daß die höchste sozialistische Organisation überhaupt das deutsche 



63 



Volksheer gewesen ist. Daher auch der grimmige Haß des typisch kapitalistisch 
veranlagten Judentums gegen eine Organisation, in der nicht Geld identisch ist 
mit Stellung, Würde oder gar Ehre, sondern Leistung und in der überhaupt die 
Ehre, zu Menschen einer bestimmten Leistung zu gehören, größer geschätzt wird, 
als Vermögen und Reichtum zu besitzen. Eine Auffassung, die dem Juden ebenso 
fremd wie gefährlich erscheint, und die, wenn sie erst Allgemeingut eines Volkes 
sein würde, einen immunen Schutz gegen jede weitere jüdische Gefahr bedeuten 
würde. Würde z. B. in der Armee eine Offiziersstelle zu kaufen sein, so wäre dies 
dem Judentum verständlich. Unverständlich, ja unheimlich aber ist ihm eine 
Organisation, die einen Mann mit Ehre umgibt, der entweder überhaupt gar kein 
Vermögen besitzt, oder dessen Einkommen nur ein Bruchteil eines anderen ist, 
der gerade in dieser Organisation gar nicht geehrt oder geschätzt wird. Und darin 
aber lag die Hauptstärke dieser alten unvergleichlichen Einrichtung, die nur leider 
in den letzten 30 Friedensjahren allerdings auch langsam angefressen zu werden 
drohte. Sowie es Mode wurde, daß einzelne Offiziere, besonders adeliger Abstam- 
mung, sich ausgerechnet mit Warenhaus jüdinnen paarten, stieg für das alte Heer 
eine Gefahr auf, die sich bei fortschreitender gleicher Entwicklung eines Tages 
übel ausgewachsen hätte. Jedenfalls war in der Zeit Kaiser Wilhelms I. für solche 
Vorgänge kein Verständnis [gezeigt] übrig gewesen. Dennoch war, alles in allem 
genommen, noch um die Jahrhundertwende das deutsche Heer die grandioseste 
Organisation der Welt und seine Wirksamkeit für unser deutsches Volk eine mehr 
als segensreiche. Die Zuchtstätte deutscher Disziplin, deutscher Tüchtigkeit, 
gerader Gesinnung, offenen Mutes, kühnen Draufgängertums, zäher Beharrlich- 
keit und granitener Ehrlichkeit. Die Ehrauffassung eines ganzen Standes wurde 
langsam aber unmerklich Gemeingut eines ganzen Volkes. 

Daß diese Organisation durch den Friedensvertrag von Versailles zerstört wurde, 
war für unser deutsches Volk um so schlimmer, als unsere Gegner im Inneren damit 
endlich freie Bahn zum Auswirken ihrer schlimmsten Absichten bekamen, unser 
unfähiges Bürgertum aber mangels jeder Genialität und improvisatorischer Fähig- 
keit auch nicht den primitivsten Ersatz zu finden vermochte. 

Damit allerdings hat unser deutsches Volk Waffenbesitz und Waffenträgerin 
verloren. Allein dies ist in der Geschichte der Völker unzählige Male der Fall ge- 
wesen, ohne daß diese daran zu Grunde gegangen wären. Im Gegenteil: Nichts 
ist leichter zu ersetzen, als ein Waffenverlust und jede organisatorische Form 
kann wieder erschaffen oder erneuert werden. Was unersetzbar ist, ist das ver- 
dorbene Blut eines Volkes, der vernichtete innere Wert. 

Denn der heutigen bürgerlichen Auffassung, daß der Friedensvertrag von Ver- 
sailles unser Volk waffenlos gemacht habe, kann ich nur entgegenhalten, daß die 
wirkliehe Waffenlosigkeit in unserer pazifistisch-demokratischen Vergiftung liegt, 
sowie im Internationalismus, der die höchsten Kraftquellen unseres Volkes zer- 
stört und vergiftet. Denn die Quelle alier Macht eines Volkes liegt nicht in seinem 
Waffenbesitz oder in seiner Heeresorganisation, sondern in seinem inneren Wert, 



64 



der repräsentiert wird durch die rassische Bedeutung, also den Hassenwert eines 
Volkes an sich, durch das Vorhandensein höchster Einzelpersönlichkeitswerte, so- 
wie durch seine gesunde Einstellung zum Gedanken der Selbsterhaltung. 

Wenn wir als Nationalsozialisten mit dieser Auffassung über die wirkliche Kraft 
eines Volkes vor die Öffentlichkeit treten, dann wissen wir, daß damit die gesamte 
öffentliche Meinung heute gegen uns steht. Allein dies ist ja der tiefste Sinn unserer 
neuen Lehre, die uns als Weltanschauung von den anderen trennt. 

Indem wir von dem Grundsatze ausgehen, daß Volk nicht gleich Volk ist, ist auch 
Volkswert nicht gleich Volkswert. Wenn aber Volkswert nicht gleich Volkswert ist, 
dann hat mithin jedes Volk ganz abgesehen von seiner Zahl als summarischen Wert 
noch einen besonderen spezifischen Wert, der ihm zu eigen ist und der keinem ande- 
ren Volke vollständig gleich sein kann. Die Auswirkungen dieses jeweiligen besonde- 
ren Volkswertes können verschiedenster Art sein und auf den verschiedensten Gebie- 
ten liegen, zusammengefaßt aber ergeben sie doch einen Maßstab für die allgemeine 
Wertung eines Volkes überhaupt. Der letzte Ausdruck dieser allgemeinen Wertung 
ist das geschichtliche Kulturbild eines Volkes, in dem sich die Summe aller Ausstrah- 
lungen seines Blutswertes oder der in ihm vereinten Rassenwerte widerspiegeln. 

Dieser besondere Volkswert ist aber keineswegs nur ein ästhetisch -kultureller, 
sondern ein allgemeiner Lebenswert an sich. Denn er bildet das Leben eines Vol- 
kes überhaupt, formt und gestaltet es und liefert damit auch all jene Kräfte, die 
ein Volk zur Überwindung von Lebenswiderständen einzusetzen hat. Denn jeg- 
liche kulturelle Tat ist in Wahrheit die Besiegung einer, vom Menschen aus be- 
trachtet, bisher bestandenen Barbarei, jede kulturelle Schöpfung [damit] eine 
Hilfe zum Aufstieg der Menschen über seine bisher gezogene Begrenzung und 
damit eine Stärkung der Stellung dieser Menschen, so, daß auch im sogenannten 
kulturellen Wert eines Volkes in Wahrheit eine Kraft zur Lebensbehauptung liegt. 
Je größer aber mithin die inneren Kräfte eines Volkes in dieser Richtung sind, 
umso stärker auch die unzähligen Möglichkeiten zur Lebensbehauptung auf allen 
Gebieten des Lebenskampfes. Je höher mithin der Rassenwert eines Volkes ist, 
um so größer sein allgemeiner Lebenswert, [durch] den es dann zugunsten seines 
Lebens einzusetzen hat, im Kampfe und im Ringen mit anderen Völkern. 

Die Bedeutung des Blutswertes eines Volkes wird allerdings erst dann restlos 
wirksam, wenn dieser Wert von einem Volk erkannt, gebührend geschätzt und 
gewürdigt wird. Völker, die diesen Wert nicht begreifen oder mangels eines natür- 
lichen Instinktes ihn nicht mehr empfinden, beginnen ihn damit auch sofort zu 
verlieren. Blutsvermischung und Rassensenkung sind dann die Folgen, die aller- 
dings am Beginn nicht selten eingeleitet werden durch eine sogenannte Aus- 
länderei, in Wirklichkeit also ein Minderschätzen eigener kultureller Werte gegen- 
über denen fremder Völker. Sowie ein Volk den kulturellen Ausdruck des durch 
sein Blut bedingten eigenen Seelenlebens 1 nicht mehr würdigt oder sich seiner 

1 Hitler bezieht sich hier auf die Pseudo- Wissenschaft, die jeder Rasse eine eigene Seele 
zuschrieb. Sie wurde besonders von Dr. Ludwig Ferdinand Clauß in mehreren vom J. F. 



5 



65 



sogar zu schämen beginnt, um fremden Lebensansdrücken seine Sinne zuzuwen- 
den, verzichtet es auf die Kraft, die in der Harmonie seines Blutes und dem dar- 
aus entsprossenen kulturellen Leben liegt. Es wird zerrissen, unsicher in seiner 
Beurteilung des Weltbildes und seiner Äußerungen, verliert die Erkenntnis und 
das Gefühl für eigene Zweckmäßigkeiten, um an Stelle dessen im Wirrwarr 
internationaler Vorstellungen, Auffassungen und dem daraus entsprossenen Kul- 
turdurcheinander zu versinken. Dann kann der Jude in jeder Form seinen Einzug 
halten, und dieser Meister der internationalen Giftmischerei und Rassen Verderb- 
nis wird dann nicht eher ruhen, als bis er ein solches Volk restlos entwurzelt und 
damit verdorben hat. Das Ende ist dann der Verlust eines bestimmten einheit- 
lichen Rassenwertes und damit der endgültige Verfall. 

Daher ist auch jeder vorhandene rassische Wert eines Volkes so lange wirkungs- 
los, wenn nicht gar gefährdet, als nicht ein Volk bewußt sich seiner erinnert und 
ihn mit aller Sorgfalt pflegt, seine gesamten Hoffnungen aber in erster Linie auf 
ihn stützt und auf ihn aufbaut. 

Damit ist die internationale Gesinnung aber als Todfeindin dieses Wertes an- 
zusehen. Statt ihr muß das Bekenntnis zum eigenen Volkswert das gesamte 
Leben und Handeln eines Volkes erfüllen und bestimmen. 

So sehr nun auch im Volkswert der wahre Ewigkeitsfaktor für die Größe und 
Bedeutung eines Volkes zu suchen ist, so wenig wird dieser Wert an sich in seiner 
Gesamtheit zur Wirksamkeit gelangen, wenn nicht die zunächst schlummernden 
Energien und Talente eines Volkes ihre Erwecker finden. 

Denn so wenig die Menschheit einen gleichmäßigen Durchschnittswert besitzt, 
sondern aus verschiedenen Rassenwerten zusammengesetzt erscheint, so wenig 
ist der Persönlichkeitswert innerhalb eines Volkes bei allen seinen Angehörigen 
der gleiche. Jede Tat eines Volkes, sie mag liegen auf was immer für einem Ge- 
biete, ist das Ergebnis des schöpferischen Wirkens einer Persönlichkeit. -Es gibt 
keine Not, die ihre Behebung findet allein durch den Wunsch der von ihr Be- 
troffenen, solange nicht dieser allgemeine Wunsch seine Erlösung findet im Han- 
deln des für diese Aufgabe aus einem Volk erkorenen Menschen. Niemals haben 
Majoritäten schöpferische Leistungen vollbracht. Niemals Mehrheiten Erfindun- 
gen der Menschheit gegeben. Immer ist die einzelne Person Begründer des mensch- 
lichen Fortschrittes gewesen. Nun wird allerdings ein Volk eines bestimmten 
inneren Rassenwertes, soferne dieser Wert überhaupt sichtbar wird in seinen kul- 
turellen oder sonstigen Leistungen, von vorneherein die Persönlichkeitswerte be- 
sitzen müssen, da ja ohne deren Auftreten und schöpferische Betätigung das 
Kulturgemälde eines solchen Volkes nie entstanden wäre und damit die Möglich- 
keit jedes Rückschlusses auf den inneren Wert eines solchen Volkes fehlen würde. 
Indem ich den inneren rassischen Wert eines Volkes erwähne, taxiere ich ihn aus 

Lehmann- Verlag veröffentlichten Schriften popularisiert. Während des Zweiten Weltkrieges 
hielt ein Redner der Südosteuropa-Gesellsehaft Lichtbildervorträge über die „dinarische 
Rassenseele". Die Bilder der „dinarischen Rassenseele" sind leider nicht erhalten. 



66 



der Summe der mir vor Augen liegenden Leistungen und bestätige damit zugleich 
das Vorhandensein der jeweiligen Persönlichkeitswerte, die als Repräsentanten 
des Rassenwertes eines Volkes handelten und das Kulturbild schufen. So sehr also 
an sich Rassenwert und Persönlichkeitswert miteinander verknüpft erscheinen, 
weil ein rassisch wertloses Volk zumindest aus dieser Quelle keine bedeutenden 
schöpferischen Persönlichkeiten bekommen kann, wie es umgekehrt unmöglich 
erscheint, beim Pehlen schöpferischer Persönlichkeiten und deren Leistungen auf 
einen etwa vorhandenen rassischen Wert zu schließen, so sehr kann aber dennoch 
ein Volk durch die Art der formalen Konstruktion seines Organismus, der 
Volksgemeinschaft oder des Staates das Auswirken seiner Persönlichkeitswerte 
fördern oder wenigstens erleichtern oder aber sogar verhindern. 

Sowie ein Volk die Majorität zum Regenten seines Lebens einsetzt, also die Demo- 
kratie heutiger westlicher Auffassung einführt, wird es der Bedeutung des Persön- 
lichkeitsgedankens nicht nur Abbruch tun, sondern der Wirksamkeit der Persönlich- 
keitswerte einen Riegel vorschieben. Es verhindert durch eine formale Konstruktion 
seines Lebens die Entstehung und die Arbeit einzelner schöpferischer Personen. 

Denn dies ist der doppelte Fluch des heute herrschenden demokratisch-par- 
lamentarischen Systems: Es ist nicht nur selbst unfähig, wirklich schöpferische 
Leistungen zu vollbringen, sondern es verhindert auch das Emporkommen und 
damit die Arbeit solcher Männer, die über das Niveau des Durchschnitts irgendwie 
bedrohlich hinausragen. Denn der Majorität schien zu allen Zeiten am bedroh- 
lichsten der Mensch, dessen Größe über dem Durchschriittsmaß der allgemeinen 
Dummheit, Unzulänglichkeit, Feigheit, aber auch Überheblichkeit liegt. Hiezu 
kommt noch, daß durch die Demokratie auf nahezu gesetzmäßigem Wege minder- 
wertige Personen Führer werden müssen, so daß dieses System, auf irgendeine 
Institution konsequent angewendet, die gesamte Führermasse, soweit man dabei 
von einer solchen überhaupt noch reden kann, entwertet. Dies beruht auf der im 
Wesen der Demokratie liegenden Verantwortungslosigkeit. Majoritäten sind zu 
wenig faßbare Erscheinungen, als daß Bie irgendwie mit Verantwortung belastet 
werden könnten. Die von ihnen aufgestellten Führer sind in Wahrheit nur Voll- 
zugsstrecker des Willens der Majoritäten. Ihre Aufgabe ist daher weniger, geniale 
Pläne oder Ideen zu produzieren, um Bie dann gestützt auf einen vorhandenen 
Verwaltungsapparat durchzusetzen, als vielmehr die jeweiligen Majoritäten zu- 
sammenzubringen, die für die Durchführung bestimmter Absichten notwendig 
sind. Dabei richten sich aber weniger die Majoritäten nach den Absichten, als 
vielmehr die Absichten nach den Majoritäten. Ganz gleich, wie aber das Resultat 
eines solchen Handelns sein mag, es gibt keinen irgendwie faßbar dafür Verant- 
wortlichen, Dies um so mehr, als ohnehin jede wirklich getroffene Entscheidung 
das Resultat zahlreicher Kompromisse ist, die sie dann auch in ihrem Wesen und 
Inhalt zeigen wird. Wen will man aber dann dafür verantwortlich machen? 

Sowie nun die rein persönlich umrissene Verantwortlichkeit beseitigt wird, 
fällt der zwingendste Grund für das Entstehen eines kraftvollen Führertums 



67 



weg. Man vergleiche die auf die Autorität und Verantwortlichkeit der Einzel- 
person im höchsten Ausmaße eingestellte Heeres[emrichtung]organisation mit 
unseren demokratischen Zivneinrichtungen, und zwar in bezug auf die Resultate 
der beiderseitigen Führerausbildung, und man wird entsetzt sein. Im einen Fall 
eine Organisation von ebenso mutigen wie verantwortungsfreudigen und ihre Sache 
könnenden Männern, im anderen verantwortungsfeige Nichtskönner. 4 1 / 2 Jahre hat 
die deutsche Heeresorganisation der größten Feindesvereinigung aller Zeiten stand- 
gehalten. Die zivile demokratisch zersetzte innere Führung brach buchstäblich auf 
den ersten Anhieb einiger hundert Lumpen und Deserteure zusammen. 

Die Armseligkeit des deutschen Volkes an wirklich großen führenden Köpfen 
findet ihre einfachste Erklärung in der wüsten Zersetzung, die wir durch das 
demokratisch-parlamentarische System, das unser ganzes öffentliches Leben 
langsam anfrißt, vor uns sehen. 

Die Völker müssen sich entscheiden. Entweder sie wollen Majoritäten oder 
Köpfe. Beide zusammen vertragen sich nie. Großes aber auf dieser Erde haben 
bisher immer noch Köpfe geschaffen, und was sie schufen, wurde freilich dann meist 
durch Majoritäten dann wieder vernichtet. 

So kann ein Volk sehr wohl auf Grund seines allgemeinen Rassenwertes be- 
rechtigte Hoffnung besitzen, wirklichen Köpfen das Leben schenken zu können, 
allein es muß dann auch in der Art der Konstruktion seines Volkskörpers Formen 
suchen, die nicht künstlich, ja planmäßig solche Köpfe in ihrem Wirken unter- 
binden, eine Mauer von Dummheit dagegen aufrichten, kurz, sie nicht zur Wirk- 
samkeit gelangen lassen. 

Sonst wird eine der gewaltigsten Machtquellen eines Volkes verschüttet. 

[Als dritten Faktor der inneren Kraft eines Volkes haben wir die Erziehung 
zur Selbstbehauptung] 

Der dritte Faktor der Kraft eines Volkes ist sein gesunder natürlicher Selbst- 
erhaltungstrieb. Aus ihm resultieren dann zahlreiche heldische Tugenden, die 
einem Volke allein den Existenzkampf aufnehmen lassen. Keine Staatsleitung 
wird große Erfolge zu erzielen vermögen, wenn das Volk, dessen Interessen sie 
zu vertreten hat, zu feige und zu erbärmlich ist, sich selbst für diese Interessen 
einzusetzen. Keine Staatsleitung freilich wird erwarten dürfen, daß ein Volk 
Heroismus besitzt, das sie nicht selbst zum Heroismus erzieht. So wie der Inter- 
nationalismus den vorhandenen Bassenwert schädigt und damit schwächt, die 
Demokratie die Persöiüichkeitswerte zerstört, so lähmt der Pazifismus die natür- 
lichen Kräfte der Selbsterhaltung der Völker. 

Diese 3 Faktoren: der Volkswert an sich, die vorhandenen Persönlichkeits- 
werte sowie der gesunde Selbsterhaltungstrieb sind die Kraftquellen, aus denen 
eine weise und kühne Innenpolitik immer wieder die Waffen ziehen kann, die zur 
Selbstbehauptung eines Volkes notwendig sind. Dann werden Heereseinrichtun- 
gen und waffentechnische Fragen stets die Lösungen finden, die geeignet sind, 
einem Volke im schweren Kampf um die Freiheit und das tägliche Brot beizustehen. 



Verliert die innerpolitische Leitung eines Volkes diese Gesichtspunkte aus den 
Augen oder glaubt sie, nur waffentechnisch allein für einen Kampf sich rüsten 
zu müssen, dann kann sie Augenblickserfolge erzielen, soviel sie will, die Zukunft 
aber gehört einem solchen Volke dann nicht. Es war deshalb die Aufgabe aller 
wahrhaft großen Gesetzgeber und Staatsmänner dieser Erde nie die beschränkte 
Vorbereitung für einen Krieg als vielmehr die unbeschränkte innere Durch- 
und Ausbildung eines Volkes, so daß nach aller menschlichen Vernunft seine Zu- 
kunft fast gesetzmäßig gesichert erscheint. Dann verlieren auch Kriege den 
Charakter einzelner mehr oder minder gewaltiger Überraschungen, sondern glie- 
dern sich ein in ein natürliches, ja selbstverständliches System einer gründlichen, 
gut fundierten, dauerhaften Entwicklung eines Volkes, 

Daß die derzeitigen Staatsleitungen diese Gesichtspunkte wenig beachten, liegt 
teils im Wesen der Demokratie, der sie selbst ihre Existenz verdanken, zum an- 
deren aber darin, daß der Staat ein rein formaler Mechanismus geworden ist, 
der ihnen als Selbstzweck erscheint, ohne sich im geringsten mit den Interessen 
eines bestimmten Volkes decken zu müssen. Volk und Staat sind zwei verschiedene 
Begriffe geworden. Es wird Aufgabe der nationalsozialistischen Bewegung sein, 
für Deutschland hier einen grundsätzlichen Wandel herbeizuführen. 



69 



IV 



AUSSENPOLITISCHE KKITIK UND VORSCHLÄGE 



Wenn mithin die Aufgabe der Innenpolitik — neben der selbstverständlichen 
Befriedigung der sogenannten Tagesfragen — die Stählung und Stärkung eines 
Volkskörpers sein muß, indem sie planmäßig seine inneren Werte hegt und fördert, 
dann ist es Aufgabe der Außenpolitik, diese innere Ausbildungsarbeit eines Volks- 
körpers nach außen zu decken und mitzuhelfen, die allgemeinen Lebensvoraus- 
setzungen zu schaffen und zu sichern. Eine gesunde Außenpolitik wird dabei 
als letztes Ziel unverrückbar immer die Gewinnung der Ernährungsgrundlagen 
eines Volkes im Auge behalten müssen. Die Innenpolitik hat einem Volke die 
innere Kraft zu sichern für seine außenpolitische Behauptung. Die Außenpolitik 
hat einem Volk das Leben zu sichern für seine innenpolitische Entwicklung. Innen- 
politik und Außenpolitik sind damit nicht nur auf das engste miteinander ver- 
bunden, sondern haben gegenseitig ergänzend zu wirken. Die Tatsache, daß in 
großen Zeitläuften der menschlichen Geschichte die Innenpolitik sowohl als die 
Außenpolitik anderen Grundsätzen gehuldigt hat, beweist nichts für die Richtig- 
keit dessen, sondern hat nur den Beweis für den Irrtum eines solchen Handelns 
erbracht. Ungezählte Völker und Staaten sind als warnende Beispiele für uns zu 
Grunde gegangen, weil sie die oben angeführten elementaren Grundsätze nicht 
befolgt hatten. Es ist bemerkenswert, wie wenig der Mensch in seinem Leben an 
die Möglichkeit des Todes denkt. Wie wenig er im einzelnen sein Leben einrich- 
tet nach den Erfahrungen, die ungezählte Menschen vor ihm bereits machen 
mußten und die ihm an sich alle bekannt sind. Immer sind es nur Ausnahmen, die 
dies bedenken und kraft der Bedeutung ihrer Persönlichkeit nun versuchen, 
ihren Mitmenschen Lebensgesetze aufzuzwingen, denen die Erfahrungen vergan- 
gener Zeiten zu Grunde hegen. Es ist dabei bemerkenswert, daß ungezählte hygie- 
nische Maßnahmen, die zum Segen eines Volkes ausschlagen müssen, jedoch im 
einzelnen unbequem sind, durch die autokratische Bedeutung einzelner Personen 
der Allgemeinheit zur Befolgung förmlich aufgezwungen werden müssen, um aber 
im selben Moment wieder zu vergehen, in dem die Autorität der Persönlichkeit 
abgelöst wird durch den Massenwahn der Demokratie. Der Durchschnittsmensch 
hat vor dem Tode die meiste Angst und denkt in Wirklichkeit am seltensten an 
ihn. Der Bedeutende beschäftigt sich mit ihm am eindringlichsten und scheut 
ihn trotzdem am wenigsten. Der eine lebt blind in den Tag hinein, sündigt dar- 
auf los, um plötzlieh vor dem Allbezwinger zusammenzusinken. Der andere be- 
trachtet in aller Sorgfalt sein Kommen und bückt ihm dann allerdings gefaßt und 
ruhig ins Auge. 

Im Völkerleben ist es genauso. Es ist oft unheimlich zu sehen, wie wenig die 



70 



Menschen aus der Geschichte lernen wollen, wie gleichgültig blöde sie über ihre 
Erfahrungen hinwegschreiten, wie gedankenlos sie sündigen, ohne zu bedenken, 
daß gerade durch ihre Sünden schon soundso viel Völker und Staaten unterge- 
gangen, ja von der Erde verschwunden sind. Überhaupt, wie wenig sie sich mit 
der Tatsache beschäftigen, daß selbst in der kurzen Spanne Zeit, in die wir einen 
geschichtlichen Einblick besitzen, Staaten und Völker von manchmal fast giganti- 
scher Größe entstanden sind, um 2000 Jahre später spurlos zu vergehen, daß 
Weltmächte Kulturkreise beherrschten, von denen nur mehr die Sage kündet, 
Riesenstädte in Trümmer gesunken sind, daß kaum die Schutthalden übrig- 
blieben, um der heutigen Menschheit wenigstens den Ort ihrer Lage zu zeigen. 
Fast außer aller Vorstellung aber liegen die Sorgen, Nöte und Leiden der Millionen 
und Millionen einzelner Menschen, die einst als lebendige Substanz Träger und 
Opfer dieser Ereignisse gewesen sind. Unbekannte Menschen, unbekannte Solda- 
ten der Geschichte. Und wie gleichgültig ist in Wirklichkeit die Gegenwart. Wie 
unbegründet ihr ewiger Optimismus und wie verderblich ihre gewollte Unwis- 
senheit, ihr Nichtsehenmögen und ihr Nichtlernenwollen. Käme es auf die breite 
Masse an, so würde sich das Spiel des Kindes mit dem ihm unbekannten Feuer 
auch im größten Umfang ununterbrochen wiederholen. Es ist deshalb die Aufgabe 
der sich als Erzieher eines Volkes berufen fühlenden Mensehen, für sich aus der 
Geschichte zu lernen und ihr Wissen nun praktisch [nun] anzuwenden, ohne 
Rücksicht auf Einsicht, Verständnis, Unkenntnis oder auch Ablehnung durch die 
Masse, Die Größe eines Mannes ist um so bedeutender, je größer sein Mut war, 
im Gegensatz zu einer allgemein herrschenden, aber verderblichen Ansicht seine 
bessere Einsieht zum allgemeinen Siege zu führen. Sein Sieg wird um so größer er- 
scheinen, je gewaltiger die Widerstände waren, die überwunden werden mußten, 
und je aussichtsloser zunächst der Kampf schien 1 . 

Die nationalsozialistische Bewegung hätte kein Recht, sich als eine wahrhaft 
große Erscheinung im Leben des deutschen Volkes ansehen zu wollen, wenn sie 
nicht den Mut aufbrächte, aus den Erfahrungen der Vergangenheit (zu) lernen, die 
von ihr vertretenen Lebensgesetze allen Widerständen zum Trotz dem deutschen 
Volke aufzuzwingen. So gewaltig ihre innere Reformationsarbeit dabei auch sein 
wird, so [muß] daTf sie dabei doch nie vergessen, daß es einen wirklichen Wieder- 
aufstieg unseres Volkes auf die Dauer nicht gibt, wenn es ihrer außenpolitischen 
Tätigkeit nicht gelingt, unserem Volk die allgemeinen Ernährungsvorausset- 
zungen zu sichern. Sie ist damit im höchsten Sinne des Wortes zur Kämpferin 
für Freiheit und Brot geworden. Freiheit und Brot ist die einfachste und in Wirk- 
lichkeit doch größte außenpolitische Parole, die es für ein Volk geben kann. Die 
Freiheit, das Leben eines Volkes nach dessen eigenen Interessen ordnen und re- 
geln zu können, und das Brot, das dieses Volk zu seinem Leben nötig hat. 

1 Der Glaube an sich seibat, den Hitler in besonders großem Ausmaß besaß, wurde durch 
seinen Sieg im Kampf um die Macht nur verstärkt. Im Kriege veranlaßte dieser Glaube ihn, 
das Unmögliche zu versuchen, sozusagen gerade weil es unmöglich war. 



71 



Wenn ich heute dabei als Kritiker der außenpolitischen Leitung unseres Volkes 
der Vergangenheit und Gegenwart auftrete, dann bin ich mir bewußt, daß die 
Fehler, die ich heute sehe, auch von anderen gesehen wurden. Was mich vielleicht 
von diesen unterscheidet, ist nur die Tatsache, daß es sich [im einen Fall] in den 
meisten Fällen dabei nur um kritische Erkenntnisse gehandelt hat, ohne praktische 
Konsequenzen, während ich mich bemühe, aus meiner Einsicht in die Fehler und 
Irrtümer der früheren deutschen Innen- und Außenpolitik die Vorschläge zur 
Änderung und Besserung abzuleiten und das Instrument zu bilden, mit dem der- 
einst diese Änderungen und Verbesserungen verwirklicht werden können. 

Die Außenpolitik z. B. der wilhelminischen Periode wurde von nicht wenigen 
Menschen in Deutschland in vielen Fällen als verhängnisvoll empfunden und dem- 
gemäß charakterisiert. Besonders aus Kreisen des damaligen Alldeutschen Ver- 
bandes kamen ungezählte Warnungen, die im höchsten Sinne des Wortes be- 
rechtigt waren 1 . Ich selbst kann mich in die Tragik hineinversetzen, der damals 
alle diese Warner verfallen waren, zu sehen, wie und an was ein Volk zu Grunde 
geht, und dabei doch nicht helfen zu können. In den letzten Jahrzehnten der un- 
seligen Außenpolitik der Vorkriegszeit war in Deutschland das Parlament, also die 
Demokratie, nun nicht mächtig genug, die Köpfe für die politische Leitung des 
Reiches selbst bestimmen zu können. Dies war noch ein kaiserliches Recht, an 
dessen formaler Existenz man damals noch nicht zu rütteln wagte. Allein, der Ein- 
fluß der Demokratie war immerhin schon so stark geworden, daß den kaiserlichen 
Entschlüssen eine bestimmte Richtung bereits vorgeschrieben schien. Dies war 
deshalb von unheilvollen Wirkungen, weil nun ein nationaler Warner auf der 
einen Seite nicht mehr rechnen konnte, gegen die ausgesprochene Tendenz der 
Demokratie mit einem verantwortungsvollen Posten bekleidet zu werden, wäh- 
rend er umgekehrt aus allgemein patriotischen Vorstellungen heraus gegen Seine 
Majestät den Kaiser nicht mit der letzten Waffe der Opposition ankämpfen konnte. 
Der Gedanke eines Marsches nach Rom wäre im Deutschland der Vorkriegs- 
zeit absurd gewesen. So befand sich die nationale Opposition in der allersehlimm- 
sten Lage. Noch hatte die Demokratie nicht gesiegt, allein sie stand schon im 
wütenden Kampf gegen den monarchischen Staatsgedanken. Der monarchische 
Staat selbst beantwortete den Kampf der Demokratie nicht mit der Entschlos- 
senheit der Vernichtung derselben, als vielmehr mit ewigen Konzessionen, Wer 
damals gegen eine der beiden Einrichtungen Stellung nahm, lief Gefahr, von bei- 
den angefallen zu werden. Wer gegen einen kaiserlichen Entschluß aus nationalen 
Gründen opponierte, wurde ebensosehr vom Patriotismus verfemt als von der 



1 Hitler bezieht sich hier wohl besonders auf Heinrich Claß, Verfasser der Bücher Bilanz 
des Neuen Kurses (1903), Deutsche Geschichte (1908 unter dem Decknamen Einhart) und 
Wenn ich der Kaiser toär' (1912 unter dem Decknamen Fryman). Claß durfte nach 1933 als 
„Gast" der NSDAP im Reichstag sitzen. Siehe hierzu jetzt auch Alfred Krück, Geschichte 
des Alldeutschen Verbandes 1890—1939 (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Ge- 
schichte Mainz, Bd. 3), Wiesbaden: Franz Steiner Verlag, 1954. 



72 



Demokratie beschimpft. Wer gegen die Demokratie Stellung nahm, wurde von ihr 
bekämpft und vom Patriotismus im Stich gelassen. Ja, er lief Gefahr, vom Re- 
gierungsdeutschland schmählichst [geopfert] verraten zu werden, in der trauri- 
gen Hoffnung, durch ein solches Opfer das Wohlgefallen Jehovas erringen zu 
können und der jüdischen Pressemeute eine Zeitlang die Mäuler zu stopfen. Wie 
die Verhältnisse damals lagen, war eine Aussicht, gegen den Willen der Demo- 
kratie oder gegen den Willen S. Maj. des Kaisers in eine verantwortliche Stelle 
der Reichsleitung zu kommen und damit den Kurs der Außenpolitik ändern zu 
können, nicht vorhanden. Dies führte dazu, daß die Beanstandungen der deut- 
schen Außenpolitik ausschließlich auf dem Papier vorgebracht werden konnten, 
daß mithin eine Kritik einsetzte, die je länger, um so mehr die Charaktereigen- 
schaften der Journalistik annehmen mußte. Die Polge davon aber war, daß immer 
weniger Wert mangels jeder praktischen Realisierbarkeit auf positive Vorschläge 
gelegt wurde, während die rein kritische Betrachtung Anlaß zu zahllosen Aus- 
stellungen gab, die man in ihrer Vollständigkeit um so eher vorbringen konnte, 
als man dadurch hoffte, das verantwortliche schlechte Regiment zum Sturz zu 
bringen. Dies haben allerdings die Männer der Kritik von damals nicht erreicht 1 . 
Nicht das damalige Regiment wurde gestürzt, sondern es stürzte das deutsche 
Reich und mithin das deutsche Volk. Was sie jahrzehntelang vorhergesagt hatten, 
war nun eingetroffen. Man kann nicht ohne tiefstes Mitgefühl der Männer ge- 
denken, die vom Schicksal verdammt waren, 20 Jahre lang hindurch einen Zu- 
sammenbruch vorauszusagen und nun, ohne gehört worden zu sein und ohne damit 
helfen zu können, die tragischste Katastrophe ihres Volkes miterleben mußten. 

An Jahren gealtert, vergrämt und verbittert und doch erfüllt von dem Gedan- 
ken, helfen zu müssen, versuchten sie nun nach dem Sturz des kaiserlichen Re- 
giments, ihren Einfluß zur Wiedererhebung unseres Volkes geltend zu machen. 
Es war dies aus einer ganzen Anzahl von Gründen allerdings vergeblich. 

Als die Revolution den kaiserlichen Stab zerbrach und die Demokratie auf den 
Thron hob, da besaßen die Kritiker von damals so wenig eine Waffe, die Demo- 
kratie zu stürzen, als sie früher vermochten, die kaiserliche Regierung zu beein- 
flussen. Li ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit hatten sie sich so sehr auf eine reine 
literarische Behandlung der Probleme eingestellt, daß ihnen nun nicht nur 
die realen Machtmittel fehlten, ihrer Meinung einem Zustand gegenüber Aus- 
druck zu verleihen, der nur auf den Schrei der Straße reagiert, sondern es war 
ihnen auch die Fähigkeit abhanden gekommen, an die Organisation eines Macht- 
ausdrucks heranzugehen, der, wenn er wirksam sein sollte, mehr sein mußte als 
eine geschriebene Protestwelle. Sie alle hatten in den alten Parteien den Keim 
und die Ursache des Verfalls des Reiches gesehen. Im Gefühl ihrer inneren Sauber- 

1 Siehe hierzu das Buch von Hans W. Gatzke, Oermany's Drive to the West (Baltimore : 
Johns Hopkins Press, 1950), insbesondere Kapitel V, in dem Gatzke darlegt, wie die anne- 
xionistischen Kreise den Sieg im Kampf um die Regierung davontrugen — im Augenbliok, 
als Deutschland besiegt wurde. 



73 



keit mußten sie die Zumutung weit von sich weisen, nun selbst Parteien spielen 
zu wollen. Und doch konnten sie ihre Meinung praktisch nur dann durchsetzen, 
wenn sie die Möglichkeit erhielten, sie von einer großen Anzahl vertreten zu 
lassen. Und wenn sie tausendmal die Parteien zerschmettern wollten, so mußten 
sie zunächst eben immer noch erst die Partei bilden, die es als ihre Aufgabe an- 
sieht, die Parteien zu zerschmettern. Daß es dazu nicht kam, lag aber auch noch 
im folgenden: Je mehr der politische Widerstand dieser Männer einst gezwungen 
war, sich rein journalistisch zu äußern, um so mehr stellte er sich auf eine Kritik 
ein, die wohl alle Schwächen des damaligen Systems aufdeckte, die Fehlerhaftig- 
keit der einzelnen außenpolitischen Maßnahmen beleuchtete, allein mangels 
jeder Möglichkeit einer persönlichen Verantwortung positive Vorschläge um so mehr 
unterließ, als es naturgemäß im politischen Leben keine Handlung gibt, die neben 
ihren Lichtseiten nicht auch Schattenseiten besäße. Es gibt keine außenpolitische 
Kombination, die man jemals als restlos befriedigend ansehen wird können. Der 
Kritiker, der seine Hauptaufgabe, so wie die Dinge damals lagen, in der Beseiti- 
gung des im gesamten als unfähig erkannten Eegiments erblicken mußte, besaß 
keine Veranlassung, außer der dafür nützlichen kritischen Betrachtung der Hand- 
lungen dieses Regiments, mit positiven Vorsehlägen zu kommen, die infolge der 
auch ihnen anhaftenden Bedenken ebenso leicht einer kritischen Beleuchtung 
hätten unterzogen werden können. Der Kritiker wird nie die Bedeutung seiner 
Kritik schwächen wollen durch das Vorbringen von Vorschlägen, die selbst 
einer Kritik unterliegen könnten. Allmählich aber ging das rein kritische Den- 
ken den damaligen Vertretern der nationalen Opposition so sehr in Fleisch und 
Blut über, daß sie auch heute noch Innen- und Außenpolitik kritisch betrach- 
ten, auch nur kritisch behandeln. Sie sind zum größten Teil Kritiker geblieben, 
die sich deshalb auch heute weder innen- noch außenpolitisch zu einem klaren, 
eindeutigen positiven Entschluß durchringen können, teils aus eigener Unsicher- 
heit und Unentschlossenheit, teils aber auch aus Angst, dadurch den Gegnern 
einen billigen Stoff für deren eigene Kritik zu liefern. So möchte man in tau- 
send Dingen Besserungen und kann sich doch zu keinem einzigen Schritt ent- 
schließen, weil eben auch dieser Schritt wieder nicht restlos befriedigt, bedenk- 
liche Momente besitzt, kurz seine Schattenseiten hat, die sie erkennen und 
die sie verängstigen. Nun handelt es sich bei der Heilung eines Volkskörpers 
aus tiefen und schweren Krankheiten nicht darum, ein Rezept zu finden, das 
selbst vollkommen giftfrei ist, sondern nicht selten darum, ein Gift durch Ge- 
gengift zu brechen. Man muß den Mut haben, zur Beseitigung von als tödlich 
erkannten Zuständen auch Entschlüsse durchzusetzen und auszuführen, die selbst 
Gefahren in sich bergen. Als Kritiker steht mir das Recht zu, alle außenpolitischen 
Möglichkeiten durchzusehen und im einzelnen zu zerzausen je nach den bedenk- 
lichen Seiten oder Möglichkeiten, die sie in sich tragen. Als politischer Führer, 
der aber Geschichte machen will, muß ich mich zu einem Weg entschließen, auch 
wenn mir tausendmal die nüchterne Überlegung sagt, daß auch ihm gewisse Ge- 



74 



fahren anhängen und daß auch er nicht zu einem vielleicht restlos befriedigenden 
Ende führt. Ich kann nicht auf einen Erfolg deshalb Verzicht leisten, weil er nicht 
hundertprozentig ist. Ich darf nicht einen Schritt unterlassen, weil er vielleicht 
kein voller sein wird, wenn der Ort, auf dem ich mich augenblicklich befinde, schon 
in nächster Zeit meinen unbedingten Tod mit sich bringt. Ich darf auch eine politi- 
sche Aktion nicht deshalb ablehnen, weil sie außer einem Nutzen für mein Volk 
auch einen Nutzen für ein anderes Volk bringen wird. Ja, ich darf dies nicht ein- 
mal dann tun, wenn der Nutzen der anderen größer sein wird als der eigene, wenn 
im Falle der Unterlassung der Aktion das Unglück meines Volkes mit unbedingter 
Sicherheit feststeht. 

Ich habe heute gerade aus der rein kritischen Betrachtungsweise vieler Men- 
schen die schwersten Widerstände vorgelegt erhalten. Man erkennt das und das 
und das als gut und als richtig an, allein man kann trotzdem nicht mitmachen, 
weil das und das und das bedenklich ist. Man weiß, daß Deutschland und unser 
Volk zu Grunde gehen wird, allein man kann sich der Aktion der Rettung 
nicht anschließen, weil man auch bei ihr dieses oder jenes entdeckt, was zumindest 
ein Schönheitsfehler ist. Kurz, man sieht den Verfall und bringt nicht die Ent- 
schlußkraft auf, sich ihm entgegenzustemmen, weil im Widerstand und in dieser 
Tat selbst schon wieder irgendeine bedenkliche Möglichkeit herausgewittert wird. 

Dieser traurigen Mentalität [entspringt] verdankt noch ein weiteres Übel sein 
Dasein. Es gibt heute nicht wenige und besonders sogenannte gebildete Menschen, 
die, wenn sie sich schon entschließen, eine bestimmte Tat zu decken oder gar zu 
fördern, erst sorgfältig abwägen, wieviel Prozent Wahrscheinlichkeit des Gelin- 
gens besteht, um dann die Größe ihres Einsatzes ebenfalls nach diesen Prozenten 
zu berechnen. Das heißt also: Weil zum Beispiel irgendein außenpolitischer 
oder innenpolitischer Entschluß nicht restlos befriedigend ist und dabei nicht 
ganz sicher im Erfolg erscheint, darf man ihn auch nicht restlos in voller Hingabe 
aller Kraft vertreten. Diese Unglücklichen haben gar kein Verständnis dafür, 
daß im Gegenteil ein Entschluß, den ich an sich für notwendig erachte, der aber 
in seinem Erfolg nicht vollkommen sicher erscheint, oder dessen Erfolg nur eine 
teilweise Befriedigung bieten wird, mit erhöhter Energie durchgefochten werden 
muß, daß, was an Prozenten der Erfolgsmöglichkeit fehlt, an Energie der Durch- 
führung ersetzt werden muß. Daß also immer nur die eine Frage zu prüfen ist, 
ob eine Situation einen bestimmten Entschluß erfordert oder nicht. Ist ein solcher 
Entschluß aber als notwendig einwandfrei festgestellt und erkannt, dann muß 
seine Durchführung mit brutalster Rücksichtslosigkeit und höchstem Krafteinsatz 
erfolgen und wenn tausendmal auch das endgültige Resultat selbst wieder unbe- 
friedigend oder verbesserungsbedürftig sein wird oder möglicherweise überhaupt 
nur mit wenig Prozent Wahrscheinlichkeit eintreffen wird. 

Wenn ein Mensch dem Krebs verfallen erscheint und unbedingt sterben muß, 
dann wäre es unsinnig, eine Operation abzulehnen, weil sie entweder nur mit wenig 
Prozent Sicherheit gelingt und der Kranke aber selbst im Falle des Gelingens 



75 



immer noch kein lOOprozentig Gesunder sein wird. Noch viel unsinniger aber 
wäre es, wenn der Arzt die Operation selber infolge dieser beschränkten Aussich- 
ten nur mit beschränkter oder halber Energie ausführen würde. Dieses Unsinnigste 
aber erwarten diese Menschen in innen- und außenpolitischen Dingen ununter- 
brochen. Weil eine politische Operation im Erfolg nicht ganz sicher ist oder im 
Resultat nicht restlos befriedigend sein wird, verzichten sie nicht nur auf die 
Durchführung, sondern erwarten, im Falle diese trotzdem stattfindet, daß sie 
zumindest nur mit zurückgehaltenen Kräften erfolgt, ohne vollständige Hingabe, 
immer in der stillen Hoffnung, sich vielleicht ein Hintertürchen des Rückzuges 
offenhalten zu können. Das ist der Soldat, der auf freiem Felde von einem Tank 
angegriffen wird und [infolge der] in Ansehung der Unsicherheit des Erfolgs sei- 
nes Widerstandes diesen von vorneherein auch nur mehr mit halber Kraft führt. 
Sein Hintertürchen ist dabei die Flucht und sein Ende der sichere Tod. 

Nein, das deutsche Volk ist heute von einer Meute beutegieriger Feinde innen 
und außen überfallen. Die Fortdauer dieses Zustandes ist unser Tod. Jede Mög- 
lichkeit, ihn zu brechen, muß ergriffen werden und, wenn ihr Resultat tausendmal 
ebenfalls Schwächen oder bedenkliche Seiten an sich haben wird. [Wer dem Teufel 
verfallen ist, hat wenig Wahl in seinen Bundesgenossen] Und jede solche Möglich- 
keit muß dabei durchgefochten werden mit äußerster Energie, 

Der [Sieg] Erfolg der Schlacht von Leuthen war unsicher, der Kampf aber 
notwendig. Friedrich der Große hat nicht gesiegt, weil er deshalb nur mit halber 
Kraft den Gegnern gegenübertrat, sondern nur, weil er die Unsicherheit des Er- 
folges ersetzte durch das Übermaß seiner Genialität, der Kühnheit und Ent- 
schlossenheit seiner Anordnungen und der Verwegenheit, mit der seine Regimenter 
fochten. 

Ich fürchte ja allerdings, ich werde von meinen bürgerlichen Kritikern nie ver- 
standen werden, zumindest so lange, bis nicht der Erfolg ihnen die Richtigkeit 
unseres Handelns beweisen wird. Der Mann des Volkes hat hier einen besseren 
[Instinkt] Berater. Er setzt an Stelle der klügelnden Weisheit unserer Intellek- 
tuellen die Sicherheit seines [Gefühls] Instinkts und den Glauben seines Herzens. 

Wenn ich mich aber hier in diesem Werke mit Außenpolitik beschäftige, dann 
tue ich dies nicht als Kritiker, sondern als Führer der nationalsozialistischen Be- 
wegung, von der ich weiß, daß sie einst Geschichte machen wird. Wenn ich dabei 
dennoch gezwungen bin, Vergangenes und Gegenwärtiges kritisch zu betrachten, 
dann nur, um den eigenen positiven Weg zu begründen und verständlich er- 
scheinen zu lassen. So wie die nationalsozialistische Bewegung innenpolitisch nicht 
nur Kritik übt, sondern ihr eigenes weltanschaulich begründetes Programm be- 
sitzt, so hat sie auch außenpolitisch nicht nur zu erkennen, was andere falsch 
gemacht haben, sondern aus dieser Erkenntnis ihr eigenes Handeln abzuleiten. 

Damit weiß ich genau, daß auch unser höchster Erfolg kein lOOprozentiges 
Glück schafft, weil bei der Unzulänglichkeit der Menschen und der dadurch be- 
dingten allgemeinen Umstände die letzte Vollendung ewig nur in der program - 



76 



matischen Theorie liegt. Ich weiß auch weiter, daß kein Erfolg errungen wird 
ohne Opfer, so, wie kein Sieg erfochten wird ohne eigene Verluste. Niemals aber 
wird mich die Erkenntnis der Unvollkommenheit eines Erfolges davon abhalten 
können, dem erkannten vollkommenen Untergang einen solchen unvollkommenen 
Erfolg vorzuziehen. Ich werde mich dann dafür einsetzen, versuchen, das was 
an Erfolgswahrscheinlichkeit oder Erfolgsgröße fehlt, durch größere Entschlos- 
senheit noch aufzuwiegen und diesen Geist auf die von mir geführte Bewegung 
zu übertragen. Wir kämpfen heute gegen eine feindliche Front, die wir durch- 
brechen müssen und durchbrechen werden. Wir ermessen die eigenen Opfer, wägen 
ab die Größe des möglichen Erfolges und werden zum Angriff schreiten, ganz gleich, 
ob er 10 oder 1000 Kilometer hinter den heutigen Linien zum Stehen kommen 
wird. Denn wo immer auch unser Erfolg endet, er wird stetB nur der Ausgangs- 
punkt eines neuen Kampfes sein 1 . 



1 Hitler deckt hier die wahre Natur seiner Weltanschauung auf; den ewigen Kampf, in dem 
jede« erreichte Ziel die Ausgangsstellung für den nächsten Angriff wird. Siehe hierzu Hans 
Buchheim, Olaubemkrise im Dritten Reich, Drei Kapitel nationalsozialistischer Beligionspolitik 
(Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1953), S. 9-34. 

77 



V 



DIE POLITIK DER NSDAP 



Ich bin deutscher Nationalist. Das heißt, ich bekenne mich zu meinem Volks- 
tum. Mein gesamtes Denken und Handeln gehört ihm. Ich bin Sozialist. Ich sehe 
vor mir keine Klasse und keinen Stand, sondern jene Gemeinschaft von Menschen, 
die blutsmäßig verbunden, durch eine Sprache geeint, einem allgemeinen gleichen 
Schicksal unterworfen sind. Ich hebe das Volk und hasse nur seine jeweiligen 
Majoritäten, weil ich in ihnen ebensowenig eine Repräsentantin der Größe wie 
des Glückes meines Volkes ersehe. 

Die nationalsozialistische Bewegung, die ich heute führe, sieht als ihr Ziel 
die Befreiung unseres Volkes innen und außen an. Sie will unserem Volke im 
Innern jene Formen des Lebens geben, die seinem Wesen angepaßt erscheinen 
und als Ausdruck dieses Wesens ihm selbst wieder zugute kommen. Sie will 
damit das Wesen dieses Volkes erhalten und durch planmäßige Förderung seiner 
besten Mensehen und besten Tugenden höher züchten. Sie tritt ein für die äußere 
Freiheit dieses Volkes, weil nur unter ihr dieses Leben jene Gestaltung zu finden 
vermag, die dem eigenen Volke dienlich ist. Sie kämpft für das tägliche Brot die- 
ses Volkes, weil sie [im Hunger] das Recht des Lebens dieses Volkes verficht. 
Sie kämpft für den notwendigen Raum, weil sie die Lebensrechte dieses Volkes 
vertritt. 

Damit versteht die nationalsozialistische Bewegung unter dem Begriff „Innen- 
politik" die Förderung, Stärkung und Festigung der Existenz unseres Volkes durch 
die Einführung von Lebensformen und Lebensgesetzen, die dem Wesen unseres 
Volkes entsprechen und seine grundsätzlichen Kräfte zur Auswirkung zu bringen 
vermögen. 

Sie versteht unter Außenpolitik die Sicherung dieser Entwicklung durch Er- 
haltung der Freiheit und Beschaffung der notwendigsten Voraussetzungen zum 
Leben. 

Damit unterscheidet sich außenpolitisch die nationalsozialistische Bewegung 
von den bisherigen bürgerlichen Parteien etwa in folgendem: Die Außenpolitik 
der nationalen bürgerlichen Welt ist in Wahrheit stets nur eine Grenzpolitik 
gewesen, die der nationalsozialistischen Bewegung wird demgegenüber immer 
eine Raumpolitik sein. Das deutsche Bürgertum wird in seinen kühnsten Plänen 
etwa bis zum Zusammenschluß der deutschen Nation gelangen, in Wirklichkeit 
aber meist in stümperhaftem Grenzregulieren aufgehen. 

Die nationalsozialistische Bewegung wird dem gegenüber stets ihre Außen- 
politik von der Notwendigkeit bestimmen lassen, dem Leben unseres Volkes den 
nötigen Raum zu sichern. Sie kennt kein Germanisieren oder Deutschisieren, wie 



78 



dies beim nationalen Bürgertum der Fall ist, sondern nur eine Ausbreitung des 
eigenen Volkes. Sie wird im unterworfenen, sogenannten germanisierten Tsche- 
chen oder Polen niemals eine nationale oder gar völkische Stärkung erblicken, 
sondern eine rassische Schwächung unseres Volkes. Denn ihre Nationalauffassung 
wird nicht bestimmt von bisherigen patriotischen Staatsgedanken, als vielmehr 
von völkischen, rassischen Erkenntnissen. Damit ist der Ausgangspunkt ihres 
Denkens ein ganz anderer als der der bürgerlichen Welt. Manches, was dem 
nationalen Bürgertum deshalb als politischer Erfolg der Vergangenheit und Ge- 
genwart erscheint, ist für uns entweder ein Mißerfolg oder die Ursache eines spä- 
teren Unglücks. Und vieles, was wir als selbstverständlich ansehen, erscheint 
dem deutschen Bürgertum als unbegreiflich oder gar grauenhaft. 

Dennoch wird mich besonders ein Teil der deutschen Jugend aus bürgerlichen 
Kreisen zu verstehen vermögen. Und weder ich noch die nationalsozialistische 
Bewegung rechnen überhaupt damit, aus den Kreisen des heutigen tätigen 
politisch-nationalen Bürgertums eine Unterstützung zu finden, wohl aber wissen 
wir, daß zumindest ein Teil der Jugend den Weg in unsere Reihen finden wird. 

[Für sie] 



79 



VI 



VON DER BEICHSEINIGUNG ZUR RAUMPOLITIK 



Die Frage der Außenpolitik eines Volkes wird bestimmt durch Faktoren, die 
teils innerhalb eines Volkes liegen, teils durch die Umwelt [bestimmt] gegeben 
sind. Die inneren Faktoren sind im allgemeinen Gründe der Notwendigkeit für 
eine bestimmte Außenpolitik sowie der Umfang der Kraft, die zu ihrer Durch- 
führung vorhanden ist. Völker auf unmöglicher Bodenfläche werden grundsätz- 
lich, zumindest solange sie gesund geführt sind, stets das Bestreben haben, ihren 
Boden, mithin Lebensraum, zu erweitern. Dieser ursprünglich nur in der Nahrungs- 
sorge begründete Vorgang erschien in seiner glücklichen Lösung so segensreich, 
daß er allmählich den Ruhm des Erfolges an sieh erhielt. Das heißt, die Raum- 
erweiterung, die ihren ersten Grund in reinen Zweckmäßigkeiten besaß, wurde im 
Laufe der Menschheitsentwicklung zur heroischen Tat, die dann auch stattfand, 
wenn die ursprünglichen Voraussetzungen oder Veranlassungen auch fehlten. 
Aus dem Versuch, den Lebensraum der gestiegenen Volkszahl anzupassen, wurden 
später unmotivierte Eroberungskriege, die in ihrer Nichtmotivierung den Keim 
zum späteren Rückschlag in sich trugen. Die Antwort darauf ist der Pazifismus. 
Es gibt auf der Welt einen Pazifismus, seit es Kriege gibt, die ihren Sinn nicht mehr 
in der Eroberung von Boden für die Ernährung eines Volkes hatten. Er ist seit- 
dem der ewige Begleiter des Krieges geworden. Er wird wieder verschwinden, 
sowie der Krieg aufgehört hat, ein Instrument beute- oder machthungriger Einzel- 
personen oder Völker zu sein, und sowie er wieder die letzte Waffe wird, mit der 
das Volk um das tägliche Brot ficht. 

Die Erweiterung des Lebensraumes eines Volkes zur Brotgewinnung wird aber 
auch in alle Zukunft den gesamten Krafteinsatz eines Volkes erfordern. Wenn es 
die Aufgabe der Innenpolitik ist, diesen Krafteinsatz vorzubereiten, dann ist es 
die Aufgabe der Außenpolitik, ihn so zu führen, daß ein möglichst hoher Erfolg 
gesichert erscheint. Dies ist allerdings bedingt nicht nur durch die Kraft des je- 
weils handeln wollenden Volkes, sondern auch durch die Macht der Widerstände. 
Das Mißverhältnis der Kraft der miteinander um Boden ringenden Völker führt 
immer wieder zu dem Versuch, auf dem Wege von Zusammenschlüssen entweder 
selbst erobernd aufzutreten oder dem übermächtigen Eroberer Widerstand zu 
leisten. 

Dies ist der Beginn der Bündnispolitik. 

Das deutsche Volk hatte nach dem siegreichen Kriege des Jahres 1870/71 in 
Europa eine unendlich geachtete Stellung errungen. Eine große Anzahl deutscher 
Staaten, die bisher untereinander nur lose verbunden waren, ja, in der Geschichte 
sich nicht selten feindlich gegenüberstanden, wurden dank den Erfolgen Bis- 



80 



marckischer Staatskunst und preußisch-deutscher Heeresleistung zu einem Reich 
zusammengefaßt. Eine 170 Jahre vorher verlorene Provinz des alten deutschen 
Reiches, die damals von Frankreich in einem abgekürzten Raub verfahren endgültig 
annektiert worden war, kam zum Mutterlande zurück. Zahlenmäßig war damit der 
größte Teil der deutschen Nation, zumindest in Europa, in einem einheitlichen 

Staatsgebilde vereint. Bedenklich war es, daß schließlich dieses Staatsgebilde 

Millionen Polen und zu Franzosen gewordene Elsässer und Lothringer um- 
schloß 1 . Es entsprach dies weder der Idee eines Nationalstaates noch der eines völ- 
kischen. Der Nationalstaat bürgerlicher Auffassung mußte dann zumindest die Ein- 
heitlichkeit der Staatssprache sicherstellen, und zwar bis herunter zur letzten Schule 
und zur letzten Straßentafel. Er mußte weiter in Erziehung und Leben diese Men- 
schen dem deutschen Gedanken einfügen und zu Trägern dieses Gedankens machen. 

Man hat dies schwächlich versucht, ernstlich vielleicht nie gewollt und in der 
Praxis das Gegenteil erreicht 2 . 

Der völkische Staat durfte umgekehrt unter gar keinen Umständen Polen mit 
der Absicht annektieren, aus ihnen eines Tages Deutsche machen zu wollen. Er 
mußte im Gegenteil den Entschluß fassen, entweder diese rassisch fremden Ele- 
mente abzukapseln, um nicht das Blut des eigenen Volkes immer wieder zersetzen 
zu lassen, oder er mußte sie überhaupt kurzerhand entfernen und den dadurch 
freigewordenen Grund und Boden den eigenen Volksgenossen überweisen*. 

Daß es [sie] zu einer solchen Tat der bürgerlich-nationale Staat nicht fähig war, ist 
selbstverständlich. Weder hat man je daran gedacht, noch hätte man so etwas 
nie getan 4 . Aber selbst wenn der Wille dazu vorhanden gewesen wäre, so hätte 

1 Hitler hatte die notwendigen Ziffern während des Diktates nicht im Kopf; weder an dieser 
oder ähnlichen Stellen des Dokuments wurden solche Ziffern zu einem späteren Zeitpunkt 
eingefügt. Über drei Millionen Polen lebten vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland; wie- 
viele „zu Franzosen gewordene Elsässer und Lothringer" Hitler zählen würde, kann nicht ge- 
schätzt werden. 

2 Siehe Richard W. Tims, Germanizing Prussian Pökmd: The H-K-T Society and the Struggle 
for the Eastern Marches in the German Empire 1894—1919 (New York, 1941) und die neuer- 
liche Zusammenfassung, Robert L. Koehl, „Coloniahsm Inside Germany, 1886—1918", Jour- 
nal of Modern Hietorry, XXV (1953), S. 256—272. Einen Rückblick vom offiziösen national- 
sozialistischen Standpunkt gibt Manfred Laubert, „Die preußische Polenpolitik" im J ahrbuch I 
(1941) des Instituts für Deutsche Ostarbeifc Krakau, welches auch die 3. verb. Aufl. seines 
Werkes Die preußische Polenpolitik von 1772—1914 in seine Schriftenreihe aufnahm. 

3 Hier gibt Hitler ganz klar die Linien der Politik, die später von Heinrich Himmler als 
„Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums" durchgeführt wurde. Volks- 
gruppen wurden hin und her geschoben, um die letzten Einfälle der Machthaber in die Wirk- 
lichkeit umzusetzen und gleichzeitig bewährten Dienern große Güter zu schenken (z. B. 
Generaloberst Guderian). Hierzu siehe den schon zitierten Artikel Helmut Heibers über den 
Generalplan Ost. Ferner Arnold Toynbee, Hitler's Europe (Survey of International Affairs 
1939-1946) (London: Oxford University Press, 1954) und Koehl, BKFDV; German Be- 
setttement and Population Policy, 1939—1945 (Cambridge, Mass. : Harvard University Press, 
1957), mit den dort angeführten Quellen. 

4 Die Häufung von Negationen ist eine Hitlersche Stileigenschaft. 



6 



81 



die Macht nicht ausgereicht, dies durchzuführen, weniger wegen den Rückwir- 
kungen in der übrigen Welt als wegen dem vollkommenen Unverständnis, das 
eine solche Aktion in den Reihen des eigenen sogenannten nationalen Bürgertums 
gefunden hätte. Die bürgerliche Welt hat einst vermeint, die feudale stürzen zu 
können, während sie in Wirklichkeit nur deren Fehler durch bürgerliche Pfeffer- 
säcke, [Professoren] Advokaten und Journalisten weiterführen ließ. Sie hat nie 
eine eigene Idee besessen, wohl aber maßlos viel Einbildung und Geld, 

Damit allein kann man aber keine Welt überwinden, noch eine andere aufbauen. 
Daher wird die Periode der bürgerlichen Regierungszeit in der Weltgeschichte 
eine ebenso kurze wie unanständig erbärmliche sein. 

So hat zunächst die Gründung des Reiches auch Giftstoffe in den neuen Staats- 
körper mit aufgenommen, deren destruktive Wirkung um so weniger ausbleiben 
konnte, als zu allem Überfluß die bürgerliche Gleichberechtigung dem Juden die 
Möglichkeit gab, sich ihrer als sicherste Stoßtruppen zu bedienen. 

Davon abgesehen aber hat das Reich wenn auch den größten, so doch nur einen 
Teil der deutschen Nation erfaßt. Es wäre selbstverständlich gewesen, daß, wenn 
der neue Staat schon kein großes außenpolitisches Ziel besessen hätte völkischer 
Art, daß er dann aber zumindest als sogenannter bürgerlicher nationaler Staat, 
als kleinstes außenpolitisches Ziel, die weitere Einigung und Zusammenfassung 
der deutschen Nation hätte im Auge behalten müssen. Etwas, das der bürger liehe, 
nationale,. italienische Staat nie vergaß 1 . 

So hatte das deutsche Volk einen Nationalstaat erhalten, der die Nation in 
Wirklichkeit nicht restlos umfaßte. 

Damit waren die neuen Reichsgrenzen nationalpolitisch genommen unvollstän- 
dige. Sie liefen quer durchs deutsche Sprachgebiet, und zwar durch Teile, die wenig- 
stens vordem noch, wenn auch in losester Form, zum DeutschenBund gehört hatten. 

Noch viel unbefriedigender waren diese neuen Grenzen aber von militärischen 
Gesichtspunkten aus besehen. Überall ungedeckte, offene Gebiete, die, besonders 
im Westen, zu allem Überfluß noch von ausschlaggebender Bedeutung für die 
deutsche Wirtschaft weit über die Grenzgebiete hinaus waren. Diese Grenzen 
waren militärpolitisch um so ungünstiger, als sich [am Rande] um Deutschland 
einige Großstaaten gruppierten mit ebenso aggressivem außenpolitischem Ziel wie 
militärisch ausgiebigen Mitteln. Rußland im Osten, Frankreich im Westen. Zwei 
Militärstaaten, von denen der eine nach Ost- und Westpreußen schielte, während 
der andere sein außenpolitisches jahrhundertelanges Ziel der Errichtung einer 
Rheingrenze unermüdüch verfolgte 2 . Dazu kam noch England, die maritim 
gewaltigste Macht der Erde. So weit und ungedeckt die deutschen Landgrenzen 
im Osten und Westen waren, so ungünstig beengt demgegenüber die mögliche Ope- 

1 Hitler bezieht sich auf den italienischen Irredentismus, der nach. 1870 auf österrei- 
chische Gebiete mit zumindest angeblichen italienischen Bevölkerungamehrheiten Anspruch 
erhob. 

2 Hitler unterschiebt hier dem Gegner Gedankengänge, die seinen eigenen gleichen. 



82 



rationsbasis eines Seekrieges. Nichts hat denn auch die Bekämpfung des deutschen 
U-Bootskrieges mehr erleichtert, als die räumlich bedingte Einschnürung seines Aus- 
laufgebietes. Das nasse Dreieck war leichter zu sperren und zu überwachen, als dies 
bei einer Küste von sagen wir 600 oder 800 km Ausdehnung der Fall gewesen wäre. 
Alles in allem genommen, haben die neuen Reichsgrenzen, vom militärischen Ge- 
sichtspunkt aus betrachtet, nichts Befriedigendes an sich gehabt. Nirgends ein na- 
türliches Hindernis oder ein natürlicher Schutz. Dafür aber überall militärisch hoch- 
entwickelte Machtstaaten mit Deutschland feindlichen außenpolitischen Hinter- 
gedanken. Die Bismarckische Vorausahnung, daß das von ihm gegründete neue 
Reich seinen Bestand noch einmal mit dem Schwerte wahren werde müssen, war 
zutiefst begründet. Bismarck sprach aus, was 45 Jahre später sich erfüllt hat. 

So wenig genügend also die neuen Reichsgrenzen national- und militärpolitisch 
sein konnten, so waren sie aber doch noch viel ungenügender vom Standpunkte 
der ErnährungsmögUchkeit des deutschen Volkes. 

Deutschland war eigentlich stets ein übervölkertes Gebiet. Es lag dies in der 
Natur der Einkeilung des deutschen Volkes in Mitteleuropa einerseits, der kultu- 
rellen und tatsächlichen Bedeutung dieses Volkes und seiner rein menschlichen 
Fruchtbarkeit andererseits. Das deutsche Volk befand sich seit seinem historischen 
Eintritt in die Weltgeschichte stets in Raumnot. Ja, sein erstes politisches Auf- 
treten überhaupt wird erzwungen durch diese Not. Und seit dem Beginn der Völ- 
kerwanderung hat unser Volk niemals mehr seine Raumnot zu beseitigen ver- 
mocht, außer durch Schwerteroberung oder durch eigene Volksverminderung. 
Diese Volksverminderung besorgten bald der Hunger, bald die Auswanderung, 
manches Mal endlose unglückliche Kriege, und sie wird besorgt in der letzten Zeit 
durch die freiwillige Geburtenbeschränkung. 

Die Kriege der Jahre 64, 66 und 70/71 hatten ihren Sinn im nationalpolitischen 
Zusammenschluß eines Teiles des deutschen Volkes und in der dadurch endgülti- 
gen Beendigung der deutschen Zersplitterung staatspolitischer Art. Die Fahne 
des neuen Reiches, schwarzweißrot, hatte deshalb auch nicht die geringste welt- 
anschauliche Bedeutung, sondern nur eine deutschnationale im Sinne der Über- 
windung bisheriger staatspolitiseher Zerrissenheit. Die schwarzweißrote Flagge 
war damit zum Symbol des die Zersplitterung überwindenden deutschen Bundes- 
staates goworden. Daß sie nichtsdestoweniger und trotz ihrer Jugend eine geradezu 
abgöttische Verehrung genoß, lag begründet in der Art ihrer Taufe, die ja auch 
die Geburt des Reiches selbst so unendlich heraushob über ähnliche Vorgänge 
sonst. Drei siegreiche Kriege, von denen der letzte zu einem förmlichen Wunder 
deutscher Staatskunst, deutscher Heeresleitung und deutschen Heldensinns 
wurde, sind die Taten, aus denen das neue Reich entsteht. Und als es endlich 
in der Kaiserproklamation durch seinen größten Reichsherold sich selbst der 
Mitwelt verkündet, da [dröhnen] tönt in die Musik der Fanfaren das Dröhnen der 
Batterien der Pariser Einschließungsfront. 

So wurde noch nie ein Kaiserreich proklamiert. 



83 



Die schwarzweißrote Flagge aber erschien dem deutschen Volk als das Symbol 
dieses einzigartigen Vorgangs genauso, wie die schwarzrotgelbe das Symbol der 
Novemberrevolution ist und bleiben wird. 

So sehr nun auch unter dieser Fahne die deutschen Einzelstaaten mehr und 
mehr miteinander verschmolzen und so sehr das neue Reich ihnen die staats- 
politische Geltung und Anerkennung nach außen sicherte, so wenig hat die Grün- 
dung aber an der Hauptnot, dem Raummangel unseres Volkes, etwas geändert. Die 
größten militärpolitischen Taten unseres Volkes hatten nicht vermocht, dem deut- 
schen Volk eine Grenze zu geben, innerhalb deren es sich selbst hätte zu ernähren 
vermocht. Im Gegenteil: In eben dem Maß, in dem durch das neue Reich das 
Ansehen des Deutschtums gehoben wurde, wurde es dem einzelnen schwerer, als 
Auswanderer einem solchen Staate den Rücken zu kehren, während umgekehrt ein 
gewisser nationaler Stolz und eine uns heute fast unverständliche Lebensfreude in 
Kinderreichtum nicht etwas Belastendes, sondern eher Beglückendes sehen lehrte. 

Seit dem Jahre 1870/71 war die Volkszunahme Deutschlands eine sichtbar schnelle. 
Zum Teil wurde ihre Ernährung gedeckt durch den emsigen Fleiß und die große 
wissenschaftliche Tüchtigkeit, mit der der Deutsche nunmehr innerhalb der ge- 
sicherten Begrenzung seines Volkes seine Äcker bestellte. Allein ein großer Teil, 
wenn nicht der größte, der Steigerung der deutsehen Bodenproduktion wurde ver- 
schlungen von einer mindest ebenso großen Steigerung der allgemeinen Lebens- 
ansprüche, die der Bürger des neuen Staates nun ebenfalls erhob. Das „Volk der 
Sauerkrautfresser und Kartoffelvertilger", wie die Franzosen es höhnisch be- 
zeichneten, begann nun seinen Lebensstandard der anderen Welt nun langsam 
anzupassen. Damit blieb aber nur mehr ein Teil der Ergebnisse der Steigerung 
der deutschen Landwirtschaft für die reine Volkszunahme verfügbar. 

Tatsächlich hat auch das neue Reich die Not nie zu bannen gewußt. Auch im neuen 
Reich versuchte man zunächst durch eine dauernde Auswanderung das Verhältnis 
zwischen Volkszahl und Grundfläche in möglichen Grenzen zu bewahren. Denn 
der schlagendste Beweis für die Richtigkeit unserer Behauptung für die überragende 
Bedeutung des Verhältnisses zwischen Volkszahl und Grundfläche liegt ja darin, 
daß infolge dieses Mißverhältnisses gerade im Deutschland der 70, 80 und 90er Jahre 
die Not zu einer Auswanderungsepidemie führte, die noch zu Beginn der 90er zu 
Ziffern von nahezu 1 % Millionen Menschen im Jahr anschwoll 1 . 

Damit aber war das Ernährungsproblem des deutschen Volkes selbst für die 
vorhandene Menschenmasse auch durch die neue Reichsgründung nicht gelöst 
worden. Eine weitere Vermehrung der deutschen Nation konnte aber ohne eine 
solche Lösung überhaupt nicht stattfinden. Ganz gleich, wie eine solche Lösung 
nun ausfiel, sie mußte jedenfalls gefunden werden, und das wichtigste Problem 
der deutschen Außenpolitik nach dem Jahre 1870/71 mußte damit die Frage der 
Lösung des Ernährungsproblems sein . 

1 Tatsächlich wanderten von 1891-95 insgesamt 402567 Deutsche aus (1871-1900; 2V 2 Mil- 
lionen). 



84 



VII 



DIE VERFEHLTE WIRTSCHAFTS- UND BÜNDNISPOLITIK 
DES ZWEITEN REICHES 



Unter den zahllosen Aussprüchen Bismarcks ist kaum einer, den die bürger- 
lich politische Welt lieber zitiert hätte, als der, daß die Politik eine Kunst 
des Möglichen sei. Dieses Wort hatte eine um so größere Anziehungskraft, je klei- 
ner die politischen Geister waren, die das Erbe des großen Mannes zu verwalten 
hatten. Denn mit diesem Satz konnte man dann allerdings selbst die erbärm- 
lichsten politischen Stümper verbrämen, ja sogar rechtfertigen, indem man sich 
dann einfach auf den ganz Großen berief und nachzuweisen versuchte, daß augen- 
blicklich etwas anderes als das, was man tut, nicht möglich sei und Politik aber 
die Kunst des Möglichen wäre und man mithin mit Bismarckischem Geist und 
in Bismarckischem Sinne handle. Damit kann dann selbst ein Herr Stresemann 
etwas olympischen (Lorbeer?) auf dem [sie], wenn schon nicht Bismarckischen, aber 
dann doch zumindest auch kahl aussehenden Kopf herumbekommen 1 . 

Bismarck hatte ein genau abgestecktes und klar umrissenes politisches Ziel vor 
Augen. Es ist eine Unverfrorenheit, ihm zuschieben zu wollen, er hätte sein Le- 
benswerk nur erreicht durch eine Anhäufung jeweiliger politischer Möglichkeiten, 
und nicht durch eine Meisterung der jeweiligen Situationen im Hinblick auf ein 
ihm vorschwebendes politisches Ziel. Dieses politische Ziel Bismarcks war Lö- 
sung der deutschen Frage durch Blut und Eisen. Beseitigung dos habsburgisch- 
hohenzollerischen Dualismus. Bildung eines neuen deutschen Reiches unter 
preußisch-hohenzollerischer Führung. Höchstmögliche Sicherung dieses Reiches 
nach außen. Organisation seiner inneren Verwaltung nach preußischem Vorbild. 

In der Befolgung dieses Zieles hat Bismarck jede Möglichkeit ausgenützt, mit 
Mitteln diplomatischer Kunst gearbeitet, solange sie den Erfolg versprachen, 
das Schwert in die Waagschale geworfen, wenn nur mehr die Gewalt eine Entschei- 
dung herbeizuführen in der Lage war. Ein Meister der Politik, die ihr Operations- 
gebiet für Bismarck vom Parkett des Salons bis zur blutgetränkten Erde des 
Schlachtfeldes besaß. 

Das war der Meister der Politik der Möglichkeiten. 

Seine Nachfolger haben weder ein politisches Ziel noch auch nur einen politi- 
schen Gedanken, wursteln demgegenüber von heute auf morgen und morgen auf 
übermorgen dahin, um sich dann mit eingebildeter Frechheit auf jenen Mann zu 
berufen, dem gerade zum Teil sie selbst, zum Teil ihre geistigen Vorläufer die 
schwersten Sorgen und bittersten Kämpfe verursacht hatten, um ihr politisches 
sinn- und zielloses verderbliches Gestammel als Kunst des Möglichen hinzustellen. 



1 Weist auf ein Datum zu Stresemanns Lebzeiten hin. 



85 



Als Bismarck in seinen drei Kriegen, alles aber dank seiner genialen politischen 
Tätigkeit, das neue Reich errichtet hatte, war dies die Höchstleistung, die zu- 
nächst überhaupt erzielt werden konnte. Es war dies aber auch die unumgäng- 
lich notwendige Voraussetzung für jede kommende politische Vertretung der 
Lebensinteressen unseres Volkes. Denn ohne die Schaffung des neuen Reiches 
hätte das deutsche Volk niemals die machtmäßige Gestaltung erfahren, ohne die 
der Schicksalskampf auch in der Zukunft nicht durchgeführt werden könnte. 
Ebenso klar war, daß das neue Reich zunächst wohl auf dem Schlachtfeld zu- 
sammengefügt, im Inneren aber erst aneinander gewöhnt werden mußte. Es 
mußten Jahre der Anpassung vergehen, bis diese Zusammenfügung deutscher 
Staaten zu einem Bund zunächst auch nur einen wirklichen Bundesstaat ergeben 
konnte. Es war dies die Zeit, in der sich der eiserne Kanzler der Kürassierstiefel 
entledigte, um nun mit unendlicher Klugheit, Geduld, mit weisem Verständnis 
und wundervollem Gefühl den Druck der preußischen Hegemonie zu ersetzen durch 
die Macht des Vertrauens. Die Leistung, aus einer auf dem Schlachtfeld voll- 
zogenen Staatenkoalition ein in rührender Liebe zusammenhängendes Reich zu 
machen, gehört zu den größten, die politische Kunst bisher vollbracht hatte. 

Daß Bismarck zunächst sich darauf beschränkte, lag ebensosehr in der Weisheit 
seiner Einsicht, als es ein Glück für die deutsche Nation war. Diese Jahre des 
inneren friedlichen Ausbaues des neuen Reiches waren notwendig, wollte man 
nicht einer Eroberungsmanie verfallen, die in ihren Resultaten um so unsicherer 
gewesen wäre, als die durchführende Kraft im Inneren selbst noch jene Homo- 
genität hätte vermissen lassen, die die Voraussetzung zum Anschmelzen weiterer 
Gebiete gewesen wäre. 

Bismarck hat sein Lebensziel erreicht. Er hat die deutsche Frage gelöst, den 
habsburgisch-hohenzollerischen Dualismus beseitigt, Preußen zur deutschen Vor- 
macht erhoben, die Nation daraufhin geeint, innerhalb der Grenzen des damals 
Möglichen das neue Reich im Inneren konsolidiert und den militärischen Schutz 
in einer Weise ausgestaltet, daß dieser ganze Prozeß der inneren deutschen Reichs- 
neugründung, der ja nun jahrzehntelang dauern mußte, von niemanden wesent- 
lich gestört werden konnte. 

So sehr damit Bismarck als greiser Altreichskanzler auf ein abgeschlossenes 
Werk seines Lebens zurückblicken konnte, so wenig aber bedeutet dieses Werk 
den Abschluß des Lebens der deutschen Nation. Durch Bismarcks neue Reichs- 
gründung hatte die deutsche Nation nach Jahrhunderten eines staatlichen Ver- 
falls wieder eine organische Form gefunden, die nicht nur das deutsche Volk zu- 
sammenschloß, sondern die diesen zusammengeschlossenen Menschen damit 
einen Kraftausdruck verlieh, der ebenso realer wie ideeller Natur war. Wenn das 
Heisch und Blut dieses Volkes die Substanz war, deren Erhaltung auf dieser 
Welt versucht werden muß, dann war im neuen Reich daß Machtinstrument ent- 
standen, durch das die Nation ihr Lebensrecht künftighin im Rahmen der übrigen 
Welt wieder wahrnehmen konnte. 



86 



Es war die Aufgabe der nach Bismarck kommenden Zeit, sich, über die weiteren 
Schritte schlüssig zu werden, die im Interesse der Erhaltung der deutschen Volks- 
substanz getan werden mußten, 

Von diesen Entschlüssen, die grundsätzlicher Art sein mußten und die damit 
eine neue Zielsetzung bedeuteten, hing dann die weitere politische Einzelarbeit 
ab. Das heißt also : So wie Bismarck als einzelner Mann sich für sein politisches 
Handeln eine Zielsetzung vorgenommen hat, die ihm dann erst gestattete, von 
Fall zu Fall nach allen Möglichkeiten zu verfahren, um diese Ziele zu erreichen, 
so mußte auch die Zeit nach Bismarck sich ein bestimmtes, ebenso notwendiges 
wie mögliches Ziel aufstellen, dessen Erreichung die Interessen des deutschen 
Volkes gebieterisch erforderten und zu dessen Erreichung man sich dann allerdings 
ebenfalls aller Möglichkeiten bedienen konnte, angefangen von den Künsten der 
Diplomatie bis zu der Kunst des Krieges. 

Diese Zielsetzung aber ist unterblieben. 

Es ist nicht notwendig, alle die Gründe aufzuführen, und wohl auch kaum 
möglich, die die Ursache dieser Unterlassung waren. Der Hauptgrund liegt zu- 
nächst im Fehlen einer wirklich genialen, überragenden politischen Persönlich- 
keit. Aber fast nicht minder schwer wiegen die Gründe, die zum Teil im Wesen 
der neuen Reichsgründung selbst zu suchen sind. Deutschland war ein demokrati- 
scher Staat geworden, und wenn auch die Leitung des Reiches kaiserlichen Ent- 
schlüssen oblag, so konnten sich doch diese Entschlüsse selbst schwer dem Ein- 
druck jener allgemeinen Meinung entziehen, die ihren besonderen Ausdruck in 
der parlamentarischen Institution fand, deren Fabrikanten aber die politischen 
Parteien sowie die Presse waren, die selbst wieder von wenig erkenntlichen 
Drahtziehern ihre letzten Instruktionen erhielten. Damit traten die Interessen 
der Nation mehr und mehr in den Hintergrund gegenüber den Interessen be- 
stimmter und besonderer Gruppen. Dies war um so mehr der Fall, als über die wirk- 
lichen Interessen der Nation in der breitesten Öffentlichkeit nur sehr wenig Klar- 
heit herrsehte, während umgekehrt die Interessen bestimmter politischer Parteien 
oder der Zeitungswelt viel konkretere waren. Denn Deutschland war ja nun wohl 
ein Nationalstaat. Allem der Begriff nationale Gesinnung war am Ende doch nur 
ein rein staatlich-patriotisch-dynastischer. Mit völkischen Erkenntnissen hatte 
er nahezu gar nichts zu tun. Daher herrschte auch über die Zukunft und über die 
Zielrichtung der außenpolitischen Tätigkeit der Zukunft allgemeine Unklarheit. 
Vom nationalen Gesichtspunkt aus betrachtet, wäre die nächste Aufgabe des 
Staates nach Vollendung seines inneren Staatsaufbaues die Wiederaufnahme und 
endgültige Durchführung der nationalen Einigung gewesen. Kein Ziel hätte dem 
damaligen rein formalen Nationalstaat außenpolitisch näher liegen können, als 
die Angliederung jener deutschen Gebiete in Europa, die zum Teil schon durch 
ihre bisherige Geschichte ein selbstverständlicher Bestandteil nicht nur der deut- 
sehen Nation, sondern eines deutschen Reiches sein müßen. Dennoch war eine 
solche selbstverständliche Zielsetzung nicht vorgenommen worden, weil abge- 



87 



sehen von sonstigen Widerständen der sogenannte Nationalbegriff eben viel zu 
unklar war, [zu] wenig durchdacht und durchgearbeitet, um von sich aus einen 
solchen Schritt genügend motivieren zu können. Bs wäre gegen patriotiseh- 
legitimistische Vorstellungen, sowie gegen Gefühle schlecht definierbarer Sym- 
pathien gewesen, nun mit allen Mitteln als nächstes Ziel die Eingliederung des 
Deutschtums der alten Ostmarken des Reiches [durchzuführen] ins Auge zu 
fassen und durchzuführen. 

Das „altehrwürdige" Haus Habsburg hätte damit allerdings seinen Thron ver- 
loren. Auch würde man den gesamten Biertischpatriotismus damit auf das 
schwerste verletzt haben, aber trotzdem wäre dies die einzig vernünftige nächste 
Aufgabe gewesen, die das. neue Reich sich hätte stellen können, und zwar vom 
Gesichtspunkte eines sogenannten Nationalstaates aus. Nicht nur, daß damit 
ziffernmäßig die im Reichsgebiet lebenden Deutschen eine wesentliche Stärkung 
erfahren hätten, die naturgemäß auch militärisch zum Ausdruck gekommen wäre, 
hätte man damit allein das retten können, dessen Verlust man heute beklagt. 
Würde Deutschland selbst an der Aufteilung des unmöglichen Habsburgerstaa- 
tes teilgenommen (haben), [dann] ja, hätte es diese Aufteilung ausnationalpolitischen 
Gründen als eigenes politisches Ziel aufgestellt, dann würde die ganze Entwick- 
lung Europas eine andere Bahn genommen haben. Deutschland wäre nicht in 
Verfeindung geraten mit einer ganzen Anzahl von an sich nichts gegen Deutsch- 
land habenden Staaten und im Süden würde die Grenze des Reiches nicht über 
den Brenner laufen. Zumindest der vorwiegend deutsche Teil Südtirols wäre heute 
bei Deutschland. 

Allein, daß dies verhindert wurde, lag nicht nur im Mangel der damaligen 
nationalen Auffassung, sondern ebensosehr im bestimmten Interesse bestimmter 
Gruppen. Zentrumskreise wünschten unter allen Umständen eine Politik der 
Erhaltung des sogenannten „katholischen" Habsburgerstaates, wobei man in 
verlogener Weise von „Stammesbrüdern" redete, während man sehr genau 
wußte, daß gerade diese Stammesbrüder in der Habsburgermonarchie langsam 
aber sicher an die Wand gedrückt und ihrer Stammeszugehörigkeit beraubt wur- 
den. Aber für das Zentrum waren ja selbst in Deutschland nicht deutsche Ge- 
sichtspunkte maßgebend. Jeder Pole, jeder elsässische Verräter und Franzosen- 
freund war den Herren lieber als der Deutsche, der nicht sich einer solch ver- 
brecherischen Organisation anschließen wollte. Unter dem Vorwand, katholische 
Interessen zu vertreten, hat diese Partei schon im Frieden mitgeholfen, das 
Hauptbollwerk einer wirklich christlichen Weltanschauung, Deutschland, nach 
allen Möglichkeiten zu schädigen und zu Grunde zu richten. Und diese verlogenste 
Partei scheute dabei auch nie davor zurück, mit erklärten Gottesleugnern, Athe- 
isten, Religionsschändern in innigster Freundschaft Arm in Arm zu gehen, sowie 
man damit glaubte, den deutschen Nationalstaat und damit das deutsche Volk 
schädigen zu können 1 . 

1 Ein bezeichnendes Zeugnis für Hitlers Haßgefühle gegenüber dem Zentrum. 



88 



So hat bei der Festlegung der unsinnigen deutschen Außenpolitik das 
Zentrum, das christlich-katholische fromme Zentrum, denn auch stets den 
jüdisch-gottes-leugnerischen Marxismus als lieben Bundesgenossen zur Seite 
gehabt. 

Denn so wie das Zentrum gegen eine antihabsburgische Politik sich mit 
Händen und Füßen gewehrt hat, genauso die Sozialdemokratie als damalige 
Vertreterin der marxistischen Weltanschauung, wenn auch aus anderen Grün- 
den. Die Schlußabsicht allerdings war bei beiden Parteien dieselbe: Möglich- 
ste Schädigung Deutschlands. Die Herrschaft dieser Parteien wird eine um so 
unbeschränktere und damit für ihre Leiter einträglichere sein, je schwächer der 
Staat ist. 

Wollte das alte Reich aus nationalpolitischen Gesichtspunkten heraus den Zu- 
sammenschluß des Deutschtums in Europa wieder aufnehmen, dann mußte mit 
der dadurch zwangsläufig verbundenen Auflösung des habsburgischen Staaten- 
konglomerats eine eigene Gruppierung europäischer Mächte verbunden sein. 
Es war selbstverständlich, daß an eine solche Auflösung des Habsburgerstaates 
nicht gedacht werden konnte, ohne in Beziehung zu treten zu anderen Staaten, 
die ähnliche Interessen verfolgen mußten. Damit aber wäre von selbst zur Er- 
reichung dieses Ziels und in Verfolg aller Möglichkeiten eine europäische Koalition 
entstanden, die wenigstens die nächsten Jahrzehnte das Schicksal Europas be- 
stimmt haben würde. 

Allerdings mußte dann zunächst der Dreibund auch tatsächlich liquidiert wer- 
den. Ich sage tatsächlich, denn praktisch war die Liquidation schon längst voll- 
zogen. 

Das Bündnis mit Österreich hatte für Deutschland solange einen wirklichen . 
Sinn, solange es hoffen durfte, durch dieses Bündnis für die Stunde der Gefahr 
einen Machtzuwachs zu erhalten. Es war sinnlos von dem Augenblick an, in dem 
der militärische Machtzuwachs kleiner war als die durch dieses Bündnis hervor- 
gerufene militärische Belastung Deutschlands. An sich war dies vom ersten Tage 
des Dreibundes an der Fall dann, wenn etwa infolge dieses Bundes oder aus die- 
sem Bund heraus Rußland zum Gegner Deutschlands wurde. Dies hat Bismarck 
auch genauestens abgewogen und sich deshalb auch veranlaßt gesehen, mit Ruß- 
land den sogenannten RückVersicherungsvertrag abzuschließen. Der Sinn des 
RückVersicherungsvertrages war ganz kurz der, daß, wenn Deutschland durch 
den Bund mit Österreich in einen Konflikt mit Rußland getrieben werden würde, 
es Österreich dabei fallen ließe. Damit hat Bismarck die problematische Bedeu- 
tung des Dreibundes schon zu seiner Zeit erkannt und nach seiner Kunst des Mög- 
lichen für alle Fälle das Notwendige vorgesorgt. 

Dieser RückVersicherungsvertrag hat seinerzeit mitgeholfen, dem größten 
deutschen Staatsmann der Neuzeit die Verbannung einzutragen. 

Tatsächlich ist aber seit der Okkupation Bosniens durch Österreich-Ungarn und 
infolge der dadurch mächtig angeflammten panslawistischen Bewegung der von 



89 



Bismarck befürchtete Zustand bereits am Beginn der 90er Jahre eingetreten. 
Der Bund mit Österreich hat die Feindschaft mit Rußland gebracht 1 . 

Diese Feindschaft mit Rußland aber war der Grund, warum der Marxismus 
mit allen Mitteln, wenn auch nicht etwa die deutsche Außenpolitik deckte, dann 
doch eine andere in Wirklichkeit unmöglich machte. 

Das Verhältnis Österreichs zu Italien war dabei an sich immer dasselbe. Italien 
ist einst aus Vorsicht gegen Frankreich in den Dreibund eingetreten, aber nicht 
aus Liebe zu Österreich. Im Gegenteil, Bismarck hat auch hier die „innere Herz- 
lichkeit" des italienisch-österreichischen Verhältnisses richtig erkannt, wenn er 
ausspricht, daß es zwischen Österreich und Italien überhaupt nur zwei mög- 
liche Zustände gäbe: entweder Bund oder Krieg. Wirkliche Sympathie war in 
Italien — von einigen frankophilen Fanatikern abgesehen — nur für Deutschland 
vorhanden. Und das war auch erklärlich. Es spricht für die ganz bodenlose politi- 
sche Unbildung und Unwissenheit des deutsehen Volkes und besonders seiner 
sogenannten bürgerlich-nationalen Intelligenz, daß man den staatsrechtlichen 
Dreibund auf das Gebiet freundschaftlicher Zuneigung übertragen zu können 
glaubte. Das war nicht einmal zwischen Deutschland und Österreich der Fall, 
denn selbst hier war der Dreibund oder richtiger das Bündnis mit Deutschland 
menschlich verankert nur im Herzen eines verhältnismäßig kleinen Teiles der 
Deutschen in Österreich. Niemals hätten die Habsburger ihren Weg in diesen 
Dreibund genommen, wenn es eine andere Möglichkeit der Konservierung ihres 
Staatskadavers gegeben haben würde. Als in den Julitagen 1870 das deutsehe 
Volk unter der unerhörten Provokation Frankreichs in Empörung aufflammte und 
zum Schutz des deutschen Rheins den alten Walstätten zueilte, da hoffte man 
in Wien die Stunde der Rache für Sadowa gekommen. Eine Besprechung jagte 
die andere, ein Kronrat wechselte mit dem nächsten, Kuriere flogen hin und her 
und die ersten Einberufungsordres waren hinausgegeben, da trafen allerdings 
auch schon die ersten Nachrichten vom Kriegsschauplatze ein. Und als nach 
Weißenburg ein Wörth folgt, nach Wörth ein Gravelotte, ein Metz, ein Mars la 
Tour und endlich ein Sedan, da erst begannen die Habsburger unter dem Drucke 
der nun plötzlich wie erlöst aufschreienden neuen deutschen Meinung ebenfalls 
ihr deutsches Herz zu entdecken. Hätte damals Deutschland auch nur die ersten 
Schlachten verloren, dann hätten die Habsburger und mit ihnen Österreich das 
vollzogen, was sie später Italien so sehr zum Vorwurf gemacht haben. Und was 
sie übrigens im Weltkrieg nicht nur zum 2. Mal beabsichtigten, sondern auch als 



1 Diese Sätze liefern ein gutes Beispiel für die wirren Geschiohtskenntnisse Hitlers. Alles 
wird auf den Kopf gestellt. Das deutsche Bündnis mit Österreich wurde 1879 unterschrieben, 
die Okkupation Bosniens war schon 1878 auf dem Berliner Kongreß unter Bismarcks Vorsitz 
vereinbart. Der RückVersicherungsvertrag folgte erst im Jahre 1887. Wenn aber die richtigen 
Daten im Text berücksichtigt wären, hätte Hitler genau das Gegenteil seiner Theorie bewiesen. 
Siehe hierzu auch das Kapitel „Adolf in der Mittelschule" in Franz Jetzingers wichtigem Buch, 
Hitlers Jugend (Wien: Europa- Verlag, 1956), insbesondere S. 103, 113-115. 



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gemeinsten Verrat an dem Staat, der für sie das Schwert gezogen hat, verübt hatten. 
Um diesen und für diesen Staat hat Deutschland die schwerste Blutnot auf sich 
genommen, und von diesem Staat wurde es nicht nur in 1000 Einzelfällen, son- 
dern endlich vom Repräsentanten selbst verraten 1 , lauter Dinge und Wahrheiten, 
die unser bürgerlicher nationaler Patriotismus lieber verschweigt, um heute gegen 
Italien schreien zu können. 

Wenn das Haus Habsburg später im Dreibund unterkroch, dann wirklich nur, 
weil ohne den Dreibund dieses Haus schon längst dorthin gefegt worden wäre, wo 
es sich heute befindet. Wenn ich die Sünden aber dieses Hauses an der Geschichte 
des deutsehen Volkes übersehe, dann erscheint mir eines schmerzlieh, daß Gottes 
Mühle dieses Mal von Kräften angetrieben wurde, die außerhalb des deutschen 
Volkes hegen. 

Dabei hatten die Habsburger aber auch sonst allen Grund, das Bündnis be- 
sonders mit Deutschland zu wollen, weil dieses Bündnis ja in Wirklichkeit das 
Deutschtum in Österreich preisgab. Niemals wäre den Habsburgern ihre Ent- 
nationalisierungspolitik in Österreich, ihre Vertschechung und Verslawung 2 des 
Deutschtums möglich geworden, hätte nicht das Reich selbst seinen moralischen 
Schirm darübergehalten. Denn was hatte der Deutschösterreicher für ein Recht, 
gegen eine Staatspolitik zu protestieren, und zwar aus nationalen Gründen heraus, 
die vom Inbegriff des deutschen nationalen Gedankens, wie er sich für den Deutsch- 
österreicher im Reich verkörpert , gedeckt wurde. Und umgekehrt konnte Deutsch- 
land nun überhaupt noch einen Druck ausüben zur Verhinderung der langsamen 
Entdeutschung in Österreich, wenn doch die Habsburger selbst Verbündete des 
Reiches waren? Man muß die Schwäche der politischen Leitung des Reiches 
kennen, um zu wissen, daß alles andere eher möglich gewesen wäre, als auch nur 
der Versuch einer wirklich energischen Einwirkung auf den Bundesgenossen, 
die dessen innere Verhältnisse betroffen hätte. Das wußten die schlauen Habs- 
burger sehr genau, wie denn überhaupt die österreichische Diplomatie der deut- 
schen an Pfiffigkeit und Schläue [der deutschen] turmhoch überlegen war. Und 
umgekehrt, eben diese deutsche, wie mit Blindheit geschlagene, keine Ahnung von 
den Vorgängen und Zuständen im Innern ihres Bundesgenossen zu haben schien. 
Erst der Krieg hat dann wohl den meisten die Augen geöffnet 8 . 

Damit aber war gerade die Bundesfreundlichkeit der Habsburger für Deutsch- 
land um so verhängnisvoller, als durch sie ja die endgültige Unterminierung der 
Voraussetzung für diesen Bund gewährleistet wurde. Denn indem nun die Habs- 
burger in aller Ruhe und ohne Sorge vor deutschen Einmischungen das Deutsch- 
tum in Österreich auszulöschen in der Lage waren, mußte der Wert dieses ganzen 

1 Anspielung auf die Friedensversuche Kaiser Karls. 

2 Im Original heißt es Verslavung (ebenso im folgenden stets slavisch, Slaven, Slaventum 
usf.). Dieser hier im Druck verbesserte Fehler ist vermutlioh ein Überbleibsel der früher in 
Bayern gebräuchlichen Schreibweise. 

8 Siehe hierzu M ein Kampf, I, S. 139—143. 



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Bundes für Deutschland selbst ein immer problematischerer -werden. Was sollte ein 
Bund für Deutschland bedeuten, der vom Herrscherhaus niemals ernst gemeint 
war, denn nie hätte das Haus Habsburg daran gedacht, den Bundesfall auch für 
deutsche Interessen als gegeben anzusehen, und unter dessen Wirksamkeit die 
einzigen wirklichen Freunde dieses Bundes langsam der Entdeutschung verfallen 
mußten. Denn im übrigen Österreich war der Bund im günstigsten Fall als gleich- 
gültig angesehen, in den meisten Fällen aber innerlich verhaßt. 

Schon die hauptstädtische Presse in Wien war in der Zeit der letzten 20 Jahre 
vor dem Kriege viel mehr profranzösisch als prodeutsch orientiert. Die Presse der 
slawischen Provinzen aber war bewußt deutschfeindlich. In eben dem Maß, in dem 
aber durch die Habsburger das Slawentum nach Möglichkeit kulturell gefördert 
wurde und nun in seinen Hauptstädten Mittelpunkte einer eigenen nationalen 
Kultur erhielt, entstanden damit aber auch Zentren eines besonderen politischen 
Wollens. Es ist die historische Strafe für das Haus Habsburg, nicht gesehen zu 
haben, daß dieser Nationalitätenhaß, den man zunächst gegen das deutsche Volk 
mobilisierte, eines Tages den österreichischen Staat selbst verzehren würde. 
Das Bündnis mit Österreich war aber für Deutschland besonders unsinnig in dem 
Augenblick geworden, in dem, dank dem Wirken des volksverräterischen deutsch- 
österreichischen Marxismus, das sogenannte allgemeine Wahlrecht die Vorherr- 
schaft des Deutschtums im östereichisehen Staat endgültig gebrochen hatte. Denn 
tatsächlich zählte ja das Deutschtum nur ein Drittel der Bevölkerung Cisleitha- 
niens,also der österreichischen Reichshälfte des österreiohisch-ungarischen Staates. 
Sowie das allgemeine Wahlrecht zur Grundlage der österreichischen Volks- 
vertretung wurde, war die Lage des Deutschtums damit eine hoffnungslose, 
um so mehr, nachdem die klerikalen Parteien eine bewußte Vertretung nationaler 
Gesichtspunkte ebensowenig wollten, wie sie durch die Marxisten überhaupt be- 
wußt verraten wurden. Dieselbe Sozialdemokratie, die heute heuchlerisch vom 
Deutschtum in Südtirol redet, hat im alten Österreich bei jeder sich nur bietenden 
Gelegenheit das Deutschtum in der schamlosesten Weise verraten und verkauft. Sie 
stand selbst stets an der Seite der Feinde unseres Volkes. Die unverschämteste 
tschechische Anmaßung hat in der sogenannten deutschen Sozialdemokratie stets 
ihre Vertreter gefunden. Jeder Akt einer deutschen Unterdrückung fand ihre Billi- 
gung. Und jeder Vorgang einer deutschen Zurückdrängung sah die deutsche Sozial- 
demokratie als Mithelferin. Was hatte unter solchen Umständen Deutschland noch 
von einem Staat zu erwarten, dessen politische Führung, soweit sie sich besonders 
im Parlamente äußerte, wohl zu 4 / 6 bewußt und gewollt antideutsch gewesen ist? 

Die Vorteile des Bündnisses mit Österreich lagen wirklich alle nur auf Seiten 
Österreichs, während Deutschland die Nachteile zu tragen hatte. Und sie waren 
ihrer nicht wenige. 

Das Wesen des österreichischen Staates brachte es mit sich, daß eine ganze 
Anzahl umliegender Staaten als Zielsetzung ihrer Nationalpolitik die Auflösung 
Österreichs im Auge hatten. Denn was in Deutschland die nachbismarckische 



92 



Zeit nie fertig gebracht hat, haben selbst die kleinsten Balkanstaaten besessen: 
nämlich ein bestimmtes außenpolitisches Ziel, das sie mit und nach allen Mög- 
lichkeiten zu erreichen versuchten. Alle diese zum Teil erst frisch entstandenen, 
an Österreichs Grenzen liegenden Nationalstaaten sahen ihre höchste politische 
Zukunftsaufgabe darin, die volklich zu ihnen zählenden, aber unter Österreichs 
und Habsburgs Zepter lebenden Volksgenossen zu „befreien". Daß diese Be- 
freiung nur durch militärische Auseinandersetzungen erfolgen konnte, war selbst- 
verständlich. Daß dies zu einer Auflösung Österreichs führen mußte, desgleichen. 
Ein Hindernis bildete dabei die österreichische eigene Widerstandskraft um so 
weniger, als sie ja auf die zu Befreienden mit in erster Linie angewiesen war. 
Im Falle eines Koalitionskrieges Rußlands, Rumäniens und Serbiens gegen Öster- 
reich fielen aus dem Gehalt des österreichischen Widerstandes von vorneherein 
die nord- und südslawischen Elemente aus, so daß höchstens Deutsche und Magy- 
aren als Träger des Hauptkampfes übrigblieben. Nun führt aber erfahrungs- 
gemäß das Ausscheiden bestimmter Kampfkräfte aus völkischen Gründen zu einer 
Zersetzung und damit Lähmung seiner Front überhaupt. Von sich aus hätte 
Österreich einem solchen allgemeinen Angriffskrieg wirklich nur sehr wenig Wider- 
stand entgegenzusetzen gehabt. Dieses wußte man sowohl in Rußland als auch in 
Serbien, in Rumänien sehr genau. Was Österreich gehalten hat, war damit nur 
der mächtige Bundesgenosse, auf den es sich zu stützen vermochte. Was war aber 
natürlicher, als daß sich nunmehr in den Gehirnen der österreichfeindlichen lei- 
tenden Staatsmänner sowohl als in der Meinung der Öffentlichkeit die Auffassung 
bildete, daß der Weg nach Wien damit über Berlin führen muß. 

Je mehr Staaten Österreich zu beerben gedachten und es infolge der deutschen 
Waffengenossenschaft nicht konnten, um so mehr Staaten mußte Deutschland sel- 
ber als Feinde erhalten. 

Um die Jahrhundertwende war das Gewicht dieser durch Österreich gegen 
Deutschland aufgebrachten Gegner schon um ein Vielfaches größer als die mög- 
liche Waffenhilfe, die Österreich selbst jemals für Deutschland stellen konnte. 

Damit aber war der innere Sinn dieser Bündnispolitik geradezu ins Gegenteil 
verkehrt. 

Erschwert wurde die Sache noch durch den dritten Bundesgenossen Italien. 
Wie schon erwähnt, war das Verhältnis Italiens zu Österreich nie eine Herzens- 
angelegenheit gewesen, ja kaum eine solche der Vernunft, sondern eigentlich nur 
das Ergebnis und die Folge eines übermächtigen Zwanges. Das italienische Volk 
vor allem und die italienische Intelligenz vermochten jederzeit für Deutschland 
Sympathien aufzubringen. Ein Bund Italiens mit Deutschland allein hatte um 
die Jahrhundertwende bereits alle Gründe für sich. Die Meinung, daß Italien 
an sich als Bundesgenosse treulos wäre, ist so stupid und dumm, daß sie nur die 
Politikaster unseres unpolitischen sogenannten nationalen Bürgertums ver- 
zapfen können. Den schlagendsten Gegenbeweis liefert die Geschichte unseres 
eigenen Volkes, nämlich damals, als Italien schon einmal mit Deutschland, aller- 



93 



dings gegen Österreich, verbündet gewesen ist. Freilich war das damalige Deutseh- 
land das durch Bismarcks Genialität geführte Preußen und nicht das durch die 
politische Unfähigkeit der späteren Murkser mißhandelte Reich. 

Gewiß hat das damalige Italien auf den Schlachtfeldern zu Lande und zur See 
Niederlagen erlitten, aber seine Bundesgenossenpflichten hat es ehrenhaft er- 
füllt, wie dies Österreich im Weltkriege, in den Deutschland durch Österreich 
hineingetrieben wurde, nicht getan hat. Denn als man damals Italien einen Sonder- 
frieden anbot, der ihm alles gegeben hätte, was es auch später nur erreichen 
konnte, da hat es diesen stolz und entrüstet zurückgewiesen, trotz der militäri- 
schen Niederlagen, die es erlitten hat, während die österreichische Staatsleitung 
nicht nur nach einem solchen Sonderfrieden gierte, sondern bereit war, ganz 
Deutschland fahren zu lassen. Wenn er nicht zustande kam, dann lag dies nicht 
in der Charakterfestigkeit des österreichischen Staates, sondern vielmehr im Wesen 
der Forderungen, die der Gegner an ihn stellte und die in der Praxis seine Auf- 
lösung bedeuteten. Daß aber das Italien des Jahres 1866 militärische Niederlagen 
erlitten hat, konnte wirklich nicht als Zeichen seiner Bundestreulosigkeit aufge- 
faßt werden. Denn sicher hätte man sich statt Niederlagen lieber Siege geholt, 
aber das damalige Italien konnte ja nicht verglichen werden mit dem damaligen 
Deutschland und auch dem späteren, weil ihm jene überragende militärische Kri- 
stallisationsmacht eben fehlte, die Deutschland in Preußen gehabt hat. Ein 
deutscher Bund ohne das Fundament der preußischen Heeresmacht wäre dem 
Angriff einer so alten und damals noch nicht national zerfressenen Militärmacht, 
wie sie Österreich besaß, genau so unterlegen, wie es bei Italien der Fall war. 
Das Wesentliche lag aber daran, daß das damalige Italien die Entscheidung in 
Böhmen zugunsten des späteren deutschen Reichs ermöglicht hat, indem es einen 
wesentlichen und großen Teil der österreichischen Armee gebunden hat. Denn wer 
die kritische Situation am Tage der Schlacht von Königgrätz sich vor Augen hält, 
der wird nicht behaupten können, daß es für Deutschlands Schicksal gleichgültig 
gewesen wäre, ob Österreich mit 140 000 Mann mehr auf dem Schlachtfelde ge- 
wesen wäre, als es so infolge der italienischen Bindung sein konnte. 

Daß natürlich das damalige Italien diesen Bündnisvertrag nicht abgeschlossen 
hat, um dem deutschen Volk die nationale Einigung zu ermöglichen, sondern dem 
italienischen, ist selbstverständlich. Da gehört schon wirklieh die sprichwört- 
liche politische Naivität eines vaterländischen Verbändlers dazu, darin den Anlaß 
zu einem Vorwurf [sehen zu können] oder zu einer Schmähung sehen zu können. 
Die Meinung, ein Bündnis zu erhalten, bei dem von vorneherein nur einer Aus- 
sichten auf Erfolg oder Gewinn besitzt, ist kindische Dummheit 1 . Denn genauso 

1 So auch die Ausfuhrungen in Mein Kampf, I, S. 154—155, wonach ein Bündnis nur auf der 
Grundlage „eines gegenseitigen Geschäfts" ruhen könne. Im Sinne dieser grobschlächtigen 
Theorie sagte Ribbentrop am 12. November 1940 zu Molotow; „Beide Partner des deutsch- 
russischen Paktes hätten gemeinsam gute Geschäfte gemacht." E. M. Carroll und F. T. Ep- 
stein, Das nathnahozialiitische Deutschland und die Sowjetunion 1939—1941 (Berlin, 1948), S. 252. 



94 



hätten ja die Italiener das Recht, dem damaligen Preußen und Bismarck den- 
selben Vorwurf vorzuhalten, nämlich, daß es nicht nur aus Liebe zu Italien, son- 
dern auch in Verfolgung eigener Interessen den Bund abgeschlossen habe. Leider 
möchte ich fast sagen, ist es beschämend, daß diese Dummheit nur nördlich der 
Alpen verbrochen wird und nicht auch südlich. 

Verständlich könnte einem eine solche Dummheit nur werden, wenn man den 
Dreibund betrachtet oder, noch besser, das Bündnis Deutschland und Österreich, 
nämlich den wirklich seltenen Fall, in dem ein Staat, nämlich Österreich, von einem 
Bund alles hatte und der andere, nämlich Deutschland, gar nichts. Ein Bund, in 
dem der eine seine Interessen einsetzte und der andere seine „schimmernde Wehr". 
Der eine [zweckmäßige Vernunft] kalte Zweckmäßigkeit und der andere Nibe- 
lungentreue. Zumindest in solchem Umfange und in dieser Art hat es das nur 
einmal in der Weltgeschichte gegeben, und Deutschland hat die furchtbarste 
Quittung für diese Art von politischer Staatsleitung und Bündnispolitik erhalten. 

Wenn also das Bündnis mit Italien, soweit es sich um das Verhältnis Österreichs 
zu Italien handelte, von Anfang an von zweifelhaftestem Wert war, dann nicht 
deshalb, weil es sich bei Italien etwa um einen grundsätzlich falschen Partner 
handeln könnte, sondern, weil für Italien gerade dieses Bündnis, mit Österreich 
nämlich nicht einen einzigen realen Gegenwert versprach 

Italien war Nationalstaat. Seine Zukunft mußte zwangsläufig an den Bändern 
des mittelländischen Meeres liegen. Jeder Anrainer ist damit mehr oder weniger 
ein Hindernis für die Entwicklung dieses Nationalstaates. Rechnet man dazu 
noch, daß Österreich selbst über 800 000 Italiener innerhalb seiner Grenzen hatte, 
und [umgekehrt] weiter dieselben Habsburger, die auf der einen Seite die Deut- 
schen der Verslawung auslieferten, auf der anderen sehr wohl Slawen und Deutsche 
gegen Italiener auszuspielen verstanden, alles Interesse besaßen, diese 800 000 
Italiener langsam zu entnationalisieren, dann war die Zukunftsaufgabe der italie- 
nischen Außenpolitik kaum zweifelhaft. Sie mußte, so deutschfreundlich sie sein 
konnte, eine österreichischfeindliche sein. Und diese Politik fand dann auch 
den lebhaftesten Rückhalt, ja glühende Begeisterung im italienischen Volk selbst. 
Denn was die Habsburger, und Österreich war dabei ihre politische Waffe, an 
Italien im Laufe der J ahrhunderte gesündigt hatten, war, vom italienischen Stand- 
punkt aus besehen, himmelschreiend 1 . Jahrhunderte hindurch war Österreich 
das Hindernis für die Einigung des italienischen Volkes gewesen, immer wieder 
hatten die Habsburger die korrupten italienischen Dynastien gestützt, ja noch 
um die Jahrhundertwende schloß in Wien kaum ein Parteitag der klerikalen 
und christlichsozialen Bewegung anders als mit der Aufforderung, dem Heiligen 
Vater Rom wieder zurückzugeben. Man machte kein Hehl daraus, daß man dies 
als Aufgabe der österreichischen Politik ansehe, hatte aber auf der anderen Seite 
die Unverschämtheit, dann zu erwarten, daß man in Italien selbst helle Begei- 



1 Siehe Mein Kampf, I, S. 142-143. 



95 



sterung über das Bündnis mit Österreich zeigen müßte. Dabei hat die österreichi- 
sche Politik Italien gegenüber im Laufe der Jahrhunderte sich keineswegs immer 
zarter Glacehandschuhe bedient. Was Frankreich jahrhundertelang für Deutsch- 
land gewesen ist, war Österreich jahrhundertelang für Italien. Die norditalienische 
Tiefebene war immer wieder das Operationsfeld, auf dem der österreichische Staat 
seine Freundschaftspolitik gegen Italien betätigte. Kroatische Regimenter 1 und 
Panduren waren die Kulturbringer und Träger der österreichischen Zivilisation 
und es ist nur ein Jammer, daß dies alles zum Teil auch am deutschen Namen dann 
hängen blieb. Wenn man heute häufig aus italienischem Munde eine überhebliche 
Unterschätzung, ja verächtliche Beleidigung der deutschen Kultur hört, dann hat 
sich das deutsche Volk dafür bei jenem Staat zu bedanken, der nach außen als 
ein deutscher getarnt war, dem Italiener aber die Art seines inneren Wesens durch 
eine Soldateska enthüllte, die im eigenen österreichischen Staat selbst von den 
damit Beglückten als wahre Gottesgeißel empfunden wurde. Der Schlachtenruhm 
des österreichischen Heeres war zum Teil auf Erfolgen aufgebaut, die den un- 
vergänglichen Haß des Italieners für alle Zeiten wachrufen mußten. 

Es war ein Unglück für Deutschland, dies nie eingesehen zu haben, ein Unglück, 
das im Gegenteil, wenn auch nicht direkt, so indirekt zu decken. Denn so hat Deutsch- 
land den Staat verloren, der, wie die Dinge lagen, unser treuester Bundesgenosse hätte 
werden können, wie er schon einmal ein sehr verläßlicher für Preußen gewesen ist. 

Besonders entscheidend für das innere Verhältnis Italiens zu Österreich war 
dabei die Haltung der breitesten Öffentlichkeit in Österreich anläßlich des Tripo- 
litanischen Krieges 8 . Daß man in Wien mit scheelen Augen italienischen Ver- 
suchen, in Albanien Fuß zu fassen, zusah, war nach Lage der Dinge noch verständ- 
lich. Österreich glaubte sich dort in seinen eigenen Interessen bedroht. Unver- 
ständlich aber war dafür die allgemeine und entschieden künstlich geschürte Er- 
regung gegen Italien, als dieses sich anschickte, Tripolitanien zu erwerben. Dabei 
war der italienische Schritt ein selbstverständlicher. Kein Mensch konnte es 
der italienischen Staatsregierung verargen, wenn sie versuchte, die italienische 
Fahne in Gebieten aufzuziehen, die schon nach ihrer Lage das gegebene Kolonial- 
gebiet für Italien sein mußten. Nicht nur, daß dabei die jungen italienischen Kolo- 
nisatoren auf altrömische Spuren stießen, wäre gerade für Deutschland und Öster- 
reich das italienische Vorgehen auch noch aus einem anderen Grunde begrüßens- 
wert gewesen. Je mehr Italien in Nordafrika engagiert wurde, um so mehr mußten 
sich einst die natürlichen Gegensätze zwischen Italien und Frankreich entwickeln. 
Eine überlegene deutsche Staatsleitung zumindest hätte mit allen Mitteln ver- 
suchen müssen, der bedrohlichen Ausbreitung der französischen Hegemonie über 

1 Hitler hatte das „artverwandte" Blut der Kroaten, die sich im Zweiten Weltkrieg eines 
„Unabhängigen Staates Kroatien" von Hitlers Gnaden erfreuen durften, noch nicht entdeokt. 

3 Hitler lebte zur Zeit des Tripolitanischen Krieges (29. September 1911 bis 18. Oktober 1912) 
noch in Wien, Entgegen der Behauptung in Mein Kampf zog er erst im Mai 1913, um der 
polizeilichen Fahndung wegen seiner Gestellungsflueht zu entgehen, nach München (Jetzinger, 
S. 247-250). 



96 



Nordafrika, überhaupt der französischen Erschließung des schwarzen Kontinents 
Schwierigkeiten zu bereiten, schon unter Berücksichtigung der sonst möglichen 
militärischen Stärkung Frankreichs auch auf europäischen Schlachtfeldern. Denn 
die französischen Regierungen und insbesondere ihre militärische Leitung haben 
gar keinen Zweifel darüber gelassen, daß für sie die afrikanischen Kolonien schon 
noch eine andere Bedeutung hatten, als [Plantagen] Demonstrationsobjekte fran- 
zösischer Zivilisation zu sein. Schon längst erblickte man in ihnen die Solda- 
tenreservoire für die nächste europäische Auseinandersetzung. Daß diese nur 
mit Deutschland stattfinden konnte, war ebenfalls klar. Was wäre da natür- 
licher gewesen, als von Deutschland aus jedes Dazwischenschieben einer anderen 
Macht zu begünstigen, besonders wenn diese andere Macht ein eigener Bundes- 
genosse war? Dazu kam noch, daß das französische Volk steril war, eine Erwei- 
terung seines Lebensraumes nicht notwendig hatte, während das italienische 
Volk, genauso wie das deutsche irgendeinen Ausweg finden muß. Man sage dabei 
ja nicht, daß es sich um einen Raub an der Türkei gehandelt hätte. Alle Kolo- 
nien sind dann eben Raubgebiete. Nur kann der Europäer ohne sie nicht leben. 
Wir hatten aber kein Interesse daran und durften keines besitzen, aus vollkommen 
unwirklichen sympathischen Gefühlen für die Türkei eine Entfremdung mit Ita- 
lien herbeizuführen^ Wenn je in einer außenpolitischen Aktion, dann konnten 
Österreich und Deutschland gerade in dieser restlos hinter Italien treten. Wie sich 
damals aber die österreichische Presse, ja die gesamte Meinung einem italieni- 
schen Vorgehen gegenüber verhielt, das im letzten Ziel nichts anderes war als 
die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Österreich selbst, war einfach 
skandalös. Damals flammte plötzlich ein Haß auf, der die wirkliche innere 
Gesinnung dieses österreichisch-italienischen Verhältnisses umso klarer zeigte, 
als eben ein tatsächlicher Grund dafür nicht vorhanden gewesen war. Ich be- 
fand mich in dieser Zeit selbst in Wien und war innerlich empört über die ebenso 
dumme, wie unverschämte Art, mit der man damals dem Bundesgenossen in den 
Rücken fiel. Unter solchen Umständen aber dann eben von diesem Bundesgenos- 
sen eine Treue zu verlangen, die in Wirklichkeit der Selbstmord Italiens gewesen 
wäre, ist mindest ebenso unverständlich wie naiv. 

Denn dazu kam noch folgendes: Die natürliche militärgeographische Lage 
Italiens wird diesen Staat stets zwingen, eine Politik zu machen, die ihn nicht in 
Konflikt mit einer übermächtigen Seemacht bringt, der Widerstand zu leisten 
die italienische Motte und die ihr verbündete nach menschlicher Voraussicht nicht 
in der Lage sein würden. Solange England im Besitz der unbestrittenen Supre- 
matie zur See ist und solange diese Vorherrschaft noch durch eine mittelmeer- 
ländische französische Flotte gestärkt werden kann, ohne daß Italien plus mit [sie] 
seinen Verbündeten einen aussichtsreichen Widerstand zu leisten vermag, wird 
Italien nie eine antienglische Haltung einnehmen können. Man darf aber von 
einer Staatsleitung nicht verlangen, daß sie endlich aus blöder Sympathie für 
einen anderen Staat, dessen Gegenliebe gerade der Tripoliskrieg deutlieh aufgezeigt 



7 



97 



hatte, den eigenen der sicheren Vernichtung preisgibt. Wer aber die Küstenverhält- 
nisse des italienischen Staates nur der flüchtigsten "Überprüfung unterzieht, muß 
ohne weiteres zur Überzeugung kommen, daß ein Kampf Italiens gegen England 
unter den obwaltenden Umständen nicht nur aussichtslos, sondern absurd ist. 
Damit befand sich aber Italien in genau derselben Lage, in der sich Deutschland 
ebenfalls befunden hatte, nämlich : So wie für Bismarck einst das Risiko eines 
durch Österreich veranlaßten Krieges mit Rußland für Deutschland so ungeheuer- 
lich erschien, daß er sich für einen solchen Fall durch den berühmten Rückversiche- 
rungsvertrag zur Außerachtlassung des sonst gegebenen Bündnisfalles verpflichtete, 
so war auch für Italien das Bündnis mit Österreich uneinhaltbar im Augenblick, 
indem es dadurch England zum Feind erhielt. Wer dies nicht begreift oder verste- 
hen will, ist unfähig, politisch zu denken und damit dann höchstens fähig, in 
Deutschland Politik zu machen. Das Resultat aber der Politik dieser Sorte von Men- 
schen hat die deutsche Nation heute vor sich liegen und die Folgen zu tragen. 

Alles dies sind Gesichtspunkte, die den Wert des Bündnisses mit Österreich 
auf ein Minimum herabdrücken mußten. Denn es war damit sicher, daß Deutsch- 
land für sein Bündnis mit Österreich vermutlich auch noch, außer Rußland, 
Rumänien und Serbien, Italien als Gegner erhalten würde. Denn es gibt, wie ge- 
sagt, keinen Bund, der auf idealen Sympathien oder auf ideale Treue oder ideale 
Dankbarkeit aufgebaut sein könnte. Bündnisse werden umso stärker sein, je 
mehr die einzelnen Kontrahenten hoffen dürfen, persönliche Vorteile daraus zu 
ziehen. Einen Bund auf einer anderen Basis gründen zu wollen, ist phantastisch. 
Niemals werde ich erwarten, daß Italien in ein Bundesverhältnis mit Deutsch- 
land treten würde, aus Sympathie für Deutschland, aus Liebe zu Deutsehland 
und in der Absicht, Deutschland einen Nutzen zu verschaffen. Ebensowenig würde 
ich jemals aus Liebe zu einem anderen Staat, aus Sympathie für diesen oder aus 
Sehnsucht, ihm zu nützen, ein Vertragsverhältnis einzugehen vermögen. Wenn 
ich heute für ein Bundesverhältnis zwischen Italien und Deutschland eintrete, 
dann nur deshalb, weil ich glaube, daß dabei beide Staaten nützliche Vorteile er- 
langen können. Beide Staaten werden dabei gute Geschäfte machen. 

Der Nutzen des Dreibundes lag aber ausschließlich auf der Seite Österreichs. 
Schon infolge der bestimmenden Faktoren in der Politik der einzelnen Staaten 
konnte immer nur Österreich Nutznießer dieses Bundes sein. Denn der Dreibund 
hatte seinem ganzen Wesen nach keinerlei aggressive Tendenz. Es war ein Defensiv- 
bund, der in höchstem Falle schon dem Laute seiner Bestimmungen nach nur die 
Erhaltung des Bestehenden sichern sollte. Deutschland und Italien waren infolge 
der Unmöglichkeit der Ernährung ihrer Volkszahl gezwungen, eine offensive Po- 
litik einzuschlagen. Nur Österreich allein mußte glücklich sein, den an sich schon 
unmöglichen Staatskadaver wenigstens zu erhalten. Da die eigene defensive Kraft 
Österreichs dafür niemals mehr ausgelangt hätte, wurden durch den Dreibund 
die offensiven Kräfte Deutschlands und Italiens in diesen Dienst der österreichi- 
schen Staatserhaltung gespannt. Deutschland blieb im Geschirr und ging damit 



98 



zugrunde, Italien sprang aus und hat sich gerettet. Darüber einen Vorwurf 
erheben zu wollen, könnte nur ein Mensch fertigbringen, für den die Politik 
eben nicht die Verpflichtung ist, einem Volk das Dasein mit allen Mitteln und 
nach allen Möglichkeiten zu erhalten. 

Selbst wenn das alte Deutschland als formaler Nationalstaat sich als außenpoli- 
tisches Ziel nur die weitere Einigung der deutschen Nation gesetzt hätte, mußte 
man den Dreibund augenblicklich fahren lassen bzw. das Verhältnis mit Österreich 
ändern. Eine Unzahl von Feindschaften wären dadurch erspart geblieben, die durch 
den Krafteinsatz Österreichs in keiner Weise aufgehoben werden konnten. 

Nun durfte aber schon das Deutschland der Vorkriegszeit seine Außenpolitik 
nicht mehr von rein formalen nationalen Gesichtspunkten aus bestimmen lassen, 
wenn diese nicht zu völkisch notwendigen Zielen führte. 

Schon in der Vorkriegszeit war die Zukunft des deutschen Volkes eine Frage 
der Lösung des Ernährungsproblems. Das deutsche Volk konnte aus dem vor- 
handenen Raum heraus sein tägliches Brot nicht mehr finden. Aller Fleiß und 
alle Tüchtigkeit sowie alle wissenschaftliche Methode in der Bodenbearbeitung 
konnten diese Not höchstens etwas mildern, allein nicht mehr endgültig ver- 
hindern. Selbst in Jahren außerordentlich guter Ernte gelang eine vollständige 
Deckung des eigenen Nahrungsmittelbedarfs nicht mehr. Bei Durchschnitts- 
oder gar schlechten Ernten war man schon zu einem sehr beträchtlichen Prozent- 
satz auf Einfuhr angewiesen. Auch die Rohstoffversorgung mancher Industrien 
stieß auf ernste Schwierigkeiten und konnte nur aus dem Auslande besorgt werden. 

Die Wege zur Behebung dieser Not konnten verschiedene sein. Auswanderung 
und Geburtenbeschränkung mußten selbst vom Standpunkt des damaligen 
Nationalstaates kategorisch abgelehnt werden. Wobei weniger die Erkenntnis 
über die biologischen Folgen als die Angst vor der zahlenmäßigen Dezimierung 
bestimmend wurde. Somit konnte es für das damalige Deutschland tatsächlich 
nur mehr zwei Möglichkeiten geben, die Erhaltung der Nation für fernere Zeit 
sicherzustellen, ohne die Volkszahl selbst einschränken zu müssen. Entweder man 
versuchte die Raumnot zu beheben, also neuen Boden zu erwerben, oder man wan- 
delte das Reich in eine große Exportfirma um. Das heißt, man steigerte die Pro- 
duktion bestimmter Güter über den Umfang des Innenbedarfs hinaus, um dann 
auf dem Wege des Exportes Lebensmittel und Rohstoffe eintauschen zu können. 

Die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Vergrößerung der deutschen Lebens- 
fläche war, wenn auch damals wenigstens teilweise, vorhanden. Man glaubte in 
ihrem Sinne am besten zu handeln, wenn man Deutschland in die Reihe der 
großen Kolonial Völker hineinführte. In Wirklichkeit lag aber besonders durch die 
Form der Durchführung dieses Gedankens bereits ein Bruch der inneren Logik 
vor. Denn der Sinn einer gesunden Bodenpolitik liegt darin, daß man den Lebens- 
raum eines Volkes erweitert, indem man den Überschuß der Volkszahl neue Ge- 
biete zur Besiedlung zuweist, die dann aber, wenn nicht der Charakter einer Aus- 
wanderung eintreten soll, in enger politischer und staatlicher Beziehung zum 



99 



Mutterland stehen müssen. Dies traf bei den Kolonien, die am Ausgang des 
19. Jahrhunderts überhaupt noch greifbar waren, nicht mehr zu. Sowohl die 
räumliche Entfernung als aber besonders die klimatischen Verhältnisse dieser 
Gebiete verboten von selbst eine Besiedelung, wie sie vordem die Engländer in 
ihren amerikanischen Kolonien durchführen konnten, die Holländer in Südafrika 
und wieder die Engländer in Australien. Dazu kam noch die ganze Art der inne- 
ren Einrichtung der deutschen Kolonialpolitik. Das Siedelungsproblem trat dabei 
vollkommen in den Hintergrund, um an Stelle dessen Gesellschaftsinteressen ein- 
zusetzen, die nur zum geringsten Teil identisch waren mit allgemeinen deutschen 
Volksinteressen. So lag denn auch der Wert der deutschen Kolonien von Anbeginn 
an mehr in der Möglichkeit, nunmehr gewisse Märkte zu erhalten, die als Liefe- 
ranten verschiedener Kolonialprodukte und teilsweise auch Rohstoffe die deutsche 
Wirtschaft vom Ausland unabhängig machen. 

Dies würde bis zu einem gewissen Grad in der Zukunft auch sicher gelungen 
sein, hätte aber damit nicht im geringsten das deutsche Übervölkerungsproblem 
gelöst, außer, man entschloß sich, die Ernährung des deutschen Volkes grund- 
sätzlich durch die Steigerung seiner Exportwirtschaft zu garantieren. Dann konn- 
ten natürlich die deutschen Kolonien eines Tages durch günstigere Rohstoff- 
belieferung verschiedenen Industrien eine größere Konkurrenzfähigkeit auf den 
internationalen Absatzmärkten gewähren. Damit aber war die deutsche Kolonial- 
politik im tiefsten Grunde eben keine Bodenpolitik, sondern ein Hilfsmittel für 
die deutsche Wirtschaftspolitik geworden. Tatsächlich war ja auch die ziffern- 
mäßige direkte Entlastung der deutschen innenländischen Übervölkerung durch 
Besiedelung der Kolonien vollständig unbedeutend. 

Wollte man übrigens zu einer wirklichen Raumpolitik übergehen, dann war die 
vor dem Kriege betriebene Kolonialpolitik umso unsinniger, als sie zu einer fühl- 
baren Entlastung der deutschen Übervölkerung doch nicht führen konnte, um- 
gekehrt aber eines Tages nach aller menschlicher Voraussicht zu ihrer Durch- 
führung denselben Bruteinsatz notwendig machen mußte, wie er im schlimmsten 
Fall für eine wirklich nützliche Raumpolitik erforderlich gewesen wäre. Denn indem 
diese Art deutscher Kolonialpolitik im günstigsten Eall nur eine Stärkung der 
deutschen Wirtschaft bringen konnte, mußte sie eines Tages mit eine Ursache 
zu brachialer Auseinandersetzung mit England werden. Denn eine deutsche 
Weltwirtschaftspolitik konnte um den Entscheidungskampf mit England nie 
herumkommen. Exportindustrie, Welthandel, Kolonien und Handelsflotte mußten 
dann mit dem Schwerte vor jener Macht in Schutz genommen werden, die aus 
denselben Selbsterhaltungsgesichtspunkten heraus wie Deutschland schon längst 
vorher zum Betreten dieses Weges sich gezwungen gesehen hatte. Solange also 
England rechnen konnte, mit rein wirtschaftlichen Mitteln die deutsche Konkur- 
renz zum Zusammenbruch zu bringen, solange konnte dieser wirtschaftsfriedliche 
Kampf um die Eroberung eines Platzes an der Sonne stattfinden, weil wir eben 
dann au» dem Schatten nie herauskamen. Gelang es aber Deutschland, auf diesem 



wirtschaftsfriedlichen Wege England zurückzudrängen, dann war es selbstver- 
ständlich, daß das Phantom dieser wirtschaftsfriedlichen Welteroberung vom 
Widerstand der Bajonette abgelöst werden würde. 

Ohne Zweifel war es immerhin ein politischer Gedanke, dem deutschen Volk 
die Vermehrung seiner Zahl zu gestatten durch Steigerung seiner industriellen 
Produktionen und deren Absatz auf dem internationalen Weltmarkt. Völkisch war 
dieser Gedanke nicht, aber er entsprach den Vorstellungen der damals herrschen- 
den bürgerlich-nationalen Welt. Auf alle Fälle konnte dieser Weg beschritten 
werden, nur legte er dann der deutschen Außenpolitik eine ganz bestimmte eng 
umrissene Verpflichtung auf: Das Ende der deutschen Welthandelspolitik konnte 
nur der Krieg mit England sein. Dann hatte aber die deutsche Außenpolitik die 
Aufgabe, durch weitschauende Bündnismaßnahmen sich zur Auseinandersetzung 
mit einem Staate zu rüsten, der auf Grund einer mehrhundertjährigen Erfahrung 
selbst nichts unterlassen würde, eine allgemeine Mobilisation von Hilfsstaaten 
herbeizuführen. Wollte Deutschland gegen England seine Industrie- und Wirt- 
schaftspolitik verfechten, dann mußte es seine erste Rückendeckung bei Rußland 
suchen. Rußland war dann der einzige Staat, der als wertvoller Bundesgenosse 
in Frage (kam?), weil er allein dann keine wesentlichen Gegensätze zu Deutschland 
wenigstens für den Augenblick zu haben brauchte. Allerdings der Kaufpreis für 
dieses russische Bündnis konnte, wie die Dinge nun lagen, nur in der Preisgabe 
des Bündnisses mit Österreich liegen. Denn dann war der Zweibund mit Öster- 
reich ein Irrsinn, ja, ein Wahnsinn. Nur wenn Deutschland volle Rückendeckung 
durch Rußland hatte, konnte es zu einer maritimen Politik übergehen, die bewußt 
auf den Tag der Abrechnung hinzielte. Dann konnte man auch ehesten die enor- 
men Mittel einsetzen, die für den Ausbau einer Flotte notwendig waren, die dann 
nicht in allem und jedem konstruktiv besonders aber in Schnelligkeit und damit 
Deplacement fünf Jahre naclihinkte 1 . 

Allein die Verstrickung in das österreichische Bündnis war eine so große, daß 
man eine Lösung daraus nicht mehr finden konnte und mithin Rußland, das sich 
an sich nach dem russisch-japanischen Krieg neu zu orientieren begann, endgültig 
abstoßen mußte. Damit war aber dann die ganze deutsche Wirtschafts- und Kolo- 
nialpolitik eine mehr als gefährliche Spielerei. Tatsache war, daß man ja auch die 
endgültige Auseinandersetzung mit England scheute und demgemäß jahrelang sein 
Verhalten von dem Grundsatz bestimmen ließ, den Gegner nicht zu reizen. Dieser 
bestimmte alle deutschen Entschlüsse, die zum Schutz der deutschen Wirtsehaffcs- 
und Kolonialpolitik notwendig gewesen wären, bis am 4. August 1914 die englische 
Kriegserklärung diese Periode unseliger deutscher Verblendung abschloß. 

Würde das damalige Deutschland weniger von bürgerlich-nationalen als völ- 
kischen Gesichtspunkten beherrscht gewesen sein, wäre nur der andere Weg einer 
Lösung der deutschen Not in Frage gekommen, nämlich der einer großzügigen 
Raumpolitik in Europa selbst. 

1 Vergleiche die faat identischen Ausfuhrungen in Mein Kampf, I, S. 156—160 



Die deutsche Kolonialpolitik, die uns zwangsläufig in Konflikt mit England 
bringen mußte, wobei Frankreich immer als auf der Seite der Gegner stehend an- 
gesehen werden konnte, war für Deutschland deshalb besonders unvernünftig, 
weil unsere europäische Basis schwächer war als die irgendeines anderen Kolo- 
nialvolkes von weltpolitischer Bedeutung. Denn endlich wurde selbstverständlich 
das Schicksal der Kolonien in Europa entschieden. Mithin war jede deutsche 
Außenpolitik daraufhin angewiesen, in erster Linie die militärische Stellung 
Deutschlands in Europa zu festigen und zu sichern. Wir konnten von unseren 
Kolonien dabei nur sehr wenig ausschlaggebende Hilfe erwarten. Umgekehrt hätte 
jede Erweiterung unserer europäischen Raumbasis von selbst zu einer Stärkung 
unserer Lage geführt. Es ist nicht gleich, ob ein Volk ein geschlossenes Siedelungs- 
gebiet von 560 000 oder sagen wir I Million qkm besitzt. Ganz abgesehen von 
der Schwierigkeit der Ernährung im Falle eines Krieges, die möglichst unabhän- 
gig von der Einwirkung des Gegners bleiben soll, liegt in der Größe der Raumflä- 
che selbst schon ein militärischer Schutz, insoferne dann unsere Operationen, die zur 
Kriegführung auf eigenem Boden zwingen, wesentlich leichter zu ertragen sind. 

Überhaupt liegt schon in der Größe eines Staatsgebietes ein gewisser Schutz 
gegen leichtsinnige Angriffe. 

Vor allem aber konnte nur durch eine Raumpolitik in Europa das dorthin 
abgeschobene Menschengut unserem Volke bis einschließlich der militärischen 
Verwertung erhalten bleiben. 500 000 qkm Boden in Europa mehr 1 kann Millio- 
nen deutscher Bauern neue Heimstätten bieten, der deutschen Volkskraft für den 
Entscheidungsfall aber Millionen von Soldaten zur Verfügung stellen. 

Das einzige Gebiet, das in Europa für eine solche Bodenpolitik in Frage kam, 
war dann Rußland. Die an Deutschland angrenzenden dünnbesiedelten 2 west- 
lichen Randgebiete, die schon einmal deutsche Kolonisatoren als Kulturbringer 
empfangen hatten, kamen auch für die neue europäische Bodenpolitik der deut- 
schen Nation in Frage. Dann mußte das Ziel der deutschen Außenpolitik aber 
unbedingt sein, den Rücken gegen England freizubekommen und umgekehrt 
Rußland möglichst zu isolieren. Dann war mit rücksichtsloser Konsequenz unsere 
Wirtschafts- und Welthandelspolitik aufzugeben, wenn notwendig auf die Flotte 
restlos zu verzichten, um die gesamte Kraft der Nation wieder wie einst auf das 
Landheer zu konzentrieren. Dann mußte man aber erst recht das Bündnis mit 

1 Um Vergleichsmomente für diese Angaben Hitlers an der Hand zu haben, sind folgende 
Gebietsgrößen von Interesse (Stand von 1928) : 

Frankreich: 551 000 qkm; Polen: 388 000 qkm; Italien: 310 000 qkm; Jugoslawien: 249 000 
qkm; Tschechoslowakei: 140 000 qkm; Österreich: 84 000 qkm. Deutschland hatte am Ende 
des Ersten Weltkrieges etwas über 70 000 qkm verloren (in Europa). Es ist also schon deshalb 
sehr verständlich, wenn Hitler die Grenzen von 1914 als Ziel verwarf. 

2 Mit „dünnbesiedelten" Gebieten meint Hitler wohl Gebiete, die ihm für Siedlungszwecke 
vorteilhaft erschienen und die nach der „Aussiedlung" der meisten Einwohner als dünnbe- 
siedelt gelten würden. Bekanntlich waren die guten Ackerbaugebiete Osteuropas schon vor 
dem Ersten Weltkrieg eher übervölkert. 



102 



Österreich fahren lassen, denn nichts stand dann einer Isolierung Rußlands dann 
mehr im Wege als der durch Deutschland gewährleistete Schutz eines Staates, 
dessen Aufteilung eine ganze Anzahl europäischer Mächte wünschten, allein nur 
mit Rußland im Bunde durchzuführen vermocht hätten. Indem aber diese Staa- 
ten in Deutschland den mächtigsten Schutz der Erhaltung Österreichs erkannt 
hatten, mußten sie um so mehr gegen eine Isolierung Rußlands sein, als ihnen das 
Zarenreich dann erst recht als einzig möglicher Kraftfaktor zur endlichen Zer- 
trümmerung Österreichs erscheinen konnte. 

Daß alle diese Staaten aber eine Stärkung der einzigen Stütze Österreichs auf 
Kosten des stärksten Gegners des Habsburger Staates erst recht nicht wünschen 
konnten, liegt auf der Hand. 

Da auch in diesem Falle Frankreich immer auf der Seite der Gegner Deutsch- 
lands gestanden hätte, würde immer die Möglichkeit einer deutschlandfeind- 
lichen Koalitionsbildung vorhanden gewesen sein, wenn man sich eben nicht ent- 
schloß, das Bündnis mit Österreich zumindest um die Jahrhundertwende end- 
gültig zu liquidieren, den österreichischen Staat seinem Schicksal zu überlassen, 
die deutschen Länder aber für das Reich zu retten. 

Es kam anders. Deutschland wollte den Weltfrieden. Es vermied deshalb eine 
Bodenpolitik, die an sich nur aggressiv ausgefochten hätte werden können, und 
wandte sich endgültig einer uferlosen Wirtschafts- und Handelspolitik zu. Man 
gedachte mit wirtschaftsfriedlichen Mitteln die Welt zu erobern, stützte sich dabei 
weder auf die eine noch auf die andere Macht, sondern klammerte sich, je mehr nun 
als Folge eine allgemeine politische Isolierung eintrat, immer krampfhafter an den 
absterbenden Habsburger Staat. Große Kreise innerhalb Deutschlands begrüßten 
dies, teils aus wirklich politischer Unfähigkeit, aus falsch verstandenen patrio- 
tisch-legitimistischen Gedankengängen und endlich auch zum (Teil?) in der still 
genährten Hoffnung, dadurch das verhaßte Hohenzollersche Kaiserreich eines 
Tages zum Zusammenbruch führen zu können. 

Als am 2. August 1914 der Weltkrieg blutrot aufschoß, hat die Bündnispolitik 
der Vorkriegszeit ihre tatsächliche Niederlage tatsächlich bereits quittiert er- 
halten. Um Österreich zu helfen, war Deutschland in einen Kampf gedrängt wor- 
den, der sich dann nur mehr um seine eigene Existenz drehen sollte. Seine Feinde 
waren die Gegner seines Welthandels sowie seiner allgemeinen Größe überhaupt 
und die Anwärter auf Österreichs Zerfall. Seine Freunde das unmöglichste Staats- 
gebilde Österreich-Ungarn auf der einen Seite und die ewig kranke und schwache 
Türkei auf der anderen. Italien aber vollzog jenen Schritt, den Deutschland hätte 
vollziehen müssen und den es vollzogen hätte, wenn statt schwächlichen Philo- 
sophen und bramarbasierenden Hurrapatrioten die Genialität eines Bismarck 
seine Geschicke geleitet hätte. Daß es später endlich offensiv gegen einen ehe- 
maligen Bundesgenossen vorging, entspricht wieder nur jener prophetischen Vor- 
aussicht Bismarcks, daß es eben zwischen Italien und Österreich überhaupt nur 
zwei Zustände geben könne : Bund oder Krieg. 



103 



VIII 



NOTWENDIGKEIT DER MILITÄRMACHT - 
DIE GRENZEN VON 1914 KEIN ZIEL 



Am 11. November 1918 wurde im Walde von Compiegne der Waffenstillstand 
unterzeichnet. Das Schicksal hatte dazu einen Mann ausersehen, der einer der 
Hauptschuldigen am Zusammenbruch unseres Volkes war. Matthias Erzberger, 
Abgeordneter des Zentrums, nach verschiedenen Behauptungen außerehelicher 
Sohn eines Dienstmädchens und eines jüdischen Dienstherrn 1 war der deutsche 
Unterhändler, der seinen Namen dann auch unter ein Dokument setzte, das ver- 
glichen und gemessen mit der 4 1 / S! jährigen Heldenzeit unseres Volkes unver- 
ständlich erscheint, wenn man nicht die bewußte Absicht der Zerstörung Deutsch- 
lands annimmt. 

Matthias Erzberger selbst war kleiner bürgerlicher Annexionspolitiker gewe- 
sen, also einer jener Männer, die besonders zu Beginn des Krieges versucht hatten, 
dem Mangel eines offiziellen Kriegszieles auf ihre eigene Art und Weise abzuhelfen. 
Denn wenn auch im August 1914 das ganze deutsche Volk instinktmäßig emp- 
funden hat, daß dieser Kampf um Sein- oder Nichtsein geht, so war man sich 
doch, sowie die Flammen der ersten Begeisterung verlöschten, weder über das 
drohende Nichtsein, als über das notwendige Sein irgendwie im Klaren. Die Größe 
der Vorstellung einer Niederlage und deren Folgen wurde langsam getilgt durch 
eine Propaganda, die im inneren Deutschland vollkommen freien Lauf erhalten 
hatte und die die wirklichen Kriegsziele der Entente in ebenso geschickter wie 
verlogener Weise verdrehte oder überhaupt abstritt. Im 2. und besonders im 
3. Jahre des Krieges war es dann auch schon gelungen, dem deutschen Volk die 
Angst vor der Niederlage insoferne zu nehmen, als man an die Größe der Absicht des 
Vernichtungswillens der Gegner dank dieser Propaganda nicht mehr glaubte. Dies 
war um so furchtbarer, als umgekehrt nichts getan werden durfte, dem Volke eine 
Kenntnis dessen zu geben, was im Interesse seiner künftigen Selbsterhaltung und 
als Lohn seiner unerhörten Opfer als mindestes erreicht werden mußte. Die Dis- 
kussion über ein mögliches Kriegsziel fand deshalb auch nur in mehr oder weniger 
unverantwortlichen Kreisen statt und erhielt nun auch den Ausdruck der Denk- 
weise sowie der allgemeinen politischen Vorstellungen ihrer jeweiligen Vertreter. 
Während nun der schlaue Marxismus in genauer Kenntnis der lähmenden Wir- 
kung des Fehlens eines bestimmten Kriegszieles sich ein solches überhaupt verbat 

1 Diese Behauptung war unwahr, wurde aber von den Gegnern Erzbergers geflissentlich 
verbreitet. (Knapp drei Jahre nach dieser Niederschrift sollte Hitler erfahren, daß die An- 
spielung mit großer Wahrscheinlichkeit auf seinen Vater paßte. Jetzinger, S. 17—35.) Über 
Erzberger siehe jetzt Klaus Epstein, Matthias Erzberger and the Dilemma of German Demo- 
cracy, Princeton Univ. Press, 1959. 



104 



und im übrigen nur von der Wiederherstellung des Friedens ohne Annexionen und 
Entschädigungen redete, versuchte wenigstens ein Teil der bürgerlichen Politiker 
die Größe des Bluteinsatzes und den Frevel des Uberfalls mit bestimmten Gegen- 
forderungen zu beantworten. Alle diese bürgerlichen Vorschläge waren reine 
Grenzkorrekturen und hatten mit raumpolitischen Gedanken gar nichts zu tun. 
Höchstens gedachte man noch die Anwartschaft einzelner zur Zeit nicht be- 
schäftigter deutscher Prinzen zu befriedigen durch Bildung von Pufferstaaten, 
und so erschien denn der bürgerlichen Welt, von Ausnahmen abgesehen, selbst die 
Gründung des Polnischen Staates als ein nationalpolitisch weiser Entschluß. Ein- 
zelne schoben wirtschaftliche Gesichtspunkte dabei in den Vordergrund, nach de- 
nen die Grenze gestaltet werden müsse, z. B. die Notwendigkeit der Gewinnung 
des Erzbeckens von Longwy und Briey, andere wieder strategische Meinungen, z. B. 
die Notwendigkeit, die belgischen Maasfestungen in die Hand zu bekommen usw. 

Daß dies kein Ziel war für einen Krieg eines Staates gegen 26, in dem dieser 
den bisher ungeheuersten Bluteinsatz der Geschichte auf sich nehmen mußte, 
während zu Hause ein ganzes Volk buchstäblich dem Verhungern ausgeliefert war, 
sollte selbstverständlich sein. Die Unmöglichkeit dieser Begründung der Not- 
wendigkeit des Durchhaltens des Krieges hat mitgeholfen, seinen unglücklichen 
Ausgang herbeizuführen. 

Als daher der Zusammenbruch der Heimat eintraf, war eine Kenntnis von 
Kriegszielen um so weniger vorhanden, als ihre bisherigen schwächlichen Vertre- 
ter unterdes sich selbst vom wenigen ihrer einstigen Forderungen noch entfernt 
hatten. Und das war eigentlich verständlich. Denn einen Krieg führen zu wollen 
in diesen unerhörten Ausmaßen, damit dann die Grenze statt über Herbesthal 
über Lüttich läuft oder damit statt einem zaristischen Kommissar oder Statt- 
halter über irgendeine russische Provinz ein deutsches Prinzlein als Potentat 
eingesetzt wird, wäre wirklich unverantwortlich und frevelhaft. Es lag in der 
Natur der deutschen Kriegsziele, soweit sie überhaupt zur Diskussion standen, 
daß sie später allesamt verleugnet wurden. Denn wahrhaftig um solcher Lappalien 
wegen durfte man wirklich ein Volk auch nicht eine Stunde länger in einem Kriege 
belassen, dessen Schlachtfelder langsam zu einer Hölle geworden waren. 

Das einzige Kriegsziel, das diesem ungeheueren Bluteinsatz würdig gewesen 
wäre, hätte nur in der Zusicherung an den deutschen Soldaten bestehen können, 
soundso viele 100 000 qkm Grund den Kämpfern der Front als Eigentum zu- 
zuweisen oder für die allgemeine Kolonisation durch Deutsche zur Verfügung zu 
stellen. Damit hätte auch der Krieg sofort den Charakter eines kaiserlichen Un- 
ternehmens verloren und wäre statt dessen zu einer Sache des deutschen Volkes 
geworden. Denn endlich haben die deutschen Grenadiere wirklich nicht ihr Blut 
vergossen, damit die Polen einen Staat erhalten oder damit ein deutscher Prinz 
auf einen plüschenen Thron gesetzt wird. 

Im Jahre 1918 stand man damit am Abschluß einer vollkommen sinn- und ziel- 
losen Vergeudung des kostbarsten deutschen Blutes. 



105 



Wieder einmal hatte unser Volk Unendliches eingesetzt an Heroismus, Opfer- 
mut, jaTodesmut und Verantwortungsfreudigkeit und (um) dennoch geschlagen und 
geschwächt die Walstatt verlassen zu müssen. In tausend Schlachten und Ge- 
fechten siegreich und am Ende von den Geschlagenen dennoch besiegt. Ein 
Menetekel für die deutsche Innen- und Außenpolitik der Vorkriegszeit und der 
Jahre des blutigen Ringens selber. 

Nun nach dem Zusammenbruch erhebt sich die bange Frage, ob unser deutsches 
Volk aus dieser Katastrophe etwas gelernt hat, ob die sein Schicksal weiter "be- 
stimmen werden, die es bisher bewußt verrieten, ob diejenigen auch in Zukunft 
mit ihren Phrasen die Zukunft beherrschen, die schon bisher so jämmerlich versag- 
ten, oder ob endlich innen- und außenpolitisch unser Volk zu einem neuen Den- 
ken erzogen wird und demgemäß sich in seinem Handeln umstellt. 

Denn wenn an unserem Volke sich nicht ein Wunder vollzieht, wird sein Weg 
ein solcher des endgültigen Verderbens sein. 

Wie ist die heutige Lage Deutschlands und wie sind die Aussichten für seine 
Zukunft und welcher Art wird diese Zukunft sein? 

Der Zusammenbruch, den das deutsche Volk im Jahre 1918 erlitt, liegt, wie 
ich an dieser Stelle noch einmal feststellen will, nicht im Sturz seiner militärischen 
i Organisation oder im Verlust seiner Waffen, sondern in seinem damals geoffen- 
barten und heute immer mehr in Erscheinung tretenden inneren Verfall. Dieser 
innere Verfall liegt ebensosehr auf dem Gebiete der Verschlechterung seines 
rassischen Wertes als auf dem des Verlustes all jener Tugenden, die die Größe 
eines Volkes bedingen, seinen Bestand gewährleisten und seine Zukunft fördern. 

Blutswert, Persönlichkeitsgedanke und Selbsterhaltungstrieb drohen dem 
deutschen Volk langsam abhanden zu kommen. Statt dessen triumphiert der 
Internationalismus und vernichtet unsere Voikswerte, breitet sich die Demokratie 
aus, indem sie den Persönlichkeitsgedanken erstickt, und vergiftet endlich eine 
üble pazifistische Jauche die Denkart einer kühnen Selbsterhaltung. Das Wirken 
dieser Menschheitslaster sehen wir im gesamten Leben unseres Volkes in Erschei- 
nung treten. Nicht nur auf dem Gebiete der politischen Belange, nein, auch auf 
denen der Wirtschaft und nicht zuletzt auf denen unseres kulturellen Lebens 
macht sich ein Nachabwärtsgleiten bemerkbar, das, wenn es nicht einmal zum 
Einhalt gebracht wird, unser Volk aus der Zahl der zukunftsreichen Nationen aus- 
scheidet. 

In der Beseitigung dieser allgemeinen Verfallserscheinungen unseres Volkes 
liegt die große innerpolitische Aufgabe der Zukunft. Dies ist die Mission der 
nationalsozialistischen Bewegung. Aus dieser Arbeit muß ein neuer Volkskörper 
entstehen, der auch den schwersten Schaden der Gegenwart, die Klassenspaltung, 
an der Bürgertum und Marxismus gleichmäßig schuld sind, überwindet 1 . 

1 Ähnlich charakterisierte Hitler die Aufgabe seiner Begierung in eiiyr Ansprache vor den 
Befehlshabern des Heeres und der Marine am 3. Februar 1933. Seine Ausführungen zur Innen- 
politik kreisten um die „Stärkung des Wehrwillens" und die „Beseitigung des Krebsschadens 



106 



Das Ziel dieser Reformationsarbeit innerpolitischer Art muß aber endlich die 
Wiedergewinnung der Kraft unseres Volkes zur Durchführung seines Lebens- 
kampfes sein und damit die Kraft zur Vertretung seiner Lebensinteressen nach 
außen. 

Dadurch wird auch unserer Außenpolitik die Aufgabe gestellt, die sie zu 
erfüllen hat. Denn so sehr die Innenpolitik der Außenpolitik das völkische 
Kraftinstrument liefern muß, so sehr muß aber auch die Außenpolitik durch die 
von ihr eingeschlagenen Handlungen und Maßnahmen die Bildung dieses Instru- 
ments fördern und unterstützen. 

Wenn die Aufgabe der Außenpolitik des alten bürgerlich-nationalen Staates 
zunächst die weitere Einigung der Angehörigen der deutschen Nation in Europa 
gewesen wäre, um sich dann zu einer höheren völkisch empfundenen Raum- 
politik aufzuschwingen, dann muß die Aufgabe der Außenpolitik der Nachkriegs- 
zeit zunächst eine solche der Förderung des inneren Machtinstruments sein. 
Denn dem außenpolitischen Wollen der Vorkriegszeit stand ein völkisch vielleicht 
nicht sehr hoch anzusprechender Staat, aber dafür mit wundervoller Heeres- 
einrichtung zur Verfügung. Wenn auch das damalige Deutschland schon längst 
nicht mehr eine solche Betonung des Militärischen besaß, wie etwa das alte Preu- 
ßen, und deshalb besonders im Umfang der Heeresorganisation von anderen Staa- 
ten übertroffen wurde, so war doch die innere Güte der alten Armee allen ähn- 
lichen Einrichtungen unvergleichlich überlegen. Dieses beste Instrument der 
Kriegskunst stand einer kühnen außenpolitischen Staatsleitung damals zur Ver- 
fügung. Infolge dieses Instrumentes sowie der allgemeinen Hochachtung, die es 
genoß, war die Freiheit unseres Volkes nicht nur ein [c Angelegenheit] Ergebnis 
unserer tatsächlich erprobten Stärke, sondern des allgemeinen Kredits, den wir 
infolge dieses einzigartigen Heeresinstruments sowie auch zum Teil infolge des 
übrigen vorbildlich sauberen Staatsapparates [genossen] besaßen. 

Dieses wichtigste Instrument zum Schutze der Interessen eines Volkes besitzt 
das deutsche Volk heute nicht mehr oder zumindest in einem vollkommen unge- 
nügenden Umfang und weit entfernt von der Grundlage, die seine frühere Stärke 
bedingte. 

Das deutsche Volk hat ein Söldnerheer bekommen. Diese Söldnertruppe läuft 
in Deutschland Gefahr zu einer mit besonderen technischen Waffen ausgerüste- 
ten Polizei herabzusinken. Der Vergleich des deutschen Söldnerheeres mit dem 
englischen fällt zu Ungunsten des deutschen aus. Das englische Söldnerheer war 
stets die Trägerin des militärischen Verteidigungs- und Angriffsgedankens sowie 
der militärischen Tradition Englands gewesen. England hat in seiner Söldner- 
truppe und seinem eigentümlichen Milizsystem die Heeresorganisation besessen, 
die bei seiner insularen Lage für die Durchfechtung der englischen Lebensinteres- 



der Demokratie", vgl. Thilo Vogelsang, „Neue Dokumente zur Geschichte der Reichswehr 
1930-1933" Viertdjahrsheße für Zeitgeschichte, II (1954), S. 434-435. 



107 



sen genügte, ja passend schien. [Die Art diese] Der Gedanke, der die englische 
Widerstandskraft in einer solchen Form sich äußern ließ, war dabei keineswegs 
der Feigheit entsprungen, dadurch den allgemeinen Bluteinsatz des englischen 
Volkes erübrigen zu können. Im Gegenteil. England kämpfte mit Söldnern, 
solange die Söldner für die Verfechtung englischer Interessen genügten. Es rief 
Freiwillige, sowie der Kampf einen größeren Einsatz erforderte. Es führte die 
allgemeine Wehrpflicht ein, sowie die Not des Vaterlandes es gebot. Denn ganz 
gleich, wie die jeweilige Organisation der englischen Widerstandskraft aussah, sie 
wurde stets zum rücksichtslosen Kampf für England eingesetzt. Und die formale 
Heeresorganisation war in England stets immer nur ein Instrument zur Ver- 
fechtung englischer Interessen, eingesetzt von einem Willen, der auch nicht davor 
zurückscheute, wenn notwendig, das Blut der ganzen Nation in Anspruch zu 
nehmen 1 . Dort, wo übrigens Englands Interessen ausschlaggebend auf dem Spiele 
standen, hat es sich ohnehin eine Vorherrschaft zu wahren gewußt, die, rein tech- 
nisch betrachtet, bis zur Forderung des Zweimächtestandards geht. Wenn man die 
darin liegende unendlich [besorgte] verantwortliche Besorgtheit vergleicht mit der 
Leichtsinnigkeit, mit der Deutschland, und zwar das nationale bürgerliche Deutsch- 
land, seine Waffenrüstung in der Vorkriegszeit vernachlässigte, muß einem heute 
noch tiefe Trauer erfassen. Wer so wie England wußte, daß seine Zukunft, ja 
seine Existenz überhaupt von der Stärke seiner Flotte abhängt, so hätte das bürger- 
liche nationale Deutschland wissen müssen, daß Existenz und Zukunft des deut- 
schen Reiches abhängen von der Starke unserer Landmacht. Dem Zweimächte- 
standard zur See hätte Deutschland in Europa den Zweimächtestandard zu 
Lande entgegenstellen müssen. Und so wie England in eiserner Entschlossenheit 
in jeder Verletzung dieses Standards einen Anlaß zum Krieg erblickte, so mußte 
Deutschland in Europa jeden Versuch der Überfiügelung seiner Wehrmacht durch 
Frankreich und Rußland durch eine militärische Entscheidung, die selbst herbei- 
zuführen war und für die sich mehr als eine günstige Gelegenheit geboten hat, ver- 
hindern. Auch dabei hat dieses Bürgertum ein Bismarckisches Wort in der un- 
sinnigsten Weise mißbraucht. Die Äußerung Bismarcks, er gedächte keinen 
Präventivkrieg zu führen, wurde von allen schwächlichen, energie- und aber auch 
verantwortungslosen Politikastern mit Freude aufgegriffen zur Deckung ihrer 
von verheerenden Folgen sein müssenden Politik des „Allesgeschehenlassens". 
Dabei hat man nur ganz vergessen, daß alle drei Kriege, die Bismarck geführt 
hat, Kriege gewesen sind, die, zumindest nach den Auffassungen dieser Anti- 
Präventivkriegs-Friedensphilosophen, zu vermeiden gewesen wären. Man denke, 
was z. B. der deutschen Republik von heute im Jahre 1870 an Beleidigungen 
durch Napoleon III. hätten zugefügt werden müssen, damit ßie sich entschlossen 
hätte, Herrn Benedetti zu bitten, seinen Ton etwas zu mäßigen. Weder Napoleon, 
noch dem ganzen französischen Volk hätte es je gelingen können, die deutsche 



1 Siehe Mein Kampf, I, S. 158. 



108 



Republik von heute zu einem Sedan zu reizen. Oder glaubt man, daß der Krieg 
von 1866, wenn Bismarck nicht die Entscheidung gewünscht hätte, nicht zu ver- 
hindern gewesen wäre? Nun könnte man einwenden, daß es sich hier um Kriege 
zur Erreichung von klar vorgesteckten Zielen gehandelt hat und nicht um solche, 
deren Grund nur in der Angst vor einem Angriff des Gegners lag. Das ist in Wirk- 
lichkeit aber Wortspalterei. Weil Bismarck überzeugt war, daß der Kampf mit 
Österreich unausbleiblich wäre, bereitete er sich auf ihn vor und führte ihn in 
einer für Preußen günstigen Veranlassung durch. Die französische Herresreform 
durch Marschall Niel ließ deutlich die Absicht erkennen, der französischen 
Politik und dem französischen Chauvinismus die schlagkräftige Waffe zum Angriff 
gegen Deutschland zu geben 1 . Tatsächlich wäre ea Bismarck ohne Zweifel mög- 
lich gewesen, den Konflikt im Jahre 1870 friedlich zu irgendeiner Beilegung zu 
bringen. Allein es war zweckmäßiger, ihn in einer Zeit durchzufechten, da die 
französische Heeresorganisation noch nicht zur vollen Wirksamkeit gekommen 
war. Im übrigen kranken alle diese Interpretationen Bismarckischer Aussprüche 
an einem, daß sie nämlich den Diplomaten Bismarck verwechseln mit einem 
republikanischen Parlamentarier. Wie Bismarck selbst solche Aussprüche beur- 
teilte, zeigt am besten seine Antwort auf einen Frager vor Ausbruch des preußisch- 
österreichischen Krieges, der gerne wissen wollte, ob Bismarck wirklich beab- 
sichtige, Österreich anzugreifen, worauf dieser mit undurchdringlicher Miene 
erwiderte: „Nein, ich habe nicht die Absicht Österreich anzugreifen, aber ich 
hätte auch nicht die Absicht, falls ich es angreifen wollte, es ihnen zu sagen." 

Im übrigen war der schwerste Krieg, der je von Preußen ausgefochten worden 
war, ein Präventivkrieg. Als Friedrich der Große endgültige Kenntnis von der 
Absicht seiner alten Gegner durch eine Schreiberseele 2 erhalten hatte, wartete 
er nicht aus grundsätzlicher Ablehnung eines Präventivkrieges, bis die anderen 
angriffen, schon (sondern?) ging selbst sofort zum Angriff über. 

1 Adolphe Miel (1802—1869), französischer Heerführer (Belagerung Borns, Krimkrieg, 
Krieg Frankreichs und Piemonts gegen Österreich), wurde 1867 Kriegsminister. Er führte 
verschiedene Reformen in der Bewaflhung und Organisation des französichen Heeres ein. 
Daß Bismarek den Krieg mit Frankreich aus diesen Gründen präventiv führte, ist unbewie- 
sen. Zum ganzen Problem siehe jetzt Georges Bonnin, Bismarck and the Hohemtolhrn Candi- 
dalure for the Spanish Throne, London: ühatto & Windus, 1958, und Rudolf Morseys Bericht 
über den Stand der Forschung, in: Historische Zeitschrift, Bd. 186 (1958), S. 573-588. Übri- 
gens zeichnet sich die ganze Darstellung der Bismarcksohen Politik auf dieser Seite und der 
Versuch, ihn für den Präventivkrieg in Anspruch zu nehmen, durch besondere Wirrnis aus. 

2 Es ist nicht ganz klar, auf wen sich Hitler hier bezieht. Es kann sich um den bestochenen 
sächsischen Kanzlisten Mentzel, der Friedrich seit 1753 Abschriften der Berichte aus Wien 
und St. Petersburg aus Dresden verschaffte, handeln. Möglicherweise ist der Sekretär des 
österreichischen Gesandten de la Puebla, Weingarten, gemeint. Auch der preußische Ge- 
sandte im Haag, Heller, kommt in Betracht, weü ein Bericht Hellers auf Grund von Infor- 
mationen aus einem Bericht des holländischen Gesandten in St. Petersburg den letzten Anstoß 
zum Handeln Friedrichs gab. Auf die umfassende Literatur zum Ausbruch des Siebenjähri- 
gen Krieges braucht hier nicht eingegangen zu werden. 



109 



Jede Verletzung des Zweimächtestandards solange 1 hätte für Deutschland der 
Anlaß zum Präventivkrieg sein müssen. Denn was wäre wohl leichter vor der 
Geschichte zu verantworten, ein Präventivkrieg, der im Jahre 1904, als Ruß- 
land in Ostasien gefesselt schien, Frankreich niedergeworfen hätte, oder der 
infolge dieser Unterlassung entstandene Weltkrieg, der ein Vielfaches an Blut 
erforderte und unser Volk in die tiefste Niederlage stieß. 

England hat solche Bedenken nie gehabt. Sein Zweimächtestandard zur See 
schien die Voraussetzung der Erhaltung der englischen Unabhängigkeit. Solange 
es die Kraft hatte, ließ es an diesem Zustande keine Änderung vornehmen. 
Wenn aber seit dem Weltkrieg dieser Zweimächtestandard aufgegeben wurde, 
dann nur unter dem Drucke von Verhältnissen, die stärker waren, als jede ent- 
gegengesetzte englische Absicht. In der amerikanischen Union ist ein neuer 
Machtfaktor entstanden von Ausmaßen, der die gesamten bisherigen Kraft- und 
Rangsordnungen der Staaten über den Haufen zu werfen droht. 

Jedenfalls aber war die englische Motte bisher immer noch der schlagendste 
Beweis dafür, daß ganz gleich, wie die Form der Organisation des Landheeres 
aussah, der Wille zur Erhaltung Englands ausschlaggebend bestimmte. Daher 
aber hat das englische Söldnerheer nie die üblen Eigenschaften anderer Söldner- 
truppen bekommen. Es war ein Kampf- und Streithaufe von wundervoller Einzel- 
ausbildung bei ausgezeichneter Ausrüstung und sportlich empfundener Dienst- 
auffassung. Was dabei diesem kleinen Heereskörper eine besondere Bedeutung ver- 
lieh, war die unmittelbare Berührung mit den sichtbaren Lebensäußerungen des 
britischen Weltreiches. Dieses Söldnerheer hat ebensosehr für Englands Größe 
gefochten in fast allen Teilen der Welt, als es dabei auch Englands Größe kennen- 
lernte. Die Männer, die bald in Südafrika, bald in Ägypten und bald in Indien 
Englands Interessen vertraten als Inhaber seiner Waffengeltung, bekamen da- 
durch aber auch unauslöschliche Eindrücke von der ungeheueren Größe des bri- 
tischen Imperiums. 

Diese Möglichkeit fehlt der heutigen deutschen Söldnertruppe vollständig. Ja, 
je mehr man unter dem Eindruck pazifistisch-demokratischer in Wirklichkeit 
volks- und landesverräterischer Parlam'entsmajoritäten sich bemüßigt sieht, die- 
sem Geist in der kleinen Armee selbst Konzessionen zu machen, hört sie immer 
mehr auch auf, ein Instrument des Krieges zu sein, um statt dessen zu einer 
Polizeitruppe zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, d. h. aber in Wirk- 
lichkeit der friedlichen Unterwerfung zu werden. Man kann keine Armee aus- 
bilden, von hohem Eigenwert, wenn das Ziel ihre Existenz nicht die Vorbereitung 
zum Kriege ist. Armeen zur Erhaltung des Friedens gibt es nicht, sondern nur 
zum siegreichen Durchfechten des Krieges. Je mehr man endlich in Deutschland 
die Reichswehr aus der Tradition des alten Heeres zu heben versucht, um so mehr 
wird sie selber traditionslos. Denn der Traditionswert einer Truppe liegt nicht in 

1 Höchstwahrscheinlich ein Hörfehler für „zu Lande" (siehe oben S. 108 die gleiche Formu- 
lierung), 



110 



ein paar gelungenen Überwindungen innerer Streikrevolten oder in der Verhinde- 
rung von Lebensmittelplünderungen, sondern im Ruhm errungener siegreicher 
Schlachten. Die deutsche Reichswehr entfernt sich aber in Wirklichkeit von der 
Tradition dieses Ruhmes in eben dem Maße von Jahr zu Jahr mehr, als sie auf- 
hört, eine Repräsentantin des nationalen Gedankens zu sein. Je mehr sie endlich 
in ihren eigenen Reihen den bewußt nationalen, also nationalistischen Geist tötet 
und dessen Repräsentanten entfernt, um statt dessen Demokraten und überhaupt 
gewöhnlichen Strebern Posten zu geben, um so mehr wird sie volksfremd. Denn die 
schlauen Herren mögen sich ja nicht einbilden, daß sie durch Konzessionen an 
den pazifistisch-demokratischen Teil unseres Volkes den Anschluß an das Volk 
finden. Diesem Teil des deutschen Volkes nämlich ist jede militärische Organi- 
sation an sich innerlich verhaßt, solange sie eben Militär ist und nicht Wach- 
und Schließgesellschaft international-pazifistischer Börseninteressen. Der einzige 
Teil, zu dem eine Armee in militärisch wertvollem Sinn eine innere Beziehung 
haben kann, ist jener national bewußte Kern unseres Volkes, der nicht nur aus 
Tradition soldatisch denkt, sondern der auch aus nationaler Liebe als einziger 
bereit ist, den grauen Rock zum Schutz von Ehre und Freiheit anzuziehen. Es ist 
aber notwendig, daß ein Heereskörper die inneren Beziehungen zu denen auf- 
recht erhält, aus denen er sich in der Stunde der Not ergänzen kann und nicht 
zu denen, die ihn bei jeder Gelegenheit verraten. Daher können die heutigen 
Führer unserer sogenannten Reichswehr noch so demokratisch tun, so werden sie 
dennoch niemals dadurch in nähere Verbindung zum deutschen Volk gelangen 
können, weil das deutsche Volk, das dafür geeignet ist, sich nicht im Lager der 
Demokratie befindet. Indem aber besonders der frühere Chef der deutschen Reichs- 
wehr, General von Seeckt der Entfernung knorriger, bewußt nationalgesinnter 
Offiziere 1 und Führer nicht nur keinen Widerstand entgegensetzte, sondern sogar 
noch [selbst] befürwortete, haben sie sich endlich selbst das Instrument geschaffen, 
das ihn dann verhältnismäßig leichten Herzens fahren ließ. 

Seit dem Rücktritt 2 des Generals von Seeckt aber ist der demokratisch- 
pazifistische Einfluß unermüdlich tätig, um aus der deutschen Reichswehr zu 
machen, was den Regenten dieses heutigen Staates als schönstes Ideal vorschwebt : 
eine republikanisch-demokratische Parlamentswache. 

Mit einem solchen Instrument aber kann man selbstverständlich nicht Außen- 
politik betreiben. 

Daher wäre es heute zunächst Aufgabe der deutschen Innenpolitik, dem deut- 
schen Volk wieder eine zweckmäßige militärische Organisation seiner nationalen 
Kraft zu geben. Da aber die Formen der heutigen Reichswehr diesem Zwecke 

1 Hitler meint wohl die nach dem Münchener Putsch entlassenen Reichswehroffiziere wie 
Oberstleutnant Adolf Herrgott, Hauptmann Ritter von Krausser, u. a. Siehe Harold J. Gor- 
don, Die Reichswehr und die Weimarer Republik, 1919—1926 (Verlag für Wehrwesen Bernard 
& Graefe, Frankfurt a. M. 1959), S. 245 und 247. 

2 Am 8. Oktober 1926. 



111 



nie genügen können und umgekehrt durch außenpolitische Momente bestimmt 
sind, ist es Aufgabe der deutschen Außenpolitik, alle Möglichkeiten herbeizu- 
führen, die die Wiederorganisation eines deutschen Volksheeres gestatten könn- 
ten. Denn das muß das unverrückbare Ziel jeder politischen Leitung in Deutsch- 
land sein, daß das Söldnerheer eines Tages wieder von einem wahrhaften deut- 
schen Volksheer abgelöst wird. 

Denn so schlecht in der Zukunft die allgemeinen Qualitäten der deutschen 
Reichswehr sich entwickeln müssen, so hervorragend sind die rein technisch- 
militärischen der Gegenwart. Dies ist ohne Zweifel das Verdienst des Generals 
von Seeckt und des Offizierskorps der Reichswehr überhaupt. Damit könnte die 
deutsche Reichswehr wirklich das Rahmenheer sein für das kommende deutsche 
Volksheer. Wie denn überhaupt die Aufgabe der Reichswehr selbst sein müßte, 
unter erzieherischer Betonung der nationalen Kampfaufgabe, die Masse der 
[späteren] Offiziere und Sergeanten für das spätere Volksheer auszubilden 1 . 

Daß dieses Ziel als ein unverrückbares im Auge gehalten werden muß, wird 
kein wahrer nationaldenkender Deutscher bestreiten können. Ebensowenig aber 
auch, daß seine Durchführung nur möglich wird, wenn die außenpolitische Lei- 
tung der Nation die allgemein notwendigen Voraussetzungen sichert. 

Damit ist zunächst die erste Aufgabe der deutschen Außenpolitik die Schaffung 
von Verhältnissen, die die Wiedererstehung eines deutschen Heeres ermöglichen. 
Denn erst dann werden die Lebensnotwendigkeiten unseres Volkes ihre prakti- 
sche Vertretung finden können. 

Grundsätzlich ist aber weiter zu bemerken, daß die politischen Aktionen, die 
die Wiederentstehung eines deutschen Heeres gewährleisten sollen, im Rahmen 
der an eich für Deutschland notwendigen Zukunftsentwicklung liegen müssen. 

Es braucht dabei nicht betont zu werden, daß eine Änderung der derzeitigen 
Heeresorganisation, ganz abgesehen von der derzeitigen innerpolitischen Lage, auch 
aus außenpolitischen Gründen so lange nicht stattfinden könne, solange für eine 
solche Änderung allein deutsche Interessen und deutsche Gesichtspunkte sprechen. 

Es lag im Wesen des Weltkrieges und in der Absicht der Hauptgegner Deutsch- 
lands, die Liquidation dieser größten Kampf handlung der Erde so durchzuführen, 
daß an ihrer Verewigung möglichst viel Staaten interessiert sind. Erreicht wurde 

1 Hier appelliert Hitler zweifellos an die Reichswehr und zeigt zugleich schon seinen spä- 
teren Entschluß im Streit der SA -Führung mit der Reichswehr an. Im folgenden Jahre führte 
Hitler diese Linie in seiner Rede „Wir und die Reichswehr" am 15. März 1929 in 
München fort. Die Rede wurde in einer Sondernummer des Völkischen Beobachters am 
26. März 1929 veröffentlicht. Exzerpte aus dem Wortlaut sind zuerst veröffentlicht worden 
von Robert M. W. Kempner „Bmeprint of the Nazi-Underground", Research Stvdies of the 
State College of Washington, XII (1945), S. 98-109. Vgl. auch dazu Helmut Krausnick, 
„Vorgeschichte und Beginn des militärischen Widerstandes gegen Hitler" in Die Vollmacht 
des Gewissem (München: Europäische Publikation, 1956), S. 186—190. — Die in diesem Doku- 
ment zu findenden Bemerkungen über die Reichswehr ähneln in vielem denen in Hitlers Arti- 
kel „Reichswehr und deutsohe Politik", NS-Monatshefte, I (1930), S. 97 ff. 



112 



dies, indem durch ein System von Landverteilungen selbst Staaten mit sonst 
sehr auseinandergehenden Wünschen und Zielen durch die Angst, bei einem 
Wiedererstarken Deutschlands jeweils Verluste erleiden zu können, als geschlos- 
sene Gegnerschaft zusammengehalten werden. Denn wenn es in 10 Jahren nach 
Beendigung des Weltkrieges 1 immer noch möglich ist entgegen allen bisherigen 
Erfahrungen der Weltgeschichte, eine Art Koalition der Siegerstaaten aufrecht- 
zuerhalten, dann liegt der Grund nur in der für Deutschland wahrhaft ruhm- 
vollen Tatsache der Rückerinnerung an jenen Kampf, in dem unser Vaterland 
insgesamt 26 Staaten die Stirne geboten hat. 

Dies wird so lange auch bleiben, solange die Angst, durch ein wiederentstehendes 
deutsches Machtreieh Verluste zu erleiden, größer ist, als die Schwierigkeiten 
dieser Staaten untereinander. Und es ist weiter selbstverständlich, daß solange 
auch nirgends ein Wille vorhanden ist, dem deutschen Volk eine Waffenrüstung 
zu genehmigen, die von diesen „Siegerstaaten" dann als Bedrohung aufgefaßt wer- 
den könnte. Aus der Erkenntnis aber, daß erstens eine wirkliche Vertretung deut- 
scher Lebensinteressen in der Zukunft nicht durch eine ungenügende deutsche 
Reichswehr, sondern nur durch ein deutsches Volksheer stattfinden kann, daß 
zweitens die Bildung eines deutschen Volksheeres so lange unmöglich ist, solange 
nicht die derzeitige außenpolitische Abwürgung Deutschlands nachläßt, daß aber 
drittens eine Änderung der außenpolitischen Widerstände gegen die Organi- 
sation eines Volksheeres erst dann möglich erscheint, wenn in einer solchen Neu- 
bildung nicht allgemein eine Bedrohung empfunden wird, ergibt sich für die zur 
Zeit mögliche deutsche Außenpolitik folgende Tatsache : 

Das heutige Deutschland darf seine außenpolitische Aufgabe unter keinen Um- 
ständen in einer formalen Grenzpolitik sehen. Sowie als außenpolitische Ziel- 
setzung der Grundsatz aufgestellt wird: Wiederherstellung der Grenzen des 
Jahres 1914, wird Deutschland einer geschlossenen Phalanx seiner ehemaligen 
Feinde gegenüberstehen 2 . Damit ist dann aber jede Möglichkeit, der durch den 
Friedensvertrag bestimmten Form unseres Heeres eine andere, unseren Interessen 
mehr dienende entgegenzustellen, (ausgeschlossen?) Damit aber ist die außenpoli- 
tische Parole: Wiederherstellung der Grenzen, eine reine Phrase geworden, weil sie 
mangels der hiezu notwendigen Macht nie realisiert werden kann. 

Es ist charakteristisch, daß gerade das sogenannte deutsche Bürgertum, und 
zwar hier wieder an der Spitze die vaterländischen Verbände, (sich) zu dieser aller- 
dümmsten außenpolitischen Zielsetzung aufgeschwungen haben. Sie wissen, daß 
Deutschland machtlos ist. Sie wissen weiter, daß, ganz abgesehen von unserem inne- 
ren Verfall, zur Wiederherstellung unserer Grenzen militärische Machtmittel notwen- 
dig wären, sie wissen weiter, daß wir durch die Friedensverträge diese Mittel nicht 
besitzen und daß wir infolge der geschlossenen Front unserer Gegner sie auch nicht 
erhalten können, [sie wissen weiter, daß wir die Grenzen von 1914] aber sie stellen 

1 Auch ein Beweis für die Datierung auf 1928. 

2 So in Mein Kampf, II, 8. 737-738. 



8 



113 



trotzdem eine außenpolitische Parole auf, die gerade durch ihr innerstes Wesen 
uns die Möglichkeit für immer nimmt, zu jenen Machtmitteln zu kommen, die 
zu ihrer Durchführung notwendig wären. 

So etwas heißt dann bürgerliche Staatskunst und zeigt dann allerdings an den 
Früchten, die wir vor uns sehen, den unvergleichlichen Geist, der sie beherrscht. 

Sieben Jahre haben von 1806 auf 1813 dem damaligen Preußen genügt zur 
Wiedererhebung. [Und in 10 Jahren] In derselben Zeit hat die bürgerliche 
Staatskunst im Verein mit dem Marxismus Deutschland bis zu Locarno geführt. 
Was dann in den Augen des bürgerlichen Bismarcks der heutigen Zeit, Herrn 
Stresemann, ein großer Erfolg ist, weil er das Mögliche darstellt, was eben be- 
sagter Herr Stresemann erreichen konnte. Und Politik ist eine Kunst des Mög- 
lichen. Wenn Bismarck jemals geahnt hätte, daß er vom Schicksal dazu verdammt 
ist, mit diesem Ausspruch die staatsmännischen Qualitäten des Herrn Stresemann 
zu bestätigen, dann würde er diesen Ausspruch entweder sicher unterlassen haben 
oder Herrn Stresemann in einer ganz kleinen Bemerkung ausgeschlossen haben 
von dem Recht, sich darauf zu berufen. 

Die Parole der Wiederherstellung der deutschen Grenzen als außenpolitische 
Zielsetzung für die Zukunft ist dabei doppelt dumm und gefährlich, weil sie in 
Wirklichkeit überhaupt kein irgendwie nützliches und erstrebenswertes Ziel um- 
schließt. 

Die deutschen Grenzen des Jahres 1914 waren Grenzen, die genauso etwas 
Unfertiges darstellten, als sie die Grenzen der Völker zu allen Zeiten sind. Die 
Raumverteilung der Erde ist in jeder Zeit das augenblickliche Ergebnis eines 
Ringens und Werdens, das damit keineswegs abgeschlossen ist, sondern selbst- 
verständlich weiter fortgeht 1 . Die Grenze irgendeines Stichjahres aus der Ge- 
schichte eines Volkes zu nehmen und kurzerhand als politisches Ziel überhaupt 
hinzustellen, ist dumm. Ebensogut wie man nämlich dann die Grenze des Jahres 
1914 aufzustellen vermag, könnte man die des Jahres 1648 nehmen oder die von 
1312 usw. usw. Dies um so mehr, als ja die Grenze des Jahres 1914 weder national-, 
noch militär- noch raumpolitisch irgendwie befriedigend war. Sie war nur der 
damals augenblickliche Zustand im Lebenskampf unseres Volkes, der seit Jahr- 
tausenden sich abrollt, und auch wenn der Weltkrieg nicht gekommen wäre, im 
Jahre 1914 nicht seine Beendigung besessen hätte. 

Würde das deutsche Volk die Wiederherstellung der Grenzen des Jahres 1914 
tatsächlich erreichen, so wären nichtsdestoweniger die Opfer des Weltkrieges 
umsonst gewesen. Aber auch die Zukunft unseres Volkes würde nicht im geringsten 
gewinnen durch eine solche Wiederherstellung. Diese rein formale Grenzpolitik unse- 
res nationalen Bürgertums ist ebenso unbefriedigend im möglichen Endresultat, als 
unerträglich gefährlich . Sie darf auf sich auch ja nicht den Ausspruch von der Kunst 
des Möglichen beziehen, denn sie ist überhaupt nur eine theoretische Phrase, die aber 
geeignet erscheint, jede praktische Möglichkeit zu vernichten. 

1 Ähnlich Hitler in „Mein Kampf", S. 736 f. 



114 



Tatsächlich kann auch einer wirklich kritischen Prüfung eine solche außen- 
politische Zielsetzung nicht standhalten. Sie wird deshalb auch weniger mit 
logischen Gründen zu motivieren gesucht, als vielmehr mit Gründen der „natio- 
nalen Ehre". 

Die nationale Ehre erfordert es, daß wir die Grenzen des Jahres 1914 wieder- 
herstellen. Das ist so der Tenor der Ausführungen an den Bierabenden, die die 
Repräsentanten der nationalen Ehre allenthalben veranstalten. 

Die nationale Ehre hat zunächst gar nichts zu tun mit einer Verpflichtung, eine 
dumme und unmögliche Außenpolitik zu betreiben. Denn das Resultat einer 
sehlechten Außenpolitik kann der Verlust der Freiheit eines Volkes sein, dessen 
Folge dann die Versklavung ist, die bestimmt nicht als Zustand nationaler Ehre 
aufgefaßt werden kann. Freilich kann man selbst in der Unterdrückung noch 
einen gewissen Grad nationaler Würde und Ehre bewahren, allein dies ist dann 
nicht eine Frage des Geschreis oder nationaler Phrasen usw., sondern im Gegen- 
teil der Ausdruck der im Anstand eines Volkes zu finden ist, mit dem dieses sein 
Schicksal trägt. 

Man rede vor allem im heutigen Deutschland nicht von nationaler Ehre, und 
man versuche nicht den Eindruck zu schinden, als ob man durch irgendein 
phrasenhaftes Gebell nach außen die nationale Ehre [wieder] bewahren könnte. 
Nein, das kann man nicht, und zwar deshalb, weil sie gar nicht mehr da ist. Und 
sie ist keineswegs deshalb nicht mehr da, weil wir den Krieg verloren haben oder 
weil die Franzosen Elsaß-Lothringen besetzten, die Polen Oberschlesien raubten 
oder die Italiener Südtirol nahmen. Nein, die nationale Ehre ist nicht mehr da, 
weil das deutsche Volk in der schwersten Zeit seines Lebenskampfes eine Ge- 
sinnungslosigkeit, eine schamlose Unterwürfigkeit, eine hündisch kriecherische 
Schweifwedelei an den Tag legte, die nur schamlos genannt werden kann. Weil 
wir uns jämmerlich unterworfen haben, ohne dazu gezwungen zu sein, ja weil die 
Leitung dieses Volkes entgegen der ewigen geschichtlichen Wahrheit und dem 
eigenen Wissen sich selbst der Kriegsschuld zieh, ja, unser ganzes Volk damit 
belastete, weil es keine Unterdrückung der Gegner gab, die im Inneren unseres 
Volkes nicht Tausende von Kreaturen an willfährigen Helfern gefunden hätte. 
Weil man umgekehrt die Zeit der größten Taten unseres Volkes schamlos be- 
schimpfte, die ruhmvollste Flagge aller Zeiten bespie, ja mit Dreck besudelte, 
heimkehrenden Soldaten, vor denen eine Welt gezittert hat, die ruhmvollen Ko- 
karden herunterriß, die Fahne mit Kotballen bewarf, Orden und Ehrenzeichen 
abriß und die Erinnerung selbst an Deutschlands größte Zeit tausendfältig ent- 
würdigte. Kein Gegner hat die deutsche Armee so beschimpft, wie sie die Repräsen- 
tanten der Novembergaunerei besudelten. Kein Feind hat die Größe deutscher 
Heerführer so bestritten, wie sie von den lumpenhaften Vertretern der neuen 
Staatsidee verleumdet wurden. Und was war wohl entehrender für unser Volk, 
die Besetzung deutscher Gebiete durch Feinde oder die Feigheit, mit der unser 
Bürgertum das deutsche Reich einer Organisation von Zuhältern, Straßendieben, 



115 



Deserteuren, Schiebern und Journaillen auslieferten. Die Herren mögen jetzt 
nicht von deutscher Ehre schwätzen, solange sie sich unter die Herrschaft der 
Unehre beugen. Man hat kein Recht im Namen der nationalen Ehre Außen- 
politik machen zu wollen, wenn die Innenpolitik die antinationalste Schamlosig- 
keit ist, die je ein großes Volk betroffen hat. 

Wer heute im Namen der deutschen Ehre handeln will, der hat zunächst den 
unbarmherzigsten Kampf anzusagen den infernalischen Besudlern der deutschen 
Ehre. Das sind aber nicht die Gegner von einst, sondern das sind die Repräsen- 
tanten des Novemberverbrechens. Jene Sammlung marxistischen, demokratisch- 
pazifistischen und zentrümlerischen Landesverrätern, die unser Volk in den Zu- 
stand seiner heutigen Ohnmacht hineingestoßen haben. 

Gegen die Feinde von einst im Namen der nationalen Ehre schimpfen und die 
ehrlosen Verbündeten dieser Feinde im eigenen Innern als Herren anerkennen, 
das entspricht der nationalen Würde dieses heutigen sogenannten nationalen 
Bürgertums. 

Ich gestehe freimütigst, daß ich mich mit jedem der damaligen Gegner ver- 
söhnen könnte, aber daß mein Haß gegen die Verräter unseres Volkes in den ei- 
genen Reihen ein unversöhnlicher ist und bleibt. 

Was die Feinde uns antaten, ist schwer und tief beschämend für uns, was aber 
die Männer des Novemberverbrechens gesündigt haben, ist das ehrloseste, nieder- 
trächtigste Verbrechen aller Zeiten. Indem ich mich bemühe, einen Zustand herbei- 
zuführen, der diese Kreaturen dereinst zur Verantwortung ziehen wird, helfe ich 
mit an der Reparation der deutschen Ehre. 

Ich muß es aber ablehnen, daß für die Einrichtung der deutschen Außenpolitik 
andere Gründe maßgebend sein könnten als die Verantwortlichkeit, unserem 
Volke die Freiheit und die Zukunft des Lebens zu sichern. 

Die ganze Sinnlosigkeit der vaterländisch-bürgerlich nationalen Grenzpolitik 
ergibt sich aber aus folgender Betrachtung: 

Die deutsche Nation zählt, wenn man das Bekenntnis zur deutschen Mutter- 
sprache zu Grunde legt, 1 Millionen Menschen. 

[Davon befinden sieh im Mutterland 2 Millionen. 

In dem] 3 



1 Die Ziffer sollte später eingefügt werden. 

2 Im Jahre 1928 etwas über 63 Millionen. 

s Dieses sind die letzten Worte auf Seite 124 des Originals — über die Hälfte des Blattes 
ist unbeschrieben. Wahrscheinlich hat Hitler das Diktat nach einer kurzen Unterbrechung 
fortgesetzt und dann die hier in Klammern gesetzten Worte durch die ersten auf Seite 125 
des Originals (hier der folgende Abschnitt) ersetzt. 



116 



IX 



WEDER GRENZPOLITIK NOCH WIRTSCHAFTSPOLITIK 
NOCH PANEUROPA 

Mithin befinden sich innerhalb des derzeitigen Reichsgebietes von allen Deut- 
schen der Welt nur Millionen, das sind Prozent der 

Gesamtzahl unseres Volkes überhaupt. 

Von den nicht mit dem Mutterland vereinten Deutschen müssen als infolge 
der Verhältnisse dem langsamen Verlust geweihte Volksgenossen angesehen wer- 
den die 1 

d. h. eine Gesamtzahl von schätzungsweise 2 Millionen Deutsche befindet 

sich in einer Situation, die nach menschlicher Wahrscheinlichkeit eines Tages ihre 
Entdeutschung bedingen wird. Auf keinen Fall werden Bie aber am Schicksalskampf 
des Mutterlandes in irgendeiner maßgeblichen Form weiter teilzunehmen vermögen, 
ebensowenig aber auch an der kulturellen Entwicklung ihres Volkes. Was immer 
auch im einzelnen das Deutschtum in Nordamerika leistet, es wird nicht dem deut- 
schen Volke an sich zugute gerechnet, sondern verfällt der Kulturmasse der ameri- 
kanischen Union. Hier sind die Deutschen überall wirklich nur der Kulturdünger für 
andere Völker. Ja, in Wirklichkeit ist die Größe dieser Völker nicht selten zu einem 
hohen Prozentsatz den deutschen Beitragsleistungen überhaupt zu 3 
Sowie man sich die Größe dieser feststehenden Volksverluste vor Augen hält, 
wird man die geringe Bedeutung der von der bürgerlichen Welt protegierten 
Grenzpolitik sofort ermessen können. 

Würde eine deutsche Außenpolitik selbst die Grenzen des Jahres 1914 wieder- 
herstellen, so wäre der Prozentsatz der innerhalb des Reichsgebietes lebenden 

Deutsehen, also Angehörigen unserer Nation, trotzdem erst von Prozent 

auf Prozent gestiegen. Dabei käme eine Möglichkeit, diesen Prozent- 
satz wesentlich zu vergrößern, kaum mehr in Frage. 

Wenn das Deutschtum im Auslande trotzdem der Nation treu bleiben will, 
dann kann es sich zunächst nur um eine sprachliche und kulturelle Treue han- 
deln, die sich um so mehr zu einem bewußt demonstrierten Zusammengehörig- 
keitsgefühl steigern wird, je mehr das Mutterland der deutschen Nation in der 
Würde seiner Repräsentanz unseres Volkes dem deutschen Namen Ehre macht. 

Je mehr also Deutschland selbst als Reich der Welt einen Eindruck von der 
Größe des deutschen Volkes vermittelt, um so mehr wird das staatlich endgültig 

1 Im Original an dieser Stelle zehn Zeilen freigelassen. 

2 Hier gedachte Hitler wohl die Zahl der Deutschen in einigen außereuropäischen Ländern an- 
zugehen, z. B. Kanada, den Vereinigten Staaten, Australien und möglicherweise Südamerika. 
Nur so sind die folgenden Gedankengänge verständlich. 

3 So im Original. Offenbar ein Schreibfehler. Vielleicht sollte es „zuzuschreiben" heißen. 



117 



verlorene Deutschtum Anreiz erhalten, sich wenigstens geistig der Zugehörig- 
keit zu diesem Volke zu rühmen. Je erbärmlicher demgegenüber das Mutterland 
selbst die Interessen der deutschen Nation wahrnimmt und demgemäß nach 
außen hin einen schlechten Eindruck vermittelt, um so schwächer wird auch die 
innere Veranlassung empfunden werden, zu einem solchen Volke zu gehören. 

Da das deutsche Volk aber nicht aus Juden besteht, wird (das Deutschtum?) 
besonders in angelsächsischen Ländern leider trotzdem immer mehr verangli- 
sieren und vermutlich auch geistig und ideenmäßig unserem Volke ebenso ver- 
lorengehen, wie seine praktische Arbeitsleistung unserem Volke bereits verloren- 
gegangen ist. 

Soweit es sich aber um das Schicksal derjenigen Deutschen handelt, die durch 
die Ereignisse des Weltkrieges und der Friedensverträge von dem deutschen 
Volkskörper abgesprengt wurden, so muß gesagt werden, daß deren Schicksal 
und deren Zukunft eine Frage der politischen Wiedergewinnung der Macht des 
Mutterlandes ist. 

Verlorene Gebiete werden nicht durch Protestaktionen zurückgeholt, sondern 
durch ein siegreiches Schwert. Und wer also heute im Namen der nationalen Ehre 
die Befreiung irgendeines Gebietes wünscht, muß damit aber auch bereit sein, 
mit Eisen und Blut für diese Befreiung einzustehen, ansonsten mag solch ein 
Schwätzer seinen Mund halten. Damit ergibt sich dann allerdings die Pflicht, auch 
abzuwägen, erstens, ob man überhaupt die Macht besitzt, einen solchen Kampf 
durchzuführen, und zweitens, ob der Bluteinsatz zu dem gewünschten Erfolg 
führt und führen kann, und drittens, ob der erreichte Erfolg dann dem Bluteinsatz 
entspricht. 

Ich protestiere feierlichst dagegen, daß es eine Verpflichtung der nationalen 
Ehre geben könnte, daß man zwei Millionen Männer auf dem Schlachtfeld ver- 
bluten zu lassen gezwungen ist, um als günstigstes Resultat dann eine Viertel- 
million, Männer, Weiber und Kinder zusammengezählt buchen zu können 1 . Das 
ist nicht nationale Ehre, die hier in Erscheinung tritt, sondern Gewissenlosigkeit 
oder Wahnsinn. Es ist aber für ein Volk keine nationale Ehre, von Wahnsinnigen 
regiert zu werden. 

Gewiß wird ein Volk von Größe auch seinen letzten Staatsbürger mit dem Ein- 
satz der Gesamtheit beschirmen. Allein es ist ein Irrtum, dies einem Gefühl, einer 
Ehre zuzurechnen, sondern zunächst einer Einsicht der Klugheit und der mensch- 
lichen Erfahrung. Sowie ein Volk dulden würde, daß einzelnen seiner Bürger ein 
Unrecht zugefügt wird, würde es langsam die eigene Position mehr und mehr 
schwächen, da eine solche Duldung ebensosehr zur inneren Stärkung eines an- 
griff sgewillten Gegners dienen würde, als zur Zermürbung des Vertrauens in die 
Kraft des eigenen Staates. Man kennt in der Geschichte die Folgen einer dauern- 
den Nachgiebigkeit im Kiemen viel zu genau, um nicht die notwendigen Folgen 
im Großen beurteilen zu können. Es wird deshalb eine besorgte Staatsleitung 

1 Hitler meint hier Südfcirol. 



118 



schon im Kleinsten die Interessen ihrer Bürger um so lieber wahrnehmen, als das 
Risiko des eigenen Einsatzes damit in eben dem Maße sinkt, in dem das des 
Gegners steigt. Wenn heute dem einzelnen Angehörigen Englands in irgendeinem 
Staate ein Unrecht zugefügt wird und England den Schutz seines Bürgers über- 
nimmt, so ist die Gefahr, wegen diesem einzelnen Engländer in einen Krieg ver- 
wickelt zu werden, für England nicht größer als für den anderen Staat, der das 
Unrecht zufügt. Daher ist das feste Auftreten eines an sich geachteten Staats- 
wesens zum Schutze selbst einer einzelnen Person durchaus kein unerträgliches 
Risiko, da ja der andere Staat ebenfalls wenig Interesse besitzen wird, es wegen 
der Lappalie, die einer einzigen Person vielleicht zugefügt wurde, zu einem Kriege 
kommen zu lassen. Aus dieser Erkenntnis und der 1000jährigen Anwendung 
dieses Grundsatzes, daß nämlich ein mächtiger Staat jeden einzelnen seiner Bürger 
in Schutz nimmt und mit der gesamten Macht verteidigt, hat sich ein allgemeiner 
Begriff von Ehrauffassung gebildet. 

Es hat sieh weiter, ermöglicht durch das Wesen der europäischen Hegemonie, 
im Laufe der Zeit eine gewisse Praxis herausgebildet, diese Ehrauffassung an 
mehr oder weniger billigen Beispielen zu demonstrieren, um der Achtung der ein- 
zelnen europäischen Staaten auf diese Weise einen Zuwachs oder zumindest eine 
Stetigkeit zu verleihen. Sowie einem Franzosen oder Engländer in gewissen 
schwachen und militärisch wenig mächtigen Ländern ein oft auch nur vermeint- 
liches Unrecht oder oft auch vorgetäuschtes zugefügt wurde, begann (man?) dann 
den Schutz dieser Untertanen mit Waffengewalt zu übernehmen. D. h. ein paar 
Kriegsschiffe veranstalteten eine militärische Demonstration, die im schlimmsten 
Falle ein Übungsschießen mit scharfer Munition war, oder man landete irgend- 
ein Expeditionskorps, mit dem man dann die zu bestrafende Macht züchtigte. 
Nicht selten war dabei der Wunsch, auf diese Weise überhaupt Anlaß zum Ein- 
schreiten zu bekommen, der Vater des Gedankens. 

Es würde den Engländern wahrscheinlich nie einfallen, wegen einer Lappalie, 
die sie an Liberia blutig rächen, mit Nordamerika auch nur eine Note auszu- 
tauschen. 

So sehr man also aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen heraus in einem starken 
Staat den Schutz der einzelnen Bürger mit allen Mitteln übernehmen wird, so 
wenig kann einem vollkommen wehrlos gemachten, ohnmächtigen Reich zuge- 
mutet werden, aus Gründen der nationalen Ehre außenpolitische Schritte zu über- 
nehmen, die zur Vernichtung der letzten Zukunftsaussichten überhaupt führen 
müssen. Denn wenn das deutsche Volk seine heutige, in sogenannten nationalen 
Kreisen vertretene Grenzpolitik mit der Notwendigkeit der Vertretung der deut- 
schen Ehre begründet, dann wird das Ergebnis eben nicht die Reparation der 
deutschen Ehre, sondern die Verewigung der deutschen Unehre sein. Es ist näm- 
lich durchaus nicht ehrlos, Gebiete verloren zu haben, aber ehrlos, eine Politik 
zu betreiben, die zwangsläufig zur vollkommenen Versklavung des eigenen Volkes 
führen muß. Und dies alles nur, um ganz üblen Phrasen freien Lauf zu lassen und 



119 



Taten vermeiden zu können. Denn es handelt sich dabei eben nur um Phrasen. 
Wollte man nämlich wirklich eine Politik der nationalen Ehre sich zum Ziele 
setzen, dann müßte man doch zumindest diese Politik Personen anvertrauen, die 
nach allgemeinen Ehrbegriffen geschätzt werden könnten. Solange aber des deut- 
schen Reiches Innen- und Außenpolitik durch Kräfte besorgt wird, die im Deut- 
schen Reichstag mit zynischem Grinsen erklären, daß es für sie kein Vaterland 
gibt, das Deutschland heißt, so lange ist es zunächst Aufgabe dieser nationalen 
bürgerlichen und vaterländischen Phrasenhelden, durch ihre Innenpolitik dem 
Gedanken der nationalen Ehre in Deutschland erst die allereinfachste Geltung 
zu verschaffen. Warum tun sie denn das aber nicht, ja warum gehen sie im Gegen- 
teil auf Kosten dieser sogenannten nationalen Ehre mit erklärten Landesver- 
rätern in Koalitionen? Weil im anderen Fall ein schwerer Kampf nötig sein würde, 
auf dessen Ausgang sie wenig Vertrauen setzen, ja der vielleicht sogar zur Ver- 
nichtung ihrer Existenz führen könnte. Diese eigene Privatexistenz allerdings 
die ist ihnen dann heiliger als die Verteidigung der nationalen Ehre im Inneren. 
Die Zukunftsexistenz der ganzen Nation aber setzen sie für ein paar Phrasen 
gerne auf das Spiel. 

Erst recht unsinnig wird die nationale Grenzpolitik, wenn man von den Be- 
drängnissen und auch Aufgaben der Gegenwart hinweg zu den Notwendigkeiten 
einer Lebensgestaltung unseres Volkes in der Zukunft sieht. 

Die Grenzpolitik unserer bürgerlich-patriotisch-vaterländischen Kreise ist 
deshalb besonders unsinnig, weil sie wohl den größten Bluteinsatz erfordert, aber 
die kleinsten Zukunftsaussichten für unser Volk in sich trägt. 

Das deutsche Volk ist heute weniger noch als in den Jahren des Friedens 1 in 
der Lage, sich selbst auf eigenem Grund und Boden zu ernähren. Alle Versuche, 
sei es durch Steigerung des Bodenerträgnisses an sich oder durch Kultivierung 
der letzten Ödstrecken, eine Erhöhung der deutschen Lebensmittelerzeugung 
herbeizuführen, vermögen nicht unser Volk aus den Mitteln des eigenen Grund 
und Bodens zu ernähren. Und zwar würde selbst die heute in Deutschland lebende 
Volksmasse aus den Erträgnissen unseres Bodens nicht mehr satt werden. Jede 
weitere Steigerung dieser Erträgnisse käme aber nicht einer Erhöhung unserer 
Volkszahl zugute, sondern würde restlos aufgebraucht von der Erhöhung der 
allgemeinen Lebensbedürfnisse der einzelnen Menschen 2 . Hier wird ein Lebens- 
standard als Vorbild geschaffen in erster Linie durch die Kenntnis der Verhält- 
nisse und des Lebens in der amerikanischen Union. So wie die Lebensbedürf- 
nisse des flachen Landes sich steigern durch langsame Kenntnisnahme und den 
Einfluß des Lebens der Großstädte, so steigert sich aber auch das Lebensbedürf- 
nis ganzer Völker unter der Emwirkung des Lebens bessergestellter reicherer 
Nationen. Nicht selten wird von einem Volk ein Lebensstandard als ungenügend 
empfunden, der noch 30 Jahre vorher als Maximum erschienen wäre, einfach 

1 Hitler meint die Jahre vor 1914. 
a Mein Kampf, I, S. 146. 



120 



nur deshalb, weil man unterdes Kenntnis erhielt vom Lebensstandard eines an- 
deren Volkes. So wie überhaupt der Mensch selbst in seinen untersten Kreisen heute 
Einrichtungen für selbstverständlich ansieht, die vor 80 Jahren noch für die 
obersten Schichten unerhörter Luxus waren. Je mehr aber durch die moderne 
Technik und besonders den Verkehr der Raum überbrückt wird und die Völker 
sich näher rücken, je intensiver dadurch ihre gegenseitigen Beziehungen werden, 
um so mehr werden auch die Lebensverhältnisse aufeinander abfärben und sich 
gegenseitig anzugleichen versuchen. Die Meinung, man könne einem Volke von 
einer bestimmten Kulturfähigkeit und auch tatsächlicher kultureller Bedeutung 
auf die Dauer durch einen Appell an Erkenntnisse oder auch an Ideale unter einem 
sonst allgemein gültigen Lebensstandard halten, ist falsch. Insbesondere die brei- 
te Masse wird dafür selten ein Verständnis aufbringen. Sie fühlt die Not, schimpft 
entweder über die ihrer Meinung nach dafür Verantwortlichen, etwas was zumin- 
dest in demokratischen Staaten gefährlich ist, da sie damit das Reservoir für alle 
umstürzlerischen Versuche darstellen, oder sie versucht, durch eigene Maßnahmen, 
dem Umfang des eigenen Wissens entsprechend der eigenen Einsicht entspringend, 
eine Korrektur herbeizuführen. Es setzt der Kampf gegen das Kind ein. Man will 
ein Leben führen wie andere auch und kann es nicht. Was ist natürlicher, als daß 
man den Kinderreichtum dafür verantwortlich macht, an ihm endlich nicht nur keine 
Freude mehr hat, sondern als lästiges Übel möglichst zu beschränken versucht. 

Es ist deshalb falsch, zu glauben, daß das deutsche Volk in der Zukunft die 
Möglichkeit einer Weitervermehrung durch Steigerung seiner inneren Boden- 
produktion erhalten könnte. Was dabei herauskommt, ist im allergünstigsten 
Fall eine Befriedigung der gestiegenen Lebensbedürfnisse an sich. Da aber die 
Steigerung dieser Lebensbedürfnisse abhängig ist vom Lebensstandard anderer 
Völker, die jedoch in einem viel günstigeren Verhältnis der Volkszahl zum Boden 
stehen, werden diese auch in der Zukunft immer in der Ausstattung ihres Lebens 
vorangehen. Mithin wird dieser Antrieb nie erlöschen, und eines Tages wird ent- 
weder eine Distanz entstehen zwischen dem Lebensstandard dieser Völker und 
dem mit Grund und Boden schlecht versorgten, oder die letzteren werden ge- 
zwungen sein oder sich zumindest gezwungen glauben, ihre Zahl sogar noch zu- 
rückzudrängen. 

Die Aussichten des deutschen Volkes sind trostlose. Weder der heutige Lebens- 
raum noch der durch eine Wiederherstellung der Grenzen von 1914 erreichte 
gestatten uns, ein Leben analog dem amerikanischen Volk zu führen. Wollte man 
dies, dann muß entweder der Boden unseres Volkes ganz wesentlich erweitert 
werden, oder die deutsche Wirtschaft wird wieder Wege einschlagen müssen, die 
uns schon aus der Vorkriegszeit her bekannt sind. In beiden Fällen ist dann Macht 
notwendig. Und zwar zunächst im Sinne der Wiederherstellung der inneren Kraft 
unseres Volkes und dann aber in dem einer militärischen Fassung dieser Kraft. 

Das nationale heutige Deutschland, das die Erfüllung der nationalen Aufgabe 
in seiner beschränkten Grenzpolitik sieht, kann sich darüber nicht täuschen, daß 



121 



das Ernährungsproblem der Nation damit in keinerlei Weise gelöst wird. Denn 
selbst der höchste Erfolg dieser Politik der Wiederherstellung der Grenzen des 
Jahres 1914 würde nur die wirtschaftliche Lage deä Jahres 1914 erneut bringen. 
Mit anderen Worten, die dann genau wie heute vollkommen ungelöste Ernäh- 
rungsfrage unseres Volkes würde uns gebieterisch wieder in die Bahnen der Welt- 
wirtschaft, des Weltexports hineindrängen. Tatsächlich denken auch das deutsche 
Bürgertum und die sogenannten nationalen Verbände mit ihm nur wirtschafts- 
politisch. Produktion, Export und Import, das sind die Schlagwörter, mit denen 
da jongliert wird und von denen man sich das Heil der Nation in der Zukunft 
verspricht. Man hofft, durch eine Steigerung der Produktion die Exportfähigkeit 
zu heben und dadurch den Importnotwendigkeiten Genüge leisten zu können. 
Man vergißt dabei nur vollständig, daß dieses ganze Problem für Deutschland, 
wie schon einmal betont, gar kein Problem der Steigerung der Produktion ist, 
sondern eine Frage der Verkaufsmöglichkeit, daß aber die Schwierigkeit des 
Exports durchaus nicht behoben würde durch Senkung der deutschen Gestehungs- 
kosten, wie wieder unsere bürgerlichen Schlauköpfe vermeinen. Denn so sehr dies 
an sich infolge unseres beschränkten Innenmarktes nur teilweise möglich wird, 
würde eine Konkurrenzfähigmachung der deutschen Exportwaren durch Sen- 
kung der Erzeugungskosten etwa infolge eines Abbaues unserer sozialen Gesetz- 
gebung und der daraus resultierenden Pflichten und Belastungen uns nur dorthin 
bringen, wo wir am 4. August 1914 gelandet waren. Es gehört wirklich die ganz 
unglaubliche bürgerlich-nationale Naivität dazu, zu meinen, daß England eine 
ihm gefährliche deutsche Konkurrenz dulden würde oder auch nur könnte. Dabei 
sind das dieselben Leute, die sehr genau wissen und es auch immer betonen, daß 
Deutschland im Jahre 1914 den Krieg nicht gewollt hat, sondern daß es buch- 
stäblich hineingestoßen wurde. Und daß es England gewesen ist, das aus reinem 
Konkurrenzneid die sonstigen Feindschaften in Europa sammelte und gegen 
Deutschland losließ. Heute aber bilden sich diese unverbesserlichen Wirtschafts- 
phantasten ein, daß, nachdem England in einem 4 l / 2 jährigen ungeheuren Weltkrieg 
die ganze Existenz seines Weltimperiums auf das Spiel gesetzt hat und dabei 
Sieger blieb, jetzt eine deutsche Konkurrenz mit anderen Augen betrachten würde 
wie damals. Als ob diese ganze Frage überhaupt für England eine sportliche An- 
gelegenheit wäre. Nein. England hat jahrzehntelang vor dem Kriege versucht, 
die bedrohliche deutsche Wirtschaftskonkurrenz, den anwachsenden deutschen 
Seehandel usw., mit wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen zu brechen. Erst als man 
einsehen mußte, daß dies nicht gelingen würde, und im Gegenteil Deutschland 
durch die Bildung seiner Kriegsflotte anzeigte, daß es entschlossen war, seinen 
Wirtschaftskrieg wirklich bis zur friedlichen Eroberung derWelt durchzuführen, hat 
England als letzte Hilfe die Gewalt angerufen. Und nun, nachdem es*Sieger geblie- 
ben ist, glaubt man, könne sich das Spiel von neuem wiederholen, wobei Deutsch- 
land zu allem Uberfluß heute gar nicht in der Lage ist, eben dank seiner Ihnen- und 
Außenpolitik irgendein gewichtiges Machtmoment in die Waagschale zu werfen. 



122 



Der Versuch, durch Steigerung unserer Produktion und durch Verbilligung 
derselben die Ernährung unseres Volkes wieder herzustellen und durchhalten 
zu können, wird endgültig daran scheitern, daß man mangels einer Schwertgewalt 
die letzte Konsequenz dieses Kampfes nicht auf sich nehmen kann. Damit wird 
das Ende aber ein Zusammenbruch der deutschen Volksernährung und damit 
all dieser Hoffnungen sein. Ganz abgesehen davon, daß zu allen europäischen 
Staaten, die als Exportnationen um den Weltmarkt kämpfen, nun auch noch die 
amerikanische Union als auf vielen Gebieten schärfster Konkurrent tritt. Die 
Größe und der Reichtum ihres Binnenmarktes gestatten dabei Produktions- 
ziffern und damit Produktionseinrichtungen, die das Fabrikat so sehr verbilligen, 
daß trotz der enormen Löhne eine Preisunterbietung gar nicht mehr möglich er- 
scheint. Als warnendes Beispiel darf hier die Entwicklung der Motorenindu- 
strie gelten. Nicht nur, daß wir Deutschen z. B. trotz unserer lächerlichen 
Löhne nicht in der Lage sind, gegen die amerikanische Konkurrenz auch nur 
einigermaßen erfolgreich zu exportieren, müssen wir zusehen, wie selbst in unserem 
eigenen Lande der amerikanische Wagen sich in beängstigender Weise breit- 
macht. Dies ist nur möglich, weil die Größe des eigenen inneren Absatzmarktes, 
der Reichtum desselben an Kaufkraft und aber auch wieder an Rohstoffen der 
amerikanischen Automobilindustrie innere Absatzziffern garantiert, die allein 
schon Fabrikationsmethoden ermöglichen, die in Europa infolge des Fehlens die- 
ser inneren Absatzmöglichkeiten einfach unmöglich wären 1 . Die Folge davon ist 
die enorme Exportfähigkeit der amerikanischen Automobilmdustrie. Dabei handelt 
es sich hier um die allgemeine Motorisierung der Welt, also eine Angelegenheit 
von einer gar nicht abzumessenden Zukunftsbedeutung. Denn der Ersatz der 
menschlichen und animalischen Kraft durch den Motor ist erst am Beginn seiner 
Entwicklung, das Ende kann heute noch gar nicht abgeschätzt werden. Für die 
amerikanische Union jedenfalls steht die Automobilmdustrie von heute an der 
Spitze aller Industrien überhaupt. 

So wird aber auch auf zalüreichen anderen Gebieten unser 2 Kontinent als 
Wirtschaftsfaktor in aggressiver Form immer mehr in Erscheinung treten und 
dadurch mithelfen, den Kampf um den Absatzmarkt zu verschärfen. Die Zukunft 
Deutschlands muß einem unter Berücksichtigung aller Faktoren, besonders ange- 
sichts der Beschränktheit unseres eigenen Rohstoffmaterials und der dadurch 
bedrohlichen Abhängigkeit von anderen Ländern, als sehr trübe und traurig er- 
scheinen. 

Aber selbst wenn Deutschland alle wirtschaftlichen Erschwerungen meistern 



1 Hitler machte ähnliche Bemerkungen in einer Rede vom 8. Dezember 1928 in Nürnberg*. 
„Die deutsche Automobilindustrie z. B. hat ihre Möglichkeiten bereits begrenzt, so daß z. B. 
die amerikanische Automobilindustrie sich ursprünglich schon Fabrikationsmethoden von 
einer Größe beilegen kann, daß sie selbst bei uns noch konkurrenzfähig erscheinen." Heinz 
Preiß, Adolf Hitkr in Franken, S. 96. 

2 Offenbar ein Fehler für „jener". 



123 



würde, dann stände es eben immer nur dort, wo es am (4.?) August 1914 schon 
gestanden hat. Die allerletzte Entscheidung über den Ausgang des Kampfes um 
den Weltmarkt wird bei der Gewalt und nicht bei der Wirtschaft selber liegen. 

Es ist unser Fluch aber gewesen, daß schon im Frieden ein großer Teil gerade 
des nationalen Bürgertums durchdrungen war von der Meinung, durch die Wirt- 
schaftspolitik der Gewalt entsagen zu können. Und auch heute sind ihre haupt- 
sächlichsten Vertreter in jenen mehr oder minder pazifistischen Kreisen zu suchen, 
die als Gegner und Feinde aller heroischen, völkischen Tugenden in der Wirtschaft 
gerne eine staatserhaltende, ja sogar staatsbildende Kraft sehen möchten. Je 
mehr aber ein Volk sich zu dem Glauben bekennt, daß es durch wirtschaftsfried- 
liche Betätigung allein sein Leben erhalten könne, um so mehr wird gerade seine 
Wirtschaft selbst dem Zusammenbruch ausgeliefert. Denn endgültig ist die Wirt- 
schaft als eine rein sekundäre Angelegenheit im Völkerleben gebunden an die 
primäre Existenz eines kraftvollen Staates. Vor dem Pflug hat das Schwert zu 
stehen und vor der Wirtschaft eine Armee. 

Indem man darauf in Deutschland verzichten zu können glaubt, muß die Er- 
nährung unseres Volkes daran seheitern. 

Sowie aber ein Volk überhaupt erst sein Leben mit dem Gedanken sättigt, 
durch wirtschaftsfriedliche Betätigung allein das tägliche Auskommen finden zu 
können, um so weniger wird es im Falle des Scheiterns dieses Versuches an eine 
gewaltsame Lösung denken, sondern im Gegenteil, es wird dann erst recht den 
leichtesten Weg einzuschlagen versuchen, der den Mißerfolg der Wirtschaft be- 
hebt, ohne das Blut dabei riskieren zu müssen. Tatsächlich befindet sieh Deutsch- 
land schon heute mitten in diesem Zustand. Auswanderung und Geburten- 
beschränkung sind die von den Vertretern der pazifistischen Wirtschaftspolitik 
und der marxistischen Staatsauffassung angepriesenen Medizinen zur Rettung 
unseres Volkskörpers. 

Das Ergebnis einer Befolgung dieser Ratschläge wird aber besonders für Deutsch- 
land von verhängnisvollster Bedeutung werden. Deutschland ist rassisch aus so 
ungleichwertigen Grundelementen zusammengesetzt, daß eine dauernde Auswan- 
derung zwangsläufig die widerstandsfähigeren, kühneren und entschlosseneren 
Menschen aus unserem Volkskörper herauszieht. Es werden dies vor allem, wie 
die Wikinger von einst, auch heute die Träger des nordischen Blutes sein. Diese 
langsame Entnordung unseres Volkes führt zu einer Senkung unseres allgemei- 
nen Rassenwertes und damit zu einer Schwächung unserer technischen, kulturel- 
len und auch staatspolitischen, produktiven Kräfte. Die Folgen dieser Schwä- 
chung werden für die Zukunft deshalb besonders schwere sein, weil in die Welt- 
geschichte nun ein Staat als aktiv handelnder eintritt, der als wahrhaft europä- 
ische Kolonie jahrhundertelang auf dem Wege der Auswanderung die besten 
nordischen Kräfte Europas erhalten hat, die sich nun erleichtert durch die Ge- 
meinsamkeit ihres ursprünglichen Blutes zu einer neuen Volksgemeinschaft von 
rassisch höchstem Wert ausgebildet haben. Die amerikanische Union ist nicht 



124 



zufällig der Staat, in dem zur Zeit die weitaus meisten zum Teü unglaublich küh- 
nen Erfindungen gemacht werden. Dem alten Europa gegenüber, das durch 
Kriege und Auswanderung unendlich viel seines besten Blutes verloren hat, tritt 
das Amerikanertum als junges, rassisch ausgesuchtes Volk gegenüber 1 . So wenig 
(man?) nun die Leistung von 1000 verkommenen Levantinem in Europa, sagen 
wir auf Kreta, gleichsetzen kann der Leistung von 1000 rassisch noch viel wert- 
volleren Deutschen oder Engländern, so wenig kann man aber auch die Leistung 
von 1000 rassisch bedenklichen Europäern gleichsetzen der Leistungsfähigkeit 
von 1000 rassisch hochwertigen Amerikanern. Nur eine bewußt völkische Rassen- 
politik könnte die europäischen Nationen davor retten, das Gesetz des Handelns 
an Amerika zu verüeren, infolge des minderen Wertes der europäischen Völker 
gegenüber dem amerikanischen. Wenn aber das deutsche Volk statt dessen, neben 
einer vom Juden betriebenen planmäßigen Verbastardierung mit minderem 
Menschenmaterial und einer dadurch bedingten Senkung seines Rassenniveaus 
an sich, außerdem noch durch eine Fortsetzung der Auswanderung in hundert- 
und aberhunderttausenden von Einzelexemplaren die besten Blutsträger nehmen 
läßt, wird es langsam zu einem ebenso minderwertigen wie damit unfähigen und 
wertlosen Volk heruntersinken. Die Gefahr ist besonders groß, seit bei vollkom- 
mener Gleichgültigkeit unsererseits die amerikanische Union selbst, angeregt durch 
die Lehren eigener Rassenforscher, besondere Maßstäbe für die Einwanderung 
aufgestellt hat. Indem das Betreten des amerikanischen Bodens abhängig ge- 
macht wird von bestimmten rassischen Voraussetzungen einerseits sowie von 
einer bestimmten körperlichen Gesundheit des einzelnen an sich, ist die Aus- 
blutung Europas von seinen besten Menschen geradezu gesetzlich zwangsläufig 
geregelt worden. Etwas, was unsere ganze sogenannte nationale bürgerliche Welt 
und alle unsere Wirtschaftspolitiker entweder überhaupt nicht sehen oder zu- 
mindest dann nicht hören wollen, weil es ihnen unangenehm ist, und weil es viel 
billiger ist, mit ein paar allgemeinen nationalen Phrasen über diese Dinge hinweg- 
zugleiten. 

Zu dieser naturnotwendigen Minderung des Allgemeinwertes unseres Volkes 
durch die infolge unserer Wirtschaftspolitik erzwungene Auswanderung kommt 
dann noch als zweiter Schaden die Geburtenbeschränkung hinzu. Ich habe die 
Folgen des Kampfes gegen das Kind bereits dargestellt. Sie liegen in einer Ver- 
minderung der Zahl der dem Leben präsentierten Einzelwesen, so daß eine wei- 
tere Auslese nicht mehr stattfinden kann. Die Menschen bemühen sich dann im 
Gegenteil, alles, was einmal geboren ist, unter allen Umständen am Leben zu er- 
halten. Da aber Fähigkeit, Tatkraft usw. nicht mit der Erstgeburt verbunden sein 
müssen, sondern erst im Laufe des Lebenskampfes im einzelnen sichtbar werden, 
nimmt man diesem jede Möglichkeit einer Siebung und Auswahl nach solchen Ge- 

1 Im Zweiten Weltkrieg sprach Hitler anders. Vgl. Trevor-Ropers Ausgabe der Tisch- 
gespräche, S. 188. Siehe auch Hitlers Ausführungen am 10. November 1938, in Vierteljahrs- 
hefte für Zeitgeschichte, VI (1958), S. 191. 



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Sichtspunkten weg. Die Völker werden arm an Talenten und Energien. Wieder 
ist dies besonders schlimm bei Nationen, bei denen die Ungleichartigkeit der ras- 
sischen Grundelemente bis in die Familien hineinreicht. Denn nun tritt nach den 
Mendelschen Spaltungsgesetzen in jeder Familie eine Spaltung der Kinder auf, 
die sie teils der einen rassischen Seite, teils der anderen zuweist 1 . Sind diese 
Rassenwerte in ihrer Bedeutung für ein Volk aber verschiedene, dann wird damit 
sogar der Wert der Kinder einer Familie schon aus rassischen Gründen heraus 
ein ungleichartiger sein. Es liegt im Interesse eines Volkes, daß, da keineswegs 
die Erstgeburten nach der rassisch wertvolleren Seite der beiden Eltern auszu- 
schlagen brauchen, das spätere Leben wenigstens aus der Gesamtzahl der Kin- 
der durch den Lebenskampf die rassisch wertvolleren aussucht, der Nation erhält 
und umgekehrt die Nation in den Besitz der Leistungen dieser rassisch wert- 
volleren Einzelwesen setzt. Verhindert aber der Mensch selbst die Zeugung einer 
größeren Kinderzahl und beschränkt er sich auf die Erst- und höchstens Zweit- 
geburten, dann wird er, wenn diese nicht die rassisch wertvolleren Merkmale an 
sich haben, der Nation nichtsdestoweniger erst recht diese rassisch minderwerti- 
geren Elemente zu erhalten trachten. Er fällt dem Ausleseprozeß der Natur dabei 
künstlich in den Arm, verhindert ihn und hilft dadurch aber mit an der Verar- 
mung eines Volkes an kraftvollen Persönlichkeiten. Er zerstört die Spitzenwerte 
eines Volkes. 

Das deutsche Volk, das an sich nicht jenen Durchschnittliohkeitswert hat wie 
z. B. das englische, wird aber ganz besonders auf Persönlichkeitswerte angewiesen 
sein. Die außerordentlichen Extreme, die wir im Leben unseres Volkes allent- 
halben beobachten können, sind nur die Folgeerscheinungen unserer blutsmäßigen 
Zerrissenheit in höher- und minderwertige Rasseneinzelelemente. Der Engländer 
wird im allgemeinen einen besseren mittleren Durchschnitt haben. Er wird viel- 
leicht nie die schädlichen Tiefen unseres Volkes erreichen, aber auch nie die 
glänzenden Höhen. Sein Leben wird sich deshalb auf einer mehr mittleren Linie 
bewegen und von einer größeren Stetigkeit erfüllt sein. Das deutsche Leben ist 
demgegenüber in allem unendlich schwankend und unruhig und erhält seine 
Bedeutung nur durch die außerordentlichen Höchstleistungen, durch die wir die 
bedenklichen Seiten unseres Volkskörpers wieder aufwiegen. Sowie aber durch 
ein künstliches System diesen Höchstleistungen die persönlichen Träger genom- 
men werden, fallen diese selber weg. Unser Volk geht dann einer dauernden 
Verarmung an Persönliehkeitswerten entgegen und damit einer Senkung seiner 
gesamten kulturellen und geistigen Bedeutung. 

Wenn dieser Zustand erst einige hundert Jahre angehalten hat, wird zumindest 
unser deutsches Volk in seiner allgemeinen Bedeutung so geschwächt sein, daß 
es keinerlei Anspruch mehr erheben wird dürfen, als Weltvolk bezeichnet zu wer- 
den, auf alle Fälle aber wird es nicht mehr in der Lage sein, mit den Leistungen 

1 Hitler meint hier anscheinend, daß die Kinder einer „Mischehe" teils der „Rasse" des 
Vaters und teils der der Mutter zugehören werden. 



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des wesentlich jüngeren, gesünderen amerikanischen Volkes gleichen Schritt zu- 
halten. Wir werden dann bei uns aus einer großen Anzahl von Ursachen heraus 
das erleben, was nicht wenige alte Kulturvölker in ihrer geschichtlichen Ent- 
wicklung beweisen. An ihren Lastern und infolge ihrer Gedankenlosigkeit ist der 
nordische Blutsträger als rassisch wertvollstes Element der Kulturträger und 
Staatengründer langsam ausgeschieden und hat damit ein Menschendurchein- 
ander zurückgelassen, von so geringer innerer Bedeutung, daß die Gesetze des 
Handelns ihnen aus der Hand gewunden wurden, um auf andere jüngere und 
gesündere Völker überzugehen. 

Der ganze Südosten Europas, besonders aber die noch älteren Kulturen Klein- 
asiens und Persiens sowie die der mesopotamischen Tiefebene liefern Schulbei- 
spiele für den Verlauf dieses Prozesses. 

So, wie hier die Geschichte langsam von den rassisch wertvolleren Völkern des 
Abendlandes gestaltet wurde, so entsteht die Gefahr, daß die Bedeutung des 
rassisch minderwertigeren Europas langsam zu einer neuen Bestimmung der 
Weltschicksale durch das Volk des nordamerikanischen Kontinents führt. 

Daß diese Gefahr ganz Europa droht, wird immerhin von einzelnen heute schon 
erkannt. Nur was sie für Deutschland bedeutet, wollen die wenigsten wissen. 
Unser Volk wird, wenn es mit gleicher politischer Gedankenlosigkeit wie bisher 
in die Zukunft hineinlebt, den Anspruch auf Weltbedeutung endgültig entsagen 
müssen. Es wird rassisch mehr und mehr verkümmern, bis es endlich zu dege- 
nerierten, animalischen Freßsäcken heruntersinkt, denen selbst die Erinnerung 
an die vergangene Größe fehlen wird. Staatlich im Rahmen der kommenden Welt- 
staatenordnung höchstens das, was die Schweiz und Holland im bisherigen Europa 
waren. 

Das wird das Ende des Lebens eines Volkes sein, dessen Geschichte 2000 Jahre 
die Weltgeschichte gewesen ist. 

Mit nationalbürgerlichen dummen Phrasen, deren praktische Unsinnigkeit und 
Wertlosigkeit schon durch die Erfolge der bisherigen Entwicklung bewiesen sein 
müßte, wird dieses Schicksal nicht mehr geändert. Nur eine neue Reformations- 
bewegung, die der rassischen Gedankenlosigkeit ein bewußtes Erkennen gegen- 
übersetzt und alle Folgerungen aus diesem Erkennen zieht, kann unser Volk von 
diesem Abgrund noch zurückreißen. 

Es wird die Aufgabe der nationalsozialistischen Bewegung sein, die heute ent- 
weder schon vorhandenen oder durch 1 werdenden Erkenntnisse und wissenschaft- 
liehen Einsichten der Rassenlehre sowie der durch sie geklärten Weltgeschichte 
in die praktisch angewandte Politik zu überfuhren. 

Da das Schicksal Deutschlands wirtschaftlich heute Amerika gegenüber zum 
Teil auch das Schicksal anderer Nationen in Europa ist, findet wieder besonders 
bei unserem Volk eine Bewegung gläubige Anhänger, die der Union der amerika- 



1 So im Original; wahrscheinlich Hörfehler für „doch". 



127 



nisehen Staaten eine solche Europas gegenüberzustellen wünscht, um dadurch einer 
drohenden Welthegemonie des nordamerikanischen Kontinents vorzubeugen. 

Die paneuropäische Bewegung scheint wirklich für diese wenigstens im ersten 
Augenblick manches Bestechende für sich zu haben 1 . Ja wenn man die Weltge- 
schichte nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilen könnte, möchte das 
vielleicht sogar zutreffen. Für den Geschichtsmechaniker und damit mechani- 
schen Politiker sind zwei immer mehr als eins. Im Völkerleben entscheiden aber 
eben nicht Zahlen, sondern Werte. Daß die amerikanische Union zu einer so be- 
drohlichen Höhe aufzusteigen vermag, liegt nicht in der Tatsache begründet, daß 
dort . . . Millionen Menschen einen Staat bilden, sondern in der Tatsache, daß 
. . . Millionen Quadratkilometer fruchtbarsten und reichsten Bodens von . . . 
Millionen Mensehen höchsten Rassenwertes bewohnt sind. [Wobei schon die Tat- 
sache, daß es] Daß diese Menschen dabei trotz der räumlichen Größe ihres Lebens- 
gebietes einen Staat bilden, hat für die andere Welt insofeme eine erhöhte Be- 
deutung, als damit eine zusammenfassende Organisation besteht, dank deren eben 
der rassisch bedingte Einzelwert dieser Menschen einen geschlossenen Gesamt- 
einsatz zur Durchfechtung des Lebenskampfes finden kann. 

Wäre dies nicht richtig, läge mithin die Bedeutung der amerikanischen Union 
nur in der Volkszahl allein oder auch in der Größe des Raumes oder in dem Ver- 
hältnis, in dem dieser Raum zur Volkszahl steht, dann würde für Europa Ruß- 
land mindestens genauso gefährlich sein. Das heutige Rußland umfaßt . . . Mil- 
lionen Menschen auf . . . Millionen qkm. Diese Menschen sind auch in einem 
Staatswesen zusammengefaßt, dessen Wert, traditionell genommen, sogar ein 
höherer sein müßte als der der amerikanischen Union, allein trotzdem wird es 
keinem Menschen einfallen, deshalb eine russische Hegemonie für die Welt zu 
befürchten. Der Zahl des russischen Volkes liegt kein solcher innerer Wert bei, 
daß diese Zahl zu einer Gefahr für die Freiheit der Welt werden könnte. Zumin- 
dest nie im Sinne einer wirtschaftlichen und machtpolitischen Beherrschung der 
anderen Erde, sondern höchstens in dem einer Überschwemmung mit Krank- 
heitsbazillen, die zur Zeit in Rußland ihren Herd haben. 

Wenn aber die Bedeutung der drohenden amerikanischen Hegemoniestellung 
durch den Wert des amerikanischen Volkes in erster Linie und dann erst in zweiter 
durch die Größe des diesem Volk gegebenen Lebensraumes und des dadurch 
günstigen Verhältnisses zwischen Volkszahl und Grundfläche bedingt erscheint, 
dann wird diese Hegemonie nicht beseitigt durch einen rein formalen zahlen- 
mäßigen Zusammenschluß europäischer Völker, soferne nicht deren innerer Wert 
ein höherer als der der amerikanischen Union ist. Sonst müßte dieser amerika- 
nischen Union besonders das heutige Rußland als höchste Gefahr erscheinen, wie 
noch mehr das mit über 400 Millionen Menschen bevölkerte China. 

1 Hitler greift hier die paneuropäische Bewegung des Grafen Coudenhove-Kalergi an. 
Ungefähr zur Zeit des Diktats dieser Zeilen erschienen Angriffe auf Coudenhove-Kalergi 
im Völkischen Beobachter, z. B. am 5. und 17. Juli 1928. 



128 



So beruht die paneuropäische Bewegung zunächst schon auf dem fundamentalen 
Grundirrtum, daß man Menschenwerte durch Menschenzahl ersetzen könnte. 
Es ist dies eine rein mechanische Geschichtsauffassung, die der Erforschung aller 
gestaltenden Kräfte des Lebens weit aus dem Wege geht, um statt dessen in 
ziffernmäßigen Majoritäten sowohl die schöpferischen Quellen der menschlichen 
Kultur als auch die Geschichte bildenden Faktoren zu sehen. Diese Auffassung 
entspricht der Sinnlosigkeit unserer westlichen Demokratie ebenso sehr wie dem 
feigen Pazifismus unserer Überwirtschaftskreise. Daß sie das Ideal aller minder- 
wertigen oder halbrassischen Bastarde ist, liegt auf der Hand. Ebenso, daß der 
Jude eine solche Auffassung besonders begrüßt, führt sie doch in ihrer konse- 
quenten Befolgung zu einem Rassenchaos und Durcheinander, zu einer Verbastar- 
dung und Verniggerung der Kulturmenschheit und endlich damit zu einer solchen 
Senkung ihres rassischen Wertes, daß der sich davon freihaltende Hebräer 
langsam zum Weltherren aufzusteigen vermag. Wenigstens bildet er sich ein, 
einmal zum Gehirn dieser wertlos gemachten Menschheit [emporsteigen] aus- 
wachsen zu können. 

Abgesehen aber von diesem fundamentalen Grundirrtum der paneuropäischen 
Bewegung ist auch der Gedanke, durch einen Zusammenschluß europäischer 
Völker aus dem Zwang einer allgemeinen Einsicht in eine drohende Not heraus, 
eine phantastische, geschichtlich unmögliche Kinderei. Ich will dabei nicht sagen, 
daß ein solcher Zusammenschluß unter jüdischem Protektorat und auf jüdischen 
Antrieb an sich vornherein unmöglich wäre, sondern nur, daß das Ergebnis nicht 
den Hoffnungen entsprechen könnte, ob deren man den ganzen Zauber in Szene 
setzt. Denn man glaube nun nicht, daß eine solche europäische Koalition irgend- 
eine Kraft mobilisieren könnte, die nach außen hin in Erscheinung träte. Es ist 
eine alte Erfahrung, daß dauerhafte Volkszusammenschlüsse nur stattfinden 
können, wenn rassisch an sich gleichwertige und verwandte Völker in Frage kom- 
men und wenn zweitens ihr Zusammenschluß in der Gestalt des langsamen Pro- 
zesses eines Hegemoniekampfes stattfindet. So hat einst Rom die ladinischen 
Staaten einen nach dem anderen unterworfen, bis endlich seine Kraft genügte, 
um zum Kristallisationspunkt eines Weltreiches zu werden. Dies ist aber ebenso 
die Geschichte der Entstehung des englischen Weltreiches. So hat weiter Preu- 
ßen die deutsche Staatszerrissenheit beendigt, und so könnte auch ganz allein 
auf diesem Wege einst ein Europa entstehen, das in einer geschlossenen staatlichen 
Form die Interessen seiner Bevölkerung wahrnimmt. Allein — dies würde nur das 
Ergebnis eines jahrhundertelangen Ringens sein können, da eine unendliche Menge 
alter Überlieferungen und Traditionen überwunden werden müßte und eine An- 
gleicmrag von Völkern stattzufinden hätte, die schon rassisch außerordentlich 
weit auseinanderklaffen. Die Schwierigkeit, einem solchen Gebilde dann eine ein- 
heitliche Staatssprache zu geben, ließe sich ebenfalls nur in einem jahrhunderte- 
langen Vorgang lösen. 

Dies alles wäre aber dann keine [Erfüllung] Verwirklichung der heutigen pan- 



9 



129 



europäischen Gedankengänge, sondern der Erfolg des Lebenskampfes der kraft- 
vollsten Nation in Europa, und was dann übrigbliebe, würde so wenig ein Pan- 
europa sein, wie die Einigung der ladinischen Staaten einst etwa ein Pan-Ladinien 
war. Die Macht, die damals diesen Einigungsprozeß in jahrhundertelangen Kämp- 
fen durchgeführt hat, hat dem ganzen Gebilde für immer auch den Namen ge- 
geben. Und die Macht, die heute auf so natürlichem Wege ein Paneuropa schüfe, 
würde ihm damit zugleich auch die Bezeichnung Paneuropa rauben. 

Aber selbst in diesem Falle würde der erwünschte Erfolg ausbleiben. Denn sowie 
heute irgendeine europäische Großmacht — und es könnte sich dabei natürlich 
nur um eine ihrem Volkstum nach wertvolle, also rassisch bedeutende Macht 
handeln — auf diesem Wege Europa zu einer Einheit brächte, so würde die letzte 
Vollendung dieser Einheit die rassische Niedersenkung ihrer Gründer bedeuten 
und damit dem ganzen Gebilde eben doch den letzten Wert nehmen. Niemals 
würde man damit ein Ggbilde schaffen können, das der amerikanischen Union 
standzuhalten vermöchte 1 . 

Nordamerika wird in der Zukunft nur der Staat die Stirne zu bieten vermögen, 
der es verstanden hat, durch das Wesen seines inneren Lebens sowohl als durch 
den Sinn seiner äußeren Politik den Wert seines Volkstums rassisch zu heben und 
staatlich in die hierfür zweckmäßigste Form zu bringen. Indem aber eine solche 
Lösung als möglich hingestellt wird, werden sich an ihr eine ganze Anzahl von 
Nationen zu beteiligen vermögen, was zu einer erhöhten Ertüchtigung schon in- 
folge der gegenseitigen Konkurrenz führen kann und führen wird. 

Es ist wieder die Aufgabe der nationalsozialistischen Bewegung das eigene 
Vaterland selbst für diese Aufgabe auf das äußerste zu stärken und vorzubereiten 2 . 

Der Versuch aber, durch einen rein formalen Zusammenschluß europäischer 
Völker den paneuropäischen Gedanken zu verwirklichen, ohne in jahrhunderte- 
langen Kämpfen von einer europäischen Vormacht erzwungen zu werden, würde 
zu einem Gebilde führen, dessen gesamte Kraft und Energie genauso durch die 
inneren Rivalitäten und Streitigkeiten absorbiert würde, wie einst die Kraft der 
deutschen Stämme im Deutschen Bund. Erst als durch die Ubermacht Preußens 
die innere deutsche Frage endgültig gelöst war, konnte ein vereinter Krafteinsatz 
der Nation nach außen erfolgen. Es ist aber leichtsinnig zu glauben, daß die Aus- 
einandersetzung zwischen Europa und Amerika nur immer wirtschaftsfriedlicher 
Natur sein würde, wenn wirtschaftliche Momente endlich zu bestimmenden 

1 Hitler zeigt in diesen Ausführungen sehr klar, daß er nicht daran denkt, Deutschland zur 
sogenannten führenden Macht eines geeinten Europas zu machen (wie es ihm z. B. der neo- 
nazistische Kreis der Zeitschrift Nation Europa anzudichten versucht). Er denkt nicht an 
Hegemonie — sondern an die Vertreibung oder Ausrottung, zumindest aber Versklavung der 
anderen Völker. Siehe hierzu auch Paul Kluke, „Nationalsozialistische Europaideologie", 
Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, III (1955), S. 240—275. 

2 Die von Hitler hier der NSDAP gestellte Aufgabe, Deutschland darauf vorzubereiten, den 
Vereinigten Staaten „die Stirne zu bieten", dürfte nebst den hiermit zusammenhängenden 
Ausführungen einer der wenigen neuen Gedanken dieses Dokuments sein. 



130 



Faktoren des Lebens anwachsen. Überhaupt lag es im Wesen der Entstehung 
des nordamerikanischen Staates, daß dieser zunächst wenig Interesse für außen- 
politische Probleme zeigen konnte. Nicht nur infolge des Pehlens einer langen 
staatlichen Tradition, sondern einfach infolge der Tatsache, daß dem natürlichen 
Expansionstrieb der Menschen innerhalb des amerikanischen Kontinents selbst 
außerordentlich weite Gebiete zur Verfügung standen. Daher war die Politik 
der amerikanischen Union im Augenblick der Loslösung von den europäischen 
Mutterstaaten an bis in die neueste Zeit in erster Linie nur Innenpolitik. Ja, die 
Freiheitskämpfe selbst waren im Grunde nichts anderes als die Abschüttehmg 
außenpolitischer Bindungen zu Gunsten eines ausschließlich innerpolitisch ge- 
dachten Lebens. In eben dem Maße, in dem aber das amerikanische Volk die Auf- 
gaben der inneren Kolonisation mehr und mehr vollzogen hat, wird der natür- 
liche aktivistische Trieb, der besonders jungen Völkern zu eigen ist, sich nach 
außen kehren. Den Überraschungen aber, die die Welt dann vielleicht noch er- 
leben mag, würde am allerwenigsten ein pazifistisch-demokratischer-paneuropä- 
ischer Durcheinanderstaat ernstlichen Widerstand entgegensetzen können. Dieses 
Paneuropa nach Auffassung des Allerweltsbastarden Coudenhove würde der 
amerikanischen Union oder einem national erwachten China gegenüber einst die- 
selbe Rolle spielen wie der altösterreichische Staat gegenüber Deutschland oder 
Bußland. 

Wirklich nicht widerlegt zu werden braucht aber die Meinung, daß, weil in der 
amerikanischen Union eine Verschmelzung von Menschen verschiedenster Volks- 
abstammung stattgefunden hat, dies auch in Europa möglich sein müßte. Die 
amerikanische Union hat allerdings Menschen verschiedener Volkszugehörigkeit 
zu einem jungen Volk zusammengefügt. Allein bei näherem Hinsehen ergibt sich, 
daß die überwältigende Mehrzahl dieser verschiedenen Volksangehörigen rassisch 
gleichen oder zumindest verwandten Grundelementen angehören. Denn da der 
Auswanderungsprozeß in Europa ein Prozeß der Auslese der Tüchtigsten war, diese 
Tüchtigkeit aber bei allen europäischen Völkern in erster Linie in den nordischen 
Beimischungen lag, hat die amerikanische Union tatsächlich aus an sich sehr ver- 
schiedenen Völkern die [rassisch] unter sie verstreuten nordischen Elemente her- 
ausgezogen. Rechnet man weiter noch dazu, daß es sich dabei um Menschen han- 
delte, die nicht Träger irgendeiner Staatsgesinnung waren, mithin von keinerlei 
Tradition belastet erschienen, weiter die Größe des Eindrucks der neuen Welt, 
der alle Menschen mehr oder weniger erliegen, so wird es einem verständlich, 
warum es gelingen konnte, daß in kaum 200 Jahren aus Menschen aller europä- 
ischen Nationen ein neues Staatsvolk entstehen konnte 1 . Es muß aber bedacht 



1 Dies ist ein gutes Beispiel, wie die Bassentheorie willkürlich manipuliert werden kann. 
Im gegebenen Fall betrachtet Hitler den Versohmelzungsprozeß der Bassen in den Vereinig- 
ten Staaten nicht als Sieg der Minderwertigen, sondern als Zusammenfließen des besten nor- 
dischen Blutes. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die im Text folgenden Behauptungen 
wenig mit der amerikanischen Wirklichkeit zu tun haben. 



131 



werden, daß schon im letzten Jahrhundert dieser Prozeß der Verschmelzung in 
eben dem Maße schwieriger wurde, in dem unter dem Zwang der Not Europäer 
nach Nordamerika gingen, die als Angehörige europäischer Nationalstaaten 
sich nicht nur volklich mit ihnen auch weiterhin verbunden fühlten, sondern be- 
sonders deren staatliche Tradition höher schätzten als die Bürgerschaft in ihrer 
neuen Heimat. Blutfremde Menschen mit ausgeprägt eigenem Nationalgefühl 
oder Biasseinstinkt hat übrigens auch die amerikanische Union nicht einzu- 
schmelzen vermocht. Sowohl gegenüber dem chinesischen als auch gegenüber 
dem japanischen Element hat die Assimilierungskraffc der amerikanischen Union 
versagt. Man fühlt dies auch genau und weiß es und möchte deshalb am liebsten 
diese Fremdkörper von der Einwanderung ausschalten. Allein damit bestätigt 
die amerikanische Einwanderungspolitik selbst, daß die bisherige Verschmelzung 
eben doch Menschen bestimmter gleichmäßiger Rassengrundlagen voraussetzte 
I und sofort mißlingt, sowie es sich um grundsätzlich andersartige Menschen handelt. 
' Daß sich dabei die amerikanische Union selbst als nordisch-germanischer Staat 
j fühlt und keineswegs als internationaler Völkerbrei, geht auch weiter hervor aus 
der Art der Zuteilung der Einwanderungsquoten an die europäischen Völker. 
Skandinavier, also Schweden, Norweger, weiter Dänen, dann Engländer und end- 
lich Deutsche erhalten die größten Kontingente zugewiesen. Romanen und Slaven 
sehr geringe, Japaner, Chinesen würde man am liebsten überhaupt ausschließen. 
Diesem mithin rassisch [dominierend] vorherrschend nordischen Staat eine euro- 
päische Koalition oder ein Paneuropa, bestehend aus Mongolen, Slawen, Deutschen, 
Romanen usw., in dem alles andere als Germanen dominieren würden, als wider- 
standsfähigen Faktor entgegensetzen zu wollen, ist eine Utopie. Allerdings eine 
sehr gefährliche Utopie, wenn man bedenkt, daß wieder viele ungezählte Deutsche 
eine rosige Zukunft sehen, ohne schwerste Opfer dafür bringen zu müssen. Daß 
diese Utopie dabei ausgerechnet aus Österreich 1 herauswächst, entbehrt nicht 
einer gewissen Komik. Ist doch dieser Staat und sein Schicksal das lebendigste 
Beispiel für die enorme Kraft, die solchen künstlich zusammengeleimten, in sich 
aber unnatürlichen Gebilden zu eigen ist. Es ist der wurzellose Geist der alten 
Reiehshauptstadt Wien, jener Mischlingsstadt von Orient und Okzident, der da- 
bei zu uns spricht. 



1 Graf Coudenhove-Kalergi lebte in Wien. 



132 



X 



KEINE NEUTRALITÄT 



Zusammenfassend kann also noch einmal gesagt werden, daß unsere bürgerlich- 
nationale Politik, deren außenpolitisches Ziel die Wiederherstellung der Grenzen 
des Jahres 1914 ist, unsinnig, ja verhängnisvoll ist. Sie bringt uns zwangsläufig 
in Konflikt mit allen Staaten, die am Weltkrieg teilgenommen haben. Sie garan- 
tiert damit das weitere Portbestehen der uns langsam abwürgenden Koalition der 
Sieger. Sie sichert dabei Frankreich immer eine günstige öffentliche Meinung in 
der anderen Welt bei seinem ewigen Vorgehen gegen Deutschland. Sie würde, selbst 
wenn sie Erfolg hätte, im Resultat für die deutsche Zukunft gar nichts bedeuten, 
uns aber trotzdem zwingen, mit Blut und Stahl zu kämpfen. Sie verhindert weiter 
aber besonders jede Stabilität der deutschen Außenpolitik überhaupt. 

Es war mit ein Charakteristikum unserer Politik der Vorkriegszeit, daß sie dem 
außenstehenden Betrachter das Bild von ebenso schwankenden wie oft unergründ- 
lichen Entschlüssen geben mußte. Wenn man vom Dreibund selber absieht, dessen 
Erhaltung doch kein außenpolitischer Zweck, sondern nur ein Mittel zu einem 
solchen Zweck sein konnte, kann man an der Leitung der Schicksale unseres 
Volkes in der Vorkriegszeit keine stabile Idee entdecken. Dies ist natürlich unver- 
ständlich 1 . Im Augenblick, in dem das außenpolitische Ziel nicht mehr hieß Kampf 
für die Interessen des deutschen Volkes, sondern Erhaltung des Weltfriedens, 
verlor man den Boden unter den Füßen. Die Interessen eines Volkes kann ich 
bestimmt umreißen, sie festlegen und, ganz gleich wie im einzelnen die Möglich- 
keiten ihrer Vertretung liegen, das große Ziel dennoch ununterbrochen im Auge 
behalten. Allmählich wird auch die übrige Menschheit eine allgemeine Kenntnis 
von den besonderen, bestimmten leitenden außenpolitischen Gedanken eines Vol- 
kes erhalten. Dies gibt dann die Möglichkeit, die Verhältnisse untereinander dauer- 
hafter zu regeln, sei es im Sinne eines beabsichtigten Widerstandes gegen das er- 
kannte Vorgehen einer solchen Macht oder einer billigen Kenntnisnahme davon, 
oder auch im Sinne einer Verständigung, da eigene Interessen vielleicht auf ge- 
meinsamem Wege erreicht werden können. 

Diese Stabilität der Außenpolitik kann man bei einer ganzen Reihe europäi- 
scher Staaten feststellen. Rußland zeigt in langen Perioden seiner Entwicklung 
bestimmte außenpolitische Ziele, die dann sein gesamtes Handeln beherrschen. 
Frankreich hat im Laufe von Jahrhunderten außenpolitisch gleichmäßige Absich- 
ten vertreten, ohne Rücksicht darauf, wer jeweils in Paris die politische Macht 
verkörperte. Von England darf man nicht nur als dem Staat einer traditionellen 
Diplomatie, sondern vor allem als dem Staat einer zur Tradition gewordenen 

1 Soll wohl „natürlich und verstandlich" heißen. 



133 



außenpolitischen Idee sprechen. Bei Deutschland war eine solche Idee nur perio- 
disch am preußischen Staat festzustellen. In der kurzen Zeit Bismarckischer 
Regierungskunst sehen wir Preußen seine deutsche Mission erfüllen, und damit 
aber endet auch jedes weit gesteckte außenpolitische Ziel. Das neue deutsche Reich 
hat besonders seit Bismarcks Abgang ein solches Ziel nicht mehr besessen, da 
die Parole der Erhaltung des Friedens, also der Aufrechterhaltung eines gegebenen 
Zustandes, keinerlei stabilen Inhalt oder Charakter besitzt. Wie überhaupt jede 
passive Parole in Wirklichkeit zum Spielball des offensiven Wollens verdammt 
ist. Nur wer selbst handeln will, vermag auch sein Handeln nach seinem Willen 
zu bestimmen. Daher hatte die Triple-Entente, die handeln wollte, auch alle Vor- 
züge, die in der Selbstbestimmung des Handelns liegen, für sich, während der 
Dreibund durch seine beschaulichere Weltfriedenserhaltungstendenz in eben dem 
Maße im Nachteil war 1 . So wurde auch der Krieg in Zeitpunkt und Eröffnung 
von den Nationen mit bestimmtem außenpolitischen Ziel festgelegt, während um- 
gekehrt die Dreibundmächte von ihm in einer alles eher als günstigen Stunde über- 
rascht wurden. Hätte man in Deutschland auch nur im geringsten selbst eine 
kriegerische Absicht gehabt, dann wäre es möglich gewesen, durch eine Anzahl 
von Maßnahmen, die spielerisch durchgeführt hätten werden können, schon 
dem Kriegsbeginn ein ganz anderes Gesicht zu geben. Aber Deutschland hatte 
ja kein bestimmtes außenpolitisches Ziel im Auge, dachte an keinerlei aggressive 
Schritte zur Verwirklichung dieses Zieles und wurde infolgedessen von den Ereig- 
nissen überrascht. 

Von Österreich-Ungarn durfte man an sich kein anderes außenpolitisches Ziel 
zu hoffen [sie], als sich durch die Fährnisse der europäischen Politik durchzuwin- 
den, daß das morsche Staatsgebilde möglichst nirgends anstieß, um so den wirk- 
lichen inneren Charakter dieser monströsen Staatsleiche vor der Welt verbergen 
zu können. 

Das deutsche nationale Bürgertum, von dem ich hier immer nur sprechen 
kann, da der internationale Marxismus ja an sich nur das Ziel einer Vernichtung 
Deutschlands kennt, hat aus der Vergangenheit auch heute nichts gelernt. Man 
fühlt auch heute noch nicht die Notwendigkeit, der Nation ein außenpolitisches 
Ziel zu setzen, das für die deutsche Zukunft als befriedigend angesehen werden 
darf und damit auf eine mehr oder minder lange Zeit unserem außenpolitischen 
Streben eine bestimmte Stabilität geben kann. Denn erst, wenn ein solches mög- 
liches außenpolitisches Ziel grundsätzlich abgesteckt erscheint, kann man sich 
im einzelnen über die Möglichkeiten unterhalten, die zum Erfolge zu führen ver- 
mögen. Erst dann tritt also die Politik in das Stadium der Kunst des Möglichen 

1 Hitler wiederholt hier die im Nachkriegsdeutschland weit verbreitete Einkreisungs- und 
ÜberfallBtheorie. Aus dem recht losen Zusammengehen von England, Frankreich und Buß- 
land wird eine festgefügte Organisation mit bestimmten Zielen und Entschlüssen, Die En- 
tente wird in Hitlers Gedanken ein Bündnis, um andere zu überfallen und zu berauben — also 
genau die Art von Bündnis, die Hitler der nationalsozialistischen Politik als Ziel setzte. 



134 



ein. Solange aber dieses ganze politische Leben überhaupt von keinem leitenden 
Gedanken beherrscht ist, werden die einzelnen Aktionen nicht den Charakter der 
Ausnutzung aller Möglichkeiten zur Erreichung eines bestimmten Erfolges an sich 
haben, sondern sie sind dann immer nur einzelne Stationen auf dem Wege des 
ziel- und planlosen Fortwursteins von heute auf morgen. Dann wird vor allem jene 
Beharrlichkeit abhanden kommen, die die Durchfechtung großer Ziele immer er- 
fordert, d, h. : man wird heute das versuchen und morgen jenes, wird übermorgen 
diese außenpolitische Möglichkeit ins Auge fassen und plötzlich einer ganz ver- 
kehrten Absicht huldigen, soferne nicht dieses ersichtliche Durcheinander als 
Durcheinander am Ende den Wünschen jener Macht entspricht, die heute 
Deutsehland regiert und in Wahrheit nicht will, daß unser Volk je noch zu 
einer Wiedererhebung komme. Nur das internationale Judentum kann ein leben- 
diges Interesse an einer deutschen Außenpolitik besitzen, die durch ihre ewig 
unvernünftig erscheinenden Sprünge jenen klaren Plan vermissen läßt, und die 
als einzige Rechtfertigung höchstens die Äußerung besitzt : „Ja, wir wissen natür- 
lich auch nicht, was getan werden soll, aber wir tun eben etwas, weil etwas getan 
werden muß." Ja, man kann nicht selten geradezu hören, daß diese Menschen vom 
inneren Sinn ihrer außenpolitischen Handlungen selbst so wenig überzeugt sind, 
daß sie als höchste Motivierung nur die Frage vorlegen können, ob denn ein 
anderer etwas Besseres wüßte. Das ist das Fundament, auf dem die Staatskunst 
eines Gustav Stresemann dann ruht 1 . 

Demgegenüber ist es aber gerade heute mehr denn je nötig, daß das deutsche 
Volk ein außenpolitisches Ziel sich aufstellt, das seinen wirklichen inneren Bedürf- 
nissen entgegenkommt und umgekehrt seinem außenpolitischen Handeln für die 
zunächst menschlich absehbare Zeit eine unbedingte Stabilität gewährt. Denn nur, 
wenn unser Volk auf solche Weise seine Interessen grundsätzlich bestimmt und 
dann beharrlich verficht, kann es hoffen, den einen oder anderen Staat, dessen 
Interessen den unseren nunmehr endgültig festgelegten nicht entgegenstehen, ja 
sogar gleichlaufend sind, zu bewegen, in eine nähere Verbindung mit Deutschland 
zu treten. Denn der Gedanke, aus dem Völkerbunde heraus die Not unseres Volkes 
lösen zu wollen, ist genauso unberechtigt, als der, aus dem Frankfurter Bundes- 
parlament die deutsche Frage entscheiden zu lassen, gewesen war. 

Im Völkerbund dominieren die saturierten Nationen. Ja, er ist deren Instrument. 
Sie haben zum größten Teil kein Interesse daran, an der Raumverteilung der Erde 
eine Änderung eintreten zu lassen, außerdem sie spräche wieder zu ihren Gun- 
sten. Und indem sie vom Recht der kleinen Nationen reden, haben sie in Wirklich- 
keit nur die Interessen der größten im Auge. 

Wenn Deutschland noch einmal zu einer wahren Freiheit kommen will, um 
unter ihrem Segen dem deutschen Volk das tägliche Brot geben zu können, dann 
wird es seine Maßnahmen hiefür außerhalb des Völkerbundsparlaments zu Genf 
zu treffen haben. Dann wird es aber notwendig sein, daß es mangels einer genügen- 

1 Nochmals ein Zeichen, daß Stresemann zur Zeit des Diktats noch lebte. 



135 



den eigenen Kraft Verbündete rindet, die glauben können, im Zusammengehen 
mit Deutschland auch eigenen Interessen zu dienen zu vermögen. Niemals aber 
■wird ein solcher Zustand eintreten, wenn diesen Völkern nicht das wirkliche 
außenpolitische Ziel Deutschlands vollkommen klar geworden ist. Und vor allem 
nie wird Deutschland selbst die Kraft und innere Stärke zu jener Beharrlichkeit 
erhalten, die nun einmal notwendig ist, um Widerstände der Weltgeschichte hinweg- 
zuräumen. Nie wird man dann lernen, im einzelnen sich zu gedulden und wenn 
notwendig auch zu verzichten, um im Großen endlich das lebensnotwendige Ziel 
erreichen zu können. Denn auch unter Bundesgenossen wird das Verhältnis nie 
ein vollständig reibungsloses sein. Immer wieder werden Störungen der gegen- 
seitigen Beziehungen auftreten können, um gefahrdrohende Formen anzunehmen, 
wenn eben nicht in der Größe des einmal gesteckten außenpolitischen Ziels die 
Kraft zur Überwindung kleiner Unannehmlichkeiten und Widerstände liegt. Hier 
darf die französische Staatsleitung der Jahrzehnte vor dem Kriege als muster- 
gültiges Vorbild dienen. Wie sie zum Unterschiede unserer ewig plärrenden und 
dabei nicht selten den Mond anbellenden Hurra- Patrioten über alles Kleine hinweg- 
ging, ja selbst zu sehr bitteren Vorkommnissen schwieg, um die Möglichkeit der 
Organisation des Revanche-Krieges gegen Deutschland nicht zu verlieren. 

Wichtig erscheint die Aufsteckung [sie] eines klaren außenpolitischen Zieles aber 
besonders deshalb noch, weil es sonst den Vertretern anderer Interessen im eigenen 
Volk stets möglich sein wird, die öffentliche Meinung zu verwirren und kleine, 
zum Teil sogar provozierte Vorfälle zum Anlaß einer Umstimmung der außen- 
politischen Meinung zu machen. So wird Prankreich immer wieder versuchen, aus 
kleinen Zwistigkciten, die sich entweder aus der Lage der Dinge selbst ergeben 
oder die es auch künstlich fabriziert, Verstimmungen, ja Entfremdungen unter 
den Völkern herbeizuführen, die nach der ganzen Natur ihrer wirklichen Lebens- 
interessen aufeinander angewiesen wären und zum gemeinsamen Handeln gegen 
Frankreich auftreten müßten. Solche Versuche werden aber immer nur dann Er- 
folg haben, wenn infolge des Fehlens eines unverrückbaren außenpolitischen Ziels 
die eigenen politischen Handlungen keine wahrhafte Stabilität besitzen und vor 
allem deshalb auch die Beharrlichkeit fehlt, die Maßnahmen vorzubereiten, die 
der Erfüllung der eigenen politischen Zielsetzung dienlich sind. 

Das deutsche Volk, das weder eine außenpolitische Tradition noch ein außen- 
politisches Ziel besitzt, wird an sich immer leicht geneigt sein, utopistischen 
Idealen zu huldigen und seine wirklichen Lebensinteressen dabei zu vernach- 
lässigen. Für was (hat) unser Volk nicht alles in den letzten 100 Jahren geschwärmt. 
Bald waren es Griechen, die wir retten wollten vor der Türkei, dann wieder Tür- 
ken, denen wir unsere Zuneigung schenkten gegen Russen und Italiener, dann fand 
unser Volk wieder einen Zauber darin, fi polnische Freiheitskämpfer zu schwär- 
men, um dann mit Buren zu fühlen usw. usw. Was haben aber alle diese dümmsten 
Ergüsse einer politisch ebenso unfähigen wie gesprächigen Seele unserem Volke 
gekostet? 



136 



So war auch das Verhältnis zu Österreich, wie man mit besonderem Stolze 
betonte, kein solches des nüchternen Verstandes, sondern ein wahrer innerer 
Herzensbund. Hätte nur damals statt des Herzens die Vernunft gesprochen und 
der Verstand entschieden, dann wäre Deutschland heute gerettet. Gerade aber, 
weil wir so ein Volk sind, das seine politischen Handlungen zu wenig nach Grün- 
den einer wirklichen vernünftigen verstandesmäßigen Einsicht bestimmen läßt, 
und weil wir dabei so gar und gar auf keine große politische Tradition zurück- 
blicken können, müssen wir wenigstens für die Zukunft unserem Volk ein unver ; _ 
rückbares außenpolitisches Ziel geben, das geeignet erscheint, politische Maß- 
nahmen der Staatsleitung im einzelnen auch der breiten Masse verständlich zu 
machen. Nur so wird es möglich, daß einmal Millionen im ahnenden Glauben hinter 
eine Staatsleitung treten, die Entschlüsse durchführt, die im einzelnen vielleicht 
manches Schmerzliche an sich haben können. Es ist dies eine Voraussetzung, um 
ein gegenseitiges Verstehen zwischen Volk und Staatsleitung herbeizuführen, und 
allerdings auch eine Voraussetzung, um in der Staatsleitung selbst eine gewisse 
Tradition zu verankern. Es geht nicht an, daß jede deutsche Regierung außen- 
politisch ihr eigenes Ziel hat. Nur um die Wege kann man sich streiten, über sie 
kann disputiert werden, das Ziel selbst muß einmal für immer als unabänderlich 
festgelegt werden. Dann kann die Politik zur großen Kunst des Möglichen werden, 
d. h. es bleibt den genialen Fähigkeiten der einzelnen Staatsleiter vorbehalten, 
von Fall zu Fall die Möglichkeiten wahrzunehmen, die Volk und Reich seinem 
außenpolitischen Ziel näherbringen. 

Diese außenpolitische Zielsetzung ist im heutigen Deutschland überhaupt 
nicht vorhanden, Daher wird auch die grenzenlose, sehwankende und unsichere 
Art der Wahrnehmung der Interessen unseres Volkes verständlich, daher weiter 
auch das ganze Durcheinander unserer öffentlichen Meinung, daher auch jene un- 
glaublichen Bocksprünge unserer Außenpolitik, die immer unglücklieh enden, ohne 
daß dabei das Volk auch nur so urteilsfähig wäre, um die Verantwortlichen auch 
wirklich zur Verantwortung zu ziehen. Nein, man weiß nicht, was man tun soll. 

Ja, es gibt allerdings nicht wenige Menschen heute, die überhaupt glauben, 
daß man nichts tun dürfe. Sie fassen ihre Meinung dahin zusammen, daß Deutsch- 
land heute klug und zurückhaltend sein müsse, daß es sich nirgends engagieren 
dürfe, daß man die Entwicklung der Ereignisse wohl im Auge behalten müsse, 
allein selbst nicht daran teilzunehmen habe, um eines Tages dann die Rolle jenes 
lachenden Dritten zu übernehmen, der den Erfolg einheimst, während zwei andere 
streiten. 

Ja, ja, so klug und weise sind unsere heutigen bürgerlichen Staatskünstler. 
Ein politisches Urteil, das von keinerlei Kenntnis der Geschichte getrübt wird. 
Es gibt nicht wenige Sprichwörter, die für unser Volk zu einem wirklichen Fluch 
geworden sind. Z. B. „Der Gescheitere gibt nach" oder „Kleider machen Leute" 
oder „Mit dem Hute in der Hand kommt man durchs ganze Land" oder auch 
„Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte". 



137 



Im Völkerleben zumindest trifft dieses letzte Sprichwort nur ganz bedingt zu, 
[Und dies aus folgendem Grunde] nämlich dann, wenn sich zwei innerhalb eines 
Volkes aussichtslos streiten, dann kann ein Dritter, der außerhalb eines Volkes 
sich befindet, siegen. Im Leben der Völker untereinander werden aber immer den 
endgültigen Erfolg zu [sie] Staaten für sich haben, die bewußt streiten, weil nur im 
Streit die Möglichkeit der Zunahme ihrer Kraft liegt. Es gibt kein geschichtliches 
Ereignis auf der Welt, das nicht von zwei Standpunkten aus beurteilt werden 
könnte. Immer stehen den Neutralen auf der einen Seite die Interventionisten 
auf der anderen gegenüber. Und immer werden im allgemeinen die Neutralen den 
kürzeren ziehen, während die Interventionisten eher den Erfolg für sich bean- 
spruchen können, daferne die Partie 1 eben nicht verliert, auf die sie setzen. 

Das heißt im Völkerleben folgendes: Wenn auf dieser Erde zwei Mächtige 
streiten, so können die umliegenden mehr oder weniger kleinen oder großen 
Staaten an diesem Kampf teilnehmen oder sich von ihm fernhalten. Im einen 
Fall ist die Möglichkeit eines Gewinns nicht ausgeschlossen, sofern die Teilnahme 
auf der Seite erfolgt, die den Sieg erringt. Ganz gleich aber wer siegt, niemals wer- 
den die Neutralen ein anderes Los haben, als das der Feindschaft mit dem übrig- 
gebliebenen Siegerstaat. Keiner der großen Staaten der Erde ist bisher empor- 
gestiegen durch Neutralität als Prinzip des politischen Handelns, sondern nur 
durch Kampf. Wenn an sich auf der Erde überragende Machtstaaten sind, bleibt 
kleineren Völkern gar nichts anderes übrig, als auf ihre Zukunft entweder über- 
haupt zu verzichten oder unter dem Schutz günstiger Koalitionen mitzufechten 
und die eigene Kraft dabei zu vermehren. Denn die Rolle des lachenden Dritten 
setzt immer voraus, daß dieser Dritte schon eine Macht hat. Wer aber stets neu- 
tral ist, wird nie zu einer Macht gelangen. Denn so sehr die Macht eines Volkes 
auch in seinem inneren Wert liegt, so findet sie doch ihren letzten Ausdruck in der 
durch den Willen dieses inneren Wertes geschaffenen organisatorischen Form der 
Kampfkräfte eines Volkes auf dem Schlachtfelde, Diese Form wird aber nie ent- 
stehen, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit der praktischen Erprobung ausgesetzt 
wird. Die Ewigkeitswerte eines Volkes werden nur unter dem Schmiedehammer 
der Weltgeschichte zu jenem Stahl und Eisen, mit dem man dann Geschichte 
macht. Wer die Schlachten aber meidet, wird nie die Kraft erlangen, Schlachten 
zu schlagen. Und wer niemals Schlachten schlägt, wird nie der Erbe derjenigen 
sein, die im Schwertkampf miteinander ringen. Denn die bisherigen Erben der 
Weltgeschichte waren nicht etwa Völker feiger Neutralitätsauffassungen, sondern 
junge Völker des besseren Schwertes. Weder die Antike noch die mittelalterliche 
noch die neueste Zeit kennt auch nur ein Beispiel dafür, daß Machtstaaten 
anders entstanden wären, außer im dauernden Kampf. Die geschichtlichen Erb- 
völker aber sind bisher noch stets Staaten der Macht gewesen. Gewiß kann auch 
im Völkerleben ein Dritter der Erbe sein, wenn zwei sich streiten, aber dann ist 
dieser Dritte eben von vorneherein schon die Macht, die bewußt zwei andere 

1 muß wohl heißen „sofern die Partei . . ." 



138 



streiten läßt, um sie dann, ohne eigene große Opfer endgültig niederzuschlagen. 
Damit aber verliert die Neutralität den Charakter einer passiven Teilnahms- 
losigkeit an den Ereignissen überhaupt und nimmt statt dessen den einer bewußten 
politischen Operation an. Selbstverständlich wird keine kluge Staatsleitung einen 
Kampf beginnen, ohne die Größe des möglichen eigenen Einsatzes abzuwägen 
und zu vergleichen mit der Größe des Gegners. Allein sie wird, wenn sie die Un- 
möglichkeit erfaßt hat, gegen eine bestimmte Macht kämpfen zu können, dann 
umsomehr gezwungen sein, zu versuchen, mit dieser Macht gemeinsam zu kämp- 
fen. Denn dann kann aus diesem gemeinsamen Kampf für den bisher Schwäche- 
ren einmal die Kraft erwachsen, um wenn notwendig auch gegen diesen die ei- 
genen Lebensinteressen verfechten zu können. Man sage nun ja nicht, daß damit 
keine Macht ein Bündnis eingehen wird mit einem Staat, der einst vielleicht selbst 
eine Gefahr werden könnte. Bündnisse stellen keine politischen Zwecke, sondern 
nur Mittel zu den Zwecken dar. Man muß sieh ihrer heute bedienen, auch wenn 
man lOOOmal weiß, daß die spätere Entwicklung möglicherweise zum Gegenteil 
führen kann. Es gibt keinen Bund mit Ewigkeitsdauer. Glücklich die Völker, die 
infolge des vollkommenen Auseinanderliegens ihrer Interessen für eine bestimmte 
Zeit in ein Bundesverhältnis zu treten vermögen, ohne nach Aufhören desselben 
zu einem gegenseitigen Konflikt gezwungen zu sein. Immer aber wird besonders 
ein schwacher Staat, der aber zu Macht und Größe gelangen will, versuchen 
müssen, an den allgemeinen politischen Ereignissen der Weltgeschichte aktiv 
handelnd teilzunehmen. 

Als Preußen in seinen schlesischen Krieg eintrat, da war dies auch eine ver- 
hältnismäßig nebensächliche Erscheinung neben der gewaltigen Auseinander- 
setzung zwischen England und Frankreich, die damals bereits in vollen Fluß 
geraten war. Vielleicht könnte man Friedrich dem Großen den Vorwurf machen, 
englische Kastanien aus dem Feuer geholt zu haben. Würde aber jemals das 
Preußen entstanden sein, mit dem ein Bismarck ein neues deutsches Reich schaf- 
fen konnte, wenn damals auf dem Hohenzollernthron ein Fürst gesessen hätte, 
der in Erkenntnis der kommenden größeren Ereignisse der Weltgeschichte sein 
Preußen in frommer Neutralität erhalten hätte? Die drei schlesischen Kriege haben 
Preußen mehr gebracht als Schlesien. Auf diesen Schlachtfeldern wuchsen jene 
Regimenter heran, die in der Folgezeit die deutschen Fahnen von Weißenburg 
und Wörth bis nach Sedan trugen, um endlich im Spiegelsaal des Versailler Schlos- 
ses den neuen Kaiser des neuen Reiches zu begrüßen. Wohl war damals Preußen 
Kleinstaat, unbedeutend an Volkszahl und Raumgröße, allein indem dieser kleine 
Staat mitten hineinsprang in die großen Handlungen der Weltgeschichte, hat er 
sich die Legitimation geholt für die Gründung des späteren deutschen Reiches. 

Und einmal, da haben in diesem preußischen Staat auch die Neutralisten gesiegt. 
Das war in der Periode Napoleons I. Damals glaubte man zunächst, Preußen 
neutral halten zu können, und wurde später mit der furchtbarsten Niederlage dafür 
bestraft. Und noch im Jahr 1812 standen sich die beiden Auffassungen schroff 



139 



gegenüber. Die einen für Neutralität und die anderen, der Reichsfreiherr von 
[sie] Stein an ihrer Spitze, für Intervention. Daß im Jahre 1812 die Neutralisten 
gesiegt haben, hat Preußen und Deutschland unendliches Blut gekostet und un- 
endliches Leid gebracht. Und daß endlich 1813 die Interventionisten durchdrangen, 
hat Preußen gerettet. 

Die deutlichste Antwort auf die Meinung, daß man durch Bewahrung einer 
vorsichtigen Neutralität als dritte Macht politische Erfolge erringen könne, hat 
der Weltkrieg gegeben. Was haben die Neutralen des Weltkrieges praktisch er- 
reicht? Waren sie etwa die lachenden Dritten? Oder glaubt man, daß bei ähnlichem 
Ereignis Deutschland eine andere Rolle spielen würde? Man meine doch nicht, 
daß nur die Größe des Weltkrieges daran schuld gewesen sei. Nein, in der Zukunft 
werden alle Kriege, soweit sie die großen Nationen betreffen, Volkskriege in 
gigantischstem Umfange sein. Deutsehland aber würde bei irgendeiner europä- 
ischen Auseinandersetzung in der Zukunft als neutraler Staat keine andere Be- 
deutung besitzen als Holland oder die Schweiz oder Dänemark usw. im Weltkrieg. 
Glaubt man dann wirklich, daß wir nach den Ereignissen aus nichts heraus die 
Kraft besitzen würden, gegen einen übriggebliebenen Sieger die Rolle zu spielen, 
die wir uns im Bunde mit einem der beiden Kämpfenden nicht zu spielen getrauten? 

Der Weltkrieg hat eines jedenfalls unzweideutig bewiesen: Wer in großen welt- 
geschichtlichen Auseinandersetzungen sich neutral verhält, vermag vielleicht 
zunächst kleine Geschäfte zu machen, er wird aber machtpolitisch damit auch 
endgültig von einer Mitbestimmung der Schicksale der Welt ausscheiden. 

Hätte die amerikanische Union im Weltkrieg ihre Neutralität bewahrt, so 
würde, ganz gleich, ob England oder Deutschland als Sieger hervorgegangen wäre, 
die amerikanische Union heute als Macht zweiten Ranges angesehen werden. 
Daß sie in den Kampf eintrat, hat sie maritim zur Stärke Englands emporgehoben, 
weltpolitisch aber zu einer Macht von ausschlaggebender Bedeutung gestempelt. 
Die Einschätzung der amerikanischen Union seit ihrem Eintritt in den Welt- 
krieg ist eine vollständig andere geworden. Es liegt in der Natur der Vergeßlich- 
keit der Menschheit, [zu vergessen] schon nach kurzer Zeit schon nicht mehr zu 
wissen, welche allgemeine Beurteilung ein Zustand wenige Jahre vorher gefunden 
hat. So wie wir aus den Reden vieler fremder Staatsmänner heute die vollkom- 
mene Außerachtlassung der früheren Größe Deutschlands herausspüren, so wenig 
vermögen wir umgekehrt das Ausmaß an Wertzuwachs abzuschätzen, den in 
unserem eigenen Urteil die amerikanische Union seit Eintritt in den Weltkrieg 
erfahren hat. 

Dies ist auch die staatsmännisch zwingendste Begründung für den Eintritt 
Italiens in den Krieg gegen seinen früheren Bundesgenossen. Hätte Italien diesen 
Schritt nicht vollzogen, so würde es heute ganz gleich, wie die Würfel gefallen 
wären, die Rolle Spaniens teilen. Daß es den ihm so sehr verargten Schritt zu 
aktiver Teilnahme am Weltkrieg vollzogen hat, brachte ihm eine Steigerung in 
seiner Position und eine Stärkung derselben, die ihren letzten bekrönenden Aus- 



140 



druck nun im Faschismus gefunden hat. Ohne Eintritt in den Krieg wäre auch 
dieser eine vollkommen undenkbare Erscheinung. 

Darüber kann der Deutsche verbittert oder nicht verbittert denken. Wichtig 
ist es, aus der Geschichte zu lernen, besonders aber dann, wenn ihre Lehren in so 
eindringlicher Weise zu uns sprechen. 

So ist der Glaube, durch eine vorsichtige zurückhaltende Neutralität gegenüber 
den sich entwickelnden Auseinandersetzungen in Europa und anderwärts eines 
Tages als lachender Dritter die Erfolge einheimsen zu können, falsch und töricht. 
Überhaupt erhält man die Freiheit weder durch Betteln noch durch Mogeln, 
auch nicht durch Arbeit und Fleiß, sondern ausschließlieh durch Kampf, und 
zwar durch eigenen Kampf. Es ist dabei sehr leicht möglich, daß der Wille mehr 
gewogen wird als die Tat. Nicht selten haben Völker im Rahmen einer klugen 
Bündnispolitik Erfolge erzielt, die nicht im Verhältnis zum Erfolg ihrer Waffen 
standen. Allein das Schicksal mißt bei einem Volk, das sich kühn einsetzt, nicht 
immer nach dem Umfang der Taten, sondern sehr häufig nach der Größe des 
Willens. Die Geschichte der italienischen Einigung des 19. Jahrhunderts ist dafür 
bemerkenswert. Aber auch der Weltkrieg zeigt, wie eine ganze Anzahl von Staa- 
ten weniger durch ihre militärischen [Erfolge] Leistungen, als vielmehr durch die 
verwegene Kühnheit, mit der sie Partei ergriffen und durch die Beharrlichkeit, 
mit der sie durchgehalten hatten, außerordentliche politische Erfolge erzielen 
konnten. 

Deutschland muß unter allen Umständen, wenn es überhaupt seine Periode 
der Verknechtung durch alle beenden will, versuchen, aktiv in eine Mächte- 
kombination einzudringen, um an der machtpolitischen künftigen Gestaltung 
des europäischen Lebens tätig mit Anteil zu nehmen. 

Der Einwand, daß eine solche Anteilnahme ein schweres Risiko in sich berge, 
ist richtig. Aber glaubt man denn wirklich, daß man, ohne ein Risiko zu überneh- 
men, überhaupt die Freiheit werde erlangen können? Oder meint man, daß es 
eine Tat der Weltgeschichte gegeben hat, die nicht mit einem Risiko verbunden 
gewesen wäre? War etwa der Entschluß Friedrichs des Großen zum ersten schle- 
sischen Krieg mit keinem Risiko verknüpft? Oder war die Einigung Deutsch- 
lands durch Bismarck gefahrlos? Nein und tausendmal nein! Angefangen von 
der. Geburt des Menschen bis zu seinem Tode ist alles fraglich. Was sicher erscheint 
ist nur der Tod allein. Gerade deshalb aber ist der letzte Einsatz nicht der schwerste, 
da er eines Tages so oder so gefordert wird. 

Natürlich ist es eine Frage der Staatsklugheit, den Einsatz so zu wählen, daß 
ein möglichst hoher Gewinn herauskommt. Aus Angst aber, vielleicht das falsche 
Pferd zu erwischen, überhaupt nicht zu setzen, heißt auf die Zukunft eines Volkes 
Verzicht leisten. Der Einwurf, daß ein solches Handeln dann den Charakter eines 
Vabanquespieles an sich habe, kann am leichtesten widerlegt werden durch den 
einfachen Hinweis auf die bisherige geschichtliche Erfahrung. Unter Vabanque- 
spiel versteht man ein Spiel, dessen Gewiniistmöglichkeiten [sie] von vorneherein 



141 



nur der Bestimmung des Zufalls unterliegen. Dies wird in der Politik nie der Fall 
sein. Denn so sehr auch die letzte Entscheidung im Dunkel der Zukunft liegt, so 
sehr baut sich die Überzeugung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit eines Erfol- 
ges auf menschlich erkennbare Faktoren auf. Diese Faktoren abzuwägen, ist die 
Aufgabe der politischen Führung des Volkes 1 . Das Ergebnis dieser Uberprüfung 
muß dann aber auch zu einem Entschlüsse führen. Dieser Entschluß entspringt 
damit einer eigenen Einsicht und wird getragen vom Glauben an den auf Grund 
dieser Einsicht möglichen Erfolg. Ich kann damit eine politische entscheidungs- 
volle Tat nur deshalb allein, weil ihr Ausgang nicht lOOprozentig sicher ist, so 
wenig als Vabanquespiel bezeichnen, als ich dies bei einer Operation, die von 
einem Arzt vorgenommen wird, tun darf, deren Ausgang ebenfalls nicht unbedingt 
erfolgreich sein muß. Es entsprach von jeher dem Wesen großer Männer, selbst 
zweifelhafte, im Erfolg unbestimmte Taten mit äußerster Energie durchzuführen, 
wenn die Notwendigkeit an sich vorlag und nach reiflichster Überprüfung aller 
Verhältnisse eben diese eine bestimmte Tat nur mehr in Frage kam. 

Die Verantwortungsfreudigkeit, im Völkerringen große Entschlüsse zu fassen, 
wird allerdings umso höher sein, je mehr die handelnden Menschen bei Betrach- 
tung ihres Volkes zur Uberzeugung kommen können, daß selbst ein Mißerfolg 
die Lebenskraft der Nation nicht zerstören wird können. Denn ein innerlich kern- 
gesundes Volk wird auf die Dauer niemals durch Niederlagen auf dem Schlacht- 
felde ausgelöscht werden können. Soferne also ein Volk diese seine innere Gesund- 
heit besitzt, unter Voraussetzung einer genügenden rassischen Bedeutung, wird 
der Mut zu schweren Operationen ein größerer sein können, da selbst das Miß- 
lingen derselben noch lange nicht den Untergang eines solchen Volkes bedeuten 
würde 2 . Und hier hat Clausewitz recht, wenn er in seinem Bekenntnisse feststellt, 
daß bei einem gesunden Volk eine solche Niederlage immer wieder zu einer spä- 
teren Erhebung zu führen vermag, daß aber umgekehrt nur die feige Unterwerfung, 
also kampflose Ergebung in das Schicksal, zur endgültigen Zerstörung führen kann. 
Die Neutralität aber, die man heute als einzig mögliche Handlung unserem Volk 
anpreist, ist tatsächlich nichts anderes als die willenlose Ergebung in ein durch 
fremde Gewalten bestimmtes Schicksal. Und nur darin liegt das Merkmal und die 
Möglichkeit unseres Verfalls. Hätte demgegenüber unser Volk selbst verfehlte 

1 Diese Stelle ist sehr charakteristisch für Hitlers Auffassung der Politik. Ein großes Risiko 
kann man auf sich nehmen, wenn der Wille anstelle der Sicherheit des Erfolges steht. Das 
kann manchmal glücken, um dann zu größerem Risiko und schließlich unter Umständen zum 
Untergang zu führen. Indem Hitler in diesem Zusammenhang das Beispiel Friedrich des 
Großen anführt, übersieht er, was ja auch sonst nicht selten in der Geschichtsschreibung ge- 
schieht, die entscheidende Rolle der beiden Zufälle, die ihm im Jahre 1762 mit dem Tode der 
russischen Kaiserin und der Preußenfreundschaft des russischen Thronfolgers zur Hilfe ka- 
men. Andererseits hat Hitler bekanntlich später nach dem Tode Roosevelts auf eine ähnliche 
Zufallsrettung seine Hoffnung gesetzt. 

2 In dieser Hinsicht dachte Hitler später anders. Deutsehland sollte ihn 1945 nicht über- 
leben, obwohl es nach seinem Willen jahrelang gekämpft hatte. 



142 



Versuche zur ^Freiheit unternommen, so würde schon in der Bekundung dieser 
Gesinnung ein Faktor liegen, der der Lebenskraft unseres Volkes zugute käme. 
Denn man sage nicht, daß es staatspolitische Klugheit sei, die uns vor solchen 
Schritten zurückhalte. Nein, erbärmliche Feigheit und Gesinnungslosigkeit ist es, 
die man in diesem Falle, wie so oft in der Geschichte mit Klugheit zu verwechseln 
versucht. Selbstverständlich kann ein Volk unter dem Druck fremder Gewalten 
unter Umständen gezwungen sein, jahrelang eine fremde Unterdrückung auf sich 
nehmen zu müssen. Allein so wenig ein Volk dann äußerlich gegen übermächtige 
Gewalten etwas ernstliches auszurichten vermag, so sehr wird aber sein inneres 
Leben nach Freiheit dringen und nichts unversucht lassen, was geeignet sein 
könnte, den augenblicklich gegebenen Zustand eines Tages unter Einsatz der 
gesamten Kraft eines solchen Volkes zu ändern. Man wird dann das Joch frem- 
der Eroberer ertragen, aber mit geballten Fäusten und knirschenden Zähnen auf 
die Stunde lauern, die die erste Möglichkeit gibt, sich des Tyrannen zu entledigen. 
So etwas kann unter dem Druck der Verhältnisse möglich sein. Was sich aber 
heute als staatspolitische Klugheit präsentiert, ist tatsächlich ein Geist der frei- 
willigen Unterwerfung, des gesinnungslosen Verzichts auf jeden Widerstand, ja 
der schamlosen Verfolgung derjenigen, die an einen solchen Widerstand zu 
denken wagen und deren Arbeit ersichtlich der Wiedererhebung ihres Volkes dienen 
könnte. Es ist der Geist der inneren Selbstabrüstung, der Zerstörung aller mora- 
lischen Faktoren, die einst einer Wiedererstehung dieses Volkes und Staates 
dienen könnten, und dieser Geist kann sich wirklich nicht als staatspolitische 
Klugheit aufspielen, denn er ist tatsächlich staatsvernichtende Ehrlosigkeit. 

Und dieser Geist muß allerdings jeden Versuch einer aktiven Beteiligung un- 
seres Volkes an der kommenden europäischen Entwicklung hassen, weil ja schon 
im bloßen Versuch einer solchen Mitwirkung die Notwendigkeit des Kampfes 
gegen diesen Geist liegt. 

Wenn aber eine Staatsleitung von der Fäulnis dieses Geistes angegriffen er- 
scheint, dann ist es die Aufgabe der die wirklichen Lebenskräfte eines Volkes 
wahrnehmenden und vertretenden und damit repräsentierenden Opposition, 
[die Erziehung] den Kampf für die nationale Erhebung und dadurch für die na- 
tionale Ehre auf ihre Fahnen zu schreiben. Sie darf sich dann nicht einschüchtern 
lassen, durch die Behauptung, daß die Außenpolitik Aufgabe der verantwort- 
lichen Staatsleitung wäre, da es eine solche verantwortliche Leitung dann längst 
nicht mehr gibt, sondern sie muß sich demgegenüber bekennen zur Auffassung, 
daß es außer [von formalen Regierungen auch ewige] den formalen Rechten der 
jeweiligen Regierungen ewige Verpflichtungen gibt, die jeden Angehörigen eines 
Volkes zwingen, für die Existenz der Volksgemeinschaft das erkannt Notwendige 
zu tun 1 . Auch wenn dies tausendmal im Gegensatz steht zu den Absichten schlech- 
ter und unfähiger Regierungen. 

Daher hätte heute gerade in Deutschland die sogenannte nationale Opposition 

1 Dies ist eine Parallel-Steile zu Hitlers Mein Kampf I, S. 104: „Wenn durch die Hilfsmittel 



143 



die höchste Verpflichtung, angesichts der Nichtswürdigkeit der allgemeinen 
Führung unseres Volkes ein außenpolitisch klares Ziel zu setzen und unser 
Volk für die Durchführung dieser Gedanken vorzubereiten und zu erziehen. Sie 
muß in erster Linie schärfsten Krieg ansagen der heute weit verbreiteten Hoffnung, 
durch tätige Mitarbeit am Völkerbund an unserem Schicksal etwas ändern zu 
können. Überhaupt hat sie dafür zu sorgen, daß unser Volk langsam erkennt, daß 
man nicht die Besserung der deutschen Lage von Institutionen erwarten darf, de- 
ren Vertreter die Interessenten unseres heutigen Unglücks (sind?). Sie muß ferner 
die Überzeugung vertiefen, daß ohne Wiedererringung der deutschen Freiheit alle 
sozialen Hoffnungen utopistische Versprechungen ohne jeden realen Wert sind. 
Sie muß ferner unser Volk zur Erkenntnis bringen, daß für diese Freiheit so oder 
so nur der Einsatz der eigenen Kraft in Frage kommt. Daß mithin unsere gesamte 
Innen- und Außenpolitik eine solche sein muß, unter deren Wirksamkeit die 
innere Kraft unseres Volkes wächst und zunimmt. Und sie muß endlich das Volk 
aufklären, daß dieser Krafteinsatz für ein wirklich wertvolles Ziel erfolgen muß 
und daß wir zu dem Zweck nicht allein dem Schicksal entgegentreten können, 
sondern Verbündete nötig haben werden. 



der Regierungsgewalt ein Volkstum dem Untergang entgegengeführt wird, dann ist die 
Rebellion eines jeden Angehörigen eines solohen Volkes nicht nur Recht, sondern Pflicht." 
Es liegt auf der Hand, daß solche Zitate sich auch gegen Hitler selbst wenden konnten, wenn 
auch die Motivation des deutschen Widerstandes einer Bolchen indirekten Beweisführung nicht 
bedarf. 



144 



XI 



DEUTSCHLANDS POLITISCHE LAGE - KEIN BÜNDNIS MIT RUSSLAND 



Für die Frage der künftigen Gestaltung der deutschen Außenpolitik ist, abge- 
sehen von der inneren Kraft unseres Volkes, seiner charakterlichen Stärke und 
Einsehätzung, die Größe seines möglichen militärischen Einsatzes sowie das Ver- 
hältnis dieser Machtmittel zu denen der umliegenden Staaten von ausschlag- 
gebender Bedeutung. 

Uber die moralische innere Schwäche unseres Volkes von heute brauche ich 
mich in diesem Werke nicht weiter auszulassen. Unsere allgemeinen Schwächen, 
die teils blutsmäßig begründete sind, teils im Wesen unserer heutigen Staats- 
organisation Hegen oder dem Wirken unserer schlechten Führung zugeschrieben 
werden müssen, sind vielleicht weniger der deutschen Öffentlichkeit als leider 
der übrigen Welt nur zu gut bekannt. Ein großer Teil der Maßnahmen unserer 
Unterdrücker fällt auf die Erkenntnis dieser Schwächen. Allein bei aller Anerken- 
nung der tatsächlichen Zustände darf doch nie vergessen werden, daß dasselbe 
Volk von heute noch vor kaum 10 Jahren geschichtlich unvergleichliche Leistun- 
gen vollbracht hat 1 . Das deutsche Volk, das augenblicklich einen so betrübenden 
Eindruck hinterläßt, hat nichtsdestoweniger seinen gewaltigen Wert in der Welt- 
geschichte öfter als einmal bewiesen. Der Weltkrieg selbst ist das ruhmvollste 
Zeugnis für den Heldensinn und Opfermut unseres Volkes, für seine todesmutige 
Disziplin und für seine geniale Fähigkeit auf tausend und abertausend Gebieten 
der Organisation seines Lebens. Auch seine rein militärische Führung hat un- 
sterbliche Erfolge erzielt. Nur die politische Leitung hatte versagt. Sie war schon 
die Vorläuferin der heute noch um soviel schlechteren. 

So mögen die inneren Qualitäten unseres Volkes heute tausendmal unbefriedi- 
gende sein, sie werden aber mit einem Schlage ein anderes Bild ergeben, sowie 
eine andere Faust einst den Ereignissen in die Zügel fallen wird, um unser Volk 
aus seinem heutigen Verfall wieder herauszuführen. 

Wie wundervoll die Wandlungsfähigkeit gerade unseres Volkes ist, sehen wir 
an unserer Geschichte. Preußen 1806 und Preußen 1813. Welch ein Unterschied. 
1806 der Staat der traurigsten Kapitulation an allen Ecken und Enden, einer 
unerhörten Erbärmlichkeit der bürgerlichen Gesinnung, und 1813 der Staat des 
glühendsten Hasses gegen die Fremdherrschaft und des patriotischesten Opfer- 
sinnes für das eigene Volk, des heldenmütigsten Kampfwillens für die Freiheit. 
Was hat sich damals nun in Wahrheit geändert? Das Volk? Nein, es ist im 
inneren Wesen dasselbe geblieben wie vordem, nur seine Führung war in andere 
Hände gekommen. Der Schwächlichkeit der preußischen Staatsleitung in der 

1 Wichtig für das Entstehungsjahr des Dokuments. 



10 



145 



nachfriderizianischen Periode, der verknöcherten und veralteten Führung des 
Heeres war nun ein neuer Geist gefolgt. Freiherr von [sie] Stein und Gneisenau, 
Scharnhorst, Clausewitz und Blücher waren die Repräsentanten des neuen 
Preußens. Und die Welt hat in wenigen Monaten wieder vergessen gehabt, daß 
dieses Preußen 7 Jahre vordem ein Jena erlebte. 

Und war es etwa vor der neuen Reichsgründung anders? Noch kaum ein Jahr- 
zehnt hatte genügt, um aus dem deutschen Verfall, der deutschon Uneinigkeit 
und der allgemeinen politischen Ehrlosigkeit ein neues Reich hervorgehen zu 
lassen, das die kraftvollste Verkörperung deutscher Macht und Herrlichkeit in 
den Augen vieler zu sein schien. Ein einziger überragender Kopf hat im Kampf 
gegen die Mittelmäßigkeit der Majoritäten dem deutschen Genius wieder die 
Freiheit seiner Entwicklung gegeben. Man denke sich Bismarck hinweg aus un- 
serer Geschichte und nur die erbärmliche Mittelmäßigkeit würde die Zeit aus- 
füllen, die für unser Volk die glorreichste seit Jahrhunderten gewesen ist. 

So wie das deutsche Volk in wenigen Jahren von seiner unerhörten Größe durch 
die Mittelmäßigkeit seiner Führung heruntergestürzt werden konnte in sein 
heutiges Chaos, so kann es durch eine eiserne Faust auch wieder emporgerissen 
werden. Sein innerer Wert wird dann vor aller Welt so sichtbar in Erscheinung 
treten, daß schon die Tatsache seiner Existenz zu seiner Beachtung und Ein- 
schätzung dieses Faktums zwingen muß. 

Wenn dieser Wert aber zunächst ein schlummernder ist, dann ist es erst recht 
notwendig, sich über den augenblicklich vorhandenen realen Maehtwert Deutsch- 
lands Klarheit zu verschaffen. 

Ich habe schon versucht, ein kurzes Bild des augenblicklichen deutschen 
militärischen Machtinstruments, der Reichswehr, zu zeichnen. Ich will an dieser 
Stelle die allgemeine militärische Lage Deutschlands im Verhältnis zur umliegen- 
den Welt skizzieren. 

Deutschland ist zur Zeit von drei Machtfaktoren oder Machtgruppen umgeben. 

England, Rußland und Frankreich sind augenblicklich die militärisch bedroh- 
lichsten Anrainer Deutschlands. Dabei erseheint die französische Macht gestärkt 
durch ein System europäischer Bündnisse, das von Paris aus über Warschau, 
Prag nach Belgrad reicht. 

Deutschland hegt zwischen diesen Staaten mit vollständig offenen Grenzen 
eingekeilt. Das besonders Bedrohliche dabei ist, daß die Westgrenze des Rei- 
ches durch Deutschlands größtes Industriegebiet verläuft. [Daß weiter die 
Küstenlinie schutzlos dem gesamten Überseehandel auf wenige] Diese West- 
grenze bietet aber auch infolge ihrer Länge und des Mangels aller wirklichen 
natürlichen Hindernisse nur wenig Möglichkeiten zu einer Verteidigung durch 
einen Staat, dessen militärische Machtmittel auf das Alleräußerste begrenzt er- 
scheinen. [Der Versuch, den Rhein als eine militärische Widerstandsliiüe] Auch 
der Rhein kann nicht als eine militärisch wirkungsvolle Widerstandslinie auf- 
gefaßt werden. Nicht nur, daß Deutschland die Möglichkeit durch die Friedens- 



146 



vertrage genommen ist, die notwendigen technischen Vorbereitungen hiefür zu 
treffen, bietet der Strom selbst dem Übergang modern ausgerüsteter Armeen 
um so weniger Hindernisse, als die geringen Mittel einer deutschen Abwehr auf 
eine zu lange Front verzettelt werden müßten. Dazu kommt noch, daß dieser 
Strom durch Deutschlands größtes Industriegebiet läuft und mithin ein Kampf 
um ihn von vorneherein die Vernichtung der technisch für die Nationalverteidigung 
wichtigsten Industrieorte und Fabriken bedeuten würde. Käme aber infolge eines 
deutsch-französischen Konflikts die Tschechoslowakei als weiterer Gegner für 
Deutschland in Frage, dann wäre ein zweites großes Industriegebiet, das der Krieg- 
führung industriell dienen könnte, der höchsten Kriegsgefahr ausgesetzt, Sach- 
sen. Auch hier läuft die Grenze natürlich ungeschützt bis herunter nach Bayern, 
so weit und offen, daß ein erfolgversprechender Widerstand kaum in Frage käme. 
Würde an einem solchen Kampfe auch Polen teilnehmen, dann wäre weiter die 
gesamte Ostgrenze, abgesehen von wenigen ungenügenden Festungswerken, eben- 
falls schutzlos dem Angriff geöffnet. 

Während also einerseits die deutschen Grenzen militärisch ungeschützt und 
offen in langen Linien von Gegnern umsäumt sind, ist besonders unsere Nordsee- 
küste klein und beengt. Die maritimen Machtmittel zu ihrem Schutz sind lächer- 
liche und an sich vollständig wertlose. Das Kriegssehiffmaterial, das wir heute 
unser eigen nennen, ist angefangen von unseren sogenannten Schlachtschiffen 
höchstens Scheibenmaterial für feindliche Schießübungen. Den paar neuerbau- 
ten, an sich modernen leichten Kreuzern kommt ein ausschlaggebender, ja auch 
nur irgendwie in Erscheinung tretender Wert nicht zu. Selbst für die Ostsee ist 
die uns zugestandene Flotte ungenügend. Alles in allem ist der einzige Wert un- 
serer Flotte höchstens der einer schwimmenden Schießschule 1 . 

Damit ist im Falle eines Konfliktes mit irgendeiner Seemacht nicht nur der 
deutsche Handel augenblicklich beendet, sondern auch die Gefahr von Landungen 
gegeben. 

Die ganze Ungunst unserer militärischen Lage ergibt sich dabei noch aus fol- 
gender Betrachtung : 

Die Reichshauptstadt Berlin ist von der polnischen Grenze knapp 175 km ent- 
fernt. Sie liegt von der nächsten tschechischen Grenze knapp 190 km, ebensoweit 
ist die Luftlinie nach Wismar und zum Stettiner Haff. Das heißt also, daß von 

1 Auf die damals hochaktuelle Frage der Panzerkreuzer geht Hitler hier nicht ein. In der 
kürzlieh erschienenen Studie Wolfgang Wackers, Der Bau des Panzerschiffes „A" und der 
Reichstag (Tübinger Studien zur Geschichte und Politik, Nr. 11 — Tübingen 1959: J. C. B. 
Mohr), spielt die Haltung der NSDAP eine geringe Polle (siehe S. 32, Anm. 82, aber auch S. 69). 
Die Reichstagsabgeordneten der NSDAP stimmten für den Panzerkreuzer, aber in seiner 
Rede gegen das kommunistische Volksbegehren gegen den Panzerkreuzerbau am 10. Oktober 
1928 sagte Hitler über diesen Schiffstyp: „Das sind Schiffchen, mit denen wir die Meere nicht 
bedrohen können . . . Keine Verstärkung unserer Wehrmacht, sondern nur ein Schulschiff" 
(Völkischer Beobachter, 12. Oktober 1928). Diese Bewertung der Panzerkreuzer mag den Wort- 
laut des Dokuments verständlich machen. 



147 



diesen Grenzen aus Berlin mit modernen Flugzeugen in noch nicht einmal 1 Stunde 
erreicht werden kann. Zieht man in 60 km Entfernung östlich des Rheines eine 
Linie, so liegt innerhalb ihr fast das gesamte westdeutsche Industriegebiet. Von 
Frankfurt bis Dortmund gibt es kaum einen größeren deutschen Industrieort, 
der nicht innerhalb dieser Zone liegt. Solange Frankreich einen Teil des linken 
Rheinufers besetzt hat 1 , ist es damit in der Lage, in kaum 30 Minuten durch 
Flugzeuge bis in das Herz unseres westdeutschen Industriegebietes vorzustoßen. 
Ebensoweit wie Berlin von der polnischen und tschechischen Grenze hegt Mün- 
chen von der tschechischen Grenze entfernt. Tschechische Militärflugzeuge wür- 
den ungefähr 60 Minuten brauchen, um München zu erreichen, 40 Minuten, um 
Nürnberg, 30 Minuten um Regensburg zu erreichen, ja selbst Augsburg liegt erst 
200 km von der tschechischen Grenze entfernt und könnte mithin mit heutigen 
Flugzeugen ebenfalls in knapp einer Stunde leicht erreicht werden. Fast ebensoweit, 
als aber Augsburg in der Luftlinie von der tschechischen Grenze entfernt ist, 
ist seine Entfernung von der französischen Grenze. Von Augsburg bis Straßburg 
ist die Luftlinie 230 km, bis zur nächsten französischen Grenze aber nur 210 km. 
Damit liegt auch Augsburg innerhalb einer Zone, die im Verlauf von einer Stunde 
von feindlichen Flugzeugen erreicht werden kann. Ja, wenn wir die deutsche 
Grenze von diesem Gesichtspunkt aus untersuchen, dann stellt sich heraus, daß 
innerhalb einer Stunde Flugzeit erreicht werden kann: Das gesamte Industrie- 
gebiet im Westen Deutschlands einschließlich Osnabrück, Bielefeld, Kassel, 
Würzburg, Stuttgart, Ulm, Augsburg. Im Osten: München, Augsburg, Würz- 
burg, Magdeburg, Berlin, Stettin. Mit anderen Worten, es gibt bei der heutigen 
Lage der deutschen Grenzen nur mehr ein ganz kleines, wenige Quadratkilometer 
umfassendes Gebiet, das nicht innerhalb der ersten Stunde bereits den Besuch 
feindlicher Flugzeuge erhalten könnte. 

Als gefährlichster Gegner kommt dabei Frankreich in Betracht, weil dieses 
dank seiner Bündnisse allein in der Lage ist, schon eine Stunde nach Ausbruch 
eines Konflikts fast ganz Deutschland mit Flugzeugen bedrohen zu können. 

Die militärischen Gegenwirkungen Deutschlands gegen die Anwendung dieser 
Waffe sind zur Zeit alles in allem genommen gleich Null. 

Schon diese einzige Betrachtung zeigt die trostlose Lage, in die ein deutscher 
Widerstand auf sich selbst allein gestellt, gegen Frankreich sofort geraten müßte. 
Wer selbst im Felde den Einwirkungen feindlicher Fliegerangriffe oft ausgesetzt 
gewesen ist, weiß am besten besonders die moralischen Wirkungen abzuschätzen, 
die davon ausgehen. 

Aber auch Hamburg und Bremen, überhaupt unsere gesamten Küstenstädte 
würden heute diesem Schicksale nicht mehr entgehen, seit die großen Marinen 
durch Flugzeugmutterschiffe die Möglichkeit besitzen, schwimmende Landungs- 
plätze in große Küstennähe bringen zu können. 

Allein nicht nur Flugzeugangriffen hat Deutschland heute keine technisch 

1 Also vor der Kheinlandräumung geschrieben. 



148 



wirksamen Waffen in genügendem Umfange entgegenzusetzen. Auch sonst ist 
die rein technische Ausrüstung unserer kleinen Reichswehr der unserer Gegner 
aussichtslos unterlegen. Der Mangel an schwerer Artillerie würde noch leichter 
verschmerzt werden können als der Mangel einer wirklich erfolgversprechenden 
Abwehrmöglichkeit gegen die Tankwaffen. Wenn Deutschland heute gegen 
Frankreich und seine Verbündeten in einen Krieg hineingestoßen würde, ohne 
daß es vorher in der Lage wäre, wenigstens die allernotwendigsten Vorbereitungen 
einer Abwehr treffen zu können, dann würde in wenigen Tagen auf Grund der 
rein technischen Überlegenheit unserer Gegner die Entscheidung gefallen sein. 
Im Kampfe selbst könnten die Maßnahmen nicht mehr vorbereitet werden, die 
zur Abwehr eines solchen feindlichen Angriffs erforderlich wären. 

Auch die Meinung, durch improvisatorische Mittel wenigstens eine gewisse 
Zeit lang Widerstand leisten zu können, ist falsch, denn zu diesen Improvisationen 
braucht man eben schon eine gewisse Zeit, die aber im Falle eines Konflikts nicht 
mehr gegeben erscheint. Denn die Ereignisse würden schneller rollen und Tat- 
sachen dabei schaffen, als daß uns noch die Zeit übrig bliebe, gegen diese Ereig- 
nisse Gegenmaßnahmen zu organisieren. 

Daher können wir auch die außenpolitischen Möglichkeiten von was auch 
immer für einer Seite betrachten, ein Fall scheidet für Deutschland grundsätzlich 
aus: Man wird niemals gestützt nur auf die eigenen militärischen Machtmittel 
gegen die zur Zeit in Europa mobilisierten Kräfte vorzugehen vermögen. Jede 
Kombination, die Deutschland, ohne ihm vorher die Möglichkeit einer gründlichen 
Vorbereitung zu geben, in Konflikt mit Frankreich, England, Polen, Tschecho- 
slowakei usw. bringt, fällt damit weg. 

Diese grundsätzliche Erkenntnis ist deshalb wichtig, weil es bei uns in Deutseh- 
land auch heute noch gutgesinnte nationale Männer gibt, die in allem Ernste glau- 
ben, für ein Zusammengehen mit Rußland eingehen zu müssen. 

Schon rein militärisch betrachtet, ist ein solcher Gedanke undurchführbar 
oder für Deutschland verhängnisvoll. 

So wie vor dem Jahre 1914 können wir auch heute als unbedingt feststehend 
immer annehmen, daß bei jedem Konflikt, in den Deutsehland verwickelt wird, 
ganz gleich aus welchen Gründen heraus und ganz gleich aus welchen Veranlas- 
sungen, Frankreich immer unser Gegner sein wird. Mögen in der Zukunft was 
immer für europäische Kombinationen auftreten, so wird Frankreich stets an 
der Deutschland feindlichen mitwirken. Es hegt dies im traditionell verankerten 
Sinn der französischen Außenpolitik. Es ist falsch zu glauben, daß der Kriegs- 
ausgang daran etwas geändert hat. Im Gegenteil. Der Weltkrieg hat für Frank- 
reich nicht die restlose Erfüllung des ihm vorsehwebenden Kriegszieles erbracht 1 . 
Denn dieses Ziel war keineswegs nur die Wiedergewinnung von Elsaß-Lothrin- 
gen, sondern im Gegenteil, Elsaß-Lothringen selbst stellt nur einen kleinen 

1 Siehe hierzu Hitlers Brief an Reichenau vom 4. Dezember 1932 in Vierteljahrshefte für 
Zeitgeschichte, VII (1959), S. 434. 



149 



Schritt in der Richtung nach dem französischen außenpolitischen Ziel dar. Daß 
der Besitz von Elsaß -Lothringen keineswegs die aggressiven gegen Deutschland 
gerichteten Tendenzen der französischen Politik aufhebt, beweist am schlagend- 
sten die Tatsache, daß ja auch in der Zeit, in der Frankreich Elsaß -Lothringen 
schon besaß, nichtsdestoweniger die gegen Deutschland gerichtete Tendenz der 
französischen außenpolitischen Einstellung vorhanden war. Das Jahr 1870 hat 
klarer gezeigt, was Frankreich im letzten Grunde beabsichtigt, als das Jahr 1914. 
Damals fühlte man keine Veranlassung, den offensiven Charakter der französi- 
schen Außenpolitik zu verschleiern. Im Jahre 1914 aber hielt man es, vielleicht 
gewitzigt durch die Erfahrungen, vielleicht auch beeinflußt durch England, für 
richtiger, allgemeine Menschheitsideale auf der einen Seite aufzustellen und auf 
der anderen sein Ziel auf Elsaß -Lothringen zu beschränken. Diese taktischen 
Bücksichten bedeuten damit aber nicht im geringsten eine innere Abkehr von 
den einstigen Zielen der französischen Außenpolitik, sondern nur eine Verschleie- 
rung derselben. Nach wie vor ist der leitende Gedanke der französischen Außen- 
politik der der Eroberung der Rheingrenze, wobei man als besten Schutz dieser 
Grenze die Zerfetzung Deutschlands in möglichst lose zueinander stehende Einzel- 
staaten ansieht. Daß diese dadurch erreichte europäische Sicherung Frankreichs 
der Erfüllung größerer weltpolitischer Ziele dienen soll, endet 1 nichts daran, daß 
für Deutschland diese französischen kontinentalpolitischen Absichten eine Frage 
über Leben und Tod sind. 

Tatsächlich hat ja auch Frankreich nie an einer Koalition teilgenommen, bei 
der irgendwie deutsche Interessen mit gefördert worden wären. In den letzten 
300 Jahren ist Deutschland insgesamt bis zum Jahre 1870 29mal von Frankreich 
überfallen worden. Eine Tatsache, die Bismarck bewog, am Abend der Schlacht 
von Sedan dem französischen General Wimpffen auf das schärfste entgegen- 
zutreten, als dieser versuchte, Milderungen der Kapitulationsbedingungen zu er- 
reichen. Es war damals Bismarck, der auf die Äußerung, Frankreich würde ein 
Entgegenkommen Deutschlands nicht vergessen, sondern in aller Zukunft eine 
dankbare Erinnerung bewahren, sofort auffuhr und dem französischen Unter- 
händler die harten, nackten Tatsachen der Geschichte entgegenhielt, indem er 
dem Sinne nach betonte, daß Frankreich Deutschland in den letzten 300 Jahren 
so oft angegriffen habe, ganz gleich von welchen Regierungssystemen es beherrscht 
gewesen sei, daß er auch für alle Zukunft die Überzeugung habe, daß ganz gleich, 
wie die Kapitulation formuliert würde, Frankreich Deutschland sofort erneut 
anfallen werde, sowie es sich seiner durch eigene Kraft oder durch die Kraft von 
Bündnissen dazu stark genug fühle. 

Bismarck hat die französische Mentalität damit richtiger eingeschätzt als unsere 
heutigen politischen Leiter Deutschlands. Er konnte dies auch tun, weil er, der selbst 
ein politisches Ziel im Auge hatte, auch inneres Verständnis für die politische Zielset- 
zung anderer besitzen konnte. Für Bismarck stand die Absicht der französischen 

1 Lies: ändert 



150 



Außenpolitik klar fest. Unseren heutigen sogenannten Staatsmännern aber ist sie 
unverständlich, weil ihnen auch selbst jeder klare politische Gedanke fehlt. 

Hätte übrigens Frankreich anläßlich seines Eintritts in den Weltkrieg nur die 
Absicht einer Wiedererringung Elsaß-Lothringens als bestimmendes Ziel gehabt, 
dann würde die Energie der französischen Kriegführung nicht annähernd so 
gewesen sein, wie sie war. Besonders die politische Leitung aber hätte sich dann 
nicht zu einer Entschlußkraft durchgerungen, die während mancher Situationen 
während des Weltkrieges der höchsten Bewunderung würdig erscheint. Es lag 
aber im Wesen dieses größten Koalitionskrieges aller Zeiten, daß eine restlose 
Erfüllung aller Wünsche um so weniger möglich war, als die inneren Interessen 
der an ihm teilnehmenden Nationen selbst sehr große Gegensätze aufzuweisen 
hatten. [Den französ. Wunsch] Der französischen Absicht einer vollständigen 
Auslöschung Deutschlands in Europa stand immer noch der englische Wunsch 
entgegen, eine französische unbedingte Hegemoniestellung genauso zu verhin- 
dern wie eine solche Deutschlands. 

Wichtig für die Beschneidung der französischen Kriegsabsichten war dabei, 
daß der deutsche Zusammenbruch unter Formen erfolgte, die die ganze Größe 
der Katastrophe der Öffentlichkeit zunächst noch nicht zum vollen Bewußtsein 
kommen ließen. Man hatte in Frankreich den deutschen Grenadier in einer Weise 
kennengelernt, daß man nur mit Bedenken einer Möglichkeit entgegenzublicken 
vermochte, die vielleicht Frankreich gezwungen haben würde, allein für die 
Erfüllung seines letzten politischen Zieles einzutreten. Als man später aber unter 
dem Eindruck der nun allgemein sichtbar gewordenen inneren Niederlage Deutsch- 
lands zu solchem Handeln entschlossen gewesen wäre, da hatte sich die Kriegs- 
psychose der anderen Welt doch schon so weit gelegt, daß ohne Widerspruch von 
Seiten der bisherigen Verbündeten eine alleinige Aktion Frankreichs von so großen 
Schlußabsichten nicht mehr durchgeführt hätte werden können. 

Damit ist aber nun nicht gesagt, daß Frankreich auf sein Ziel verzichtet. Im 
Gegenteil, es wird beharrlich wie bisher versuchen, in der Zukunft zu erreichen, 
was die Gegenwart verhinderte. Frankreich wird auch in aller Zukunft, sobald 
es sich aus eigener Kraft oder durch die Kraft von Bündnissen dazu fähig fühlt, 
Deutschland aufzulösen trachten, sowie das Rheinufer zu besetzen suchen, um 
auf diese Weise die französische Kraft an anderen Stellen im Brücken unbedroht 
einsetzen zu können. Daß dabei Frankreich nicht im geringsten in seinen Absich- 
ten irritiert wird durch Änderungen der deutschen Regierungsformen, ist um so 
verständlicher, als das französische Volk selbst ja auch ohne Rücksicht auf seine 
jeweiligen Verfassungen gleichmäßig seinen außenpolitischen Ideen anhängt. Ein 
Volk, das selbst ganz ohne Rücksicht darauf, ob es Republik oder Monarchie, 
bürgerliche Demokratie oder Jakobinischen Terror zum Regenten hat, immer ein 
bestimmtes außenpolitisches Ziel verfolgt, wird kein Verständnis dafür besitzen, 
daß ein anderes Volk vielleicht durch den Wechsel seiner Regierungsformen 
auch einen Wechsel seiner außenpolitischen Ziele vornehmen könnte. Daher wird 



151 



sich an der Einstellung Frankreichs zu Deutschland auch nichts ändern, ganz 
gleich ob in Deutschland ein Kaiserreich oder eine Republik die Nation vertritt, 
oder ob selbst sozialistischer Terror den Staat beherrschen würde. 

Selbstverständlich steht Frankreich den inneren deutschen Vorgängen nicht 
gleichgültig gegenüber, allein seine Einstellung wird dabei nur bestimmt von der 
Wahrscheinlichkeit eines größeren Erfolges, also einer Erleichterung seines au- 
ßenpolitischen Handelns durch eine bestimmte deutsche Regierungsform. Frank- 
reich wird Deutschland die Verfassung wünschen, die für Frankreich den wenig- 
sten Widerstand bei der Vernichtung Deutschlands erwarten läßt. Wenn daher 
die deutsche Republik als besonderes Zeichen ihres Wertes die französische 
Freundschaft anzuführen vorsucht, dann ist dies in Wirklichkeit das vernichtend- 
ste Armutszeugnis für sie. Denn nur weil sie dann von Frankreich als arm an 
Werten für Deutschland angesehen wird, wird sie in Paris begrüßt. Keineswegs 
aber ist damit gesagt, daß Frankreich dieser deutschen Republik anders gegen- 
übertreten wird als analogen Schwächezuständen unseres staatlichen Daseins 
in vergangenen Zeiten. Man liebte an der Seine immer mehr die deutsche Schwäche 
als die deutsche Stärke, weil sie einen leichteren Erfolg der außenpolitischen 
Tätigkeit Frankreichs zu gewährleisten schien. 

Diese französische Tendenz wird auch keineswegs abgeändert werden durch 
die Tatsache, daß das französische Volk einen Raummangel nicht besitzt. Denn 
in Frankreich ist seit Jahrhunderten die Politik am wenigsten durch rein wirt- 
schaftliche Nöte bestimmt worden, als vielmehr durch Momente des Gefühls. 
Frankreich ist ein klassisches Beispiel dafür, daß der Sinn einer gesunden Boden- 
eroberungspolitik auch leicht ins Gegenteil ausschlagen kann, sowie völkische 
Grundsätze dabei nicht mehr bestimmend sind und an ihre Stelle dafür sogenannte 
staatlich-nationale treten. Der französisch-nationale Chauvinismus hat sich von 
völkischen Gesichtspunkten so weit entfernt, daß man um der Befriedigung eines 
reinen Machtkitzels willen das eigene Blut vernegern läßt, nur um zahlenmäßig 
den Charakter einer „Grandnation" aufrecht zu erhalten. Frankreich wird daher 
auch so lange ein ewiger Weltstörenfried sein, solange nicht eines Tages eine ent- 
scheidende und gründliche Belehrung dieses Volkes vorgenommen wird. Im übri- 
gen hat niemand besser den Charakter der französischen Eitelkeit charakteri- 
siert als Schopenhauer mit seinem Ausspruch : „Afrika hat seine Affen und Europa 
seine Franzosen." 

Aus dieser Mischung von Eitelkeit und Größenwahn hat die französische 
Außenpolitik stets ihren inneren Antrieb erhalten. Wer will in Deutsehland hoffen 
und erwarten, daß, je mehr Frankreich infolge seiner allgemeinen Verniggerung dem 
vernünftigen klaren Denken entfremdet wird, es dennoch eines Tages einen Wandel 
seiner Gesinnung und seiner Absichten gegen Deutschland vornehmen werde? 

Nein, ganz gleich, wie die nächste Entwicklung in Europa verlaufen wird, 
immer wird Frankreich dabei versuchen unter Ausnützung der jeweiligen deut- 
schen Schwäche und aller ihm zur Verfügung stehenden diplomatischen und 



152 



militärischen Möglichkeiten uns Schaden zuzufügen und unser Volk zu entzweien, 
um es endlich wieder zu einer vollkommenen Auflösung bringen zu können. 

Damit verbietet sich für Deutschland aber von selbst jede europäische Koali- 
tion, die nicht eine Bindung Frankreichs bedeutet. 

An sich ist der Glaube an eine deutsch-russische Verständigung phantastisch, 
solange in Rußland ein Regiment herrscht, das von dem einzigen Bestreben er- 
füllt ist, die bolschewistische Vergiftung auf Deutschland zu übertragen 1 . Wenn 
daher kommunistische Elemente für ein deutsch-russisches Bündnis agitieren, 
dann ist dies natürlich. Mit Recht hoffen sie dabei, Deutschland selbst dem Bolsche- 
wismus zuführen zu können. Unverständlich ist es aber, wenn nationale Deutsche 
glauben, zu einer Verständigung mit einem Staat gelangen zu können, dessen 
höchstes Interesse die Vernichtung gerade dieses nationalen Deutschland mit 
ist. Es ist selbstverständlich, daß, wenn heute ein solches Bündnis endgültig zu- 
standekäme, sein Ergebnis die restlose Herrschaft des Judentums in Deutsch- 
land genauso sein würde wie in Rußland. Die Meinung, mit diesem Rußland einen 
Kampf gegen die kapitalistische, westeuropäische Welt aufführen zu können, 
ist ebenfalls unverständlich. Denn erstens ist das heutige Rußland alles andere 
eher als ein antikapitalistischer Staat. Es ist allerdings ein Land, das seine eigene 
nationale Wirtschaft vernichtet hat, aber doch nur, um dem internationalen 
Finanzkapital die Möglichkeit einer absoluten Beherrschung zu gewähren 2 . Würde 
dies nicht so sein, wie käme denn dann aber zweitens geradezu 3 kapitalisti- 
sche Welt in Deutschland dazu, für ein solches Bündnis Stellung zu nehmen? 
Es sind doch die jüdischen Presseorgane der ausgesprochensten Börseninteressen, 
die in Deutschland für ein deutsch-russisches Bündnis eintreten. Glaubt man wirk- 
lich, daß das Berliner Tagblatt oder die Frankfurter Zeitung und daß alle ihre 
illustrierten Blätter in mehr oder minder offener Form für das bolschewistische 
Rußland sprechen, weil dieses ein antikapitalistischer Staat sei? Es ist immer ein 
Fluch, wenn in politischen Dingen der Wunsch zum Vater des Gedankens wird. 

Allerdings wäre es denkbar, daß in Rußland selbst ein innerer Wandel inner- 
halb der bolschewistischen Welt insoferne eintritt, als das jüdische Element 
vielleicht durch ein mehr oder minder russisches nationales verdrängt werden 
könnte. Dann wäre es auch nicht ausgeschlossen, daß das heutige in Wirklich- 
keit jüdisch-kapitalistische Bolschewikenrußland zu [einem] national-antikapitali- 
stischen Tendenzen getrieben würde. In diesem Falle, der vielleicht sich in man- 
chem anzuzeigen scheint, wäre es dann allerdings denkbar, daß der westeuropäi- 
sche Kapitalismus ernstlich gegen Rußland Stellung nimmt. Allein auch dann 
wäre ein Bündnis Deutschlands mit diesem Rußland ein voller Wahnsinn. Denn 
die Meinung, einen solchen Bund irgendwie geheimhalten zu können, ist ebenso 

1 Siehe hierzu die Ausführungen in Mein Kampf, II, S. 748ff. 

2 Dies ist ein typisches Beispiel für die Gewaltsamkeit und Besessenheit Hitlersoher Ge- 
schichtsdeutung. 

8 Es soll offenbar heißen: „gerade die" 



153 



unbegründet als die Hoffnung, durch militärische Vorbereitungen in der Stille 
sich für die Auseinandersetzung zu rüsten. 

Es gäbe dabei wirklich nur zwei Möglichkeiten: Entweder dieser Bund würde 
von der dann gegen Rußland auftretenden westeuropäischen Welt als eine Gefahr 
angesehen oder nicht. Wenn ja, dann weiß ich nicht, wer wohl im Ernste glaubt, 
daß uns die Zeit bliebe zu Rüstungen, die wenigstens für die ersten 24 Stunden 
einen Zusammenbruch zu verhindern geeignet wären. Oder glaubt man wirklieh 
im Ernst, daß dann Frankreich abwarten würde, bis wir unsere Luftabwehr und 
Tankabwehr ausgebaut hätten? Oder glaubt man, daß dies geheim geschehen 
könnte in einem Land, in dem der Verrat nicht mehr als schamlose, sondern als 
bewunderungswürdige mutige Tat gilt? Nein, wenn Deutschland wirklich heute 
mit Rußland einen Bund gegen Westeuropa schließen wollte, dann würde morgen 
Deutschland wieder zum historischen Schlachtfeld geworden sein. Und dann ge- 
hört eine ganz seltene Phantasie dazu, sich einzubilden, daß Rußland Deutsch- 
land irgendwie, ich weiß nicht auf welchem Wege, zu Hilfe kommen könnte. 
Der einzige Erfolg eines solchen Handelns wäre, daß Rußland der Katastrophe 
vielleicht noch auf eine gewisse Zeit dadurch auskäme (entkäme?), indem sie 
zunächst über Deutschland hereinbräche. Einen populäreren Anlaß für einen sol- 
chen Kampf gegen Deutschland könnte es aber besonders in den westlichen Staa- 
ten aber gar nicht geben. Man stelle sich vor, Deutschland verbündet mit einem 
wirklich antikapitalistischen Rußland, und man male sich dann aus, wie diese 
demokratische Weltjudenpresse gegen Deutschland alle Instinkte der anderen 
Nationen mobilisieren würde. Wie besonders in Frankreich sofort die volle Har- 
monie hergestellt wäre, zwischen dem französischen nationalen Chauvinismus 
und der jüdisch-börsianischen Presse. Denn man verwechsle einen solchen Vor- 
gang nicht mit den Kämpfen weißrussischer Generale gegen den Bolschewismus 
von damals. Im Jahre 19 und 20 kämpfte das nationale Weißrußland gegen die 
jüdisch-börsianische, in Wahrheit im höchsten Sinn international-kapitalistische 
rote Revolution. Heute aber würde der national gewordene antikapitalistische 
Bolschewismus im Kampfe gegen das Weltjudentum stehen. Wer die Bedeutung 
der Propaganda der Presse, ihrer grenzenlosen Möglichkeiten der Völkerverhet- 
zung und Menschenverdummung kennt, der kann sich vorstellen, zu welchen 
Orgien von Haß und Leidenschaft die europäischen westlichen Nationen gegen 
Deutschland aufgepeitscht würden. Denn dann wäre Deutschland nicht mehr 
verbündet mit dem Rußland einer großen, bemerkenswerten, ethischen, kühnen 
Idee, sondern mit den Schändern der Kultur der Menschheit. 

Es könnte vor allem für die französische Regierung keine bessere Möglich- 
keit geben, ihrer eigenen inneren Schwierigkeiten Herr zu werden, als einen in 
solchem Falle vollkommen gefahrlosen Kampf gegen Deutschland aufzunehmen. 
Der französische nationale Chauvinismus könnte um so zufriedener sein, als man 
dann unter dem Schutz einer neuen Weltkoalition der Erfüllung des endgültigen 
Kriegszieles wesentlich näher rücken könnte. Denn ganz gleich welcher Art das 



154 



Bündnis Deutschland zu Rußland wäre, militärisch würde die furchtbarsten 
Schläge Deutschland allein auszuhalten haben. Ganz abgesehen davon, daß Ruß- 
land nicht direkt an Deutschland grenzt und mithin selbst erst den polnischen 
Staat überrennen müßte, würde selbst im Falle einer Niederzwingung Polens 
durch Rußland, was an sich schon unwahrscheinlich ist, eine solche russische 
Hilfe wesentlich im günstigsten Falle auf deutschem Gebiet eintreffen können, 
wenn es kein Deutschland mehr gibt. Der Gedanke aber einer Landung russischer 
Divisionen irgendwo in Deutschland scheidet so lange vollständig aus, solange 
England und Frankreich maritim auch die Ostsee restlos beherrschen. Im übrigen 
würde die Landung russischer Truppen in Deutschland schon an zahlreichen 
technischen Mängeln scheitern. 

Würde also ein deutsch-russisches Bündnis eines Tages die Probe vor der Wirk- 
lichkeit zu bestehen haben, und Bündnisse ohne Gedanken an einen Krieg gibt 
es nicht, dann würde Deutschland den konzentrischen Angriffen ganz West- 
europas ausgesetzt sein, ohne einen eigenen Widerstand ernstlicherer Art leisten 
zu können. 

Es bleibt aber nun die Frage, welchen Sinn überhaupt ein deutsch-russisches 
Bündnis haben soll. Nur den einen, Rußland vor der Vernichtung zu bewahren 
und dafür Deutschland zum Opfer zu bringen? Denn ganz gleich wie das Ende 
dieses Bündnisses sein würde, Deutschland könnte nicht zu einer endgültigen 
außenpolitischen Zielsetzung kommen. An der grundsätzlichen Lebensfrage, ja 
an der Lebensnot unseres Volkes würde damit nichts geändert werden. Im Gegen- 
teil, Deutschland würde damit erst recht von einer einzig vernünftigen Boden- 
politik abgetrennt werden, um seine Zukunft mit dem Raufen um unbedeutende 
Grenzregulierungen auszufüllen. Denn weder im Westen noch im Süden Europas 
kann die Raumfrage unseres Volkes gelöst werden. 

Die Hoffnung auf ein deutsoh-russisches Bündnis, die in den Köpfen auch 
vieler nationaler deutscher Politiker herumgeistert, ist aber auch noch aus einem 
anderen Grunde mehr als zweifelhaft. 

Es erscheint im allgemeinen in nationalen Kreisen als selbstverständlich, daß 
man sich nicht gut mit einem jüdisch- bolschewistischen Rußland verbünden 
kann, da das Ergebnis aller Wahrscheinlichkeit nach eine Bolschewisierung 
Deutschlands selbst sein würde. Daß man dies nicht will, liegt auf der Hand. 
Allein man gründet seine Hoffnung darauf, daß in Rußland eines Tages der 
jüdische und damit im tiefsten Grund international kapitalistische Charakter 
des Bolschewismus verschwinden würde, um einem nationalen weltantikapitali- 
stischen Kommunismus Platz zu machen. Dieses dann wieder von nationalen 
Tendenzen erfüllte Rußland käme dann sehr wohl in Frage, mit Deutschland in 
ein Bundesverhältnis zu treten. 

Es ist dies ein sehr großer Irrtum. Er beruht auf der außerordentlichen Unkenntnis 
der Psyche der slawischen Volksseele. Es darf einen dies nicht wundernehmen, wenn 
man bedenkt, wie wenig Kenntnis selbst das politisierende Deutschland von den 



155 



seelischen Zuständen seiner einstigen Verbündeten hatte. Man wäre sonst nie so tief 
gestürzt. Wenn diese rußlandfreundlichen nationalen Politiker dabei heute versu- 
chen, ihre Politik durch Hinweise auf analoge Einstellungen Bismarcks zu motivie- 
ren, dann lassen sie eine ganze Anzahl wichtiger Momente, die damals für eine ruß- 
landfreundliche Politik sprachen, heute dagegen sind, außer Betracht. 

Das Rußland, das Bismarck kannte, war, zumindest soweit die politische Lei- 
tung desselben in Frage kam, kein typisch slawischer Staat. Dem Slawentum selbst 
fehlen im allgemeinen staatenbildonde Kräfte. Besonders in Rußland wurden die 
Staatsbildungen immer von fremden Elementen besorgt. Seit der Zeit Peters 
des Großen waren es vor allem sehr viele Deutsehe (Balten!) 1 , die das Gerippe 
und das Gehirn des russischen Staates bildeten. Im Laufe der Jahrhunderte sind 
ungezählte Tausende dieser Deutschen russifiziert worden, allein nur im selben 
Sinn, in dem unser Bürgertum, unser nationales, Polen und Tschechen deutschi- 
sieren oder germanisieren möchte. Sowie in diesem Falle der neugebackene „Deut- 
sche" in Wahrheit nur ein deutschsprechender Pole oder Tscheche ist, so sind 
diese künstlichen Russen ihrem Blut und damit ihren Fähigkeiten nach Deutsche 
geblieben oder besser Germanen. Dieser germanischen Oberschichte verdankte 
Rußland seinen staatlichen Bestand, sowie [das] den wenigen vorhandenen 
kulturellen Wert. Ohne diese in Wirklichkeit deutsche Ober- und Intelligenz- 
schichte wäre weder ein Großrußland entstanden, noch hätte sich dieses zu erhal- 
ten vermocht. Solange nun Rußland ein Staat mit autokratischen Regierungs- 
formen gewesen war, hat diese in Wahrheit gar nicht russische Oberschichte auch 
das politische Leben des Riesenreiches bestimmend beeinflußt. Und dieses Ruß- 
land hat wenigstens zum Teil auch noch Bismarck gekannt. Mit diesem Rußland 
hat der Meister der deutschen Staatskunst politische Geschäfte gemacht. Allein 
schon zu seinen Lebzeiten war die Zuverlässigkeit [besonders mit der man von 
Rußland aus] und Stabilität der russischen Politik nach innen und außen 
bedenklieh ins Schwanken geraten und zum Teil unberechenbar geworden. 
Es lag dies an dem langsamen Zurückdrängen der germanischen Oberschichte. 
Dieser Prozeß der Umwandlung der russischen Intelligenz war bedingt teils durch 
ein Ausbluten des russischen Volkskörpers infolge zahlreicher Kriege, die wie 
in diesem Buche schon erwähnt, in erster Linie die rassisch wertvolleren Kräfte 
dezimieren. Tatsächlich war ja besonders das Offizierskorps seiner Abstammung 
nach am meisten nicht slawischen, auf alle Fälle aber nicht russischen Blutes. Dazu 
kam noch die geringere Vermehrung der oberen Intelligenzschichten an sich und 
endlich das durch Schulen künstlich erfolgte Hinaufdressieren eines wirklich 
blutsmäßigen Russentums. Der geringe staatserhaltende Wert der neuen russischen 
Intelligenz an sich war blutsmäßig begründet und zeigte sich vielleicht am schärf- 
sten im Nihilismus des russischen Hochschulwesens. Im tiefsten Grunde aber 
war dieser Nihilismus doch nichts anderes als die blutsmäßige Opposition des 
wirklichen Russentums gegen die rassisch fremde Oberschichte. 

1 Der eingeklammerte Zusatz so im Original. 



156 



In eben dem Maß, in dem die germanische staatenbildende Oberscbiehte Ruß- 
lands abgelöst wurde von einer rassisch reinrussischen bürgerlichen Schichte, trat 
dem russischen Staatsgedanken die panslawistische Idee gegenüber. Sie war von 
der ersten Stunde ihrer Geburt an völkisch- [russisch] slawisch und antideutsch. 

Die antideutsche Gesinnung des neuwerdenden Russentums besonders in den 
sogenannten Intelligenzschichten war aber nicht nur eine reine Reflexbewegung 
gegen die bisherige autokratische fremde Oberschichte in Rußland, etwa aus po- 
litisch freiheitlichen Gedankengängen heraus, sondern im innersten Sinn der Pro- 
test des slawischen Wesens gegen das deutsche. Es sind zwei Volksseelen, die nur 
sehr wenig Gemeinsames haben, wobei sogar noch erst festgestellt werden müßte, 
ob nicht dieses wenige Gemeinsame seine Ursache in den durcheinandergespreng- 
ten rassischen Einzelelementen besitzt, aus denen sowohl das russische als das 
deutsche Volk zusammengesetzt erscheint. Daß also das, was uns Deutschen und 
den Russen gemeinsam ist, ebensowenig dem deutschen wie dem russischen Cha- 
rakter entspricht, sondern nur unserer Blutsvermischung zuzuschreiben ist, die 
nach Deutschland ebensowohl ostische, slawische Elemente, als nach Rußland 
nordisch-deutsche gebracht hat. 

Würde man aber zur Prüfung der beiden Seelenveranlagungen einen rein nor- 
dischen Deutschen, sagen wir aus Westfalen, nehmen und ihm einen rein slawischen 
Russen gegenüberstellen, dann würde zwischen diesen beiden Repräsentanten 
zweier Völker eine unendliche Kluft sich auftun. Tatsächlich hat das slawisch- 
russischo Volk dies auch immer empfunden und daher stets eine instinktive Ab- 
neigung gegen den Deutschen gehabt. Die harte Gründlichkeit sowie die 
kalte Logik, das nüchterne Denken sind dem wirklichen Russen innerlich 
unsympathisch und zum Teil auch unverständlich. Unser Ordnungssinn wird 
nicht nur keine Gegenliebe finden, sondern stets Widerwillen auslösen. Was bei 
uns als Selbstverständlichkeit empfunden wird, ist damit aber für den Russen 
eine Qual, da es eine Beschränkung seines natürlichen, andersgearteten Seelen- 
und Trieblebens darstellt. Daher wird sich das slawische Rußland auch immer mehr 
zu Frankreich hingezogen fühlen. Und zwar in steigendem Maße, indem auch in 
Frankreich das fränkisch-nordische Element zurückgedrängt wird. Das leichte 
oberflächliche, mehr oder weniger weibische französische Leben vermag den Sla- 
wen mehr zu fesseln, weil es ihm innerlich verwandter ist als die Härte unseres 
deutschen Existenzkampfes. Es ist deshalb auch kein Zufall, wenn politisch das 
panslawistische Rußland für Frankreich schwärmte, genauso wie die russische 
Intelligenz slawischen Blutes in Paris das Mekka seines eigenen Zivilisations- 
bedürfnisses fand. 

Der Prozeß des Aufsteigens eines russisch-nationalen Bürgertums [bedeutete] 
bedingte zugleich eine innere Entfremdung dieses neuen Rußlands gegenüber 
Deutschland, das nunmehr auf keine rassisch- verwandte russische Oberschichte 
fürderhin bauen konnte. 

Tatsächlich war die antideutsche Einstellung der Vertreter des völkisch- 



157 



panslawistischen Gedankens schon um die Jahrhundertwende so stark, und ihr 
Einfluß auf die russische Politik so gewachsen, daß selbst die mehr als anständige 
Haltung Deutschlands gegenüber Bußland anläßlich des russisch-japanischen 
Krieges der weiteren Entfremdung der beiden Staaten keinen Einhalt mehr ge- 
bieten konnte. Es kam der Weltkrieg, der nicht wenig durch die panslawistische 
Hetze mit angefacht worden war. Das wirkliche staatliche Rußland, soweit es 
durch die bisherige Oberschiehte repräsentiert worden war, kam dabei kaum mehr 
zu Wort. 

Der Weltkrieg selbst hat dann [die letzte] eine weitere Ausblutung Rußlands 
von nordisch-deutschen Elementen herbeigeführt, und der letzte Rest wurde end- 
lich von der Revolution und dem Bolschewismus ausgerottet. Nicht als ob der 
slawische Rasseninstinkt allein bewußt den Kampf der Ausrottung gegen die bis- 
herige nichtrussische Oberschichte durchgeführt hätte. Nein, er hat unterdes 
seinen neuen Führer erhalten, im Judentum. Das nach der Oberschichte und 
damit Oberleitung drängende Judentum hat mit Hilfe slawischer Rasseninstinkte 
die bisherige fremde Oberschichte ausgerottet. Denn wenn mit der bolschewisti- 
schen Revolution das Judentum die Führung auf allen Gebieten des russischen 
Lebens übernommen hat, so ist dies ein selbstverständlicher Vorgang, denn von 
sich aus und aus sich selbst fehlt dem Slawentum überhaupt jede organisatori- 
sche Fähigkeit und damit auch jede staatenbildende und staatenerhaltende Kraft. 
Man ziehe aus dem Slawentum alle nicht rein slawischen Elemente heraus und 
es wird sofort auch als Staat der Auflösung verfallen. Allerdings mag grundsätz- 
lich jede Staatenbildung zunächst ihre innerste Veranlassung im Zusammen- 
treffen von Völkern höherer und niederer Ordnung haben, wobei die Träger des 
höheren Blutswertes — aus Selbsterhaltungsgründen — einen bestimmten Gemein- 
schaftsgeist entwickeln, der ihnen erst die Möglichkeit einer Organisation und 
Beherrschung der Minderwertigen gestattet. Nur die Überwindung geraeinsamer 
Aufgaben zwingt zu organisatorischen Formen. Allein der Unterschied zwischen 
staatenbildenden und nichtstaatenbildenden Elementen liegt eben darin, daß den 
einen die Gestaltung einer Organisation zur Erhaltung ihrer Art gegenüber ande- 
ren Wesen möglich wird, während die nichtstaatenbildungsfähigen unfähig sind, 
von sich aus jene organisatorischen Formen zu finden, die ihren Bestand ande- 
ren gegenüber gewährleisten würden. 

So hat das heutige Rußland oder besser das heutige Slawentum russischer 
Nationalität als Herrin [sie] den Juden bekommen, der zunächst die bisherige Ober- 
schichte beseitigt hat und nunmehr seine eigene staatenbildende Kraft beweisen 
müßte. Bei der gesamten am Ende doch nur destruktiven Veranlagung des Juden- 
tums wird dieses aber auch hier nur als das geschichtliche „Ferment der Decom- 
position" wirken. Es hat Geister zu Hilfe gerufen, die es selbst nicht mehr los- 
werden wird, und der Kampf des innerlich antistaatlichen panslawistischen Ge- 
dankens gegen die bolschewistische jüdische Staatsidee wird mit der Vernichtung 
des Judentums enden. Was aber dann übrigbleibt, wird ein Rußland sein, von 



158 



ebenso geringer staatlicher Macht wie tief eingewurzelter antideutscher Einstel- 
lung. Indem dieser Staat keine irgendwie mehr verankerte staatserhaltende Ober- 
schichte besitzen wird, wird er zu einer Quelle ewiger Unruhe und ewiger Unsicher- 
heit werden. Ein gigantisches Landgebiet wird damit dem wechselvollsten Schick- 
sal ausgeliefert sein und statt einer Stabilisierung der Staatsverhältnisse auf der 
Erde wird eine Periode unruhevoller Veränderungen beginnen. 

Die erste Phase dieser Entwicklungen wird dabei sein, daß die verschiedensten 
Nationen der Welt versuchen werden, mit diesem gewaltigen Staatenkomplex 
Beziehungen anzuknüpfen, um auf solchem Wege eine Stärkung der eigenen Posi- 
tionen und Absichten herbeizuführen. Es wird ein solcher Versuch aber immer 
gebunden sein an das Bestreben, auch einen eigenen geistigen und organisatori- 
schen Einfluß dabei auf Rußland auszuüben. 

Deutschland darf nicht hoffen, bei dieser Entwicklung irgendwie in Frage zu 
kommen. Die ganze Mentalität des heutigen und des kommenden Rußlands steht 
dem entgegen. Weder vom Standpunkt nüchterner Zweckmäßigkeit aus ge- 
sehen, noch von dem einer menschlichen Zusammengehörigkeit aus hat für die 
Zukunft ein Bündnis Deutschlands mit Rußland für Deutschland einen Sinn. 
Im Gegenteil, es ist ein Glück für die Zukunft, daß diese Entwicklung so statt- 
gefunden hat, weil dadurch ein Bann gebrochen ist, der uns verhindert hätte, das 
Ziel der deutschen Außenpolitik dort zu suchen, wo es einzig und allein liegen 
kann : Raum im Osten. 



159 



xn 



GRUNDSÄTZE DER DEUTSCHEN AUSSENPOLITIK 

Bei der Gestaltung der kommenden deutschen Außenpolitik steht angesichts 
der aussichtslosen militärischen Lage Deutschlands folgendes zu bedenken : 

1. ) Deutschland kann nicht von sich aus einen Wandel in seiner heutigen Lage 
herbeiführen, soweit dies durch militärische Machtmittel erfolgen müßte. 

2. ) Deutschland kann nicht hoffen, daß durch Maßnahmen des Völkerbundes 
eine Änderung seiner Lage eintreten wird, solange die bestimmenden Vertreter 
dieser Institution zugleich die Interessenten an Deutschlands Vernichtung sind. 

3. ) Deutschland kann nicht hoffen, durch eine Mächtekombination seine der- 
zeitige Lage zu ändern, die es in Konflikt mit dem Deutschland umspannenden 
französischen Bündnissystem bringt, ohne daß Deutschland vorher die Möglich- 
keit erhält, seine rein militärische Ohnmacht zu beheben, um im Falle [einer 
Anwendung] des Eintritts der Bundesverpfiichtungen sofort mit Aussicht auf 
Erfolg militärisch auftreten zu können. 

4. ) Deutschland kann nicht hoffen, eine solche Mächtekombination zu finden, 
solange nicht sein letztes außenpolitisches Ziel in voller Klarheit festgelegt er- 
scheint und damit den Interessen derjenigen Staaten nicht widerspricht, ja ihnen 
sogar dienlich erscheint, die für ein Bündnis mit Deutschland in Frage kämen. 

5. ) Deutsehland kann nicht hoffen, daß dies Staaten sein können, die sich außer- 
halb des Völkerbundes befinden, sondern es muß im Gegenteil seine einzige Hoff- 
nung darin bestehen, daß es gelingt, aus der bisherigen Koalition der Siegerstaaten 
einzelne herauszubrechen und eine neue Interessentengruppe mit neuen Zielen 
zu bilden, deren Verwirklichung durch den Völkerbund seinem ganzen Wesen 
nach nicht stattfinden kann. 

6. ) Deutschland darf nur hoffen, auf diesem Wege dann zu einem Erfolg zu 
kommen, wenn es damit seiner bisherigen schwankenden Schaukelpolitik end- 
gültig entsagt und sich dafür grundsätzlich nach einer Richtung hin entscheidet 
und dabei auch alle Konsequenzen übernimmt und trägt. 

7. ) Deutschland soll nie hoffen, durch Bündnisse mit Völkern, deren militäri- 
scher Wert entweder durch die Tatsache ihres bisherigen Unterliegens genügend 
gekennzeichnet erscheint, oder deren allgemeine rassische Bedeutung eine minder- 
wertige ist, Weltgeschichte machen zu können. Denn der Kampf um die Wieder- 
erringung der deutschen Freiheit wird die deutsche Geschichte damit wieder zur 
Weltgeschichte emporheben. 

8. ) Deutschland soll keinen Augenblick vergessen, daß, ganz gleich wie und auf 
welchem Wege es sein Schicksal zu ändern gedenkt, Frankreich sein Gegner sein 
wird, und daß jede Mächtevereinigung, die sich gegen Deutschland wendet, Frank- 
reich von vorneherein für sich buchen kann. 



160 



XIII 



DIE MÖGLICHEN ZIELE 



Man kann nicht die außenpolitischen Möglichkeiten Deutschlands überprüfen, 
ohne erst Klarheit zu besitzen darüber, was man in Deutschland selbst will, wie 
also Deutschland selbst seine Zukunft zu gestalten gedenkt. Weiter wird man dann 
die außenpolitischen Ziele derjenigen Mächte in Europa klarzulegen versuchen 
müssen, die als Angehörige der Siegerkoalition die Bedeutung von Weltmächten 
haben. 

Ich habe bereits in diesem Buche die verschiedenen außenpolitischen Möglich- 
keiten Deutschlands behandelt. Dennoch will ich noch einmal in aller Kürze 
die möglichen außenpolitischen Ziele aufstellen, damit sich durch sie eine Basis 
ergibt, zur kritischen Prüfung der Verhältnisse dieser einzelnen außenpolitischen 
Ziele zu denen der anderen europäischen Staaten. 

1.) Deutschland kann auf eine außenpolitische grundsätzliche Zielsetzung 
überhaupt verzichten. Das heißt in Wirklichkeit, es kann sich zu allem entschlie- 
ßen, und es braucht sich auf gar nichts festlegen. 

Es wird damit die Politik der letzten 30 Jahre nur unter anderen Verhältnissen 
auch in der Zukunft fortsetzen. Würde nun die Welt aus lauter Staaten mit ähn- 
licher politischer Ziellosigkeit bestehen, ließe sich dies für Deutschland, wenn auch 
noch lange nicht rechtfertigen, so doch wenigstens ertragen. Dies ist aber eben 
nicht so. So, wie aber im gewöhnlichen Leben ein Mensch mit einem festen Lebens- 
ziel, das er unter allen Umständen zu erreichen trachtet, ziellosen anderen stets 
überlegen sein wird, genauso auch im Leben der Völker. Damit ist vor allem noch 
lange nicht gesagt, daß ein Staat ohne politische Zielsetzung Gefahren, die eine 
solche vielleicht mit sich bringen könnte, zu vermeiden wird in der Lage sein. 
Denn so sehr er auch infolge seiner eigenen politischen Ziellosigkeit einer 
aktiven Tätigkeit enthoben erscheint, so leicht kann er in seiner Passivität das 
Opfer der politischen Ziele anderer werden. Denn das Handeln eines Staates 
wird nicht nur durch seinen Willen bestimmt, sondern auch durch den der übri- 
gen, nur mit dem Unterschied, daß er im einen Fall das Gesetz des Handelns selbst 
bestimmen kann, während es im anderen Fall ihm aufgezwungen wird. Aus 
friedlicher Gesinnung heraus einen Krieg nicht wollen, heißt noch lange nicht, 
ihn auch vermeiden können. Und einen Krieg um jeden Preis vermeiden zu 
wollen, bedeutet noch lange nicht die Rettung des Lebens vor dem Tode. 

Die Lage Deutschlands in Europa ist heute eine solche, daß es bei eigener 
politischer Ziellosigkeit noch lange nicht hoffen darf, einem Zustand der beschau- 
lichen Ruhe entgegengehen zu können. Eine solche Möglichkeit existiert für ein 
Volk, das mitten im Herzen Europas sich befindet, nicht. Entweder Deutschland 



u 



161 



versucht, selbst aktiv an der Gestaltung des Lebens mitzuwirken, oder es wird 
ein passives Objekt der Lebensgestaltung anderer Völker sein. Alle Klugheit, 
die bisher vermeinte, Völker aus geschichtlichen Gefahren durch Erklärungen eines 
allgemeinen Desinteressements herausziehen zu können, hat sich bisher noch 
stets als ebenso feiger wie dummer Irrtum herausgestellt. Wer nicht Hammer 
sein will, wird in der Geschichte Amboß sein. Unser deutsches Volk hat in seiner 
ganzen bisherigen Entwicklung immer nur zwischen diesen zwei Möglichkeiten 
zu wählen gehabt. Wollte es selbst Geschichte machen, so hat es sich demgemäß 
selbst freudig und kühn eingesetzt, dann war es immer noch Hammer gewesen. 
Glaubte es aber den Verpflichtungen zum Lebenskampf entsagen zu können, 
dann war es bisher noch stets der Amboß, auf dem entweder andere ihren Lebens- 
kampf ausgefochten haben, oder es diente selbst den Fremden als Nahrung. 

Deutschland wird also, wenn es leben will, die Verteidigung dieses Lebens auf 
sich nehmen müssen, und die beste Parade war auch hier stets der Hieb. Ja, 
Deutschland darf überhaupt nicht hoffen, für seine eigene Lebensgestaltung noch 
etwas tun zu können, wenn es sich nicht zu einer klaren außenpolitischen Ziel- 
setzung aufrafft, die geeignet erscheint, den deutschen Lebenskampf in kluge 
Beziehung zu den Interessen anderer Völker zu bringen. 

Tut man dies aber nicht, dann wird die Ziellosigkeit im großen die Planlosig- 
keit im einzelnen bedingen. Diese Planlosigkeit wird uns in Europa langsam zu 
einem zweiten Polen machen. In eben dem Maße, in dem wir unsere eigenen Kräfte 
dank unserem allgemeinen politischen Defaitismus schwächer werden (lassen?) 
und die einzige Aktivität unseres Lebens sich dann nur mehr innenpolitisch aus- 
tobt, werden wir außenpolitisch zum Spielball der weltgeschichtlichen Ereignisse 
herabsinken, deren bewegende Kräfte dem Lobens- und Interessenkampf anderer 
Völker entspringen. 

Im übrigen werden Völker, die über ihre eigene Zukunft keine klare Entschei- 
dung zu treffen vermögen und demgemäß am Spiel der Weltentwicklung am lieb- 
sten nicht teilnehmen möchten, von allen Mitspielern als Spielverderber empfun- 
den und gleichmäßig gehaßt. Ja, es kann dann sogar vorkommen, daß man die 
in der allgemeinen außenpolitischen Ziellosigkeit begründete Planlosigkeit der 
einzelnen politischen Handlungen im Gegenteil als ganz raffiniertes undurch- 
sichtiges Spiel ansieht und demgemäß beantwortet. Es war dies mit ein Unglück, 
das uns in der Vorkriegszeit betroffen hat. Je undurchsichtiger, weil unverständ- 
licher, die damaligen politischen Entschlüsse der deutschen Reichsregierung waren, 
um so verdächtiger schienen sie, und um so mehr witterte man hinter selbst den 
dümmsten Schritten Gedanken von einer dafür ganz besonderen Gefährlichkeit. 

Wenn also Deutschland sich heute zu einer klaren politischen Zielsetzung nicht 
mehr aufrafft, dann verzichtet es damit praktisch auf alle Möglichkeiten zu einer 
Revision unseres heutigen Schicksals, ohne weiteren Gefahren für die Zukunft 
damit im geringsten entgehen zu können. 

2.) Deutschland wünscht wirtsehaftsfriedlich wie bisher die Ernährung des 



162 



deutschen Volkes durchzuführen. Es will sich demgemäß auch in der Zukunft 
an Weltindustrie, -export und -handel maßgebendst beteiligen. Es will damit 
wieder eine große Handelsflotte, "will Kohlenstationen und Stützpunkte in der 
anderen Welt und will endlich nicht nur internationale Absatzmärkte, sondern 
wenn möglich auch in Form von Kolonien eigene Rohstoffquellen. In der Zukunft 
wird man eine solche Entwicklung zwangsläufig besonders durch maritime Macht- 
mittel zu schützen haben. 

Dieses ganze politische Zukunftsziel ist Utopie, wenn nicht vorher England 
niedergeworfen erscheint. Es stellt alle Gründe erneut her, die im Jahre 1914 
im Weltkrieg endeten. Jeder Versuch Deutschlands, auf diesem Wege seine Ver- 
gangenheit erneut aufzubauen, muß bei der Todfeindschaft Englands enden, 
zu der dann als sicherster Partner von vorneherein Frankreich gerechnet wer- 
den darf. 

Vom völkischen Standpunkt aus ist diese außenpolitische Zielsetzung unheil- 
voll, vom machtpolitischen aus gesehen, wahnsinnig. 

3. ) Deutschland setzt als sein außenpolitisches Ziel die Wiederherstellung der 
Grenzen des Jahres 1914 fest. 

Dieses Ziel ist ungenügend vom nationalen Standpunkt aus, unbefriedigend Tom 
militärischen, unmöglich vom in die Zukunft blickenden völkischen und wahn- 
sinnig von dem seiner Folgen. Deutschland hat damit die gesamte Siegerkoali- 
tion von einst auch in der Zukunft als geschlossene Front von Gegnern vor sich. 
Wie man aber bei unserer derzeitigen militärischen Lage, die bei einer Weiter- 
dauer des jetzigen Zustandes von Jahr zu Jahr schlimmer werden wird, die alten 
Grenzen wiederherstellt, ist das undurchdringliche Geheimnis unserer national- 
bürgerlichen und vaterländischen Staatspolitiker. 

4. ) Deutschland entschließt sich [sein Zukuftsziel], zu einer klaren weitschau- 
enden Raumpolitik überzugehen. Es wendet sieh damit von allen weltindustriel- 
len und welthandelspolitischen Versuchen ab und konzentriert statt dessen alle 
seine Kräfte, um unserem Volk durch die Zuweisung eines genügenden Lebens- 
raumes für die nächsten 100 Jahre auch einen Lebensweg vorzuzeichnen. Da 
dieser Raum nur im Osten hegen kann, tritt auch die Verpflichtung zu einer See- 
macht in den Hintergrund. Deutschland versucht erneut, auf dem Wege der Bil- 
dung einer ausschlaggebenden Macht zu Lande seine Interessen zu verfechten. 

Dieses Ziel entspricht ebenso höchsten nationalen wie völkischen Anforderun- 
gen. Es setzt ebenfalls große militärische Machtmittel zur Durchführung voraus, 
bringt aber Deutschland nicht unbedingt in Konflikt mit sämtlichen europäischen 
Großmächten. So sicher auch hier Frankreich Deutschlands Feind bleiben wird, 
so wenig liegt aber in der Natur eines solchen außenpolitischen Zieles für England 
und besonders für Italien ein Grund zur Aufrechterhaltung der Feindschaft des 
Weltkrieges. 



163 



XIV 



DEUTSCHLAND UND ENGLAND 



Zum näheren Verständnis dieser hier eben angeführten Möglichkeiten ist es 
angebracht, sich die großen außenpolitischen Ziele der anderen europäischen 
Mächte vor Augen zu führen. Diese Ziele sind zum Teil erkenntlich an der bis- 
herigen Tätigkeit und Wirksamkeit dieser Staaten, zum Teil erscheinen sie auch 
geradezu programmatisch niedergelegt, zum anderen liegen sie in Lebensnotwen- 
digkeiten, die so klar erkenntlich sind, daß selbst, wenn diese Staaten augenblick- 
lich andere Wege gingen, der Zwang einer härteren Wirklichkeit sie zu diesen 
Zielen zurückführen müßte. 

Daß England eine klare außenpolitische Zielsetzung hat, wird bewiesen durch 
die Tatsache der Existenz und damit der Entstehung dieses Riesenreiches. Es 
bilde sich doch niemand ein, daß man jemals ein Weltreich schmieden kann, ohne 
den klaren Willen hiezu zu haben. Es ist selbstverständlich, daß nicht jeder ein- 
zelne Angehörige eines solchen Volkes dann jeden Tag zur Arbeit geht im Gedan- 
ken an die große außenpolitische Zielsetzung, aber ganz natürlich wird langsam 
eben doch ein gesamtes Volk von einer solchen Zielsetzung ergriffen, so daß selbst 
die unbewußten Handlungen der einzelnen dennoch in der allgemeinen Linie 
dieser Zielsetzung liegen und ihr tatsächlich auch zugute kommen. Ja selbst 
im Wesen eines solchen Volkes wird sich langsam das allgemeine politische Ziel 
ausprägen und der Stolz des heutigen Engländers ist nichts anderes als der Stolz 
des einstigen Römers. Die Meinung, daß Weltreiche dem Zufall ihre Entstehung 
zu verdanken hätten, oder daß zumindest die Ereignisse, die deren Aufbau be- 
dingten, zufällige geschichtliche Vorgänge gewesen wären, die immer glücklich 
für ein Volk ausgeschlagen hätten, ist falsch. Das alte Rom verdankte seine Größe 
genauso wie das heutige England der Richtigkeit des Moltke'schen Ausspruches, 
daß auf die Dauer das Glück nur beim Tüchtigen allein ist. Diese Tüchtigkeit 
eines Volkes liegt aber keineswegs nur im rassischen Wert, sondern auch in der 
Fähigkeit und Geschicklichkeit, mit der diese Werte angesetzt werden. Ein Welt- 
reich von der Größe des antiken Roms oder des heutigen Großbritanniens ist stets 
das Ergebnis einer Vermählung von höchstem Volkswert und klarster politischer 
Zielsetzung. Sowie es an einem dieser beiden Faktoren zu fehlen beginnt, tritt als 
Folge zunächst eine Schwächung und endlich vielleicht sogar ein Niedergang 
ein. 

Die Zielsetzung des heutigen England ist bedingt durch den Volkswert des 
Angelsachsentums an sich und die insulare Lage. Es lag im Volkswert des Angel- 
sachsentums, nach Raum zu streben. Zwangsläufig konnte dieser Trieb nur außer- 
halb des heutigen Europas seine Erfüllung finden. Nicht als ob die Engländer nicht 



164 



auch in Europa von Zeit zu Zeit versucht hätten, ihren Expansionsgelüsten Boden 
zu verschaffen, allein alle diese Unternehmungen scheiterten an der Tatsache, 
daß ihnen dabei Staaten von wenigstens damals nicht minder großer rassischer 
Tüchtigkeit entgegentraten. Die spätere englische Expansion in den sogenannten 
Kolonien führte von vorneherein zu einer außerordentlichen Steigerung des eng- 
lischen Seelebens. Es ist interessant, zu sehen, wie das erst Menschen exportierende 
England endlich zum Warenexport übergeht und dabei selbst die eigene Landwirt- 
schaft abbaut. Obwohl nun ein großer Teil des heutigen englischen Volkes, ja 
der Durchschnitt überhaupt unter dem deutschen Höchstwert liegt, ist doch 
eine jahrhundertelange Tradition diesem Volk so sehr in Heisch und Blut über- 
gegangen, daß es gegenüber unserem deutschen Volk wesentliche politische Vor- 
züge besitzt. Wenn die Erde heute ein englisches Weltreich besitzt, dann gibt 
es aber auch zur Zeit kein Volk, das auf Grund seiner allgemeinen staatspolitischen 
Eigenschaften sowie seiner durchschnittlichen politischen Klugheit mehr dazu 
befähigt wäre. 

Der grundsätzliche Gedanke, der die englische Kolonialpolitik beherrschte, 
war einerseits, Absatzgebiete für das englische Menschenmaterial zu finden und 
diese in staatlicher Beziehung zum Mutter lande zu erhalten, wie andererseits, Ab- 
satzmärkte und Rohstoffquellen der englischen Wirtschaft zu sichern. Es ist 
verständlich, wenn der Engländer die Überzeugung hat, daß der Deutsche nicht 
kolonisieren kann, genauso, wie es verständlich ist, wenn der Deutsche umge- 
kehrt dasselbe vom Engländer glaubt. Beide Völker nehmen bei der Beurteilung 
der kolonisatorischen Fähigkeiten verschiedene Standpunkte ein. Der englische 
war dabei ein unendlich praktischer, nüchterner, der deutsche ein mehr roman- 
tischer. Als Deutschland nach den ersten Kolonien strebte, war es in Europa 
bereits ein Militärstaat und damit Machtstaat ersten Ranges. Es hatte sich den 
Titel einer Weltmacht durch unvergängliche Leistungen auf allen Gebieten der 
menschlichen Kultur sowohl als aber auch auf dem der militärischen Tüchtigkeit 
geholt. Es war nun bemerkenswert, daß besonders im 19. Jahrhundert ein all- 
gemeiner Zug nach Kolonien durch alle Völker ging, wobei der ursprünglich lei- 
tende Gedanke jedoch schon vollkommen gewichen war, Deutschland motivierte 
beispielsweise sein Anrecht auf Kolonien mit seiner Fähigkeit und seinem Wunsche, 
deutsche Kultur zu verbreiten. An sich ein Unsinn. Denn man kann nicht Kultur, 
die ein allgemeiner Lebensausdruck eines bestimmten Volkes ist, irgendeinem 
anderen Volk mit ganz anderen seelischen Voraussetzungen vermitteln. Dies 
ginge höchstens mit einer sogenannten internationalen Zivilisation, die sich aber 
zur Kultur verhält wie eine Jazzmusik zu einer Beethovcn'schen Symphonie. 
Aber davon ganz abgesehen, es wäre nie einem Engländer in der Zeit der Begrün- 
dung der englischen Kolonien eingefallen, seine Handlungen anders als mit sehr 
realen und nüchternen Vorteilen zu motivieren, die sie mit sich brächten. Wenn 
später England für die Freiheit der Meere oder die der unterdrückten Nationen 
auftrat, dann niemals, um seine eigene Kolonisationstätigkeit damit zu begrün- 



165 



den, sondern mir um üble Konkurrenten dabei zu vernichten. Daher auch die 
englische Kolonisationstätigkeit zum Teil aus natürlichsten Gründen sehr er- 
folgreich sein mußte. Denn je weniger der Engländer daran dachte, so etwas wie 
englische Kultur oder englische Gesittung den Wilden aufoktroyieren zu wollen, 
umso sympathischer mußte gerade ein solches Regiment dem absolut nicht kultur- 
hungrigen Wilden erscheinen. Dazu kam allerdings die Peitsche, die man eben- 
falls umso eher anwenden konnte, als man nie Gefahr lief, dabei in einen Wider- 
spruch zu einer Kulturmission zu geraten. England brauchte Absatzmärkte und 
Rohstoffquellen für seine Waren. Und es hat sich diese Märkte machtpolitisch 
sichergestellt. Das ist der Sinn der englischen Kolonialpolitik. Wenn später Eng- 
land nun trotzdem auch das Wort Kultur in den Mund nahm, dann nur aus rein 
> agitatorischen Gesichtspunkten heraus, um das eigene so nüchterne Handeln 
\auch noch moralisch etwas verbrämen zu können. In Wirklichkeit waren den Eng- 
ländern die inneren Lebensverhältnisse der Wilden so lange und in solchem Um- 
fange vollkommen egal, als sie nicht die Lebensverhältnisse der Engländer selbst 
berührten. Daß sich später mit Kolonien von der Größe Indiens auch noch andere 
Vorstellungen prestigepolitischer Art verbanden, ist begreiflich und verständlich. 
Daß aber niemals etwa indische Interessen die englischen Lebensverhältnisse 
bestimmen, sondern englische die indischen, kann von niemand bestritten werden. 
Und daß auch in Indien der Engländer irgendeine kulturelle Einrichtung nicht 
macht, damit etwa der Eingeborene der englischen Kultur teilhaftig wird, son- 
dern daß höchstens der Engländer mehr Nutzen aus seinen Kolonien zu ziehen 
vermag, ist ebenfalls nicht zu bestreiten. Oder glaubt man, daß England die 
Eisenbahnen nach Indien nur brachte, um die Indier in den Besitz europäischer 
TransportmögUchkeiten zu bringen, und nicht, um durch sie eine bessere Aus- 
nützung der Kolonie zu ermöglichen sowie eine leichtere Beherrschung zu garan- 
tieren? Wenn heute England in Ägypten wieder auf den Spuren der Pharaonen 
wandelt und den Nil durch gigantische Staudämme aufspeichert, dann aber 
sicher nicht, um dem armen Fellachen sein irdisches Dasein zu erleichtern, son- 
dern nur um die englische Baumwolle vom amerikanischen Monopol unabhängig 
zu machen. Das sind aber lauter Gesichtspunkte, an die Deutschland bei seiner 
Kolonialpohtik (nie?) offen zu denken wagte. Die Engländer sind Erzieher der 
Eingeborenen gewesen für Interessen Englands, und der Deutsche war der Lehrer. 
Daß sich am Ende die Eingeborenen vielleicht bei uns sogar wohler gefühlt haben 
mögen als unter den Engländern, würde bei einem normalen Engländer noch lange 
nicht für unsere, sondern erst recht für die englische Art der Kolonisations- 
politik sprechen. 

Diese Politik einer langsamen Welteroberung, bei der immer wirtschaftliche 
Macht und politische Kraft Hand in Hand gingen, bedingte die Stellung Eng- 
lands den anderen Staaten gegenüber. Je mehr England in seine koloniale Welt- 
machtstellung hineinwuchs, umso mehr brauchte es die Herrschaft über die 
Meere, und je mehr es die Herrschaft über die Meere erhielt, umso mehr wurde 



166 



es infolgedessen wieder Kolonialmacht, aber umso eifersüchtiger begann es end- 
lich auch darüber zu wachen, daß niemand ihm die Herrschaft der Meere oder den 
Besitz der Kolonien streitig machte. 

Es ist in Deutschland besonders eine sehr irrtümliche Auffassung weit verbrei- 
tet, daß nämlich England jede europäische Vormacht sofort bekämpfe. Dies 
ist tatsächlich nicht richtig. England hat sich eigentlich um die europäischen Ver- 
hältnisse immer so lange wenig gekümmert, solange ihm nicht aus ihnen heraus 
ein drohender Weltkonkurrent entstand, wobei es die Bedrohung stets nur in 
einer Entwicklung empfand, die seine See- und Kolonialherrschaft eines Tages 
durchkreuzen mußte. 

Es gibt keinen europäischen Konflikt Englands, bei dem dieses nicht seine 
Handels- und Ubersee-Interessen in Schutz genommen hätte. Die Kämpfe gegen 
Spanien, Holland und später Frankreich hatten ihren Grund nicht in einer be- 
drohlichen militärischen Macht dieser Staaten an sich, sondern nur in der Art 
der Fundierung dieser Macht sowie der Auswirkung derselben. Wäre Spanien 
nicht überseeische und damit Konkurrenzmacht Englands gewesen, hätte dieses 
vermutlich wenig Notiz von Spanien genommen. Das gleiche gilt von Holland. 
Und selbst der spätere gigantische Kampf Englands gegen Frankreich wurde 
nicht geführt gegen ein kontinentales Frankreich Napoleons, sondern gegen das 
napoleonische Frankreich, das seine Kontinentalpolitik nur als Sprungbrett und 
Basis für größere, durchaus nicht kontinentale Ziele ansah. Überhaupt wird die 
England bedrohlichste Macht infolge seiner geographischen Lage Frankreich 
sein. Es war vielleicht der einzige Staat, bei dem selbst eine gewisse kontinentale 
Entwicklung Gefahren für die Zukunft Englands in sich bergen konnte. Es ist 
aber umso bemerkenswerter und für uns Deutsche lehrreich, daß sich trotzdem 
England entschlossen hat, im Weltkrieg mit Frankreich zusammenzugehen. 
Lehrreich deshalb, weil damit bewiesen ist, daß bei aller Festhaltung der großen 
Grundgedanken der englischen Außenpolitik man dort immer mit den jeweils 
vorhandenen Möglichkeiten rechnet und nie auf solche einfach deshalb verzichtet, 
weil in irgendeiner näheren oder ferneren Zukunft daraus ebenfalls eine Bedro- 
hung Englands entstehen könnte. Unsere deutschen „Gott strafe England"- 
Politiker meinen nämlich immer, ein gutes Verhältnis zu England in Zukunft 
müsse schon daran scheitern, daß England im Ernste nicht daran dächte, durch 
ein Bündnis mit Deutschland dieses zu fördern, um es dann eines Tages wieder als 
gefahrdrohende Macht (sich?) gegenüberzusehen. Selbstverständlich wird man in 
England keinen Bund zur Förderung Deutschlands mit diesem schließen, sondern 
nur zur Förderung britischer Interessen. Allein England hat bisher zahlreiche 
Beispiele dafür gegeben, daß sich die Vertretung seiner Interessen mit der Ver- 
tretung der Interessen anderer Völker sehr oft zu paaren vermochte, und daß e» 
dann zu Bündnissen griff, obwohl nach menschlicher Voraussicht sogar diese 
in spätere Feindschaft umschlagen mußten. Denn endlich unterliegen politische 
Ehen immer der früheren oder späteren Scheidung, da sie ja nicht einer beiden 



167 



Teilen gemeinsamen Interessenvertretung dienen, sondern mir mit gemeinsamen 
! Mitteln die an sich verschiedenen, aber zur Zeit nicht gegeneinanderstehenden 
i Interessen zweier Staaten schützen oder fördern wollen. 

Daß England nicht grundsätzlich gegen eine europäische Großmacht von über- 
ragender militärischer Bedeutung Front macht, solange die außenpolitischen 
Ziele dieser Macht ersichtlich rein kontinentaler Natur sind, beweist sein Verhal- 
ten Preußen gegenüber. Oder will jemand bestreiten, daß unter Friedrich dem 
Großen die preußische Militärmacht über allen Zweifel die weitaus stärkste 
Europas gewesen ist? Man glaube ja nicht, daß England dieses Preußen damals 
nur deshalb nicht bekämpft habe, weil es an Raumgröße in Europa trotz seiner 
militärischen Hegemonie zu den kleineren Staaten gerechnet werden mußte. 
Durchaus nicht. Denn als England einst seine Kämpfe gegen die Holländer aus- 
gefochten hat, da war das holländische Staatsgebiet in Europa räumlich noch 
wesentlich kleiner als das preußische der spätfriederizianischen Zeit, und von einer 
bedrohlichen Hegemonie oder Vormachtstellung in Europa konnte man bei 
Holland überhaupt nicht reden. Wenn aber England nichtsdestoweniger in jahr- 
zehntelangen Kämpfen Holland an den Leib rückte, dann lag der Grund eben 
ausschließlich nur in der durch Holland durchkreuzten englischen See- und 
Handelsherrschaft, sowie in der allgemeinen kolonialpolitischen Tätigkeit der 
Holländer. Und da soll man sich keiner Täuschung hingeben: Hätte der preußi- 
sche Staat sich nicht so ausschließlich rein kontinentalen Zielen gewidmet, dann 
würde er England zu allen Zeiten als seinen schärfsten Feind gehabt haben, ohne 
Rücksicht auf die Größe der rein militärischen Machtmittel Preußens in Europa 
oder die Gefahr einer Hegemonisierung Europas durch Preußen. Es wird von 
unseren wenig denkenden national-patriotischen Politikern den Nachfolgern 
des Großen Kurfürsten nicht selten der bittere Vorwurf gemacht, sie hätten die 
durch den Großen Kurfürsten ins Leben gerufenen überseeischen Besitzungen 
Preußens vernachlässigt, ja überhaupt preisgegeben und damit auch keinerlei 
Interessen für eine Aufrechterhaltung und den Weiterbau einer brandenbur- 
gisch-preußischen Flotte gehabt. Ein Glück für Preußen und für das spätere 
Deutschland, daß es so war. 

Es spricht nichts so sehr für die überragende Staatsklugheit, besonders Fried- 
rich Wilhelms I., (wie?) daß er die bei aller Sparsamkeit doch unendlich beschränk- 
ten Mittel des kleinen preußischen Staates ausschließlich auf die Förderung des 
Landheeres konzentrierte. Nicht nur, daß dadurch dieser kleine Staat in einer 
Waffe eine überlegene Stellung erhalten konnte, wurde ihm damit auch die Feind- 
schaft Englands erspart. Ein auf Hollands Spuren wandelndes Preußen aber hätte 
nicht die drei schlesischen Kriege durchfechten können mit England im Rücken 
ebenfalls als Gegner. Ganz abgesehen davon, daß jeder Versuch der Erringung 
einer wirklichen Seegeltung für den kleinen preußischen Staat auf die Dauer 
fehlschlagen hätte müssen, infolge der so überaus beschränkten und militärisch 
so ungünstig gelagerten Raumbasis des Mutterlandes. Es wäre den Engländern 



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schon damals eine Spielerei gewesen, sich des gefährlichen Konkurrenten in Eu- 
ropa durch einen allgemeinen Koalitionskrieg zu entledigen. Daß überhaupt aus 
dem kleinen Brandenburg das spätere Preußen werden konnte und aus dem 
späteren Preußen ein neues deutsches Reich, war nur jener weisen Einsicht in 
die wirklichen Machtverhältnisse sowie in die Möglichkeiten des damaligen 
Preußens zu verdanken, mit der die Hohenzollern sich bis in die Bismarckische 
Zeit hinein fast ausschließlich auf die Stärkung der Landmacht beschränkten. 
Es war die einzig klare, folgerichtige Politik. Wenn Deutsch-Preußen und dann 
später Deutschland überhaupt einer Zukunft entgegengehen wollten, dann konnte 
sie nur gewährleistet werden durch eine Suprematie zu Land, die der englischen 
zur See entsprach. Es war ein Unglück für Deutschland, daß man sich von dieser 
Erkenntnis langsam entfernte, die Machtmittel zu Lande ungenügend ausbaute 
und statt dessen zu einer Flottenpolitik überging, die im Endresultat doch auch 
nur Halbes gewesen war. Selbst das Deutschland der nachbismarckischen Periode 
konnte sich nicht den Luxus leisten, zu Lande und zur See zu gleicher Zeit eine 
überlegene Rüstung zu schaffen und zu erhalten. Es ist aber für alle Zeiten einer 
der wichtigsten Grundsätze, daß ein Volk die unumgänglich notwendigste Waffe 
"zur Erhaltung seines Daseins erkennt und dann unter Einsatz aller Mittel auf 
das äußerste fördert. England hat dies erkannt und befolgt. Denn für England 
war wirklich die Seeherrschaft das Um und Auf seines Daseins. Selbst die glänzend- 
sten militärischen Perioden auf dem Festland, ruhmvollste Kriege, unvergleich- 
liche militärische Entscheidungen konnten die Engländer nicht bewegen, in der 
Landmacht für England (anderes als?) etwas am Ende doch nur Untergeordnetes 
zu sehen und die gesamte Kraft der Nation auf die Aufrechterhaltung einer über- 
legenen Seeherrschaft zu konzentrieren. In Deutschland allerdings hat man sich 
von der großen Kolonialwelle des XIX. Jahrhunderts mitreißen lassen, vielleicht 
auch noch bestärkt durch romantische Erinnerungen an die alte Hansa, sowie ge- 
trieben durch die wirtschaftsfriedliche Politik, die ausschließliche Förderung des 
Landheeres zurückzustellen und den Bau einer Flotte aufzunehmen. Ihren letzten 
Ausdruck erhielt diese Politik dann in dem ebenso verkehrten wie unheilvollen 
Satz: „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser." Nein, ganz im Gegenteil, sie lag 
und liegt für uns in Europa auf dem Lande, genauso wie auch die Ursachen 
unseres Unterganges immer rein kontinentaler Natur sein werden: Unsere un- 
selige raummäßig und militärgeographisch furchtbare Lage. 

Solange sich Preußen in seinem außenpolitischen Wollen auf rein europäische 
Ziele beschränkte, hat es von England ernste Gefahren nicht zu befürchten ge- 
habt. Der Einwand, daß nichtsdestoweniger schon im Jahre 1870/71 in England 
eine profranzösische Stimmung geherrscht hat, ist nicht zutreffend und besagt 
auf alle Fälle gar nichts. Denn ebenso herrschte damals in England auch eine pro- 
deutsche Einstellung, ja selbst in englischen Kirchen wurde von der Kanzel her- 
unter Frankreichs Vorgehen als Frevel gebrandmarkt. Im übrigen entscheidet die 
tatsächlich eingenommene offizielle Haltung. Denn es ist ganz selbstverständ- 



169 



lieh, daß in einem Staat von der Bedeutung Englands auch Frankreich laufende 
Sympathien haben wird, umsomehr, als der Einfluß auf die Presse eines Landes 
nicht selten durch fremde Kapitalien ausgeübt wird. Frankreich hat es immer ver- 
standen, in sehr geschickter Weise Sympathien für sich zu mobilisieren. Es hat 
dabei als vorzüglichste Hilfswaffe Paris zu allen Zeiten ausgespielt. Dies fand aber 
nicht etwa nur in England statt, sondern sogar in Deutschland. Befand sich doch 
mitten im Kriege anno 70/71 sogar in der Berliner Gesellschaft, ja am Berliner 
Hof, eine nicht kleine Clique, die aus ihren profranzösischen Sympathien gar kein 
Hehl machte und auf alle Fälle das Bombardement von Paris geraume Zeit 
hinauszuziehen verstand 1 . Daß im übrigen englische Kreise mit gemischter Freude 
auf die deutschen Waffenerfolge sahen, ist menschlich verständlich. Die offizielle 
Haltung der englischen Staatsregierung konnten sie jedenfalls nicht zu irgend- 
einem Einschreiten bewegen. Auch die Meinung, daß dies nur der russischen 
Rückendeckung, der sich Bismarck versichert hatte, zuzuschreiben wäre, ändert 
daran nichts. Denn diese Rückendeckung war in erster Linie gegen Österreich 
gedacht. Würde aber England damals seine neutrale Haltung aufgegeben haben, 
dann hätte auch die russische Rückendeckung einen umfangreichen Brand nicht 
zu verhüten vermocht. Denn dann wäre natürlich Österreich erst recht erneut 
auf den Plan getreten, und so oder so, der Erfolg des Jahres 1871 wäre kaum ein- 
getreten. Tatsächlich hatte Bismarck eine laufende stille Angst vor der Ein- 
mengung anderer Staaten nicht nur in den Krieg, sondern sogar auch noch in 
die Friedensverhandlungen. Denn was wenige Jahre später Rußland gegenüber 
stattfand 2 , die Intervention anderer Mächte hätte genauso gut durch England 
auch gegen Deutschland inszeniert werden können. 

Der Wandel der englischen Einstellung gegen Deutschland läßt sich genau ver- 
folgen. Er geht parallel unserer Entwicklung zur See, steigert sich mit unserer 
Kolonialtätigkeit zur offenen Abneigung und endet endlich mit unserer Flotten- 
politik beim offenen Haß. Daß man in England aber in dieser Entwicklung eines so 
tüchtigen Volkes, wie es das deutsche ist, eine bedrohliche Gefahr für die Zukunft 
wittert, kann man einer wirklich besorgten Staatsleitung nicht für Übel [sie] 
nehmen. Man darf eben niemals unsere deutschen Unterlassungssünden als Maß- 
stab für die Beurteilung der Handlungen anderer anlegen. Der Leichtsinn, mit 
dem das Deutschland der nachbismarckischen Zeit seine machtpolitische Stellung 
in Europa durch Frankreich und Rußland bedrohen ließ, ohne Ernstliches da- 
gegen zu unternehmen, gestattet noch lange nicht, anderen Mächten ähnliches 
zuzumuten oder über sie in moralischer Entrüstung den Stab zu brechen, wenn sie 
die Lebensinteressen ihrer Völker eben besser wahrnehmen. 



1 Hitler bezieht sich hier auf die von Bismarck aus innerpolitischen Gründen verbreitete 
Legende über seinen Konflikt mit Moltke wegen des Bombardements von Paris. Zum Tatsäch- 
lichen vgl. jetzt etwa Rudolf Stadelmann, Moltke und der Staat (Krefeld, 1950), S. 232 ff. 

2 Dies bezieht sich auf die Revision des Vertrags von San Stefano auf dem Berliner Kon- 
greß 1878. 



170 



Hätte das Deutschland der Vorkriegszeit statt seiner Weltfriedens- und Wirt- 
schaftspolitik mit ihren an sich verhängnisvollen Rückwirkungen sieh zu einer 
Fortsetzung der einstigen preußischen Kontinentalpolitik entschlossen, dann 
konnte es erstens seine Landmacht wirklich auf jene überragende Höhe heben, 
wie sie der preußische Staat einst gehabt hat, und es brauchte dann zweitens eine 
unbedingte Feindschaft mit England nicht zu fürchten. Denn soviel ist sicher, 
daß, wenn Deutschland die gesamten ungeheueren Mittel, die es in die Flotte 
hineinpulverte, zur Stärkung seines Landheeres verwendet haben würde, dann 
wären seine Interessen zumindest auf den ausschlaggebenden europäischen 
Schlachtfeldern anders zu verfechten gewesen, und der Nation wäre das Schick- 
sal erspart geblieben, eine zum Teil mehr als ungenügend ausgerüstete Land- 
armee gegenüber einer erdrückenden Weltkoalition langsam verbluten zu sehen, 
während die Marine wenigstens in ihren ausschlaggebenden Kampfeinheiten in 
den Häfen dahinrostete, um endlich in einer mehr als schmachvollen Übergabe 
ihr Dasein zu beschließen. Man rede sich dabei nicht (auf?) die Führer aus, sondern 
habe den Mut zuzugeben, daß dies im Wesen dieser Waffe für uns selbst lag. Denn 
in derselben Zeit wurde das Feldheer aus einer Schlacht heraus- und in die andere 
hineingeworfen, ohne Rücksicht auf Verluste und sonstige Not. Die Landarmee 
war wirklich die deutsche Waffe, herausgewachsen aus einer 100jährigen Tradi- 
tion, unsere Flotte aber war am Ende doch nur eine romantische Spielerei, ein 
Paradestück, das um seiner selbst willen geschaffen wurde und wiederum um seiner 
selbst willen nicht eingesetzt werden durfte. Der Gesamtnutzen, den sie uns 
brachte, steht in keinem Verhältnis zu der furchtbaren Feindschaft, die sie uns 
auflud. 

Hätte Deutschland diese Entwicklung nicht genommen, dann konnte man 
noch um die Jahrhundertwende mit England, das damals verständigungsbereit 
war, auch zu einer Verständigung gelangen. Allerdings Dauer hätte eine solche 
Verständigung nur dann gehabt, wenn sie sich [sie] von einer grundsätzlichen Um- 
stellung unserer außenpolitischen Zielsetzung begleitet gewesen wäre^Noch um 
die Jahrhundertwende konnte Deutschland sich zu einer Wiederaufnahme der 
früheren preußischen Kontinentalpolitik entschließen und mit England gemein- 
sam der Weltgeschichte die weitere Entwicklung vorschreiben. Der Einwand 
unserer ewigen Zauderer und Zweifler, daß dies immerhin unsicher gewesen wäre, 
gründet sich auf gar nichts als auf persönliche Meinungen. Dagegen spricht auf 
alle Fälle die bisherige englische Geschichte. Mit welchem Recht vermutet solch 
ein Zweifler, daß Deutschland nicht dieselbe Rolle hätte spielen können, wie 
sie Japan gespielt hat. Die dumme Phrase, daß dann Deutschland eben den 
Engländern die Kastanien aus dem Feuer geholt hätte, könnte man genauso 
gut dann auch auf Friedrich den Großen anwenden, der endlich ja auch mit- 
geholfen hat, auf den europäischen Schlachtfeldern die außereuropäische eng- 
lische Auseinandersetzung mit Frankreich zu erleichtern. Auch der weitere Ein- 
wand, daß England dann doch eines Tages gegen Deutschland gegangen wäre, 



171 



ist schon fast dumm zu nennen. Denn immer würde selbst in dem Fall die deutsche 
Position nach einer erfolgten Niederwerfung Rußlands in Europa besser gewesen 
sein, als sie so zu Beginn des Weltkrieges war. Im Gegenteil, wäre der russisch- 
japanische Krieg in Europa zwischen Deutschland und Rußland ausgefochten 
worden, dann würde Deutschland einen solchen rein moralischen Maehtzuwachs 
erhalten haben, daß es sich auf die nächsten 30 Jahre jede weitere europäische 
Macht überlegt hätte, den Frieden zu brechen und sich gegen Deutschland in 
eine Koalition hineinhetzen zu lassen. Aber alle diese Einwände entspringen immer 
der Mentalität des Vorkriegsdeutschlands, das selbst als Opposition alles wußte 
und nichts tat. 

Tatsache ist, daß man damals von England aus an Deutschland herangetreten 
ist, und Tatsache weiter, daß man sich deutscherseits aus der Mentalität dieser 
ewig zögernden Zauderer heraus zu keiner klaren. Stellungnahme entschließen 
konnte. Was Deutschland damals ablehnte, hat dann Japan besorgt und sich auf 
verhältnismäßig billige Weise dabei den Ruhm einer Weltmacht geholt. 

Wenn man aber in Deutschland dies unter keinen Umständen tun wollte, dann 
hätte man sich eben auf die andere Seite schlagen müssen. Das Jahr 1904 oder 05 
konnte man dann zu einer Auseinandersetzung mit Frankreich verwenden und 
hätte Rußland im Rücken gehabt. Allein auch das wollten diese Zögerer und 
Zauderer genauso wenig. Aus lauter Vorsicht und lauter Bedenklichkeit und vor 
lauter Wissen haben sie zu keiner Stunde festzustellen vermocht, was sie nun 
eigentlich wollen. Und nur darin beruht die Überlegenheit der englischen Staats- 
leitung, daß man dort eben nicht von solchen Tausendwissern regiert wurde, die 
sieh dann nie zu einer Tat aufraffen können, sondern von sehr natürlich denkenden 
Menschen, für die die Politik sehr wohl eine Kunst des Möglichen ist, die aber 
dann auch alle Möglichkeiten beim Schopf nehmen und wirklich mit ihnen schla- 
gen 1 . 

Sowie Deutschland aber einer solchen grundsätzlichen Verständigung mit Eng- 
land ausgewichen war, die, wie schon bemerkt, allerdings nur dann einen dauern- 
den Sinn gehabt hätte, wenn man in Berlin zu einer klaren raumpolitischen konti- 
nentalen Zielsetzung gekommen wäre, begann England den Weltwiderstand ge- 
gen den Bedroher der britischen Seeherrschaftsinteressen zu organisieren. 

Der Weltkrieg selbst ging angesichts der selbst in England nicht vermuteten 
militärischen Tüchtigkeit unseres Volkes nicht so, wie man anfangs dachte. Wohl 
wurde endlich Deutschland niedergerungen, allein nur nachdem auch die ameri- 
kanische Union auf dem Schlachtfeld erschienen war, und Deutschland endlich 
infolge seines inneren Zusammenbruches die Rückendeckung der Heimat ver- 
loren hatte. Damit war aber axich schon das eigentliche englische Kriegsziel nicht 
erreicht worden. Denn wohl wurde die deutsche Bedrohung der englischen See- 

1 Es ist bemerkenswert, daß Hitler hier, wo es ihm in den Zusammenhang paßt, über die 
führenden Köpfe eines demokratischen Staates ganz andere Ansichten von sich gibt als in 
der Behandlung der Demokratie als politischem System. 



172 



herrschaft beseitigt, allein die wesentlich stärker fundierte amerikanische ist an 
ihre Stelle getreten. In der Zukunft wird die größte Gefahr Englands überhaupt 
nicht mehr in Europa sein, sondern in Nordamerika. In Europa selbst ist der zur 
Zeit für England gefährlichste Staat Frankreich. Seine militärische Hegemonie 
hat für England eine besonders bedrohliche Bedeutung infolge der geographi- 
schen Lage, die Prankreich zu England einnimmt. Nicht nur, daß ein großer Teil 
wichtiger englischer Lebenszentren französischen Fliegerangriffen nahezu schutz- 
los ausgesetzt erscheinen, kann selbst eine Anzahl englischer Städte durch Fern- 
geschütze von der französischen Küste aus erreicht werden. Ja, wenn es der mo- 
dernen Technik gelingt, noch eine wesentliche Steigerung der Schußleistungen 
schwerster Ferngeschütze herbeizuführen, dann liegt selbst eine Beschießung 
Londons vom französischen Festlande aus nicht außerhalb des Bereichs aller 
Möglichkeiten 1 . Wichtiger aber noch ist, daß ein französischer TJ-Bootkrieg gegen 
England eine ganz andere Basis besitzt als der einstige deutsche während dem 
Weltkriege. Die breite Lagerung Frankreichs an zwei Meeren würde Absperrungs- 
maßnahmen, wie sie dem beschränkten nassen Dreieck gegenüber leicht erfolg- 
reich sein konnten, nur sehr schwer durchführbar machen. 

Wer im heutigen Europa versucht, natürliche Gegner Englands zu rinden, wird 
immer auf Frankreich und — auf Rußland stoßen. Frankreich als Macht mit 
kontinentalen politischen Zielen, die aber in Wahrheit immer nur die Rücken- 
deckung für sehr weit gesteckte allgemeine weltpolitische Absichten sind. Ruß- 
land als bedrohlichen Feind Indiens und Besitzer von Ölquellen, denen heute die 
gleiche Bedeutung zukommt, wie Eisen- und Kohlengruben sie im vergangenen 
Jahrhundert besessen haben. 

Wenn England selbst seinen großen weltpolitischen Zielen treu bleibt, dann wer- 
den seine möglichen Widersacher in Europa, Frankreich und Rußland, in der übri- 
gen Welt in der Zukunft besonders die amerikanische Union sein. 

Eine Veranlassung zu einer Verewigung der englischen Feindschaft gegen 
Deutschland ist demgegenüber nicht vorhanden. Ansonsten wäre die englische 
Außenpolitik nunmehr durch Motive bestimmt, die fern aller realen Logik liegen 
und damit vielleicht nur im Kopf eines deutschen Professors maßgeblichen Ein- 
fluß auf die Bestimmung der politischen Verhältnisse der Völker untereinander 
haben können. Nein, man wird in England in der Zukunft genauso nüchtern nach 
reinen Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten seine Einstellungen vornehmen, wie dies 
seit 300 Jahren geschehen ist. Und so wie seit 300 Jahren Bundesgenossen Eng- 
lands zu Feinden werden konnten und Feinde wieder zu Bundesgenossen, so wird 
dies auch in der Zukunft immer der Fall sein, sofern allgemeine und besondere 
Notwendigkeiten dafür sprechen. Wenn aber Deutschland zu einer grundsätzlichen 
politischen Neuorientierung kommt, die den See- und Handelsinteressen Eng- 
lands nicht mehr widerspricht, sondern sich in kontinentalen Zielen erschöpft, 

1 Hitler schreibt hier sichtlich in Erinnerung an die Beschießung von Paris durch deutsche 
Ferngeschütze im Ersten Weltkrieg. 



173 



dann ist ein logischer Grund für eine englische Feindschaft, die dann bloß Feind- 
schaft um der Feindschaft wegen wäre, nicht mehr vorhanden 1 . Denn auch das 
europäische Gleichgewicht interessiert England nur so lange, als es das Werden 
einer für England bedrohlichen Welthandels- und Seemacht verhindert. Es gibt 
gar keine außenpolitische Leitung, die weniger als die englische durch lebens- 
unwirkliche Doktrinen bestimmt gewesen wäre. Ein Weltreich entsteht nicht 
durch sentimentale oder rein theoretische Politik. 
^ Auch in der Zukunft wird deshalb bestimmend für die englische Außenpolitik 
[ die nüchterne Wahrnehmung der britischen Interessen sein. Wer diese Interessen 
\ durchkreuzt, wird damit auch in der Zukunft Englands Feind sein. Wer sie nicht 
j berührt, dessen Dasein wird auch England nicht berühren. Und wer ihnen von 
Zeit zu Zeit nützlich sein kann, der wird an Englands Seite geladen ohne Rücksicht 
darauf, ob eT früher ein Feind gewesen ist und in der Zukunft vielleicht wieder 
einer werden kann. 

Ein nützliches Bündnis aber ablehnen, weil es später einmal vielleicht doch 
in Feindschaft enden kann, bringt nur ein bürgerlich-nationaler deutscher Politiker 
fertig. Einem Engländer so etwas zuzumuten, ist eine Beleidigung des politischen 
Instinkts dieses Volkes. 

Wenn natürlich Deutschland überhaupt zu keiner politischen Zielsetzung 
kommt und damit wie bisher planlos ohne jeden leitenden Gedanken von heute 
auf morgen fortwurstelt, oder wenn diese Zielsetzung in der Wiederherstellung 
der Grenzen und Besitzverhältnisse des Jahres 1914 liegt und damit am Ende 
erneut bei unserer Welthandels-, Kolonial- und Seemachtspolitik landet, dann aller- 
dings wird die englische Feindschaft uns auch für die Zukunft gewiß sein. Dann 
wird Deutschland unter seinen Daweslasten wirtschaftlich ersticken 8 , unter seinen 
Locarnoverträgen politisch verkommen, rassisch sich immer mehr schwächen, 
um endlich als zweites Holland und als zweite Schweiz in Europa sein Dasein 
zu beschließen. Das können unsere bürgerlich-nationalen und vaterländischen 
Politikaster schon erreichen, dazu brauchen sie nur auf dem Wege ihrer heutigen 
Phrasendrescherei weiter fortfahren, mit dem Maul Proteste hinausschleudern, 
ganz Europa bekriegen und vor jeder Tat feige ins Loch kriechen. Nationalbürger- 
lich-vaterländische Politik der Wiedererhebung Deutschlands heißt man dann 
das. So, wie unser Bürgertum es verstanden hat, im Laufe von knappen 60 Jahren 
den Begriff national zu entwürdigen und zu kompromittieren, so zerstört es noch 
in seinem Untergang den schönen Begriff vaterländisch, indem es auch ihn in 
seinen Verbänden zu einer reinen Phrase herabdegradiert. 

Allerdings tritt für die Haltung Englands Deutschland gegenüber noch ein 
weiterer wichtiger Faktor in Erscheinung: das auch in England maßgebenden 
Einfluß besitzende Weltjudentum. So sicher das Engländertum selbst die Kriegs- 

1 Hier sieht man wieder, wie leicht die Mißdeutung der englischen Politik zu falschen Schluß- 
folgerungen führt. 

2 Also vor dem Young-Plan. 



174 



psychose Deutsehland gegenüber überwinden wird können, so sicher wird aber 
auch das Weltjudentum nichts unterlassen, um die alten Feindschaften rege zu 
erhalten, eine Befriedigung Europas nicht eintreten zu lassen, um im Durch- 
einander einer allgemeinen Unruhe seine bolschewistischen Zersetzungstenden- 
zen zum Zuge kommen lassen zu können. 

Man kann nicht über Weltpolitik sprechen, ohne diese furchtbarste Macht in 
Rechnung zu stellen. Ich will mich deshalb mit diesem Problem in diesem Buche 
noch besonders beschäftigen 1 . 



1 Siehe den letzten Abschnitt des Dokuments. Es ist 'beachtenswert, daß diese letzten Zei- 
len mit den ersten Zeilen des folgenden Absohnittes auf derselben Seite stehen. Man darf also 
annehmen, daß diese Hauptteile des Buches zur selben Zeit mindestens begonnen worden 
sind. 

175 



XV 



DEUTSCHLAND UND ITALIEN 



A 

Wenn schon England nicht aus prinzipiellen Gründen gezwungen ist, seine 
Kriegsfeindschaft gegen Deutschland für immer beizubehalten, dann aber noch 
viel weniger Italien. Italien ist der zweite Staat in Europa, der nicht grundsätzlich 
mit Deutschland verfeindet sein muß, ja, dessen außenpolitische Ziele sich mit 
Deutschland überhaupt nicht zu kreuzen brauchen. Im Gegenteil, mit keinem 
Staat hat Deutschland vielleicht mehr gemeinsame Interessen als gerade mit 
Italien und umgekehrt. 

In derselben Zeitperiode, in der Deutschland versuchte, zu einer neuen natio- 
nalen Einigung zu gelangen, fand der gleiche Prozeß auch in Italien statt. Aller- 
dings fehlte den Italienern dabei eine Zentralmacht von langsam werdender und 
endlich überragender Bedeutung, wie es das werdende Deutschland in Preußen 
besaß. Aber ähnlich so, wie der deutschen Einigung in erster Linie Frankreich und 
Österreich als wirkliche Feinde gegenüberstanden, so hatte auch die italienische 
Einigungsbewegung unter diesen beiden Mächten am meisten zu leiden. In der 
Hauptsache war es allerdings der Habsburgerstaat, der an der Beibehaltung der 
inneritaüenischen Zerrissenheit ein Lebensinteresse besitzen mußte und auch be- 
saß. Da ein Staat von der Größe Österreich-Ungarns ohne direkten Zugang zum 
Meere kaum denkbar ist, das einzige hiefür in Frage kommende Gebiet aber we- 
nigstens in seinen Städten von Italienern bewohnt war, mußte schon aus Angst 
vor dem möglichen Verlust dieser Gebiete im Falle der Gründung eines italie- 
schen Nationalstaates Österreich der Entstehung eines geeinten italienischen 
Staates ablehnend entgegentreten, Damals konnte selbst das kühnste politische 
Ziel des italienischen Volkes nur in seiner nationalen Einigung liegen. Dies mußte 
dann auch die außenpolitische Einstellung bedingen. [Das durch Savoyen] Als 
daher die italienische Einigung langsam Gestalt annahm, hat sein genialer großer 
Staatsmann Cavour sich aller Möglichkeiten bedient, die diesem besonderen 
Zwecke dienen konnten. Italien verdankt die Möglichkeit seiner Einigung einer 
außerordentlich klug gewählten Bündnispolitik. Stets war dabei das Ziel in erster 
Linie eine Lähmung des Hauptfeindes dieser Einigung, Österreich-Ungarns, 
herbeizuführen, ja endlich diesen Staat zum Verlassen der norditalienischen 
Provinzen zu bewegen. Damit befanden sich aber selbst nach dem Abschluß der 
vorläufigen Einigung Italiens allein in Österreich-Ungarn über 800 000 Italiener. 
Das nationale Ziel der weiteren Zusammenschließung der Menschen italienischer 
Nationalität mußte freilich zunächst eine Zurückstellung erfahren, da zum ersten 



176 



Mal die Gefahren einer italienisch-französischen Entfremdung aufzusteigen be- 
gannen, Italien entschloß sich, besonders um Zeit zu seiner inneren Konsolidie- 
rung zu erhalten, in den Dreibund einzutreten. 

Der Weltkrieg brachte endlich Italien aus Gründen, die ich schon angeführt 
habe, in das Lager der Entente. Die italienische Einigung ist damit einen gewalti- 
gen Schritt weiter vorwärts getragen worden, jedoch sie ist auch heute noch nicht 
vollendet. Das größte Ereignis für den italienischen Staat ist aber die Beseitigung 
des verhaßten Habsburgerreiches. Allerdings tritt an dessen Stelle ein südslawi- 
sches Gebilde, das schon aus allgemeinen nationalen Gesichtspunkten heraus 
eine kaum weniger große Gefahr für Italien darstellt. 

Denn sowenig für Deutschland auf die Dauer die bürgerlich-nationale immer 
nur rein grenzpolitische Auffassung den Lebensbedürfnissen unseres Volkes Ge- 
nüge leisten konnte, sowenig die ebenso rein bürgerlich-nationale Einigungs- 
politik des italienischen Staates dem italienischen Volk. 

Gleich dem deutschen Volk lebt das italienische auf einer zu kleinen und dabei 
zum Teil wenig fruchtbaren Bodenfläche. Diese Übervölkerung hat Italien schon 
seit vielen Jahrzehnten, ja wohl seit Jahrhunderten zu einem dauernden Menschen- 
export gezwungen. Wenn auch dabei ein großer Teil dieser Auswanderer als 
Saisonarbeiter wieder nach Italien zurückkehrt, um dort von seinen Ersparnissen 
zu leben, so führte dies erst recht zu einer weiteren Anspannung der Lage. Das 
Bevölkerungsproblem wurde damit nicht nur nicht gelöst, sondern verschärft. 
So wie Deutschland durch seinen Warenexport in Abhängigkeit geriet von der 
Aufnahmefähigkeit, der Aufnahmemöglichkeit und dem Aufnahmewollen an- 
derer Mächte und Länder, genau so Italien mit seinem Menschenexport. In bei- 
den Fällen mußte ein durch irgendwelche Ereignisse erfolgtes Abstoppen der 
Empfangsmärkte zu katastrophalen Folgen im Inneren führen. 

Der Versuch Italiens, durch eine Steigerung seiner industriellen Tätigkeit dem 
Ernährungsproblem Herr zu werden, kami deshalb zu keinem endgültigen Er- 
folg führen, weil der Mangel an natürlichen Rohstoffen im Mutterlande Italien 
einen großen Grad der nötigen Konkurrenzfähigkeit von vorneherein raubt. 

So wie in Italien die Auffassungen einer formalen bürgerlichen National- 
politik überwunden werden und an Stelle dessen völkisches Verantwortlichkeits- 
gefühl tritt, wird auch dieser Staat gezwungen sein, von seiner bisherigen politi- 
schen Auffassung abzugehen, um sich einer großzügigen Raumpolitik zuzu- 
wenden. 

Das natürliche Gebiet der italienischen Expansion ist und bleibt dabei das 
Randbecken des mittelländischen Meeres. Je mehr das heutige Italien von seiner 
bisherigen nationalen Einigungspolitik ab- und zu einer imperialistischen hin- 
geht, um so mehr wird es auf die Wege des alten Roms geraten, nicht aus Macht- 
dünkel heraus, sondern aus tiefinneren Notwendigkeiten. Wenn Deutschland 
heute im Osten Europas nach Boden sucht, dann ist dies nicht das Zeichen über- 
spannten Machthungers, sondern nur die Folge seiner Bodennot. Und wenn Italien 



12 



177 



heute am Rande des mittelmeerländischen Beckens seinen Einfluß zu erweitern 
sucht und endlich Kolonien gründen will, dann ist es ebenfalls nur die durch eine 
Zwangslage erfolgte Auslösung einer natürlichen Interessenvertretung, Würde 
die deutsche Politik der Vorkriegszeit nicht mit aller Blindheit geschlagen ge- 
wesen sein, dann hätte sie diese Entwicklung mit allen Mitteln unterstützen und 
fördern müssen, nicht nur weil sie eine natürliche Stärkung des Bundesgenossen 
bedeutet hätte, sondern weil sie vielleicht die einzige Möglichkeit geboten hätte, 
das italienische Interesse von der Adria wegzuziehen und damit die Reibungs- 
flächen mit Österreich-Ungarn zu vermindern. Zu allem Überfluß aber hätte eine 
solche Politik die natürlichste Gegnerschaft, die es überhaupt geben kann, näm- 
lich die zwischen Italien und Frankreich, befestigt und damit wieder in günstigem 
Sinne auf die Stärkung des Dreibundes zurückgewirkt. 

Es war ein Unglück für Deutschland, daß damals nicht nur die Reichsleitung 
glatt versagte, sondern daß vor allem die öffentliche Meinung, angeführt von 
irrsinnigen deutschnationalen Patrioten und außenpolitischen Phantasten, gegen 
Italien Stellung nahm. Besonders auch noch deshalb, weil Österreich im italieni- 
schen Vorgehen in Tripolitanien irgend etwas Unfreundliches entdeckte. Es ge- 
hörte aber damals zur politischen Weisheit unseres nationalen Bürgertums, jede 
Dummheit oder Niedertracht der Wiener Diplomatie zu decken, ja wenn mög- 
lich selbst zu übernehmen, um dadurch am besten die innere Harmonie und Fe- 
stigkeit dieses Herzensbundes vor der Welt zu demonstrieren. 

Nun ist Österreich-Ungarn ausgelöscht. Weniger denn je hat aber Deutsch- 
land eine Veranlassung, eine Entwicklung Italiens zu bedauern, die zwangsläufig 
eines Tages auf Kosten Frankreichs gehen muß. Denn je mehr das heutige Italien 
sich seiner höchsten volklichen Aufgaben besinnt, und je mehr es demgemäß 
zu einer römisch gedachten Raumpolitik übergeht, um so mehr muß es in Gegen- 
satz geraten zu dem schärfsten Konkurrenten im mittelländischen Meer, zu 
Frankreich. Frankreich wird nie dulden, daß Italien zu einer Vormacht im mittel- 
ländischen Meere wird. Es wird dies entweder durch seine eigene Kraft allein 
oder durch ein System von Bündnissen zu verhindern suchen. Es wird der italie- 
nischen Entwicklung Hindernisse in den Weg legen, wo immer dies nur mög- 
lich ist, und es wird endlich auch nicht davor zurückschrecken, die Gewalt zu 
Hilfe zu rufen 1 . Auch die sogenannte Verwandtschaft der beiden lateinischen 
Nationen wird daran nichts ändern, denn sie ist keine nähere als die zwischen 
England und Deutschland. 

1 Der Gedanke an einen französisch-italienischen Krieg hat Hitler jahrelang beschäftigt. 
Er entstammt sichtlich Hitlers vorgefaßter Meinung über die „Raumpolitik Italiens"; in der 
berühmten Hoßbach-Aufzeichnung über die Besprechung vom ö. November 1937 sind ähn- 
liche Gedankengänge Hitlers wiedergegeben. Ungefähr zur Zeit, als er sein Buch diktierte, 
brachte übrigens die Beüage „Der deutsche Frontsoldat" des Völkischen Beobachters einen län- 
geren Artikel von Konstantin Hierl : „Italiens kommender Zweifrontenkrieg" (d. h. mit 
Frankreich und Jugoslawien: Völkischer Beobachter vom 3./4. und 23. Juni 1928, dazu auch 
Völkischer Beobachter vom 3. Juli 1928, S. 2). 



178 



Es 1 kommt noch dazu, daß in eben dem Verhältnis, in dem die eigene Volks- 
kraft Frankreichs nachläßt, dieser Staat an die Erschließung seiner schwarzen 
Menschenreservoire geht. Damit zieht für Europa eine Gefahr von nicht ausdenk- 
barem Umfange herauf. Der Gedanke, daß am Rhein französische Neger als 
Kulturwächter gegen Deutschland das weiße Blut vergiften können, ist so unge- 
heuerlich, daß er noch vor wenigen Jahrzehnten als gänzlich unmöglich angesehen 
worden wäre. Sicher wird durch diese Blutsverpestung Frankreich selbst den 
schwersten Schaden leiden, allein doch nur dann, wenn die anderen europäischen 
Nationen sich des Wertes ihrer weißen Basse bewußt bleiben. Bein militärisch 
betrachtet kann Frankreich sehr wohl seine europäischen Formationen ergänzen 
und, wie der Weltkrieg gezeigt hat, auch wirkungsvoll einsetzen. Zum Schluß 
gewährt diese vollkommen unfranzösische schwarze Armee sogar noch einen ge- 
wissen Schutz gegen kommunistische Demonstrationen, da der Kadavergehor- 
sam in allen Lagen bei einer mit dem französischen Volk blutsmäßig überhaupt 
nicht verbundenen Armee leichter aufrechtzuerhalten sein wird. Die größte Gefahr 
bringt diese Entwicklung aber in erster Linie für Italien mit sich. Wenn das 
italienische Volk seine Zukunft nach seinen eigenen Interessen gestalten will, 
wird es einmal die durch Frankreich mobilisierten schwarzen Armeen als seine 
Gegner haben. Es kann dabei nicht im geringsten Interesse Italiens liegen, eine 
Feindschaft zu Deutschland zu besitzen, die selbst im günstigsten Falle für die 
Gestaltung des italienischen Lebens in der Zukunft nichts Nutzbringendes bei- 
steuern kann. Im Gegenteil, wenn ein Staat die Kriegsfeindschaffc endgültig be- 
graben kann, dann ist dies Italien. Italien hat an keiner weiteren Unterdrückung 
Deutschlands ein eigenes Interesse, wenn beide Staaten ihren natürlichsten Zu- 
kunftsaufgaben nachgehen wollen. 

Schon Bismarck erkannte diese glückliehe Fügung. Öfter als einmal stellte er 
die vollkommene Parallele der deutschen und italienischen Interessen fest. Er ist es, 
der schon darauf hinweist, daß das Italien der Zukunft seine Entwicklung am 
Rande des mittelländischen Meeres suchen wird müssen, und er ist es auch weiter, 
der dabei die Harmonie der italienischen Interessen mit den deutschen feststellt, 
indem er betont, daß nur Frankreich an eine Störung dieser italienischen Lebens- 
gestaltung denken kann, während Deutschland sie von seinem Gesichtspunkt 
aus nur begrüßen muß. Er sieht wirklich in der ganzen Zukunft keine notwendige 
Veranlassung zu einer Entfremdung oder gar zu einer Verfeindung Italiens mit 
Deutschland. Würde Bismarck statt Bethmann Hollweg die Geschicke Deutsch- 
lands vor dem Weltkrieg gelenkt haben, wäre ja auch diese furchtbare Verfein- 
dung nur wegen Österreich [nicht] nie eingetreten. 

Mehr noch selbst als bei England steht es für Italien fest, daß eine kontinen- 
tale Ausdehnung Deutschlands in Nordeuropa keine Bedrohung und damit kei- 
nen Anlaß zu einer Entfremdung für Italien gegen Deutschland geben kann. Um- 

1 An dieser Stelle fängt Seite 240 des Originals an. Die Seiten 240—324 sind Durchschlage 
(siehe oben S. 16, Anm. 4). 



179 



gekehrt sind es die natürlichsten Interessen, die für Italien gegen jede weitere 
Steigerung der französischen Hegemonie in Europa sprechen. 

Damit aber würde vor allem Italien für ein Bundesverhältnis mit Deutschland 
in Frage kommen. 

Seit in Italien der Faszismus einen neuen Staatsgedanken und mit ihm einen 
neuen Willen in das Leben des italienischen Volkes gebracht hat, ist die Feind- 
schaft Frankreichs bereits offensichtlich geworden. Dabei versucht Frankreich, 
durch ein ganzes System von Bundesgenossenschaften sich nicht nur für die mög- 
liche Auseinandersetzung mit Italien zu stärken, sondern auch die möglichen 
Freunde Italiens ein- und abzuschnüren. Das französische Ziel ist ein klares: 
Es soll ein französisches Staatensystem gebildet werden, das von Paris über 
Warschau, Prag, Wien bis nach Belgrad reicht. Der Versuch, Österreich in dieses 
System einzubeziehen, ist keineswegs so aussichtslos, als auf den ersten Blick 
scheinen mag. Bei dem dominierenden Charakter, den die Zweimillionenstadt 
Wien auf das insgesamt nur 6 Millionen Menschen umspannende Österreich aus- 
übt, wird die Politik dieses Landes immer in erster Linie durch Wien bestimmt 
werden. Dem kosmopolitischen [Charakter] Wesen Wiens, das in dem letzten 
Jahrzehnt immer schärfer zum Ausdruck kommt, liegt an sich eine Allianz mit 
Paris weitaus näher als eine solche mit Italien. Dafür sorgt schon die durch die 
Wiener Presse garantierte Bearbeitung der öffentlichen Meinung. Besonders 
wirkungsvoll droht diese Tätigkeit aber zu werden, seit es dieser Presse gelun- 
gen ist, mit Hilfe des Südtiroler Geschreis auch die vollkommen instinktlose 
bürgerlich-nationale Provinz gegen Italien aufzuputschen. Damit zieht eine Ge- 
fahr von gar nicht abmeßbarem Umfang herauf. Denn eine vieljährige konse- 
quent durchgeführte Pressehetze kann kein Volk leichter als das deutsche zu 
den unglaublichsten, ja in Wirklichkeit wahrhaft selbstmörderischen Entschlüs- 
sen bringen. 

Gelingt es Frankreich aber, Österreich in die Kette seiner „Freundschaft" ein- 
zufügen, dann wird Italien eines Tages zu einem Zweifrontenkrieg gezwungen 
sein, oder es wird einer wirklichen Vertretung der Interessen des italienischen Vol- 
kes eben doch wieder entsagen müssen. In beiden Fällen besteht die Gefahr für 
Deutschland, daß ein möglicher Bundesgenosse auf unabsehbare Zeit für Deutsch- 
land endgültig ausscheidet und Frankreich damit immer mehr zum Herren der 
Geschicke Europas wird. 

Was dies für Deutschland mit sich bringt, darüber mag man sich keiner Täu- 
schung hingeben. Unsere bürgerlich-nationalen Grenzpolitiker und vaterländischen 
Verbandsprotestler werden dann alle Hände voll zu tun haben, um im Namen 
der nationalen Ehre die Spuren der Mißhandlungen immer wieder zu. beseitigen, 
die sie von Frankreich dank ihrer weitsichtigen Politik zu ertragen haben werden. 

Seit die nationalsozialistische Bewegung sich mit außenpolitischen Gedanken 
abgibt, habe ich unter Erwägung aller angeführten Motive versucht, sie zum 
Träger eines klaren außenpolitischen Zieles zu erziehen. Der Vorwurf, daß dies 



180 



in erster Linie Aufgabe der Regierung sei, wird zu Unrecht erhoben, zunächst 
in einem Staat, dessen offizielle Regierungen dem Schöße von Parteien entstam- 
men, die weder ein Deutschland kennen noch eine glückliche Zukunft dieses 
Deutschland wollen. Seit die verantwortlichen Arrangeure des Novemberver- 
brechens regierungsfähig geworden sind, werden nicht mehr die Interessen der 
deutschen Nation vertreten, sondern nur mehr die Interessen der sie mißhandeln- 
den Parteien. Überhaupt kann man nicht gut von Menschen eine Förderung deut- 
scher Lebensnotwendigkeiten erwarten, denen Vaterland und Nation nur Mittel 
zum Zweck sind, die, wenn notwendig, um eigener Vorteile wegen schamlos ge- 
opfert werden. Ja, der so oft sichtbare Selbsterhaltungstrieb dieser Menschen und 
Parteien spricht in Wahrheit allein schon gegen jede Wiedererhebung der deut- 
schen Nation, da der Freiheitskampf um die deutsche Ehre notwendigerweise 
Kräfte mobilisieren würde, die zum Untergang und zur Vernichtung der bisheri- 
gen Schänder der deutschen Ehre führen müßten. Einen Freiheitskampf ohne 
allgemeine nationale Wiedererhebung gibt es nicht. Eine Erhebung aber des 
nationalen Gewissens und der nationalen Ehre ist nicht denkbar, ohne daß sie zum 
Gericht über die Verantwortlichen der bisherigen Entehrung werden würde. Der 
nackte Selbsterhaltungstrieb wird diese verkommenen Elemente und ihre Par- 
teien zwingen, alle Schritte zu hintertreiben, die zu einer wirklichen Wiederauf- 
erstehung unseres Volkes führen könnten. Und der scheinbare Wahnsinn man- 
cher Tat dieser Herostraten unseres Volkes, wird, sowie man erst die inneren 
Motive würdigt, zu einer planvoll geschickten, wenn auch infamen und erbärm- 
lichen Handlung. 

In einer solchen Zeit, da aus Parteien solcher Art das öffentliche Leben seine 
Gestaltung erhält und durch einzelne Menschen minderwertigsten Charakters 
repräsentiert wird, ist es die Pflicht einer nationalen Reformbewegung, auch ihren 
eigenen außenpolitischen Weg zu gehen, der dereinst nach aller menschlichen 
Voraussicht und Vernunft zum Erfolg und Glück des Vaterlandes führen muß. 
Soweit also dieser Vorwurf, eine Politik zu treiben, die nicht der offiziellen Außen- 
politik entspricht, von marxistisch-demokratisch-zentrümlerischer Seite kommt, 
kann er mit der gebührenden Verachtung abgetan werden. Wenn bürgerlich- 
nationale und sogenannte vaterländische Kreise ihn erheben, dann ist er wirk- 
lich nur der Ausdruck und das Symbol einer Gesinnung der Vereinsmeierei, die 
sich stets nur in Protesten übte und die es im Ernste gar nicht fassen kann, daß 
eine andere Bewegung den unzerstörbaren Willen besitzt, einmal Macht zu wer- 
den und in Voraussehung dieser Tatsache schon jetzt die notwendige Erziehung 
dieser Macht vorzunehmen. 

Seit dem Jahre 1920 habe ich die nationalsozialistische Bewegung mit allen 
Mitteln und mit aller Beharrlichkeit an den Gedanken eines Bündnisses zwischen 
Deutschland, Italien und England zu gewöhnen versucht. Es war dies sehr 
schwer, besonders in den ersten Jahren nach dem Kriege, da der „Gott strafe 
England"-Standpunkt unserem Volk zunächst noch jede Fähigkeit zum klaren 



181 



und nüchternen Denken auf außenpolitischem Gebiet geraubt hatte und weiter- 
hin gefangen hielt. 

Auch Italien gegenüber war die Lage der jungen Bewegung unendlich schwer, 
besonders seit unter der Leitung des genialen Staatsmannes Benito Mussolini 
eine unerhörte Reorganisation des italienischen Volkes einsetzte, die den Protest 
der gesamten durch Weltfreimaurer dirigierten Staaten auf sich zog. Denn wäh- 
rend bis zum Jahre 1922 die Fabrikanten der öffentlichen deutschen Meinung 
von den Leiden der durch ihre Verbrechen von Deutschland getrennten Volks- 
teile überhaupt keine Notiz nahmen, begannen sie nun auf einmal Südtirol [auf] 
ihrer Aufmerksamkeit zu würdigen. Mit allen Mitteln einer gerissenen Journa- 
listik und einer T erlogenen Dialektik wurde das Südtiroler Problem zu einer 
Frage von außerordentlicher Bedeutung aufgebauscht, so daß am Ende in Deutsch- 
land und Österreich Italien einer Verfemung verfiel, wie sie keinem anderen der 
Siegerstaaten zuteil wurde. Wollte die nationalsozialistische Bewegung ihre 
außenpolitische Mission, getragen von der Überzeugung der unbedingten Not- 
wendigkeit derselben, ehrlich vertreten, dann durfte sie nicht zurückzucken, den 
Kampf gegen dieses System der Lüge und Verwirrung aufzunehmen. Sie hatte 
dabei auf keinen Bundesgenossen zu rechnen, sondern mußte sich leiten lassen 
von dem Gedanken, daß man lieber auf Popularität billiger Art verzichten muß, 
als gegen eine erkannte Wahrheit, eine vorliegende Notwendigkeit und die Stimme 
seines eigenen Gewissens zu handeln. Selbst wenn man dabei unterhegen würde, 
dann wäre dies immer noch ehrenvoller, als sich an einem durchschauten Ver- 
brechen zu beteiligen. 

Als ich im Jahre 1920 auf die Möglichkeit eines späteren Zusammengehens mit 
Italien hinwies, schienen tatsächlich wenigstens zunächst alle Voraussetzungen 
hiezu zu fehlen. Italien befand sich im Kranze der Siegerstaaten und nahm an 
den tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Vorteilen dieser Lage teil. Es 
schien im Jahre 1919 und 1920 gar keine Aussicht zu bestehen, daß sich in abseh- 
barer Zeit das innere Gefüge der Entente lockern würde. Noch legte die gewaltige 
Weltkoalition allen Wert darauf, zu zeigen, daß sie ein in sich selbst geschlos- 
sener Sieges- und damit auch Friedensgarant sei. Die Schwierigkeiten, die schon 
anläßlich der Abfassung der Friedensverträge zu Tage getreten waren, kamen 
der breiteren Öffentlichkeit um so weniger zum Bewußtsein, als eine geschickte 
Regie wenigstens nach außen hin stets den Eindruck einer vollkommenen Ein- 
heitlichkeit zu wahren vermochte. Dieses gemeinsame Auftreten war sowohl 
begründet in der durch die allgemeine gleichartige Kriegspropaganda erzielten 
öffentlichen Meinung, als aber auch in der noch immer unsicheren Furcht vor 
dem deutschen Riesen. Erst langsam erhielt die äußere Welt einen Einblick in 
die Größe des inneren Verfalls Deutschlands. Auch ein weiterer Grund wirkte 
bei der fast unlöslich scheinenden Zusammengehörigkeit der Siegerstaaten mit: 
Die Hoffnung der einzelnen, auf solche Weise bei der Beuteverteilung nicht über- 
gangen zu werden. Endlich war es noch weiter die Angst, daß, wenn wirklich ein 



182 



Staat damals sich zurückgezogen haben würde, das Schicksal Deutschlands trotz- 
dem keinen anderen Lauf genommen hätte, nur wäre der Nutznießer unseres Zu- 
sammenbruchs dann vielleicht Frankreich ganz allein gewesen. Denn in Paris 
dachte man natürlich nicht daran, eine Änderung der im Krieg betätigten Hal- 
tung gegen Deutschland herbeizuführen. „Der Friede ist für mich die Fortset- 
zung des Krieges." Mit diesem Satz drückte der alte weißhaarige Clemenceau die 
wirklichen Absichten des französischen Volkes aus. 

Dieser wenigstens scheinbaren inneren Festigkeit der Siegerkoalition mit dem 
von Frankreich inspirierten unverrückbaren Ziel einer noch nachträglichen voll- 
ständigen Vernichtung Deutachlands stand eine vollkommene Planlosigkeit der 
deutschen Absichten gegenüber. Neben der erbärmlichen Schurkerei derjenigen, 
die im eigenen Lande Deutschland wider alle Wahrheit und wider ihr eigenes 
Wissen die Schuld am Kriege zuschoben und mit aller Frechheit [die] daraus die 
Berechtigung der feindlichen Erpressungen ableiteten, stand eine teils verschüch- 
terte, teils unsichere nationale Seite, die glaubte, nun nach erfolgtem Zusammen- 
bruch durch eine möglichst peinliche Rekonstruktion der Vergangenheit der Na- 
tion helfen zu können. Wir haben den Krieg verloren infolge eines Mangels an 
nationaler Leidenschaft gegen unsere Feinde. Es war die Meinung der nationalen 
Kreise, daß man deshalb erst recht diesen unheilvollen Mangel ersetzen müsse 
und im Frieden den Haß gegen die ehemaligen Gegner zu verankern habe. Dabei 
war es bemerkenswert, daß von Anbeginn an dieser Haß sich mehr gegen Eng- 
land und später Italien konzentrierte als gegen Frankreich. Gegen England, weil 
man dank der Bethmann Hollweg'schen Einschläferungspolitik bis in die letzten 
Stunden an einen Krieg mit England nicht geglaubt hatte und damit seinen 
Eintritt als ein außerordentliches schändliches Verbrechen wider Treu und Glauben 
empfand. Bei Italien war der Haß angesichts der politischen Gedankenlosigkeit 
unseres deutschen Volkes erst recht verständlich. Man war von den offiziellen 
Regierungskreisen im Dunst und Nebel des Dreibundes so gefangen worden, daß 
schon das Nichteingreifen Italiens zugunsten Österreich-Ungarns und Deutsch- 
lands als Treubruch empfunden wurde. Im späteren Anschluß des italienischen 
Volkes an unsere Feinde erblickte man aber eine grenzenlose Perfidie. Dieser 
gesammelte Haß entlud sich dann in dem echt bürgerlich-nationalen Donner- 
wort und Kampfschrei: „Gott strafe England". Da der liebe Gott nun ebenso- 
sehr bei den Stärkeren, Entschlosseneren wie auch lieber bei den Klügeren ist, 
hat er diese Strafe ersichtlich abgelehnt. Dennoch war wenigstens während des 
Krieges die Aufpeitschung unserer Nationalleidenschaft mit allen Mitteln nicht 
nur erlaubt, sondern selbstverständlich geboten. Es war nur von Übel, daß man, 
trotzdem die Leidensehaft bei uns nie zu hoch getrieben wurde, dennoch den Blick 
für die realen Wirklichkeiten verloren hatte. Es gibt in der Politik keinen Justa- 
mentsstandpunkt 1 , und es war deshalb schon während des Krieges falsch, beson- 



1 Eine aufschlußreiche Bemerkung ! 



183 



ders aus dem Eintritt Italiens in die Weltkoalition keine anderen Konsequenzen zu 
ziehen als nur die einer aufflammenden Wut und Empörung. Denn man hätte 
im Gegenteil die Pflicht gehabt, nun erst recht immer wieder die Möglichkeiten 
der Lage zu überprüfen, um jene Entschlüsse zu treffen, die für die Rettung der 
bedrohten deutschen Nation in Frage gekommen wären. Denn mit dem Eintritt 
Italiens in die Front der Entente war eine außerordentliche Erschwerung der 
Kriegslage nicht zu vermeiden, nicht etwa nur infolge des waffenmäßigen Zu- 
wachses, den die Entente erhielt, sondern viel mehr noch infolge der moralischen 
Stärkung, die im Neuauftreten einer solchen Macht an der Seite der sich bilden- 
den Weltkoalition besonders für Frankreich liegen mußte. Pflichtgemäß hätte sich 
damals die politische Leitung der Nation entschließen müssen, koste es was es 
kosten wolle, den Zwei- und Dreifrontenkrieg zu beenden. Deutschland war nicht 
verantwortlich dafür, daß der korrupte, verschlampte österreichische Staat er- 
halten würde. Der deutsche Soldat kämpfte auch nicht für die Hausmacht- 
politik des Erzhauses Habsburg. Das lag höchstens im Sinne unserer nicht käm- 
pfenden Hurra-Schrcier, aber nicht der ihr Blut vergießenden Front. Die Leiden 
und Nöte des deutschen Musketiers waren schon im Jahre 1915 unermeßliche. 
Für die Zukunft und Erhaltung unseres deutschen Volkes konnte man diese Lei- 
den fordern, für die Rettung des habsburgischen Großmachtswahnsinns aber 
nicht. Es war ein ungeheuerlicher Gedanke, Millionen deutscher Soldaten in 
einem aussichtslosen Krieg verbluten zu lassen, nur damit der Staat einer Dy- 
nastie erhalten bleibt, deren eigenste dynastische Interessen seit Jahrhunderten 
antideutsche gewesen sind. Dieser Wahnsinn wird einem erst vollkommen in 
seinem ganzen Umfang verständlich, wenn man sich vor Augen hält, daß das 
beste deutsche Blut vergossen werden mußte, damit im günstigsten Fall die 
Habsburger dann im Frieden wieder die Möglichkeit erhalten hätten, das deutsche 
Volk zu entnationalisieren. Für diesen himmelschreienden Irrsinn hat man nicht 
nur selbst an zwei Fronten den ungeheuersten Bluteinsatz vornehmen müssen, 
nein, man war dann sogar noch verpflichtet, immer und immer wieder mit deutschem 
Fleisch und Blut die Lücken auszufüllen, die der Verrat und die Korruption in 
die Fronten des hohen Bundesgenossen gerissen hatten. Und dabei brachte man 
diese Opfer für eine Dynastie, die selbst bereit war, bei der ersten sich bietenden 
Gelegenheit den alles opfernden Verbündeten im Stich zu lassen. Und die dies 
dann später auch getan hat. Von dem Verrat allerdings da reden unsere bürger- 
lich-nationalen vaterländischen Patrioten so wenig, als sie von dem laufenden 
Verrat der mit uns verbündeten österreichischen Kriegsvölker sprechen, slawi- 
scher Nationalität, die regiments- und brigadeweise zum Gegner hinüber- 
schwenkten, um am Ende sogar noch in eigenen Legionen am Kampfe gegen die 
teilzunehmen, die nur durch die Handlungen ihres Staates in dieses entsetzliche 
Unglück hineingerissen worden waren. Dabei würde Österreich-Ungarn niemals 
von sich aus an einem Krieg teilgenommen haben, der Deutschland betroffen 
hätte. Es ist nur der grenzenlosen Unkenntnis der österreichischen Verhältnisse 



184 



zuzuschreiben, die in Deutschland allgemein vorherrschte, daß man vielleicht da 
oder dort wirklich glaubte, im Dreibund einen auf Gegenseitigkeit begründeten 
Schutz zu haben. Es hätte die schlimmste Enttäuschung für Deutschland ge- 
geben, wenn der Weltkrieg durch eine deutsche Veranlassung ausgebrochen wäre. 
Niemals hätte der in seiner slawischen Majorität und in seinem habsburgisehen 
Herrscherhaus grundsätzlich antideutsch und reichsfeindlich eingestellte öster- 
reichische Staat den Waffenkampf zum Schutz und zur Hilfe Deutschlands gegen 
eine ganze andere Welt mit aufgenommen, so, wie das dummerweise Deutsch- 
land getan hat. Tatsächlich hatte Deutschland Österreich-Ungarn gegenüber 
nur eine einzige Verpflichtung zu erfüllen, nämlich: Das Deutschtum dieses 
Staates mit allen Mitteln zu retten und die verkommene, schuldbeladendste Dy- 
nastie, die das deutsche Volk je zu ertragen gehabt hat, zu beseitigen. 

Der Eintritt Italiens in den Weltkrieg hätte für Deutsehland der Anlaß zu 
einer grundsätzlichen Revision seiner Stellung Österreich-Ungarn gegenüber sein 
müssen. Es ist nicht eine politische Tat oder gar der Ausfluß einer politischen 
Leitung von Klugheit und Fähigkeit, in einem solchen Fall keine andere Antwort 
zu finden als verbissene Wut und ohnmächtigen Grimm. So etwas ist im Privat- 
leben schon meistens schädlich, im politischen aber ärger als ein Verbrechen. 
Es ist eine Dummheit. 

Und selbst wenn dieser Versuch einer Änderung der bisherigen deutschen Ein- 
stellung zu keinem Erfolg geführt haben würde, dann würde er aber zumindest 
die politische Leitung der Nation freisprechen von der Schuld, es nicht versucht 
zu haben. Deutschland mußte auf jeden Fall versuchen, nach dem Eintritt 
Italiens in den Weltkrieg zu einer Beendigung des Zweifrontenkrieges zu kommen. 
Es war dann ein Sonderfrieden mit Rußland anzustreben, nicht nur auf dem Stand- 
punkt eines Verzichts auf jede Auswertung der bisherigen von deutschen Waffen 
erfochtenen Erfolge im Osten, sondern sogar, wenn notwendig, unter Opferung 
von Österreich-Ungarn. Nur die vollkommene Loslösung der deutschen Politik 
von der Aufgabe, den österreichischen Staat zu retten und deren ausschließliche 
Konzentration auf die Aufgabe, dem deutschen Volk zu helfen, konnte noch eine 
Aussicht nach menschlichem Ermessen auf den Sieg gewähren. 

Im übrigen wäre bei einer Zertrümmerung Österreich-Ungarns die Angliede- 
rung von 9 Millionen Deutschösterreichern an das Reich an sich ein vor der Ge- 
schichte und für die Zukunft unseres Volkes wertvollerer Erfolg gewesen als der 
in den Auswirkungen fragwürdige Gewinn einiger französischer Kohlen- oder 
Eisengruben. Es muß aber immer wieder betont werden, daß die Aufgabe einer 
auch nur bürgerlich-nationalen deutschen Außenpolitik nicht die Erhaltung des 
Habsburgerstaates gewesen wäre, sondern ausschließlich nur die Rettung der 
deutschen Nation, einschließlich den 9 Millionen Deutschen in Österreich. Und 
sonst gar nichts, aber auch rein nichts. 

Die Reaktion der deutschen Reichsleitung auf die durch den Eintritt Italiens 
in den Weltkrieg geschaffene neue Lage war bekanntlich eine andere. Man ver- 



185 



suchte, nun erst recht, den österreichischen Staat der desertierenden slawischen 
Bundesbrüder zu retten, indem man das deutsche Blut in noch erhöhtem Maße 
zum Einsatz brachte und in der Heimat die Rache des Himmels auf den treulosen 
Verbündeten von einst herabbeschwor. Um aber sich selbst jede Möglichkeit einer 
Beendigung des Zweifrontenkrieges zu verriegeln, ließ man sich von der pfiffigen 
und gerissenen Wiener Diplomatie zur Gründung des polnischen Staates bewegen. 
Damit war jede Hoffnung, mit Rußland zu einer Verständigung zu kommen, 
die sich natürlich auf Kosten Österreich-Ungarns ausgewirkt hätte, von den 
Habsburgern schlauerweise unterbunden. Der deutsche Soldat aus Bayern und 
Pommern, Westfalen, Thüringen und Ostpreußen, aus Brandenburg, Sachsen und 
vom Rheine hatte damit die hohe Ehre erhalten, in furchtbaren, blutigsten Schlach- 
ten der Weltgeschichte sein Leben zu Hunderttausenden hinzugeben [für die 
Bildung] nicht etwa für die Rettung der deutschen Nation, sondern für die Bil- 
dung eines polnischen Staates, dem bei günstig ausgehendem Weltkrieg die Habs- 
burger einen Repräsentanten gegeben hätten und der für Deutschland dann ein 
ewiger Feind gewesen wäre 1 . 

Bürgerlich-nationale Staatspolitik. Wenn aber schon im Kriege diese Reaktion 
auf den italienischen Schritt unverzeihlicher Wahnwitz gewesen war, dann war 
die Konservierung der stimmungsmäßigen Reaktion auf den italienischen Schritt 
nach dem Kriege eine noch größere, kapitale Dummheit. 

Sicherlich befand sich Italien auch nach dem Kriege in der Koalition der Sieger- 
staaten und damit auch an der Seite Frankreichs. Aber es war selbstverständlich, 
da doch Italien nicht etwa aus profranzösischen Gefühlen in den Krieg eingetre- 
ten war. Die bestimmende Macht, die das italienische Volk dazu trieb, war aus- 
schließlich der Haß gegen Österreich und die sichtbare Möglichkeit, den eigenen 
italienischen Interessen nützen zu können. Dies war der Grund des italienischen 
Vorgehens und nicht irgendeine phantastische Gefühlsregung für Frankreich. 
Daß nun Italien nach dem erfolgten Zusammenbruch seines verhaßten lOOjäh- 
rigen Gegners weitgehende Konsequenzen zog, kann man als Deutscher mit tief- 
stem Schmerz fühlen, darf einem aber nicht die Sinne einer gesunden Vernunft 
nehmen. Das Schicksal hatte sich gewendet. Einst hatte Österreich über 800 000 
Italiener unter seiner Herrschaft, und nun fielen 200 000 Österreicher unter die 

1 In dieser Version erwähnt Hitler Ludendorffs entscheidende Bolle in der Angelegenheit 
überhaupt nicht. Die polnische Frage im Weltkrieg hat aber später in Hitlers Gedankengängen 
eine andere Rolle gespielt. Als im Zweiten Weltkrieg die großzügige Organisation und An- 
erkennung russischer Freiwilligenverbände von deutsehen Dienststellen vorgeschlagen wurde, 
berief sich Hitler als Argument für seine prinzipiell ablehnende Haltung öfter auf Ludendorffs 
nicht verwirklichte Hoffnung, durch die Proklamierung eines polnischen Staates polnische 
Divisionen zu erhalten. So in der Besprechung über die Wlassow-Frage am 8. Juni 1943 
(George Fischer, „Vlasow and Hitler", Journal of Modern Ilistory, XXIII, 1951, S. 63 f., 67, 
70) und in einer Rede vor den Heeresgruppenführern des Ostheeres am 1. Juli 1943 (Helmut 
Krausnick, „Zu Hitlers Ostpolitik im Sommer 1943", Vierteljahrshefte, für Zeitgeschichte, 
II, 1954, S. 310). 



186 



Herrschaft Italiens. Daß diese uns interessierenden 200 000 deutscher Nationalität 
sind, ist die Ursache unseres Schmerzes. 

Mit der Aufhebung des ewigen latenten österreichisch-itaDenischen Konflikts 
sind die Zukunftsziele weder einer nationalen noch völkisch gedachten italieni- 
schen Politik erfüllt. Im Gegenteil, die enorme Steigerung des Selbst- und Macht- 
bewußtseins des italienischen Volkes durch den Krieg und ganz besonders durch 
den Faszismus wird seine Kraft zur Verfolgung größerer Ziele nur erhöhen. Damit 
werden aber die natürlichen Interessengegensätze zwischen Italien und Frank- 
reich immer mehr in Erscheinung treten. Und darauf konnte man schon in den 
J ahren 1 920 [sie] re chnen und hoffen . Tatsächlich zeigten sich auch schon damals die 
allerersten Spuren einer inneren Disharmonie zwischen den beiden Staaten. 
Während die südslawischen Instinkte einer weiteren Schmälerung des österrei- 
chischen Deutschtums der ungeteilten Sympathie Frankreichs sicher waren, war 
die italienische Haltung schon in der Zeit der Befreiung Kärntens von den Slawen 
eine zumindest dem Deutschtum gegenüber sehr wohlwollende. Diese innere Um- 
stellung Deutschland gegenüber zeigte sich auch in der Haltung italienischer 
Kommissionen in Deutschland selbst, am schärfsten anläßlich der Kämpfe in 
Oberschlesien. Man konnte jedenfalls schon damals den Beginn einer wenn auch 
zunächst nur leichten inneren Entfremdung zwischen den beiden lateinischen 
Nationen feststellen. Nach aller menschlichen Logik und Vernunft und auf Grund 
aller bisherigen Erfahrungen der Geschichte muß diese Entfremdung sich immer 
mehr vertiefen und muß eines Tages beim offenen Kampf enden. Italien wird, 
es mag wollen oder nicht, um die Existenz und Zukunft seines Staates gegen 
Frankreich genauso kämpfen müssen wie Deutschland selbst. Es ist dabei nicht 
notwendig, daß Frankreich dabei stets im Vordergrund der Aktionen steht. Es 
wird aber an den Drähten derjenigen ziehen, die es in kluger Weise in finanzielle 
und militärische Abhängigkeit von sich gebracht hat, oder mit denen es durch 
gleichlaufende Interessen verbunden erscheint. Die italienisch-französische Aus- 
einandersetzung kann endlich genauso am Balkan begonnen werden, wie sie in 
der lombardischen Tiefebene vielleicht ihr Ende findet. 

Angesichts dieser zwingenden Wahrscheinlichkeit einer späteren Verfeindung 
Italiens mit Frankreich schien schon im Jahre 1920 gerade dieser Staat in erster 
Linie als ein zukünftiger Bundesstaat für Deutschland in Frage zu kommen. 
Diese Wahrscheinlichkeit steigerte sich zur Gewißheit, als mit dem Siege des 
Faszismus die schwächliche, am Ende doch internationalen Einflüssen unterliegende 
italienische Regierung beseitigt wurde und an ihre Stelle ein Regiment trat, das 
die ausschließliche Vertretung der italienischen Interessen als Parole an seine 
Fahnen geheftet hatte. Eine schwache itahemsch-demokratisch-bürgerhehe Re- 
gierung konnte vielleicht unter Außerachtlassung der wirklichen italienischen 
Zukunftsaufgaben ein gekünsteltes Verhältnis mit Frankreich aufrechterhalten, 
ein nationalbewußtes und verantwortliches italienisches Regiment aber niemals. 
An dem Tag, an dem das üktorenbündel italienisches Staatszeichen wurde, hat 



187 



der Kampf des dritten Roms um die Zukunft des italienischen Volkes seine ge- 
schichtliche Deklaration erhalten. Damit wird eine der beiden lateinischen Na- 
tionen den Platz am mittelländischen Meere räumen müssen, während die andere 
die Vorherrschaft als Preis dieses Ringens erhalten wird. 

Als nationalbewußter und vernünftig denkender Deutscher habe ich die feste 
Hoffnung und den stärksten Wunsch, daß dies Italien sein möge und nicht Frank- 
reich. 

Damit wird aber mein Verhalten Italien gegenüber von zukunftsfreudigen Mo- 
tiven bewegt und nicht von unfruchtbaren Rückerinnerungen an den Krieg. 

Der Standpunkt, „Hier werden Kriegserklärungen entgegengenommen", war 
als Waggonaufschrift bei Truppentransporten ein gutes Zeichen des sieghaften 
Vertrauens des einzig [sie] alten Heeres. Als politisches Bekenntnis aber eine ver- 
rückte Dummheit 1 . Noch viel verrückter aber ist es, wenn man sich heute auf den 
Standpunkt stellt, für Deutschland komme kein Bundesgenosse in Frage, der im 
Weltkrieg auf der Seite der Gegner stand und am Nutzen des Weltkrieges zu un- 
seren Ungunsten teilnahm. Wenn Marxisten, Demokraten und Zentrümler einen 
solchen Gedanken zum Leitmotiv ihres politischen Handelns erheben, dann ist 
dies deshalb klar, weil diese verkommenste Koalition ja überhaupt niemals eine 
Wiedererhebung der deutschen Nation wünscht. Wenn aber nationale bürger- 
liche und vaterländische Kreise solche Gedanken übernehmen, dann hört sich 
alles auf. Denn man nenne mir überhaupt die Macht, die in Europa als Bundes- 
genosse in Frage kommen könnte und die sich nicht territorial auf unsere oder 
unserer damaligen Verbündeten Kosten bereichert hätte. Von dem Standpunkt 
aus betrachtet, scheidet dann von vorneherein aus Frankreich, weil es Elsaß- 
Lothringen geraubt hat und das Rheinland rauben will, Belgien, weil es Eupen 
und Malmedy besitzt, England, weil es unsere Kolonien, wenn auch nicht besitzt, 
aber dann doch zumindest zum größten Teil verwaltet ; was das aber im Völker- 
leben heißt, weiß jedes Kind. Dänemark scheidet aus, weil es Nordschleswig ge- 
nommen hat, Polen, weil es Westpreußen und Oberschlesien und Teile von Ost- 
preußen besitzt, die Tschechoslowakei, weil sie fast 4 Millionen Deutsche unter- 
drückt, Rumänien, weil es ebenfalls über 1 Million Deutsche annektiert hat, 
Jugoslawien, weil es nahezu 600 000 Deutsche besitzt, und Italien, weil es Südtirol 
heute sein eigen nennt 2 . 

Damit sind die Bundesmöglichkeiten in Europa samt und sonders für unsere 

1 Vgl. dazu die überheblichen, Hitlers Gedanken noch übersteigernden Worte Ribbentrops 
bei der Kriegserklärung gegen die Vereinigten Staaten : „Eine Großmacht läßt sich nicht den 
Krieg erklären, sie erklärt ihn selbst." Die Kriegserklärungen anderer Staaten der Neuen 
Welt wollte er vom Auswärtigen Amt nicht annehmen lassen. Ernst von Weizsäcker, Erinne- 
rungen (München: Paul Iist Verlag, 1950, S. 328, 333 f.). 

2 Siehe hierzu die fast wörtlich gleichen Ausführungen der in der Einleitung abgedruckten 
Rede vom 13. Juli 1928. — Bezeichnenderweise spricht Hitler hier übertreibend von „fast 
4 Millionen" Deutschen in der Tschechoslowakei, reduziert dagegen für Südtirol (vgl. S. 187) 
die Zahl auf 200000. 



188 



national-bürgerlichen und vaterländischen Kreise unmöglich. Aber sie brauchen 
das ja auch gar nicht, denn sie werden durch die Flut ihrer Proteste und das Dröh- 
nen ihres Hurrageschreis den Widerstand der anderen Welt teils ersticken, teils 
zum Einsturz bringen. Und dann werden sie ohne jeden Verbündeten, ja auch 
ohne alle Waffen, nur gestützt auf die Protestfestigkeit ihres Mundwerks, die ge- 
raubten Gebiete zurückholen, England noch nachträglich durch den lieben Gott 
strafen lassen, Italien aber züchtigen und der gebührenden Verachtung der ge- 
samten Welt preisgeben — soferne sie nicht bis dorthin von ihren eigenen augen- 
blicklichen außenpolitischen Verbündeten, den bolschewikischen und marxi- 
stischen Juden, an die Laternenpfahle gehängt worden sind. 

Dabei ist es bemerkenswert, daß unseren nationalen Kreisen bürgerlicher und 
vaterländischer Herkunft gar nicht zum Bewußtsein kommt, daß der stärkste 
Beweis für die Unrichtigkeit ihrer außenpolitischen Haltung in der Zustimmung 
der Marxisten, Demokraten und Zentrümler liegt, überhaupt besonders in der 
Zustimmung des Judentums. Aber man muß besonders unser deutsches Bürger- 
tum kennen, um sofort zu wissen, warum dies so ist. Sie sind alle unendlich 
glücklich, wenigstens eine Angelegenheit gefunden zu haben, in der die vermeint- 
liche Einigkeit des deutschen Volkes hergestellt erscheint. Da kann es sich dabei 
ruhig schon um eine Dummheit handeln. Es ist trotzdem unendlich wohltuend 
für einen mutigen bürgerlichen und vaterländischen Politiker, in nationalen 
Kampftönen reden zu können, ohne vom nächsten Kommunisten dafür gleich 
eine Maulschelle zu empfangen. Daß ihnen diese aber nur deshalb erspart bleibt, 
weil ihre politische Auffassung national ebenso unfruchtbar wie jüdisch-marxi- 
stisch wertvoll ist, leuchtet diesen Menschen entweder nicht ein oder wird im 
Tiefinnersten verschwiegen. Es ist unerhört, welchen Umfang die Korruption 
der Lüge und Feigheit bei uns angenommen hat. 



B 

Als ich im Jahre 1920 die außenpolitische Einstellung der Bewegung nach 
Italien hin vornahm, stieß ich zunächst bei den nationalen Kreisen sowohl als 
auch bei den sogenannten vaterländischen auf vollständiges Unverständnis. Es 
war diesen Menschen einfach unbegreiflich, wie man entgegen der allgemeinen 
Verpflichtung zu dauernden Protesten einen politischen Gedanken fassen konnte, 
der praktisch genommen, eine innere Liquidation einer der Feindschaften des 
Weltkrieges bedeutete. Uberhaupt war es den nationalen Kreisen unverständlich, 
daß ich das Hauptgewicht der nationalen Tätigkeit nicht auf Proteste gelegt wis- 
sen wollte, die man vor der Münchner Feldherrnhalle oder irgendwo anders bald 
gegen Paris, dann wieder gegen London oder auch gegen Rom in den blauen 
Himmel hineinschmettert, sondern vielmehr auf die Beseitigung der zunächst 
im Innern Deutschlands für den Zusammenbruch Verantwortlichen. Anläßlich 



189 



des Pariser Diktats fand ebenfalls in München eine ganz flammende Protest- 
kundgebung gegen Paris statt, die allerdings Herrn Clemenceau wenig Sorge be- 
reitet haben dürfte, die mich aber veranlaßte, in aller Schärfe die dieser Proteste- 
lei entgegengesetzte nationalsozialistische Einstellung herauszuarbeiten. Frank- 
reich hat nur getan, was jeder Deutsche wissen konnte und wissen hätte müssen. 
Würde ich selbst Franzose sein, wäre ich selbstverständlich hinter Clemenceau 
gestanden. Gegen einen übermächtigen Gegner aus der Perne dauernd bellen, 
ist ebenso unwürdig wie blöde. Die nationale Opposition dieser vaterländischen 
Kreise hätte demgegenüber ihre Zähne den Verantwortlichen und Schuldigen 
an der furchtbaren Katastrophe unseres Zusammenbruches in Berlin zeigen 
müssen. Allerdings war es angenehmer, gegen Paris Flüche auszustoßen, zu deren 
Verwirklichung angesichts der tatsächlichen Verhältnisse keine Möglichkeit vor- 
lag, als gegen Berlin mit Taten aufzutreten. 

Dies galt insbesondere auch von den Vertretern jener bayerischen Staatspolitik, 
die allerdings schon durch die Tatsache ihrer bisherigen Erfolge die Art ihrer 
Genialität genugsam erkennen läßt. Denn gerade die Männer, die dauernd vor- 
gaben, Bayerns Hoheitsrechte wahren zu wollen, und die dabei auch die Erhal- 
tung des außenpolitischen Betätigungsrechtes im Auge hatten, wären in erster 
Linie verpflichtet gewesen, positiv eine mögliche Außenpolitik so zu vertreten, 
daß Bayern damit zwangsläufig die Führung einer wirklich von großen Gesichts- 
punkten aus aufgefaßten nationalen Opposition in Deutschland erhalten hätte. 
Gerade der bayerische Staat hätte angesichts der vollständigen Zerfahrenheit der 
Pveichspolitik oder der beabsichtigten Negierung aller wirklichen Erfolgsmög- 
lichkeiten sich zum Wortführer einer Außenpolitik aufschwingen müssen, die nach 
menschlicher Voraussicht eines Tages die Beendigung der entsetzlichen Isolie- 
rung Deutschlands mit sich gebracht hätte. 

Allein auch dort in diesen Kreisen stand man der von mir vertretenen außen- 
politischen Auffassung eines Zusammengehens mit Italien vollkommen gedanken- 
los dumm gegenüber. Statt sich in so großzügiger Weise zum Wortführer und 
Wahrer höchster nationaler deutscher Zukunftsinteressen aufzuschwingen, blin- 
zelte man lieber von Zeit zu Zeit mit einem Auge nach Paris und beteuerte, indem 
man das andere zum Himmel emporschlug, die reichstreue Gesinnung einerseits, 
aber anderseits doch den Entschluß, Bayern zu retten, indem man den Norden 
bolschewistisch ausbrennen lasse. Ja, ja, es sind schon ganz besonders große gei- 
stige Phänomene, die der bayerische Staat mit der Vertretung seiner Hoheits- 
rechte betraut hat. 

Daß man angesichts einer solchen allgemeinen Mentalität vom ersten Tage an 
meiner außenpolitischen Auffassung, wenn schon nicht direkt ablehnend, dann 
doch zumindest gänzlich verständnislos gegenüberstand, darf niemand wunder- 
nehmen. Ich habe damals, aufrichtig gesagt, auch gar nichts anderes erwartet. 
Ich rechnete noch mit der allgemeinen Kriegspsychose und bemühte mich nur, 
der eigenen Bewegung ein nüchternes außenpolitisches Denken anzuerziehen. 



190 



Irgendwelche offene Angriffe hatte ich wegen meiner Italienpolitik damals 
noch nicht zu erdulden. Der Grund lag einerseits wohl darin, daß man sie im 
Augenblick für vollkommen ungefährlieh hielt, und daß anderseits Italien selber 
ja ebenfalls eine den internationalen Einflüssen unterliegende Regierung hatte. 
Ja, im Hintergrund hoffte man vielleicht sogar, daß dieses Italien der bolsche- 
wistischen Seuche erliegen könnte und dann wäre es, zumindest für unsere Links- 
kreise, als Bundesgenosse an sich hochwillkommen gewesen. 

Außerdem konnte man damals auch nicht gut gerade von der linken Seite ge- 
gen den Abbau einer Kriegsfeindschaft Stellung nehmen, da man sich in diesem 
Lager ja ohnehin unausgesetzt bemühte, das häßliche, entwürdigende und für 
Deutschland so ungerechtfertigte Gefühl des Kriegshasses auszurotten. Es wäre 
nicht leicht gewesen, aus diesen Kreisen heraus gegen mich einen Vorwurf zu 
erheben wegen einer außenpolitischen Auffassung, die ja als Voraussetzung für 
ihre Verwirklichung zumindest den Abbau des Kriegshasses zwischen Deutsch- 
land und Italien bedingt hätte. 

Ich muß aber noch einmal betonen, daß vielleicht der Hauptgrund, warum ich 
so wenig positiven Widerstand fand, für meine Gegner wohl in der vermuteten 
Harmlosigkeit, Undurchführbarkeit und damit auch Ungefährlichkeit meiner 
Aktion lag. 

Dieser Zustand änderte sich fast wie mit einem Sehlage, als Mussolini den 
Marsch nach Rom angetreten hatte. Wie auf Zauberwort begann von dieser Stunde 
an das Trommelfeuer der Vergiftung und Verleumdung durch die gesamte jüdi- 
sche Presse gegen Italien einzusetzen. Und nun erst nach dem Jahre 1922 wurde 
die Südtiroler Frage aufgeworfen und, die Südtiroler selber mochten das wollen 
oder nicht, zum Angelpunkt des deutsch-italienischen Verhältnisses gemacht. 
Es dauerte nicht lange, dann wurde selbst der Marxismus Vertreter einer natio- 
nalen Opposition, und man konnte nun das einzigartige Schauspiel erleben, daß 
Juden und Deutschvölkische, Sozialdemokraten und vaterländische Verbändler, 
Kommunisten und nationales Bürgertum, Arm in Arm geistig über den Brenner 
zogen, um nun in gewaltigen Schlachten, allerdings ohne Blutvergießen, die Rück- 
eroberung dieses Gebietes durchzuführen. Daß sich dabei für den Freiheitskampf 
um das Andreas-Hofer-Land auch noch diejenigen urbajuwarischen Vertreter 
staatlicher bayerischer Hoheitsrechte auf das lebhafteste interessierten, deren 
geistige Vorfahren vor etwa über 100 Jahren den guten Andreas Hofer an die 
Franzosen auslieferten und dann erschießen ließen, gab dieser kühnen nationalen 
Front noch einen ganz besonderen Reiz. 

Da es nun dem Wirken der jüdischen Pressemeute und ihren nachlaufenden 
national-bürgerlichen und vaterländischen Dummköpfen wirklich gelungen ist, 
das Südtiroler Problem zur Größe einer Lebensfrage der deutschen Nation auf- 
zutreiben, sehe ich mich veranlaßt, dazu ausführlich Stellung zu nehmen. 

Der altösterreichische Staat hatte, wie schon betont, innerhalb seiner Grenzen 
etwas über 850 000 Italiener. Genau stimmten die durch die österreichischen 



191 



Volkszählungen ermittelten Nationalitätenverhältnisse übrigens nicht. Man zähl- 
te nämlich nicht die Nationalität des einzelnen, sondern nur die von ihm an- 
gegebene Umgangssprache. Daß dies kein vollkommen klares Bild zu geben ver- 
mochte, liegt auf der Hand, allein es gehörte auch zur Schwäche des nationalen 
Bürgertums, sich selbst über die wirkliche Lage gerne täuschen zu lassen. Wenn 
man eine Sache nicht erfährt oder wenigstens nicht offen von ihr spricht, dann 
ist sie auch nicht. Die auf Grund eines solchen Vorgehens ermittelten Italiener oder 
besser, Menschen mit italienischer Umgangssprache, lebten zu einem sehr großen 
Teil in Tirol. Nach den Ergebnissen der Volkszählung des Jahres 1910 hatte Tirol 
Einwohner, davon zählten sich . . . Prozent zur italienischen Umgangs- 
sprache, während der Rest deutsch oder zum Teil auch ladinisch war. Mithin 

befanden sich im Erzherzogtum Tirol rund Italiener. Da diese gesamte 

Zahl auf das heutige von Italienern besetzte Gebiet entfällt, ist mithin das Verhält- 
nis der Deutschen zu den Italienern in dem gesamten von Italien besetzten Ge- 
bietsabschnitt Tirols ein solches von Deutschen zu 

Italienern, 

Es ist notwendig, das festzustellen, weil in Deutschland nicht wenige Menschen 
dank der Verlogenheit unserer Presse gar keine Ahnung davon haben, daß tat- 
sächlich in dem unter dem Begriff Südtirol verstandenen Gebiet 2/3 Italiener und 
1/3 Deutsche leben. Wer also für die Rückeroberung Südtirols im Ernst eintritt, 
würde dann nur einen Wandel der Dinge insoferne herbeiführen, als er statt 
200 000 Deutsche unter italienischer Herrschaft 400 000 Italiener unter deutsche 
brächte 1 . 

Allerdings ist nun das Deutschtum in Südtirol vorwiegend im nördlichen Teil 
konzentriert, während das Italienertum den südlichen bewohnt. Würde also je- 
mand eine national gerechte Lösung finden wollen, dann müßte er zunächst den 
Begriff Südtirol aus der allgemeinen Diskussion vollkommen ausschalten. Denn 
man kann nicht gut aus moralischen Gründen die Italiener befehden, weil sie ein 
Gebiet genommen haben, in dem sich neben 400 000 Italienern auch 200 000 
Deutsche befinden, wenn man selbst umgekehrt als Beseitigung dieses Unrechts 
dieses selbe Gebiet wieder für Deutschland gewinnen will, also von rein morali- 
schem Standpunkt aus ein noch größeres Unrecht begehen will, als dies bei Italien 
der Fall ist 2 . 

Damit wird der Ruf nach einer Wiedereroberung Südtirols ganz dieselben 
moralischen Schwächen in sich haben, die man zur Zeit an der italienischen Herr- 

1 Hitler gibt hier Zahlen an, die er im vorhergehenden Absatz offenließ. Da auch in folgen- 
den Paragraphen statistisches Material geboten wird, darf man annehmen, daß Hitler wäh- 
rend einer Unterbrechung des Diktats die notwendigen Zahlenangaben einem Nachschlage- 
werk entnommen hat. — Im übrigen stand eine Rückgliederung der 400000 Italiener des 
Trenfcino gar nicht zur Debatte. 

1 Diese Denkweise setzte Hitler beiseite, als er sieh 1943 anschickte, Südtirol und Teile 
Oberitaliens für Deutschland zu annektieren, gewiß in einer veränderten Situation, aber doch 
mit der Enthüllung von Zielen, die bisher nur verdeckt gewesen waren. 



192 



schaft in Südtirol entdeckt. Damit verliert dieser Ruf aber auch seine moralische 
Berechtigung. Es könnten damit noch andere Gesichtspunkte geltend gemacht 
werden, die für eine Zurückgewinnung ganz Südtirols dann sprechen müßten. 
So könnte man von allgemein moralisch berechtigten Gefühlen heraus höchstens 
für die Zurückgewinnung jenes Teiles eintreten, der tatsächlich in überragender 
Mehrheit von Deutschen bewohnt ist. Dies ist ein räumlich engbegrenztes Gebiet 

von qkm. Selbst auf dem treffen aber auf rund 190 000 Deutsche 

64 000 Italiener und Ladiner und 24000 sonstige Fremde, so daß das vollkommen 
deutsche Gebiet tatsächlich kaum 160 000 Deutsche umfaßt. 

Es gibt nun kaum eine derzeitige Grenze, die nicht ähnlich wie in Südtirol 
Deutsche vom Mutterland abschneidet. Ja, insgesamt sind allein in Europa nicht 
weniger als ... Millionen Deutsche vom Reiche getrennt. Davon leben . . . Mil- 
lionen unter ausgesprochener Fremdherrschaft und nur . . . Millionen und zwar in 
Deutschösterreich und der Schweiz unter wenigstens für den Augenblick die Na- 
tionalität nicht bedrohenden Verhältnissen. Dabei handelt es sich hier in einer 
ganzen Reihe von Fällen um zahlenmäßig ganz andere Komplexe unseres Volks- 
tums gegen Südtirol. 

So furchtbar diese Tatsache für unser Volk ist, so schuldig daran sind diejenigen, 
die heute über Südtirol ihr Geschrei erheben. Sowenig aber kann man jedenfalls 
selbst bei Übernahme einer rein bürgerlichen Grenzpolitik das Schicksal des ge- 
samten noch übriggebliebenen Reiches einfach abhängig machen von den Interes- 
sen dieser verlorenen Gebiete oder gar von den Wünschen eines einzelnen davon. 

Denn etwas muß zunächst auf das allerschärfste zurückgewiesen werden: Es 
gibt kein heiliges deutsches Volk in Südtirol, wie die vaterländischen Verbändler 
daherschwätzen. Sondern dem deutschen Volkstum hat alles gleich heilig zu sein, 
was zu ihm gerechnet werden muß. Es geht nicht an, einen Südtiroler höher ein- 
zuschätzen als einen Schlesier, Ostpreußen oder Westpreußen, der unter polnischer 
Herrschaft geknechtet wird. Es geht auch nicht an, einen Deutschen der Tsche- 
choslowakei als wertvoller anzusehen als einen Deutschen im Saargebiet oder aber 
auch in Elsaß-Lothringen. Das Recht, das Deutschtum der abgetrennten Gebiete 
nach besonderen Werten zu sortieren, könnte höchstens aus einer analytischen 
Prüfung ihrer jeweils ausschlaggebenden und dominierenden rassischen Grund- 
werte erwachsen. Allein gerade diesen Maßstab legt die erhobene Protestvereini- 
gung gegen Italien am allerwenigsten an. Er würde auch für den Tiroler in den 
heutigen abgetretenen Gebieten unbedingt keinen höheren Wertfaktor ergeben 
als, sagen wir, für einen Ost- oder W^stpreußen 1 . 

An sich nun kann die außenpoütische Aufgabe des deutschen Volkes nicht be- 
stimmt werden von den Interessen eines der vom Reich abgesplitterten Teile. 
Denn in Wirklichkeit wird ja diesen Interessen dadurch nicht gedient, da ja eine 
praktische Hilfe die wiedergewonnene Macht des Mutterlandes voraussetzt. Da- 

1 Diese Vergleiche sind ernst gemeint, man denke nur an den späteren „Obersten Prüfungs- 
hof für Volkszugehörigkeitafragen in den eingegliederten Ostgebieten". 



13 



193 



mit kann aber der einzige Gesichtspunkt, der für die außenpolitische Stellungnahme 
in Frage kommt, nur der sein, der am schnellsten und ehesten die Wiederherstel- 
lung der Unabhängigkeit und Freiheit des staatlieh zusammengefaßten Restbe- 
standes der Nation sein [sie]. 

Das heißt mit anderen Worten: Selbst wenn eine deutsche Außenpolitik gar 
kein anderes Ziel kennen würde als die Rettung des „heiligen Volkes in Südtirol", 
das heißt die 190000 Deutschen, die dabei wirklich in Frage kämen, dann wäre 
aber erst die Voraussetzung hiezu die Erringung der politischen Unabhängigkeit 
sowie der militärischen Machtmittel Deutschlands. Denn daß der österreichische 
Proteststaat den Italienern Südtirol nicht entreißen wird, dürfte doch ziemlich 
klar sein. Ebenso klar aber muß es dann auch sein, daß selbst, wenn die deutsche 
Außenpolitik gar kein anderes Ziel kennen würde als die tatsächliche Befreiung 
Südtirols, sie ihre Handlungen aber erst recht von solchen Gesichtspunkten und 
Momenten bestimmen lassen müßte, die die Voraussetzungen zur Wiedergewin- 
nung der politischen und militärischen Machtmittel gewähren. Damit dürfte man 
also erst recht nicht Südtirol in den Brennpunkt der außenpolitischen Erwägungen 
stellen, sondern müßte (sich?) im Gegenteil erst recht von jenen Gedanken beherr- 
schen und leiten lassen, die eben gestatten, die derzeitig bestehende gegen Deutsch- 
land gerichtete Weltkoalition zu zerbrechen. Denn endlich würde auch durch 
Deutschland Südtirol nicht dem Deutschtum zurückgegeben werden durch das 
Herunterleiern einer tibetanischen Gebetsmühle von Protesten und Entrüstungen, 
sondern durch den Einsatz des Schwertes. 

Wenn also Deutschland selbst dieses Ziel besäße, müßte es nichtsdestoweniger 
immer wieder und zwar dann erst recht nach einem Bundesgenossen suchen, der 
der deutschen Machtgewinnung Hilfe leisten würde. Nun könnte man sagen, daß 
für diesen Fall Frankreich in Frage käme. Da allerdings trete ich als National- 
sozialist schärfstens dagegen auf. 

Es kann schon sein, daß Frankreich sich bereit erklären würde, Deutschland als 
Hüfsvolk gegen Italien mitmarschieren zu lassen, ja, es kann sogar sein, daß man 
uns dann gnädig als Anerkennung unserer Blutopfer und als spärliches Pflaster 
für unsere Wunden Südtirol zusprechen würde, allein was hätte ein solcher Sieg 
für Deutschland zu bedeuten? Könnte unser Volk dann etwa leben, weil es 
200000 Südtiroler mehr besitzt? Oder glaubt man nicht, daß Frankreich, wenn es 
erst mit deutscher Waffenhilfe den lateinischen Konkurrenten am Mittelmeer ge- 
schlagen hätte, sich erst recht wieder gegen Deutschland wenden würde? Auf alle 
Fälle aber sein altes politisches Ziel der Auflösung Deutschlands erst recht be- 
folgen würde? 

Nein, wenn für Deutschland überhaupt eine Wahl bleibt zwischen Frankreich 
und Italien, dann kann nach aller menschlichen Vernunft für Deutschland nur 
Italien in Frage kommen. Denn ein Sieg mit Frankreich über Italien bringt uns 
Südtirol und im übrigen ein stärkeres Frankreich als nachträglichen Feind. Ein 
Sieg Deutschlands über Frankreich mit Hüfe Italiens bringt uns Elsaß -Lothringen 



194 



als mindestes und als höchstes aber die Freiheit zur Durchführung einer wirklich 
großzügigen Raumpolitik 1 . Und davon allein kann auf die Dauer in der Zukunft 
Deutschland leben und nicht von Südtirol. Es geht aber eben nicht an, aus den 
gesamt abgetrennten Gebieten eines und zwar das lebensunwichtigste herauszu- 
greifen und die gesamten Interessen eines 70 Millionen Volkes auf das Spiel zu 
setzen, ja, einfach auf seine Zukunft zu verzichten, damit der unselige deutsche 
phantastische Hurra-Patriotismus für den Augenblick seine Befriedigung erhält. 
Und dabei alles nur eines reinen Phantoms wegen, da ja in der Wirklichkeit Süd- 
tirol damit so wenig geholfen wird als jetzt. 

An sich hat die nationalsozialistische Bewegung das deutsche Volk dahin zu er- 
ziehen, daß es für die Gestaltung seines Lebens den Bluteinsatz nicht scheut. Al- 
lein ebenso ist unser Volk zu erziehen, dahin, daß ein solcher Bluteinsatz wenig- 
stens in der kommenden Geschichte niemals mehr für Phantome stattfinden darf. 

Unsere Protestpatrioten und vaterländischen Verbändler mögen aber doch ge- 
fälligst einmal sagen, wie sie sich die Rückeroberung von Südtirol anders vorstel- 
len als mit Waffengewalt. Sie mögen doch einmal die Ehrlichkeit aufbringen, um 
einzugestehen, ob sie im Emst daran glauben, daß Italien, eines Tages einfach 
mürbe gemacht durch die Rederei und Protesteleien, Südtirol herausgeben wird, 
oder ob sie nicht auch überzeugt sind, daß ein Staat von einigem vorhandenen 
Nationalbewußtsein ein Gebiet, um das er endlich 4 Jahre lang gekämpft hat, nur 
unter der Not der Waffenentscheidung wieder opfern wird. Sie mögen nicht immer 
davon reden, daß wir oder ich auf Südtirol verzichtet hätten. Diese infamen 
Lügner wissen sehr wohl, daß zumindest, was meine Person anbetrifft, ich in der 
Zeit, in der über das Schicksal Südtirols mitentschieden wurde, an der Front ge- 
kämpft habe, etwas, was nicht wenige der heutigen Vereinsprotestler damals ver- 
säumten. Daß aber in dieser selben Zeit die Kräfte, mit denen unsere vaterländi- 
schen Verbände und unser nationales Bürgertum heute gemeinsame Außenpolitik 
machen und gegen Italien hetzen, den Sieg mit allen Mitteln sabotiert haben, daß 
der internationale Marxismus, die Demokratie und das Zentrum schon im Frieden 
nichts versäumten, um die Schwertkraft unseres Volkes zu schwächen und zu 
lähmen, und daß sie endlich im Kriege eine Revolution organisierten, die zum Zu- 
sammenbruch der deutschen Heimat und damit des deutschen Heeres führen 
mußte. 

Durch diese Tätigkeit dieser Menschen und die verfluchte Schwäche und Ohn- 
macht unserer heutigen bürgerlichen Protestmeier ist auch Südtirol dem deutschen 
Volk verlorengegangen. Es ist eine erbärmliche Fälschung dieser sogenannten 
nationalen Patrioten, wenn sie heute von einem Verzicht auf Südtirol reden. Nein, 
meine sehr geehrten Herren, winden Sie sich und drehen Sie sich nur nicht so feige 
um das richtige Wort herum. Sind [sie] Sie doch nicht zu feige auszusprechen, daß es 

1 Hitler meint hier offenbar, daß Deutschland durch einen mit Italien zusammen erfochte- 
nen Sieg über Frankreich den Büoken für einen darauffolgenden Angriff im Osten freibekommen 
würde. Siehe Mein Kampf, TL, S. 766 f. 



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sich heute nur um eine Eroberung Südtirols handeln könnte. Denn den Verzicht, 
meine Herren nationalen Verbandsprotestler, haben ihre derzeitigen hohen Ver- 
bündeten, die marxistischen Landesverräter von einst, in aller Form staatsrecht- 
lich vollzogen. Und die einzigen, die gegen dieses Verbrechen damals offen Stel- 
lung zu nehmen den Mut hatten, das waren nicht Sie, meine Herren nationale 
Verbändler und bürgerliche Politikusse, sondern das war die kleine nationalsozia- 
listische Bewegung, und das war in erster Linie ich selbst. Jawohl, meine Herren, 
als von Ihrer Existenz infolge ihrer Schweigsamkeit in Deutschland kein Mensch 
eine Ahnung hatte, so waren Sie in den Mauslöchern verkrochen, da trat ich damals 
im Jahre 1919 und 1920 gegen die Schande der Unterzeichnung der Friedensver- 
träge auf. Und zwar nicht im geheimen, hinter vier Wanden, sondern öffentlich. 
Damals aber waren Sie noch so feige, daß Sie nicht einmal wagten, in unsere Ver- 
sammlungen zu kommen, aus Angst, von ihren heutigen außenpolitischen Verbün- 
deten, den marxistischen Straßenstrolchen, verprügelt zu werden. 

Die Männer, die den Friedensvertrag von St. Germain unterzeichnet haben, 
waren so wenig als die Unterzeichner des Vertrages von Versailles Nationalsozia- 
listen. Es waren dies Angehörige der Parteien, die durch diese Unterzeichnung 
nur ihrem jahrzehntelangen Landesverrat die letzte Krönung aufsetzten. Wer 
heute an Südtirols Schicksal etwas ändern will, der kann nicht mehr verzichten, 
weil schon in aller Form durch die heutigen Protestler einst verzichtet wurde, son- 
dern der könnte es höchstens zurückerobern. 

Dagegen allerdings wende ich mich auf das fanatischste und sage diesem Bestre- 
ben den alleräußersten Widerstand an und werde die Männer, die unser Volk in 
dieses ebenso blutige wie wahnsinnige Abenteuer hineinzusetzen versuchen, mit 
dem äußersten Fanatismus bekämpfen 1 . Ich habe den Krieg nicht vom Stamm- 
tisch aus kennengelernt. Ich war auch nicht einer von denen, die in diesem Kriege 
irgend etwas zu befehlen oder zu kommandieren hatten. Ich war nur ein gewöhn- 
licher Soldat, dem 4% Jahre lang befohlen wurde, der nichtsdestoweniger seine 
Pflicht ehrlich und treu erfüllte. Ich hatte aber damit das Glück, den Krieg kennen- 
zulernen, wie er ist und nicht man ihn gern sehen möchte. Ich war bis zur letzten 
Stunde dieses Krieges selbst als einfacher Soldat, der nur seine Schattenseiten 
kannte, für den Krieg, weil ich die Überzeugung besaß, daß nur im Sieg die Ret- 
tung unseres Volkes liegen könnte. Da aber nun ein Friede ist, den andere verbro- 
chen haben, sträube ich mich auf das äußerste gegen einen Krieg, der nicht dem 
deutschen Volke nützen würde, sondern nur jenen, die schon einmal die Blutopfer 
unseres Volkes freventlich für ihre Interessen verkauften. Ich habe die Überzeu- 
gung, daß es mir einst nicht an Entschlossenheit fehlen wird, wenn nötig auch die 
Verantwortung für einen Bluteinsatz des deutschen Volkes zu tragen 2 , aber ich 
wehre mich, daß auch nur ein einziger Deutscher auf ein Schlachtfeld geschleppt 
wird, aus dessen Blut nur Narren oder Verbrecher ihre Pläne nähren. Wer die un- 

* Einen Krieg mit Italien über Südtirol befürwortete selbstverständlich niemand. 
2 Ähnlich sprach Hitler in der oben zitierten Rede am 23. Mai 1928 (siehe S. 2S). 



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erhörten Schrecken und den furchtbaren Jammer eines modernen Krieges über- 
denkt, die grenzenlose Beanspruchung der Nervenkräfte eines Volkes erwägt, der 
muß scheu werden bei dem Gedanken, daß ein solches Opfer verlangt werden 
könnte für einen Erfolg, der im günstigsten Falle diesem Einsätze niemals ent- 
sprechen kann. Und ich weiß auch, wenn heute Südtirols Volk, soweit es auch nur 
deutseh denkt, in einer einzigen Front versammelt würde, und vor den Augen dieser 
Zuschauer die 100000 und Hunderttausende der Toten erscheinen würden, die der 
Kampf um sie unserem Volk auferlegen würde, dann führen 300000 Hände ab- 
wehrend zum Himmel empor, und die Außenpolitik der Nationalsozialisten wäre 
gerechtfertigt. 

Das Furchtbare an dem allem aber ist, daß man mit diesen entsetzlichen Mög- 
lichkeiten spielt, ohne daß man aber auch nur daran denkt, den Südtirolern helfen 
zu wollen. 

Indem der Kampf um Südtirol heute von denen geführt wird, die einst ganz 
Deutschland dem Verderben preisgegeben haben, ist ihnen auch Südtirol nur mehr 
ein Mittel zum Zweck, das sie mit eiskalter Gewissenlosigkeit anwenden, um ihre 
infamen, im höchsten Sinne des Wortes antideutschen Instinkte befriedigen zu 
können. Es ist der Haß gegen das heutige nationalbewußte Italien, und es ist vor 
allem der Haß gegen die neue Staatsidee dieses Landes und am allerhöchsten der 
Haß gegen den überragenden italienischen Staatsmann, der sie veranlaßt, mit 
Hilfe Südtirols die deutsche Öffentlichkeit aufzuputschen. Denn wie gleichgültig 
ist doch in Wirklichkeit diesen Elementen das deutsche Volk. Während sie mit 
Krokodilstränen in den Augen Südtirols Schicksal beklagen, jagen sie ganz Deutsch- 
land einem Schicksal entgegen, das schlimmer ist als das der abgetrennten Ge- 
biete. Während sie im Namen der nationalen Kultur gegen Italien protestieren, 
verpesten sie die Kultur der deutschen Nation im Inneren, zerstören unser gesam- 
tes Kulturempfinden, vergiften die Instinkte unseres Volkes und vernichten selbst 
die Leistungen der vergangenen Zeiten. Hat eine Zeit ein moralisches Recht, im 
Namen der Kultur gegen das heutige Italien aufzutreten oder die deutsche Kultur 
davor in Schutz zu nehmen, die im Inneren unser gesamtes Theater, unsere Lite- 
ratur, unsere bildende Kunst auf das Niveau von Schweinen herunterdrückt? Für 
die deutsche Kultur der Südtiroler sind die Herren der Bayerischen Volkspartei, 
der Deutschnationalen und selbst der marxistischen Kulturschänder besorgt, aber 
die Kultur der Heimat lassen sie durch die erbärmlichsten Machwerke ungestört 
beleidigen, liefern die deutschen Bühnen der Bassenschande eines „Jonny spielt 
auf" 1 aus und wehklagen heuchlerisch über die Unterdrückung des deutschen 

1 „Jonny spielt auf" ist eine Oper des Komponisten Ernst Krenek. Sie wurde 1927—1928 
aufgeführt unter wiederholten Angriffen der Nationalsozialisten und anderer völkischer 
Gruppen, weil die Hauptfigur ein Neger war und weil die Musik Elemente des Jazz enthielt. 
Die Angriffe der Nationalsozialisten sind im Völkischen Beobachter für 1928 leioht zu verfolgen. 
Von den vielen Stellen sind die folgenden bemerkenswert: NS-Demonstration gegen die 
Opernvorführung in Wien: 28., 29./30. Januar, 2. Februar, 13. März, 5. Mai; gegen die Vor- 



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Kulturlebens in Südtirol, während sie selbst in der Heimat diejenigen auf das blu- 
tigste verfolgen, die die deutsche Kultur vor der bewußten und gewollten Zerstö- 
rung in Schutz nehmen wollten. Hier hetzt die Bayerische Volkspartei die Staats- 
gewalt gegen diejenigen, die Protest erheben gegen die infame Schändung der 
Kultur unseres Volkes. Was tun sie, diese besorgten Hüter der deutschen Kultur 
in Südtirol, in Deutschland selbst zum Schutz der deutschen Kultur? Sie haben das 
Theater zum Niveau des Bordells heruntersinken lassen, zur Stätte der demon- 
strierten Bassenschande, lassen das Kino zur Verhöhnung von Anstand und Sitte 
alle Fundamente unseres Volkslebens zerstören, sie sehen zu bei der kubistischen 
und dadaistischen Vernarrung unserer bildenden Kunst 1 , sie selbst protegieren die 
Fabrikanten dieses gemeinen Betruges oder Irrsinns, sie lassen die deutsche Lite- 
ratur in Schlamm und Schmutz versinken und liefern das gesamte geistige Leben 
unseres Volkes dem internationalen Juden aus. Und dasselbe erbärmliche Pack 
hat dann die freche Stirne, für die deutsche Kultur in Südtirol einzutreten, wobei 
ihnen aber naturgemäß als Ziel nur die Verhetzung zweier Kulturvölker vorschwebt, 
um sie am Ende desto leichter auf das Niveau ihrer eigenen kulturlosen Erbärm- 
lichkeit drücken zu können. 
So ist es aber in allem. 

Sie klagen über die Verfolgung der Deutschen in Südtirol, und das sind dieselben 
Menschen, die in Deutschland jeden auf das blutigste befehden, der unter National- 
sein etwas anderes versteht, als sein Volk der Syphilitisierung durch Juden und 
Neger wehrlos auszuliefern. Dieselben Leute, die für die Gewissensfreiheit der Deut- 
schen in Südtirol rufen, unterdrücken sie in Deutschland selbst auf das hundsge- 
meinste. Noch niemals ist die Freiheit der Äußerung seiner nationalen Gesinnung 
in Deutschland so geknebelt worden als unter der Herrschaft dieses verlogenen 
Parteigesindels, das sich anmaßt, für die Gewissensrechte und nationalen Frei- 
heiten ausgerechnet in Südtirol eine Lanze zu brechen. Sie jammern über jedes 
Unrecht, das einem Deutschen in Südtirol zugefügt wird, aber schweigen über die 
Morde, die diese marxistischen Straßenstrolche in Deutschland Monat für Monat 
am nationalen Element verbrechen, und mit ihnen schweigt dieses ganze saubere 
nationale Bürgertum einschließlich der vaterländischen Protestler. In einem einzi- 
gen Jahr, das heißt, es sind erst fünf Monate dieses Jahres verstrichen, wurden al- 
lein aus den Reihen der nationalsozialistischen Bewegung neun Menschen unter 
zum Teil viehischen Begleitumständen ums Leben gebracht und über 600 ver- 
wundet 2 . Da schweigt diese ganze verlogene Brut, aber wie würden sie brüllen, 



führung in München 13., 15., 19., 21., 24./2S., 26., 27. Juni; gegen die Vorführung in Breslau 
22. Juni (Verurteüung von zwei der Münehener Demonstranten, 14. Dezember). Man beachte, 
daß die Demonstrationen in München zur Zeit des Diktates dieses Buches stattfanden. 

1 Bekanntlich haben der Nationalsozialismus und der Kommunismus unter vielem anderen 
auch die Ablehnung der modernen Kunst gemeinsam. Siehe hierzu Hellmut Lehmann-Haupt, 
Art im&er a Dictatorship, New York: Oxford Univ. Press, 1954. 

2 Es handelt sich hier zweifellos um das Jahr 1928, auch sieht man hier, daß das Buch 



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wenn nur eine einzige solche Tat vom Faszismus am Deutschtum in Südtirol ver- 
brochen würde. Wie würden sie die ganze Welt zur Rebellion aufrufen, wenn auch 
nur ein Deutscher in Südtirol von Faszisten unter ähnlichen Umständen abge- 
schlachtet würde, wie sie das marxistische Mordgesindel in Deutschland anwendet, 
ohne daß dies die Entrüstung dieser sauberen Phalanx zur Rettung des deutschen 
Volkes hervorruft. Und wie haben doch dieselben Menschen, die gegen die behörd- 
liche Verfolgung der Deutschen in Südtirol feierlichst protestieren, die ihnen un- 
bequemen Deutschen im Reiche selbst verfolgt. Wie hat man hier, angefangen von 
den U-Boothelden bis zu den Rettern Oberschlesiens, die Männer, die erst ihr Blut 
für Deutschland einsetzten, in Ketten vor Gerichtshöfe geschleift und endlich zu 
Zuchthausstrafen verurteilt und alles nur, weil sie aus glühender Liebe zum Vater- 
land ihr Leben hundert- und aberhundertmal eingesetzt haben, während dieses 
erbärmliche Protestgesindel sich unauffindbar irgendwo verkrochen hatte 1 . Sie 
mögen die Zuchthausstrafen zusammenrechnen, die in Deutschland für Taten ver- 
hängt worden sind, die in einem nationalbewußten Staat mit höchsten Auszeich- 
nungen belohnt worden wären. Wenn heute Italien einen Deutschen in Südtirol in 
Haft setzt, dann zetert augenblicklich das ganze deutsche nationale und marxisti- 
sche Zeitungspack. Daß man aber in Deutsclüand auf bloße Denunziation 
hin monatelang in Gefängnisse kommen kann, daß Haussuchungen, Verletzung 
des Briefgeheimnisses, Telefonabhören, also lauter verfassungswidrige Beraubun- 
gen der durch die bürgerlichen Rechte garantierten persönlichen Freiheit dieses 
Staates an der Tagesordnung sind, das übergehen sie vollständig. Und unsere 
sogenannten nationalen Parteien mögen ja nicht sagen, daß dies nur im marxisti- 
schen Preiißen möglich ist. Erstens sind sie mit denselben Marxisten heute Arm 
in Arm außenpolitisch verbrüdert und zweitens haben dieselben nationalen 

Ende Juni oder Anfang Juli diktiert wurde. Siehe die Stelle der oben abgedruckten Bede 
Hitlers zur Südtiroler Frage vom 13. Juli 1028 : „In Südtirol wird verfolgt. In Deutsehland 
verfolgt man noch ärger. In den ersten 5 Monaten dieses Jahres hat uns der ,deutsche' Terror 
9 Tote und 670 Verletzte gebracht." Es muß hinzugefügt werden, daß von den angeblich 
Ermordeten bis zum November desselben Jahres mindestens 6 wieder auferstanden waren — 
die Liste der angeblich von politischen Gegnern ermordeten Nationalsozialisten, welche am 
9. November 1928 im Völkischen Beobachter veröffentlicht wurde, weist für das Jahr 1928 
nur vier Namen auf (siehe auch V. B, vom 29. Dezember 1928, S. 1). Das Jonglieren mit 
Zahlen ist, wie McCarthy kürzlich wieder gezeigt hat, ein beliebter Propagandatrick der 
Demagogen. 

1 Hitler bezieht sich hier auf die Prozesse gegen die Fememörder, die damals ein auch oft 
im Völkischen Beobachter erwähntes Hauptthema der NS-Agitation waren. Zu den von Hitler 
hier gepriesenen Männern gehört auch Rudolf Höß; siehe Kommandant in Auschwitz. Auto- 
biographische Aufzeichnungen von Rudolf Höß, eingeleitet und kommentiert von Martin 
Broszat (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 6, Stuttgart; Deutsche Verlags- An- 
stalt, 1958), S. 35—37. 1928 erschien auch im Vormarsch- Verlag (Berlin) die von Hartmut 
Plaas (einem späteren Gegner der NSDAP) herausgegebene Sammlung: Wir klagen an! 
Nationalisten in den Kerkern der Bourgeoisie, mit Beiträgen von Ernst von Salomon, 
Martin Bormann, Kapitän Ehrhardt, Hans-Gerd Techow, Manfred von Killinger, Joseph 
Goebbels und anderen. 



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Parteien an der Unterdrückung eines wirkliehen selbstbewußten Nationalismus 
denselben Anteil. Im „nationalen Bayern" hat man den todkranken Dietrich 
Eckart 1 trotz vorliegender ärztlicher Zeugnisse ohne auch nur die Spur von irgend- 
einer Schuld als höchstens der seiner unbestechlichen nationalen Gesinnung in 
seine sogenannte Schutzhaft geworfen und so lange in ihr verwahrt, bis er endlich 
zusammenbrach und zwei Tage nach seiner Entlassung starb. Dabei ist dies 
Bayerns größter Dichter gewesen, freilich er war ein nationaler Deutscher und hat 
kein „Jonny spielt auf" verbrochen, und folglich existierte er für diese Verfechter 
der nationalen Kultur nicht. So wie ihn diese Nationalpatrioten erst umgebracht 
haben, so schweigen sie heute seine Werke tot, denn er ist ja eben nur ein Deutscher 
gewesen und guter Bayer dazu und kein Deutschland besudelnder internationaler 
Jude. In dem Fall wäre er dieser Patriotenliga heilig gewesen, so aber handelten sie 
ihrer national-bürgerlichen Gesinnung gemäß nach dem in der Münchner Polizei- 
direktion offen ausgesprochenen Zuruf: „Nationales Schwein verrecke". Das sind 
aber dieselben deutschbewußten Elemente, die die Empörung der Welt mobili- 
sieren, wenn man in Italien dummerweise einen Deutschen auch nur in Haft setzt. 

Als man in Südtirol einige Deutsche auswies , da [mob] riefen wieder dieselben Leute 
das ganze deutsche Volk zur hellen Empörung auf, aber sie vergessen nur hinzuzu- 
fügen, daß man in Deutschland selbst die Deutschen am meisten gehetzt hat. 
Das „nationale Bayern" unter einer bürgerlich nationalen Regierung hat Dutzende 
von Deutschen ausgewiesen und alles nur, weil sie politisch infolge ihres kompro- 
mißlosen Nationalismus der herrschenden fauligen Bürgerschichte nicht paßten 2 . 
Da kannte man dann auf einmal nicht mehr die Stammesbruderschaft zum 
Deutschösterreicher, sondern nur mehr den Ausländer. Dabei blieb es aber bei der 
Ausweisung von sogenannten ausländischen Deutschen gar nicht stehen. Nein, 
dieselben bürgerlich -nationalen Heuchler, die gegen Italien flammende Proteste 
schleudern, weil man dort einen Deutschen aus Südtirol auswies und in eine andere 
Provinz abschob, haben aus Bayern Dutzende von Deutschen mit deutscher Staats- 
angehörigkeit, die im deutschen Heere A 1 ^ Jahre lang für Deutschland gekämpft 
haben, schwer verwundet worden sind und höchste Auszeichnungen hatten, aus 
Bayern ausgewiesen. Ja, so sehen sie aus, diese bürgerlich -nationalen Heuchler, die 
nun in Entrüstung gegen Italien toben, während sie selbst Schande über Schande 
im eigenen Volk auf sich geladen haben. 

Sie wehklagen über die Entnationalisierung in Italien und entnationalisieren 
dabei das deutsche Volk in der eigenen Heimat. Kämpfen gegen jeden, der der 
blutsmäßigen Vergiftung unseres Volkes entgegentritt, ja sie verfolgen jeden Deut- 

1 Die erste Auflage von Alfred Rosenbergs Buch Dietrich Eckart. Ein Vermächtnis erschien 
1928 im Eher- Verlag/München mit einem Vorwort vom November 1927. 

2 Hier erinnerte sich Hitler wohl der Versuche, ihn selbst als unerwünschten Ausländer aus- 
zuweisen. Siehe Jetzinger, S. 276—279; Kempner, S. 61-56; D. C. Watt, „Die bayerischen 
Bemühungen um die Ausweisung Hitlers 1924", Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, VI (1956), 
S. 270-280. 



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sehen, der der durch sie in Szene gesetzten und protegierten Entdeutsch!! ng, Ver- 
negerung und Verjudung unseres Volkes in den Großstädten sich entgegenstemmt, 
auf das unverschämteste und rücksichtsloseste und versuchen, sie durch das ver- 
logene Vorbringen einer Gefährdung religiöser Einrichtungen in das Gefängnis zu 
bringen. 

Als in Meran ein italienischer Exaldo das dortige Kaiserin-Elisabeth-Denkmal 
beschädigte, erhoben sie ein wildes Geschrei und konnten sich nicht beruhigen, 
obwohl ein italienisches Gericht den Täter mit 2 Monaten Gefängnis bestraft hatte. 
Daß man aber in Deutschland selbst die Denkmäler und Erinnerungen an die 
vergangene Größe unseres Volkes ununterbrochen besudelt, das interessiert sie 
nicht. Daß man in Frankreich fast sämtliche an Deutschland erinnernden Monu- 
mente in Elsaß -Lothringen zerstört hat, ist ihnen gleich, daß die Polen planmäßig 
alles verwüsten, was auch nur an den deutschen Namen erinnert, regt sie nicht auf, 
ja daß erst in diesen Monaten in Bromberg der Bismarckturm ganz offiziell ge- 
sprengt wurde 1 , das alles läßt sie kühl, diese Kämpen der nationalen Ehre unseres 
Volkes. Wehe aber, wenn so etwas in Südtirol der Fall wäre. Denn das ist für sie 
auf einmal heiliges Land geworden. Das Vaterland aber selbst, die Heimat, die 
kann zur Hölle gehen. 

Gewiß, auch in Südtirol hat es auf italienischer Seite mehr als eine unkluge 
Handlung gegeben, und der Versuch, das deutsche Element planmäßig zu entnatio- 
nalisieren, ist ebenso unklug wie im Ergebnis fragwürdig, allein das Recht, dagegen 
zu protestieren, haben nicht diejenigen, die zum Teil Schuld sind an dem allen und 
zum anderen eine nationale Ehre ihres Volkes tatsächlich gar nicht kennen, sondern 
dieses Recht hätten nur diejenigen, die bisher wirklich für deutsche Interessen und 
deutsche Ehre kämpften. Das war in Deutschland ausschließlich die national- 
sozialistische Bewegung. 

Die ganze innere Verlogenheit der Hetze gegen Italien wird aber sichtbar, wenn 
man die Handlungen der Italiener vergleicht mit den Handlungen, die Franzosen, 
Polen, Belgier, Tschechen, Rumänen und Südslawen am Deutschtum verbrochen 
haben. Daß Frankreich insgesamt über 1 / i Million Deutsche aus Elsaß-Lothringen 
überhaupt ausgewiesen hat, also mehr Menschen als ganz Südtirol Einwohner 
zählt, das ist ihnen wurst. Und daß die Franzosen heute jede Spur des Deutschtums 
in Elsaß-Lothringen auszurotten versuchen, hindert nicht, mit Frankreich sich zu 
verbrüdern, selbst wenn dauernde Maulschellen die Pariser Antwort sind. Daß die 
Belgier mit einem Fanatismus sondergleichen das deutsche Element verfolgen, 
daß die Polen über 17000 Deutsche zum Teil unter geradezu bestialischen Be- 
gleitumständen hingeschlachtet haben, ist kein Anlaß zu einer Erregung, daß sie 

* Dies ereignete sich Anfang Mai 1928 (Deutsche Allgemeine Zeitung, 11. Mai 1928). Ein 
Bericht darüber erschien am 23. Mai im Völkischen Beobachter. An diesem Tag sprach Hitler 
im Bürgerbräukeller zum Thema Südtirol. Unter den Ausführungen, welche den hier gemach- 
ten ähneln, ist auch der Satz : „In Bromberg hat man in aller Ruhe einen Bismarckturm ge- 
sprengt — die deutsche Presse geht seelenruhig darüber hinweg" {V.B., 25. Mai 1928, S. 2). 



201 



endliche (etliche?) Zehntausende von Haus und Hof vertrieben und, kaum mit 
einem Hemd bekleidet, über die Grenze trieben, das sind lauter Dinge, die unsere 
bürgerlichen und vaterländischen Protatschwindler nicht in Harnisch zu bringen 
vermögen. Überhaupt, wer die wirkliche Gesinnung dieses Packs kennenlernen 
will, der braucht sich nur zurückerinnern an die Art und Weise, mit der man den 
Flüchtlingen schon damals entgegengekommen ist. Damals blutete ihnen nicht 
das Herz, so wenig, wie es dies heute tut, als die Zehntausende der unglücklich 
Vertriebenen zum Teil in förmlichen Konzentrationslagern sich wieder auf dem 
Boden ihrer teueren Heimat befanden und nun wie Zigeuner von Ort zu Ort abge- 
schoben wurden. Noch sehe ich vor mir die Zeit, in der die ersten RuhrflüchtHnge 
nach Deutschland kamen und nun von Polizeidirektion zu Polizeidirektion abge- 
schoben wurden, als wenn es sich um Schwerverbrecher gehandelt hätte. Nein, da 
hat ihnen das Herz nicht geblutet, diesen Vertretern und Verteidigern des natio- 
nalen Deutschtums in Südtirol, aber wenn ein einziger Deutscher in Südtirol selbst 
von den Italienern ausgewiesen wird oder sonst ein Unrecht zugefügt wird, dann 
zittern sie vor gerechter Empörung und Entrüstung über diese einzige Kultur- 
schande und über diese größte Barbarei, die die Welt bisher gesehen hat. Wie sagen 
sie dann: „Noch niemals ist das Deutschtum und noch nirgends mit so entsetz- 
liehen und tyrannischen Methoden unterdrückt worden wie in diesem Lande." 
Ja, aber nur mit einer Ausnahme, das ist nämlich in Deutschland selbst, durch 
euere eigene Tyrannei. 

Südtirol oder besser das Deutschtum in Südtirol muß dem deutschen Volk er- 
erhalten bleiben, aber in Deutschland selbst ermorden sie jährlich durch ihre ver- 
ruchte Politik der unnationalen Ehrlosigkeit, der allgemeinen Korruption und der 
Unterwürfigkeit unter die internationalen Finanzherren mehr als das Doppelte an 
Menschen, als Südtirol insgesamt deutsche Einwohner zählt. Von den durch ihre 
Katastrophenpolitik zum Selbstmord getriebenen 17000—22000 Menschen als 
Durchschnitt in den letzten Jahren schweigen sie, obwohl diese Zahl allein in 
10 Jahren mit Rindern mehr ausmachen würde, ebenfalls als [sie] Südtirol deutsche 
Einwohner zählt 1 . Die Auswanderung protegieren sie, und die Erhöhung der Aus- 

1 Hitler befaßte sich überhaupt oft mit der Frage des nationalen wie des individuellen 
Selbstmordes. Er erwähnte das Thema in seinen Angriffen auf Stresemann am 2., 8. und 19. 
Mai 1928. In der oben abgedruckten Bede vom 13. Juli 1928 sagte er: „Heute stehen wir als 
Folge der bürgerlich-marxistischen Politik vor der Tatsache, daß sich 62 Millionen auf 460000 
Quadratkilometern ernähren sollen. Das Ergebnis ist Hunger und Not, 60 000 (wohl ein 
Stenogrammfehler für 16 000) Selbstmorde im Jahr, 180 000 Auswandernde, 300 000 nicht 
geborene Kinder, insgesamt ein jährlioher Verlust von rund 500 000 Menschen." Bis zum 
Dezember des Jahres waren die Ziffern, besonders die der nicht geborenen Kinder, erheblich 
gestiegen. In seiner Rede in Nürnberg am 8. Dezember 1928 erklärte Hitler: „Tatsächlich 
sehen wir folgendes Ergebnis: Deutschland verliert zur Zeit jährlich 160 000—160 000 Men- 
schen durch Auswanderung, 20 000—30 000 durch Selbstmord, 380 000 durch Kindermord. 
Jährlich verliert die deutsche Nation 600 000 Menschen, die wir haben können, aber preis- 
geben. Das deutsche Volk wird in hundert Jahren auf einen ungeheuer niedrigen Menschen- 
standard gesunken und als Großmacht aus der Geschichte endgültig ausgeschieden sein." 



202 



Wanderungsquoten bezeichnet dieses nationale Bürgertum eines Herrn Stresemann 
als einen gewaltigen außenpolitischen Erfolg und doch heißt dies, daß Deutsch- 
land in je vier Jahren mehr Menschen verliert als Südtirol an Einwohnern deutscher 
Nationalität zählt. An Geburtenabtreibung aber und Kinderverhütung morden sie 
Jahr für Jahr nahezu doppelt so viel, als das Deutschtum in Südtirol insgesamt 
ausmacht. Und dieses Pack nimmt dann für sich das moralische Recht in An- 
spruch, für die Interessen des Deutschtums im Auslande zu reden. 

Oder dieses nationale offizielle Deutschland jammert über die Entdeutschung 
unserer Sprache in Südtirol, aber in Deutschland selbst entdeutscht man in aller 
offiziellen Art und Weise die deutschen Namen in der Tschechoslowakei, in Elsaß- 
Lothringen usw., ja es werden offizielle Reiseführer herausgegeben, in denen selbst 
unsere deutschen Städtenamen in Deutschland den Tschechen zuliebe vertschechi- 
siert werden. Das ist alles in der Ordnung, nur daß die Italiener den heiligen Namen 
Brenner in Brennero umgewandelt haben, das ist ein Anlaß, den glühendsten 
Widerstand herauszufordern. Und das muß man dann gesehen haben, wenn so 
ein bürgerlicher Patriot zu glühen beginnt, wo man doch genau weiß, daß alles 
nur Komödie ist. Nationale Leidenschaft heucheln, paßt zu unserem leiden- 
schaftslosen, fauligen Bürgertum genauso, als wenn eine alte Hure Liebe mimt. 
Es ist alles nur künstliche Mache, und am ärgsten trifft dies dann zu, wenn eine 
solche Erregung die Heimat in Österreich hat. Das schwarzgelbe Iegitimistische 



(Heinz Preiß, a. a. O., S. 101). Im Völkischen Beobachter dieser Zeit wird die Selbstmordfrage 
auch sonst erwähnt, z. B. am 5. Januar und 21. August 1928. Auch ein Wahlplakat der 
NSDAP für die Reichstagswahl des 20. Mai 1928 enthält einen Hinweis auf die „Freiheit 
Jedermanns, den Freitod zu sterben" (siehe die Abbildung in Adolf Dresler und Fritz Maier- 
Hartmann, Dokumente der Zeitgeschichte, die Sammlung Rehse, I, München: Eher, 1938, 
S. 195). 

Auch in seiner ersten Rede zur Außenpolitik nach der Machtergreifung am 17. Mai 1933 
klagte Hitler über die „224 900" Menschen, die seit der Unterzeichnung des Versailler Ver- 
trages Selbstmord begangen hätten (Dokumente der Deutschen Politik, I, Berlin : Junker und 
Dünnhaupt, 1939, 8. 110). — (Der englische Botschafter bemerkte, daß in Betracht der vielen 
Selbstmorde in den Tagen seit dem 30. Januar dieser Hinweis „curioils" sei; Documenta on 
British Foreign Policy, Second Series, Vol. IV, No. 133.) Ähnliche Ausführungen machte 
Hitler in der Eröffnungsrede zum Winterhilfswerk 1934/35 (Führer-Beden mm Winter- 
hilfswerk 1933-1936, München: Eher 1937, S. 6). Die Bemerkungen Hitlers am 1. Februar 
1943 anläßlich der Kapitulation von Stalingrad drehen sich auch um die Frage des Selbst- 
mordes. Er wies hin auf die „18000 oder 20000" Selbstmorde in Deutschland in Friedensjahren 
und bedauerte, daß Paulus, Seydlitz, Schmidt und andere sich nicht erschossen hätten (Felix 
Gilbert, Hitler Directs His War, New York: Oxford Univ. Press. 1950, S. 47-22). Bekanntlich 
hat Hitler selbst am Ende diese Konsequenz gezogen, die durch Dönitz' bewußte Falsch- 
meldung, der Führer sei im Kampf gegen die Bolschewisten gefallen, nur zeitweise verdunkelt 
wurde. Es darf hinzugefügt werden, daß Deutschland schon lange eine der höchsten Selbst- 
mordzahlen der Welt aufzeigte. Die Ziffern der zwanziger Jahre bewegten sich mit ungefähr 
13000-16000 in demselben Rahmen wie vor 1914. Dagegen häuften sich die Selbstmorde von 
1933 an wie niemals zuvor, dies läßt sogar das Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich er- 
kennen, das, besonders in dieser Hinsicht, für die Hitlerzeit nicht absolut vertrauenswürdig ist. 



203 



Element, dem früher das Deutschtum in Tirol vollkommen gleichgültig gewesen 
ist, macht jetzt in heiliger nationaler Empörung mit. So etwas elektrisiert dann 
alle Spießbürgervereinigungen, besonders wenn sie dann hören, daß auch die Juden 
mittun. Das heißt, sie selber protestieren ja nur, weil sie wissen, daß sie dieses Mal 
ausnahmsweise einmal ganz laut ihre nationale Gesinnung herausschreien dürfen, 
ohne von den Pressejuden in die Ecke gefeuert zu werden. Im Gegenteil : Es ist 
doch schön für einen aufrechten national-bürgerlichen Mann, zum nationalen 
Kampf aufzurufen und dabei (von) Itzig Veitel Abrahamsohn sogar noch gelobt zu 
werden. Ja, noch mehr. Die jüdischen Gazetten schreien mit, damit ist zum 
ersten Mal die wirkliche bürgerlich nationaldeutsche Einheitsfront von Krotoschin 
über Wien bis Innsbruck hergestellt. Und unser politisch so dummes deutsches Volk 
läßt sich von diesem ganzen Theater genauso einfangen, wie sich einst schon die 
deutsche Diplomatie und unser deutsches Volk von den Habsburgern einwickeln 
und mißbrauchen ließen. 

Deutschland hat schon einmal seine Außenpolitik ausschließlich durch öster- 
reichische Interessen bestimmen lassen. Die Strafe dafür war eine entsetzliche. 
Wehe, wenn der junge deutsche Nationalismus seine Zukunftspolitik von den 
theatralischen Schwätzern des verfaulenden bürgerlichen Elements oder gar von 
marxistischen Deutschfeinden bestimmen läßt. Und wehe, wenn er dabei wieder 
in vollkommener Verkennung der wirklich treibenden Kräfte des österreichischen 
Staates in Wien von dorther seine Direktiven bezieht. Es wird die Aufgabe der 
nationalsozialistischen Bewegung sein, diesem Schauspielergeschrei ein Ende zu 
bereiten und die nüchterne Vernunft zum Regenten der kommenden deutschen 
Außenpolitik zu wählen. 

Allerdings trifft auch Italien eine Schuld an dieser ganzen Entwicklung. Ich 
würde es als dumm und politisch kindisch empfinden, dem italienischen Staat 
einen Vorwurf zu machen, daß er anläßlich des österreichischen Zusammenbruchs 
die Grenze bis an den Brenner vorschob. Die Motive, die ihn dabei beherrschten, 
waren keine gemeineren als die Motive, die (unbestimmten) die bürgerlichen Anne- 
xionspolitiker einschließlich Herrn Stresemann und Herrn Erzberger einst be- 
stimmten, die deutsche Grenze auf die belgischen Maasfestungen zu stützen. Zu 
allen Zeiten wird eine verantwortlich [und] denkende und handelnde Staats- 
regierung sich bemühen, strategisch natürliche und sichere Grenzen zu finden. 
Sicherlich hat Italien nicht Südtirol annektiert, um dadurch in den Besitz von ein 
paar hunderttausend Deutschen zu kommen, sicher wäre es den Italienern lieber 
gewesen, wenn an Stelle dieser Deutschen nur Italiener allein in diesem Gebiete 
leben würden. Denn tatsächlich waren es in erster Linie nie [sie] strategische Bück- 
sichten, die sie veranlaßten, die Grenze über den Brenner zu legen. Kein Staat 
würde in einer ähnlichen Situation aber anders gehandelt haben. Es ist deshalb 
zwecklos, über diese Grenzgestaltung an sich Vorwürfe zu erheben, da ja endlich 
jeder Staat seine natürlichen Grenzen nach eigenen und nicht nach anderen Inte- 
ressen bestimmt. So sehr aber nun der Besitz des Brenners militärischen Interessen 



204 



und strategischen Zwecken dienen mag, so belanglos ist es dann, ob innerhalb dieser 
an sich strategisch festgelegten und gesicherten Grenze 200000 Deutsche leben 
oder nicht, wenn das Staatsvolk selbst 42 Millionen Menschen umfaßt und ein 
militärisch wirksamer Gegner gerade an dieser Grenze gar nicht in Frage kommt. 
Es würde eine höhere Klugheit gewesen sein, diesen 200000 Deutschen jeden 
Zwang zu ersparen, als mit Gewalt ihnen eine Gesinnung einzuimpfen (zu) versuchen, 
die erfahrungsgemäß als Ergebnis einer solchen Veranlassung meistens ohne Wert zu 
sein pflegt. Man kann auch nicht in 20 oder 30 Jahren ein Volkstum ausrotten, ganz 
gleich, welche Methoden man anwendet und ob man dies will oder nicht will. 
Man wird italienischerseits mit einem gewissen Schein von Recht zur Antwort 
geben, daß dies zunächst auch nicht beabsichtigt gewesen sei, aber sich als Folge 
des provokatorischen Versuchs einer dauernden Einmischung in inneritalienische 
Angelegenheiten von Seiten außenstehender österreichischer oder deutscher Kräfte 
und der dadurch bei den Südtirolern selbst ausgelösten Rückwirkungen von selbst 
zwangsläufig entwickelte. Das ist richtig, denn tatsachlich kamen die Italiener 
zunächst dem Deutschtum in Südtirol sehr anständig und loyal entgegen. Sowie 
aber in Italien der Faszismus zur Höhe kam, begann in Deutschland und in Öster- 
reich aus prinzipiellen Gründen die Hetze gegen Italien und führte nun zu einer 
sich steigernden gegenseitigen Gereiztheit, die in Südtirol endlich zu Folgen füh- 
ren mußte, wie wir sie heute vor uns sehen. Unselig war dabei vor allem das 
Wirken des Andreas-Hofer-Bundes 1 , der statt, den Deutschen in Südtirol Klugheit 
anzuempfehlen und ihnen klarzumachen, daß es ihre Mission sei, eine Brücke 
zwischen Deutschland und Italien zu bilden 2 , bei den Südtirolern Hoffnungen er- 
weckte, die außerhalb jeder Realisierbarkeit liegen, die aber zu einer Aufreizung 
und damit zu unüberlegten Schritten führen mußten. Diesem Bunde ist es mit in 
erster Linie zuzuschreiben, wenn die Verhältnisse auf die Spitze getrieben wurden. 
Wer dabei wie ich, Gelegenheit genug besaß, wesentliche Mitglieder dieser Verei- 
nigung auch als Menschen kennenzulernen, muß staunen über die Verantwor- 
tungslosigkeit, mit der es ein Verband von so geringen wirklich aktiven Kräften 
immerhin fertigbringt, unseliges Unheil anzurichten. Denn wenn ich verschiedene 
dieser leitenden Köpfe mir vor Augen halte und dabei noch besonders an einen 
denke, der seinen Sitz in der Münchener Polizeidirektion hat 3 , dann wird einem 
doch anders bei dem Gedanken, daß Menschen, die niemals ihr eigenes Blut und 
ihre eigene Haut zu Markte tragen würden, eine Entwicklung veranlassen, die in 
ihrer letzten Konsequenz bei einer blutigen Auseinandersetzung enden müßte. 

Es ist auch richtig, daß es mit den wirklichen Drahtziehern dieser Italienhetze 
gar keine Verständigung über Südtirol geben kann, da diesen Elementen Süd- 

1 Über den Andreas-Hofer-Bund siehe das Buch Herres. 

2 Auch in seiner Rede am 23. Mai 1928 sprach Hitler von den Südtirolern als Brücke zwi- 
schen Italien und Deutschland, bis diese gemeinsam zum Kampf gegen Frankreich antreten 
könnten; Völkischer Beobachter, 25. Mai 1928. 

3 Es ist nicht klar, wen Hitler hier meint. 



205 



tirol an sich genauso gleichgültig ist wie das Deutschtum überhaupt, sondern es 
sich dabei nur um ein geeignetes Mittel handelt, Verwirrung zu stiften und die 
öffentliche Meinung besonders in Deutschland gegen Italien in Harnisch zu brin- 
gen. Denn darauf kommt es den Herrschaften an. Und der italienische Einwand, 
daß ganz gleich, wie die Behandlung der Deutschen in Südtirol auch sei, diese 
Menschen immer wieder, weil sie es eben wollen, auch etwas finden würden, was 
für ihre Hetze geeignet wäre, hat deshalb auch einen gewissen Grund der Berech- 
tigung. Allein gerade weil heute in Deutschland genau wie in Italien gewisse Ele- 
mente ein Interesse daran besitzen, eine Verständigung der beiden Nationen mit 
allen Mitteln zu hintertreiben, wäre es eine Pflicht der Klugheit, ihnen diese Mittel 
nach Möglichkeit zu entziehen, selbst auf die Gefahr hin, daß sie dann natürlich 
trotzdem immer weiter suchen würden. Das Gegenteil hätte nur dann einen Sinn, 
wenn es in Deutschland überhaupt niemand gäbe, der entgegen dieser Hetze den 
Mut besäße, für eine Verständigung zu sprechen. Dies ist aber doch nicht der 
Fall. Im Gegenteil, je mehr das heutige Italien von sich aus alle unklugen Zwi- 
schenfälle zu vermeiden versucht, um so leichter wird es den Freunden Italiens 
in Deutschland werden, die Hetzer hier zu entlarven, die Scheinheiligkeit ihrer 
Gründe zu enthüllen und ihrer volksvergiftenden Tätigkeit das Handwerk zu 
legen. Glaubt man aber in Italien wirklich, daß man nicht gut unter dem Geschrei 
und bei den Forderungen ausländischer Organisationen irgendwie entgegenkom- 
men kann, da dies eher einer Kapitulation ähnlich sähe und den Übermut dieser 
Elemente möglicherweise nur noch steigern würde, dann ließen sich Wege finden, 
ein solches Entgegenkommen eben grundsätzlich denen zuzuschreiben, die nicht 
nur nicht an dieser Hetze beteiligt sind, sondern die im Gegenteil als Freunde 
einer Verständigung Italiens und Deutschlands selbst den schärfsten Kampf gegen 
die Vergifter der öffentlichen Meinung in Deutschland führen 1 . 

Das außenpolitische Ziel der nationalsozialistischen Bewegung hat weder mit 
einer Wirtschafts- noch mit einer bürgerlichen Grenzpolitik etwas zu tun. Unser 
völkisches Raumziel wird auch in der Zukunft dem deutschen Volke eine Ent- 
wicklung zuweisen, die es niemals in einen Konflikt mit Italien zu bringen braucht. 
Wir werden auch niemals das Blut unseres Volkes opfern, um kleine Grenzkorrek- 
turen herbeizuführen, sondern immer nur, um Raum für eine weitere Ausdehnung 
und Ernährung unseres Volkes zu gewinnen. Dieses Ziel drängt uns nach Osten. 
Was für Italien das mittelländische Meer ist, ist für Deutschland die Ostküste 
der Ostsee. Deutschlands Todfeind für jede weitere Entwicklung, ja selbst für die 
bloße Erhaltung der Einheit unseres Reiches, ist Frankreich, genauso wie es der 
Todfeind für Italien ist. Die nationalsozialistische Bewegung wird niemals in ein 
äußeres seichtes Hurrageachrei verfallen. Sie will nicht mit dem Säbel rasseln. 
Ihre Führer haben fast ausnahmslos den Krieg kennengelernt, wie er in Wirk- 
lichkeit und Wahrheit ist. Sie wird deshalb auch niemals für andere Ziele Blut 
vergießen als solche, die der gesamten Zukunftsentwicklung unseres Volkes dien- 

1 Hier und im folgenden appelliert Hitler an Mussolini, ihm zu einem Erfolg zu verhelfen. 



206 



lieh sind. Sie lehnt es deshalb auch ab, um einer angesichts der deutschen Zer- 
splitterung in Europa lächerlichen Grenzkorrektur wegen, einen Krieg mit Italien 
zu provozieren. Im Gegenteil, sie will, daß für alle Zukunft der unselige Germanen- 
zug nach dem Süden ein Ende nimmt und die Vertretung unserer Interessen|in 
der Richtung stattfindet, die unserem Volk eine Behebung seiner Baumnot mög- 
lich erscheinen läßt. Indem wir aber Deutschland dabei aus der Periode seiner 
heutigen Versklavung und Knechtschaft erlösen, kämpfen wir damit auch am 
höchsten für die Wiederherstellung und damit im Sinne einer deutschen Ehre. 

Wenn das heutige Italien glaubt, daß eine Änderung verschiedener Maßnahmen 
in Südtirol als eine Kapitulation vor fremden Einmischungen aufgefaßt werden 
könnte, ohne am Ende doch nicht zu einer gewünschten Verständigung zu führen, 
dann mag es seine Umstellung eben ausschließlich denen zuliebe vornehmen und 
damit auch offen begründen, die in Deutschland selbst Vertreter einer Verständi- 
gung mit Italienern sind und es nicht nur weit von sich weisen, mit den Hetzern 
gegen eine solche identifiziert z\i werden, sondern die sogar den schärfsten Kampf 
gegen diese Elemente seit Jahren ausgefochten haben, und die die souveränen 
Hoheitsrechte des italienischen Staates als selbstverständlich bestehend aner- 
kennen. 

Sowenig es für Deutschland gleichgültig ist, ob es Italien zum Freunde erhält, 
so wenig gleichgültig ist es auch für Italien. So wie der Easzismus dem italienischen 
Volk einen neuen Wert gegeben hat, so darf auch der Wert des deutschen Volkes 
für die Zukunft nicht abgeschätzt werden nach seinen augenblicklichen Lebens- 
äußerungen, sondern nach den Kräften, die es in seiner bisherigen Geschichte so 
oft bewiesen hat und die es vielleicht schon morgen wieder zeigen kann. 

So, wie für Deutschland die Freundschaft Italiens ein Opfer wert ist, ebensoviel 
wert ist aber auch für Italien die Freundschaft Deutschlands. Es würde ein Glück 
für beide Völker sein, wenn sich diejenigen Kräfte verständigen könnten, die in 
beiden Ländern Träger dieser Erkenntnis sind. 

So sehr also die Hetze in Deutschland gegen Italien schuld an der unseligen 
Verfeindung ist, so viel Schuld liegt auch auf Seite Italiens, wenn es angesichts der 
Tatsache, daß in Deutschland selbst gegen diese Hetze gekämpft wird, nicht auch 
von sich aus ihnen die Mittel so weit als irgend möglich aus der Hand windet 1 . 

Wenn es die Klugheit des faszistischen Regiments fertigbringt, eines Tages 
65 Millionen Deutsche zu Freunden Italiens zu machen, dann ist dies mehr wert, 
als wenn man 200000 zu schlechten Italienern erzieht. 

Ebenso unrichtig war das italienische Eintreten für ein Verbot des Anschlusses 
Österreichs an Deutschland. Schon die Tatsache, daß Frankreich in erster Linie 
dieses Verbot vertrat, hätte in Rom zur gegenteiligen Stellungnahme führen 



1 Ähnlich schrieb Rosenberg am 6. März 1928 im Völkischen Beobachter, daß Mussolini in der 
Südtiroler Frage „sehr schlecht beraten gewesen" sei, weil er mit seiner Bede vom 4. Marz 
den deutschen Feinden Italiens in die Hände gearbeitet habe. 



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müssen. Denn Frankreich tut auch diesen Schritt nicht, um Italien zu nützen, 
sondern viel eher in der Hoffnung, ihm auch dadurch Schaden zufügen zu können. 
Es sind in erster Linie zwei Gründe, die Frankreich bewogen haben, das Anschluß- 
verbot durchzudrücken; Einmal, weil man dadurch eine Stärkung Deutschlands 
zu verhindern wünscht, und zum anderen Mal, weil man überzeugt ist, im öster- 
reichischen Staat eines Tages eben doch ein Glied der französisch-europäischen 
Allianz zu erhalten. Man gebe sich doch in Rom keiner Täuschung darüber hin, 
daß der französische Einfluß in Wien ein wesentlich ausschlaggebenderer ist als 
selbst der deutsche, vom italienischen ganz zu schweigen. Der französische Ver- 
such, den Völkerbund wenn möglich nach Wien zu verlegen 1 , entspringt nur der 
Absicht, den an sich kosmopolitischen Charakter dieser Stadt zu stärken und in 
Beziehung zu bringen mit dem Land, dessen Wesen und Kultur in der heutigen 
Wiener Atmosphäre einen stärkeren Widerhall findet als das Wesen des deut- 
schen Reiches. 

So ernst gemeint dabei die Ansehlußtendenzen der österreichischen Provinzen 
an sich sind, so wenig ernst nahm man sie in Wien. Im Gegenteil, wenn man in 
Wien wirklich mit dem Anschlußgedanken operierte, dann immer nur, um irgend- 
eine finanzielle Schwierigkeit zu beheben, denn dann war Frankreich viel eher be- 
reit, dem kleinen Pumpstaat wieder beizuspringen. Allmählich aber wird dieser 
Anschlußgedanke in eben dem Maß versiegen, in dem eine innere Konsolidierung 
des österreichischen Bundes stattfindet und Wien seine volle dominierende Stel- 
lung zurückerhält. Dazu kommt noch, daß die politische Entwicklung in Wien 
immer mehr anti-italienischen und besonders anti-faszistischen Charakter an- 
nimmt, während der Austro-Marxismus von jeher aus seinen starken Sympathien 
für Frankreich kernen Hehl gemacht hat. 

Daß man also damals den Anschluß glücklicherweise und zum Teil mit italieni- 
scher Hilfe verhindert hat, wird dem französischen Bündnissystem eines Tages 
das fehlende Glied zwischen Prag und Jugoslawien einfügen. 

Für Italien war aber die Verhinderung des österreichischen Anschlusses an 
Deutschland auch noch aus einem psychologischen Grund falsch gewesen. Je 
kleiner der abgesplitterte österreichische Staat blieb, um so beschränkter waren 
naturgemäß auch seine außenpolitischen Ziele. Man kann nicht von einem Staats- 
gebilde, das knapp qkm Bodenfläche mit kaum . . . Millionen Einwohner 

hat, eine groß aufgefaßte raumpolitische Zielsetzung erwarten. Würde Deutsch- 
österreich in den Jahren 1919/1920 an Deutschland angegliedert worden sein, so 
wäre die Tendenz seines politischen Denkens allmählich durch die großen wenig- 
stens möglichen politischen Ziele Deutschlands, also eines fast 70 Millionenvolkes, 
bestimmt worden. Indem man dies damals verhinderte, hat man selbst die Rich- 
tung des außenpolitischen Denkens von größeren Zielen weggebracht und auf 
kleine altösterreichische Rekonstruktionsgedanken beschränkt. Nur so war es 



1 Diese Möglichkeit wurde 1928 in der Öffentlichkeit erläutert. 



208 



möglich, daß die Südtiroler Frage überhaupt zu einer solchen Bedeutung empor- 
wachsen konnte. Denn so klein der österreichische Staat an sich war, so war er 
doch wenigstens groß genug, um der Träger eines außenpolitischen Gedankens zu 
werden, der ebensosehr seiner Kleinheit entsprach, wie er aber umgekehrt langsam 
das politische Denken ganz Deutschlands vergiften konnte. Je beschränkter die 
politischen Gedanken des österreichischen Staates infolge seiner räumlichen Be- 
schränkung sein werden, umsomehr werden sie endlich in Problemen aufgehen, 
die wohl für diesen Staat Bedeutung haben können, für die deutsche Nation aber 
nicht als bestimmend für die Gestaltung der deutschen Außenpolitik empfunden 
werden können. 

Italien müßte schon, um das französische Bündnissystem in Europa zu durch- 
kreuzen, für einen Anschluß Österreichs an Deutschland eintreten. Es müßte dies 
weiter aber auch tun, um der Zelle der deutschen Grenzpolitik infolge ihrer Ein- 
gliederung in ein großes Reich andere Aufgaben vorzulegen. 

Im übrigen sind die Gründe, die Italien einst bewogen haben, gegen den An- 
schluß aufzutreten, nicht recht ersichtlich. Weder das heutige Österreich, noch 
das heutige Deutschland können als militärische Gegner für Italien zur Zeit in 
Frage kommen. Gelingt es aber Frankreich, gegen Italien eine allgemeine Allianz 
in Europa ins Leben zu rufen, an der Österreich und Deutschland teilnehmen, 
dann wird eich an der militärischen Lage gar nichts ändern, ob nun Österreich selb- 
ständig ist oder ob es sich bei Deutschland befindet. Übrigens kann von einer 
wirklichen Selbständigkeit eines so kleinen Gebildes tatsächlich ja ohnehin nicht 
geredet werden. [Sie werden immer] österieich wird immer an den Schnüren 
irgendeiner Großmacht hängen. Die Schweiz kann nicht im geringsten das mög- 
liche Gegenteil beweisen, da sie als Staat, wenn auch unter Zugrundelegung des 
Fremdenverkehrs, immerhin eine eigene Lebensmöglichkeit besitzt. Dies ist für 
Österreich schon unmöglich infolge des Mißverhältnisses der Hauptstadt dieses 
Landes zur Größe der gesamten Einwohnerschaft. Ganz gleich aber, welche Hal- 
tung dieses Österreich selbst zu Italien einnimmt, schon (in?) der Tatsache seines 
Bestandes liegt eine Erleichterung der militärisch strategischen Lage der Tsche- 
choslowakei, die sich eines Tages so oder so gegenüber dem an sich natürlichen 
Bundesgenossen Italiens, Ungarn, bemerkbar machen kann. 

Militärische Gründe und politische würden für die Italiener dahin sprechen, das 
Anschlußverbot als zumindest bedeutungslos, wenn schon nicht als (un-?) zweck- 
mäßig anzusehen 1 . 



1 Hier wird ein Grund erkennbar für Hitlers Mißverständnis der Haltung Italiens in der 
Anschlußfrage, das 1933/34 während des NS-Terrors in Österreich fast zum Bruch zwischen 
Deutschland und Italien führte. 



u 



209 



c 



Ich kann, dieses Kapitel 1 nicht schließen, ohne nun noch im einzelnen festzu- 
stellen, wer tatsächlich die Schuld daran trägt, daß es überhaupt eine Südtiroler 
Frage gibt. 

Für uns Nationalsozialisten ist staatsrechtlich die Entscheidung gefallen, und 
zumindest ich, der ich mich auf das schärfste dagegen stemme, daß man Millionen 
Deutsche auf ein Schlachtfeld schleppt und dort für Frankreichs Interessen ver- 
bluten läßt, ohne daß für Deutschland dabei ein Erfolg erwächst, der den ange- 
wandten Blutopfern nur irgendwie entspricht, ich lehne es auch ab, den Standpunkt 
der nationalen Ehre hier als bestimmend anzuerkennen, da ich unter Zugrunde- 
legung dieses Gesichtspunktes dann immer noch erst gegen Frankreich marschie- 
ren müßte, das die deutsche Ehre durch sein ganzes Handeln ganz anders ver- 
letzt hat als Italien. Ich habe mich über die Möglichkeit, den Begriff nationale 
Ehre zur Grundlage einer Außenpolitik zu machen, bereits in der Einleitung 2 
dieses Buches ausgelassen und brauche deshalb hier nicht mehr weiter dazu Stel- 
lung nehmen. Wenn nun von unseren Protestvereinigungen versucht wird, diese 
unsere Haltung als Verrat oder Verzicht von [sie] Südtirol hinzustellen, dann könnte 
dies nur richtig sein, wenn ohne diese unsere Haltung Südtirol entweder über- 
haupt nicht verloren worden wäre oder in absehbarer Zeit im Begriff stände, 
wieder zum anderen Tirol zurückzukehren. 

Ich sehe mich deshalb gezwungen, in dieser Auslassung noch einmal ganz präzise 
festzustellen, wer Südtirol verraten hat und durch wessen Maßnahmen es für 
[Österreich] Deutschland verloren ging. 

1 . Südtirol wurde verraten und ging verloren durch die Tätigkeit jener Parteien, 
die in langer Friedensarbeit dem deutschen Volke die Schwertrüstung, die es zu 
seiner Behauptung in Europa brauchte, schwächten oder vollständig ablehnten 
und dadurch dem deutschen Volk für die kritische Stunde die notwendige Macht 
zum Sieg und damit auch zur Erhaltung Südtirols geraubt haben. 

2. Diejenigen Parteien, die in langer Friedensarbeit die moralischen und sitt- 
lichen Grundlagen unseres Volkes unterwühlten und die vor allem den Glauben 
an das Recht der Selbstwehr zerstörten. 

3. Südtirol haben verraten damit aber auch diejenigen Parteien, die als soge- 
nannte staatserhaltende und nationale diesem Treiben gleichgültig oder zumin- 

1 Hierin und in der Anlage des Textes liegt der Grund für die Aufgliederung des XV. Ab- 
schnittes in drei Teile. Im Ms. beginnt mit diesen Worten eine neue Seite, vom Vorhergegan- 
genen durch einen Strich getrennt, wie er sonst zur Markierung eines Abschnittes dient. 

2 Wenn es wirklich eine „Einleitung" gab, ist sie nicht erhalten geblieben. Da alle Seiten 
des vorliegenden Dokuments durchlaufend numeriert sind, könnte dos „Vorwort" gemeint 
sein. Dagegen ist zu beachten, daß im Vorwort das liier behandelte Thema nicht erwähnt 
wird, die einschlägigen Erläuterungen sind vielmehr auf den Seiten 121—130 des Originals 
(hier S. 115-120) zu finden. 



210 



dest ohne ernstlichen Widerstand zugesehen haben. Sie sind, wenn auch indirekt, 
mitschuldig an der Schwertschwächung unseres Volkes. 

4. Südtirol wurde verraten und verloren durch die Tätigkeit derjenigen politi- 
schen Parteien, die das deutsche Volk zum Handlanger der habsburgischen Groß- 
machtsidee erniedrigt hatten. Die, statt der deutschen Außenpolitik das Ziel der 
nationalen Einigung unseres Volkes vorzulegen, in der Erhaltung des österreichi- 
schen Staates die Aufgabe der deutschen Nation sahen. Die damit schon im Frie- 
den jahrzehntelang der planmäßigen Entdeutschungsarbeit der Habsburger zuge- 
sehen, ja Vorschub geleistet haben, und die dadurch auch mitschuldig sind an 
dem Versäumnis, die österreichische Frage von Deutschland selbst aus oder zu- 
mindest unter bestimmender Mitwirkung Deutschlands zu lösen. In einem solchen 
Falle wäre sicherlich Südtirol dem deutschen Volk erhalten geblieben. 

5. Südtirol ging verloren infolge der allgemeinen Ziel- und Planlosigkeit der 
deutschen Außenpolitik, die sich im Jahre 1914 auch auf die Festlegung vernünf- 
tiger Kriegsziele ausdehnte, bzw. diese verhinderte. 

6. Südtirol wurde verraten von all denen, die im Laufe des Krieges nicht auf 
das äußerste an der Stärkung der deutschen Widerstands- und Angriffskraft mit- 
arbeiteten. Sowohl durch die Parteien, die die deutsche Widerstandskraft ab- 
sichtlich lähmten, als auch die, die diese Lähmung duldeten. 

7. Südtirol ging verloren infolge der Unfähigkeit, selbst im Kriege eine Neuorien- 
tierung der deutschen Außenpolitik vorzunehmen und unter Verzicht auf die Er- 
haltung der habsburgischen Großmacht das Deutschtum des österreichischen 
Staates zu retten. 

8. Südtirol ging verloren und wurde verraten durch die Tätigkeit derer, die im 
Kriege unter der Vorspiegelung der Hoffnung auf einen Frieden ohne Sieg die 
moralische Widerstandskraft des deutschen Volkes gebrochen haben und statt 
einer Manifestation des Kriegswillens eine für Deutschland verhängnisvolle Frie- 
densresolution herbeiführten. 

9. Südtirol ging verloren durch den Verrat derjenigen Parteien und Männer, 
die noch im Kriege dem deutschen Volk das Nichtvorhandensein imperialistischer 
Ziele der Entente vorlogen, unser Volk dadurch betörten, der unbedingten Not- 
wendigkeit des Widerstandes entfremdeten und der Entente endlich mehr glauben 
ließen als den eigenen Warnern. 

10. Südtirol wurde weiter verloren durch die von der Heimat aus besorgte Zer- 
mürbung der Front und durch das Verseuchen des deutschen Denkens mit den 
schwindelhaften Erklärungen Woodrow Wilsons. 

11. Südtirol wurde verraten und wurde verloren durch die Tätigkeit der Par- 
teien und Männer, die angefangen von der Kriegsdienstverweigerung bis zur Or- 
ganisation des Munitionsstreiks, der Armee die Empfindung von der unumstöß- 
lichen Notwendigkeit ihres Kampfes und ihres Sieges raubten. 

12. Südtirol wurde verraten und verloren durch die Organisation und 
Durchführung des Novemberverbrechens sowie durch die erbärmliche und feige 



14* 



211 



Duldung dieser Schmach, durch die sogenannten staatserhaltenden nationalen 
Kräfte. 

13. Südtirol wurde verloren und verraten durch die schamlosen Handlungen 
der Männer und Parteien, die nach dem Zusammenbruche die deutsche Ehre be- 
sudelten, das Ansehen unseres Volkes vor der Welt vernichteten und damit erst 
den Mut zu der Größe der Forderungen bei unseren Gegnern erweckten. Es wurde 
weiter verloren durch die erbärmliche Feigheit der national-bürgerlichen Parteien 
und vaterländischen Verbände, die vor dem Terror der Gemeinheit und Nieder- 
tracht überall ehrlos kapitulierten. 

14. Südtirol wurde endlich verraten und verloren durch die Unterzeichnung der 
Friedensverträge und damit durch die rechtliche Anerkennung des Verlustes auch 
dieses Gebietes. 

Schuld an dem allen sind sämtliche deutsche Parteien. Die einen haben bewußt 
und gewollt Deutschland vernichtet, und die anderen haben in ihrer sprichwört- 
lichen Unfähigkeit und in ihrer zum Himmel emporschreienden Feigheit nicht nur 
nichts getan, um den Vernichtern der deutschen Zukunft das Handwerk zu legen, 
sondern sie haben im Gegenteil durch die Unfähigkeit ihrer innen- und außenpoli- 
tischen Leitung diesen Feinden unseres Volkes tatsächlich noch in die Hände ge- 
arbeitet. Noch nie ist ein Volk durch eine solche Vermählung von Gemeinheit, 
Niedertracht, Feigheit und Dummheit zugrundegerichtet worden wie das deutsche. 

In diesen Tagen 1 wird in die Tätigkeit und das Wirken dieses alten Deutschland 
auf außenpolitischem Gebiet ein Einblick vermittelt durch die Veröffentlichung 
der Kriegserinnerungen des Chefs des amerikanischen Nachrichtendienstes, Mr. 
Flynns 2 . 

Ich lasse darüber nur zum breiteren Verständnis ein bürgerlich-demokratisches 
Organ sprechen? : 

1 Der zitierte Artikel (siehe unten) erschien am 26. Juni 1928. Das zeigt ganz sicher, daß 
das Buch Ende Juni — Anfang Juli 1928 diktiert wurde, auch wenn das dem Artikel folgende 
„heute" nicht wörtlich genommen werden soll. 

a Es handelt sich hier um einen Artikel von William J. Flynn, „Tapped Wires", der am 
2. Juni 1928 in Liberty (S. 19—22) erschien. Der Artikel berichtet über die von dem ameri- 
kanischen Seeret Serrice (die für die Sicherheit des Präsidenten verantwortliche kleine 
Polizeibehörde, nicht der Nachrichtendienst) abgehörten Telephongespräche der Deutschen 
Botschaft in Washington. Im großen ganzen geben diese Gespräche mehr Auskunft über die 
Dummheiten mehrerer amerikanischer Frauen als über irgendwelche Verfehlungen der deut- 
schen Diplomaten. In allen politischen Fragen zeigten die letzteren die größte Zurückhaltung. 

3 Der Text des Artikels fehlt im Original, sollte aber später eingefügt werden ; der Rest 
der Seite blieb unbeschrieben. Dieser Text wurde hier sinngemäß eingefügt; wie aus der vor- 
hergehenden Anmerkung hervorgeht, entstellt der Artikel den Sinn der amerikanischen 
Quelle. Über dieselbe Angelegenheit berichtete der Völkische Beobachter am 18. August 1928 
(S. 4). Dem Autor des F. jB.-Artikels wird der Artikel in Liberty nicht vorgelegen haben, sonst 
hätte er Flynn kaum sich als „most big spy of the world" bezeichnen lassen. Von Interesse im 
Zusammenhang mit dem nächsten Abschnitt des vorliegenden Dokuments ist die Schluß- 
folgerung des V. B. : „Genug der Schande. Ein kommender Staatsgeriohtshof möge sich die 

212 



(26. Juni 1928) 

Wie Amerika in den Krieg eintrat 

Flynn veröffentlicht aus dem diplomatischen Geheimdienst 

von F. W. Elven, Vertreter der Miinchener Neuesten Nachrichten 

Cincinnati, Mitte Juni 

In der hier vielgelesenen Wochenschrift „Liberty" veröffentlicht William J. Flynn einen 
Teil seiner Kriegserinnerungen. Flynn war während des Krieges Leiter des Geheimdienstes 
der Vereinigten Staaten. Dieser Dienst umfaßt das ganze Land und ist glänzend organisiert. 
In Friedenszeiten stellt er vor allem den persönlichen Schutz des Präsidenten. Auch was sonst 
noch in der Bundeshauptstadt schutzbedürftig ist oder zu sein glaubt, erfreut sich seiner Für- 
sorge. Er überwacht alle zweifelhaften Elemente, die irgendwie im Verdacht stehen, sich poli- 
tischen Bestrebungen angeschlossen zu haben, die sich gegen den Staat und seine Träger rich- 
ten. Während des Krieges war seine Hauptaufgabe, jene zu überwachen, die sich mehr oder 
weniger laut als Gegner des Krieges bemerkbar gemaoht hatten, oder auch nur in Verdacht 
standen, mit der Wilsonschen Kriegspolitik nicht einverstanden zu sein. Seiner besonderen 
Fürsorge erfreuten sich auch die Deutschen, und gar mancher ist damals in die Sehlingen ge- 
gangen, die vom Bundesgeheimdienst überall gelegt wurden. 

Aber aus den Erinnerungen Flynns erfährt man, daß dem Geheimdienst eine wichtige Auf- 
gabe auch schon vor unserem Eintreten in den Krieg zugewiesen worden war. Im Jahre 1915, 
volle zwei Jahre vor der Kriegeerklärung, wurde der tüchtigste Telephonexperte nach Wa- 
shington beordert und beauftragt, die nach der deutschen und nach der österreichischen Bot- 
schaft führenden Telephondrähte so zu arrangieren, daß Beamte des Geheimdienstes jedes 
Gespräch, das von irgendeiner Seite mit den Botschaftern und ihrem Personal geführt wurde, 
und jede Unterhaltung, die aus den Botschaftsräumen herausging, belauschen konnten. 
Ein Baum wurde eingerichtet, mit dem die sämtlichen Drähte in sinnreicher Weise so ver- 
bunden wurden, daß auch nicht ein einziges Gespräch verlorengehen konnte. In diesem Baume 
saßen Tag und Nacht Gebeimbeamte, die die erlauschten Gespräche den neben ihnen sitzen- 
den Stenographistinnen diktierten. Jeden Abend erhielt der Leiter des Geheimdienstes, also 
der Verfasser des Artikels in der Wochenschrift „Liberty", die stenographische Niederschrift 
aller in den letzten 24 Stunden geführten Gespräche, so daß er imstande war, noch an dem- 
selben Abend alles Wichtige dem Staatsdepartement und dem Präsidenten Wilson mitzu- 
teilen. 

Man beachte die Zeit - es war zu Beginn des Jahres 1915, als diese Einrichtung geschaffen 
wurde, also zu einer Zeit, wo die Vereinigten Staaten mit Deutschland und Österreich-Ungarn 
noch in Frieden lebten, und Wilson nicht müde wurde, zu versichern, daß er feindselige Ab- 
sichten gegen Deutschland nicht hege. Auch die Zeit, wo der damalige deutsche Botschafter 
in Washington, Graf Berns torff, keine Gelegenheit versäumte, der freundlichen Gesinnung und 
der freundschaftlichen Gefühle Wilsons für Deutschland und das deutsche Volk Anerkennung 
zu zollen. Um dieselbe Zeit war es, als Wilson seinem Vertrauten Baruch Weisung gab, lang- 
sam mit der Mobilisierung der Industrie für den Krieg zu beginnen; also die Zeit, in der es 
immer offenbarer wurde, wie auch der amerikanische Historiker Harry Eimer Barnes in 
seinem Buche über die Entstehung des großen Krieges ausführt, daß Wilson zum Eintritt 



Flynnschen Veröffentlichungen als Anklagematerial zurücklegen. Der würdevolle Botschafter 
aber ist eine der außenpolitischen Kanonen der demokratischen Partei, M. d. B. selbstver- 
ständlich, und Völkerbundsvertreter Deutschlands für Abrüstungsfragen." Warum wohl die 
sieben Wochen zwischen den zwei Zeitungsartikeln? 



213 



in den Krieg fest entschlossen war und die Ausführung seiner kriegerischen Pläne nur deshalb 
noch vertagte, weil die öffentliche Meinung erst noch für diese Pläne gewonnen werden mußte. 

Die Veröffentlichung Flynns muß dem törichten Gerede, Wilson sei durch den deutschen 
U-Bootkrieg gegen seinen Willen in den Krieg gedrängt worden, endgültig den Boden ent- 
ziehen. Die Anzapfung der nach der deutschen Botschaft führenden Telephondrähte geschah 
mit seinem Wissen. Auch das erfährt man aus der Veröffentlichung Flynns. Der Verfasser fügt 
hinzu, das auf diese Weise gegen Deutschland gesammelte Material habe ganz wesentlich zu 
dem schließlichen Bruch beigetragen. Was nur beweisen kann, daß dieses Material Wilson 
die Mittel an die Hand gegeben habe, die öffentliche Meinung für den von ihm lange geplanten 
Krieg zu gewinnen. Und in der Tat war dieses Material dazu ganz vortrefflich geeignet. Die 
Veröffentlichung bestätigt in vollem Umfange, was leider immer wieder hat gesagt werden 
müssen, daß Deutschland damals in Washington in einer geradezu unglaublich unfähigen und 
unglaublich würdelosen Weise vertreten war. Wenn man hört, daß Flynn an einer Stelle 
schreibt, die ihm täglich zugefertigten stenographischen Berichte hätten genug Material ent- 
halten, um einen Scheidungsanwalt monatelang zu beschäftigen, dann erhält man eine un- 
gefähre Vorstellung von dem, was vorging. 

Der Geheimdienst unterhielt in Washington und New York weibliche Vertraute, die die 
Mitglieder der deutschen Botschaft, Bernstorff eingeschlossen, aushorchen mußten, wenn 
irgend etwas Wichtiges vorging. Eine dieser Vertrauten hielt in Washington ein besseres Ab- 
steigequartier, in dem die Herren sich mit ihren Damen trafen, und wo gelegentlich auch 
Staatssekretär Laming vorsprach, um zu hören, was es Neues gebe. Am Neujahrstage 1916, 
als die Versenkung des Dampfers „Persia" in der Bundeshauptstadt bekannt geworden war, 
rief Bernstorff der Reihe nach fünf Damen auf, um ihnen süßliche Komplimente zu sagen 
und ähnliche Komplimente dafür einzutauschen, obschon es wegen der Stimmung, die die 
Nachricht vom Untergang der „Persia" im Staatsdepartement und im Weißen Haus zurück- 
gelassen hatte, an ernster Beschäftigung wahrlich nicht gefehlt haben kann. 

Eine der Damen machte Bernstorff das Kompliment, daß er groß sei in der Liebe - great 
lover - und immer sein werde, auch wenn er hundert Jahre alt werden sollte. Die übrigen 
Herren von der Botschaft waren nicht anders geartet. Einer, den Flynn als die beste diplo- 
matische Kraft der Botschaft bezeichnet, hatte eine Freundin in New York, eine verheiratete 
Frau, mit der er täglich Telephongespräohe führte, die dem Deutschen Reiche jedesmal 
20 Dollar kosteten, und die er häufig besuchte. Ihr erzählte er alles, was vorging, und sie 
sorgte dann dafür, daß es an den richtigen Stellen angebracht wurde. Auch ganz ordinäre 
Bemerkungen über Wilson und seine Gattin fielen in den telephonischen Unterhaltungen, und 
man kann sich unschwer vorstellen, daß dadurch die Stimmung im Weißen Hause Deutsch- 
land gegenüber nicht freundlicher gestaltet wurde. 

Wie wenig man in der deutseben Botschaft Land und Leute kannte, und mit welchen kind- 
lichen Plänen man sich beschäftigte, erfährt man aus Gesprächen, die anfangs März 1916 ge- 
führt wurden. Damals lag in dem Kongreß ein vom Senator Gore eingebrachter Bescbluß- 
antrag vor, dahin lautend, an das amerikanische Volk eine Warnung vor der Benutzung be- 
waffneter Handelsschiffe zu erlassen. Präsident Wilson bekämpfte den Antrag aufs bitterste. 
Er brauchte Verluste von amerikanischen Menschenleben, um die Stimmung gegen Deutsch- 
land aufzupeitschen. In der deutschen Botschaft wußte man, daß die Aussichten des An- 
trages nicht günstig waren, deshalb beschäftigte man sich allen Ernstes mit dem Plane, den 
Kongreß zu kaufen. Nur wußte man zunächst nicht, woher man das Geld nehmen sollte. Am 
3. März beschloß der Senat, den Goreschen Antrag vorläufig zurückzulegen. Die Abstimmung 
im Hause sollte einige Tage später erfolgen. So wurde denn der Plan, zunächst das Haus zu 
kaufen, eifrig weiterverfolgt, aber in diesem Falle wenigstens war Bernstorff vernünftig genug, 
von dem Plane entschieden abzuraten. 

Die Lektüre des Flynnschen Artikels muß bei jedem Menschen mit gesundem deutschen 



214 



Blut in den Adern ein Gef ühl heller Empörung zurücklassen, nicht bloß über die heimtückische 
Politik Wilsons, sondern auch, und besonders, über die unglaubliche Dummheit mit der man 
in der deutschen Botschaft dieser Politik in die Hände arbeitete. Wilson wickelte Bernstorff 
von Tag zu Tag mehr ein. Als Oberst House, sein Vertrauter, im Mai 1916 von seiner europäi- 
schen Reise zurückkehrte, reiste Bernstorff nach New York, um ihn dort zu treffen. Wilson 
aber, der Bernstorff gegenüber getan hatte, als habe er gegen diese Zusammenkunft nichts 
einzuwenden, ließ House im geheimen die Weisung zugehen, sich mit dem Grafen nicht einzu- 
lassen und ihm unter allen Umständen aus dem Wege zu gehen. So geschah es. Bernstorff 
wartete in New York vergebens. Dann ging er nach einem benachbarten Badestrand und ließ 
sich dort im Badekostüm mit zwei Freundinnen in sehr intimer Stellung photographieren. Das 
Bild ist dem Flynnschen Artikel eingefügt. Es fiel damals dem russischen Botsehafter Bakma- 
teff in die Hände, der es vergrößern ließ und nach London schickte, wo es mit der Unter- 
schrift „Der würdevolle Botschafter" - „The dignified Ambassador" von den Zeitungen ver- 
öffentlicht wurde und der alliierten Propaganda treffliche Dienste leistete. 

Das schreiben heute die Münchener Neuesten Nachrichten. Der Mann, der also 
charakterisiert wird, war aber ein typischer Vertreter der deutschen Außenpolitik 
vor dem Kriege genauso, wie er auch der typische Vertreter der deutschen Außen- 
politik der Republik ist. Dieses Subjekt, das in jedem anderen Staat von einem 
Staatsgerichtshof an einen Strick gehängt worden wäre, ist der Vertreter Deutsch- 
lands im Völkerbund in Genf 1 . 

Diese Menschen tragen Schuld und Verantwortung für den Zusammenbruch 
Deutschlands und damit aber auch für den Verlust Südtirols. Und mit ihnen fällt 
die Schuld auf alle Parteien und Männer, die entweder solche Zustände veran- 
laßten oder sie deckten oder auch nur stillschweigend hinnahmen oder sie nicht 
auf das schwerste bekämpften. 

Die Männer aber, die heute mit frecher Stirne die Öffentlichkeit erneut zu be- 
lügen versuchen und andere als die Schuldigen an Südtirols Verlust hinstellen 
möchten, müssen erst im einzelnen Rechenschaft ablegen, was sie für seine Er- 
haltung getan haben. 

Ich darf für meine Person jedenfalls mit Stolz erklären, daß ich seit der Zeit, 
in der ich Mann wurde, für die Stärkung meines Volkes eingetreten bin, als der 
Krieg kam, an der deutschen Front im Westen 4% Jahre kämpfte und seit seinem 
Ende gegen die korrupten Kreaturen streite, denen Deutschland dieses Unheil zu 
verdanken hat. Daß ich seit dieser Zeit keinen Kompromiß geschlossen habe mit 
den Verrätern des deutschen Vaterlandes, weder innen- noch außenpolitisch, son- 
dern unentwegt deren einstige Vernichtung als Ziel meiner Lebensarbeit und Auf- 
gabe der nationalsozialistischen Bewegung proklamiere. 

Ich kann das Gekläff der feigen bürgerlichen Köter sowohl als der vaterländi- 
schen Verbändler umso ruhiger ertragen, als ich die Durchschnittsmemmen dieser 
mir unsagbar verächtlichen Gebilde nur zu genau kenne. Daß sie mich auch 
kennen, ist der Grund ihres Geschreis. 



1 Graf Bernstorff. 



215 



XVI 



SCHLUSSWOKT 



A 

Als Nationalsozialist sehe ich heute in Italien zunächst den ersten möglichen 
Bundesgenossen Deutschlands, der aas dem Lager der alten Feindeskoalition her- 
austreten kann, ohne daß diese Bundesgenossenschaft für Deutschland einen so- 
fortigen Krieg bedeutet, für den wir nicht gerüstet wären. 

Dieses Bündnis wird meiner Überzeugung nach, von gleich großem Nutzen sein 
für Deutschland wie für Italien. Selbst wenn sein direkter Nutzen einmal nicht 
mehr bestünde, wird es so lange nie zu einem Schaden umschlagen, solange beide 
Nationen im höchsten Sinne des Wortes ihre eigensten nationalen Interessen ver- 
treten. Solange Deutschland als oberstes Ziel seiner Außenpolitik die Erhaltung 
der Freiheit und Unabhängigkeit unseres Volkes ansieht und diesem Volk die 
Voraussetzung zum täglichen Leben sichern will, so lange wird sein außenpoliti- 
sches Denken von der Raumnot unseres Volkes bestimmt werden. Und so lange wer- 
den wir keine innere oder äußere Veranlassung besitzen können, in Feindschaft zu 
einem Staat zu geraten, der uns dabei hinderlich nicht im geringsten im. Wege steht. 

Und so lange Italien seinen wirklichen Lebensinteressen als wahrhaft nationaler 
Staat dienen will, solange wird es ebenfalls der Raumnot gehorchend, sein politi- 
sches Denken und Handeln auf die Bodenerweiterung Italiens einstellen müssen. 
Je stolzer und unabhängiger, je nationaler das italienische Volk sein wird, umso 
weniger wird seine Entwicklung je in Konflikt mit Deutschland geraten. 

Die Interessengebiete dieser beiden Länder liegen in glücklichster Weise so weit 
auseinander, daß es keine natürlichen Reibungsnächen gibt 1 . 

Ein nationalbewußtes Deutschland und ein ebenso stolzes Italien werden auch 
einmal im Sinne ihrer aufrichtigen gegenseitigen auf Interessengemeinschaft be- 
gründeten Freundschaft die Wunden schließen können, die der Weltkrieg hinter- 
lassen hat. 

Südtirol wird damit dereinst eine hohe Mission im Dienste beider Völker zu 
erfüllen haben. Wenn die Italiener und die Deutschen dieses Gebietes erst, erfüllt 
von der Verantwortlichkeit für das eigene Volkstum, die großen Aufgaben, die 
Italien und Deutschland zu lösen haben, erkennen und verstehen, werden die 
kleinen Streitigkeiten des Tages zurücktreten gegenüber der höheren Mission, an 
der einstigen Grenze Deutschlands und Italiens eine Brücke aufrichtiger gegen- 
seitiger Verständigung zu bilden. 

1 Gemäß dieser Auffassung und seiner raumpolitisohen Idee wollte Hitler am Anfang den 
Mittelmeerkampf des Zweiten Weltkrieges ganz in Mussolinis Händen lassen. 



216 



Ich weiß, daß dies unter den heutigen Regierungen in Deutschland genauso 
unmöglich ist, wie es unter einer nichtfaszistischen in Italien nicht möglich wäre. 
Denn die Kräfte, die heute die deutsche Politik bestimmen, wünschen keine 
deutsche Wiedererhebung, sondern unsere Vernichtung. Sie wünschen ebenso die 
Vernichtung dem heutigen italienischen faszistischen Staat und werden deshalb 
nichts unversucht lassen, die beiden Völker in Haß und Feindschaft zu versenken. 
Frankreich wird jede solche und wäre es auch nur unbedachte Äußerung mit 
tausend Freuden aufgreifen und zu eigenem Vorteil verwenden. 

Ein nationalsozialistisches Deutschland erst wird mit einem faszistischen Italien 
den Weg zu einer letzten Verständigung finden und die Schwertgefahr zwischen 
den beiden Völkern endgültig beseitigen. Denn dieses alte Europa war immer ein 
Gebiet, das von politischen Systemen beherrscht wurde, und es wird dies wenig- 
stens für die nächste menschlich absehbare Zeit nicht anders werden. Die allge- 
meine europäische Demokratie wird entweder abgelöst von einem System jüdisch- 
marxistischen Bolschewismus, dem Staat um Staat verfällt, oder von einem 
System freier und ungebundener Nationalstaaten, die im freien Spiel der Kräfte 
entsprechend der Zahl und Bedeutung ihres jeweiligen Volkstums Europa den 
Stempel ihres Wesens aufprägen werden. 

Es ist auch für den Faszismus nicht gut, als Idee in Europa vereinsamt zu be- 
stehen. Entweder die Gedankenwelt, aus der er stammt, wird verallgemeinert, oder 
Italien wird einst wieder den allgemeinen Gedanken eines anderen Europas ver- 
fallen. 

B 

Zieht man also die außenpolitischen Möglichkeiten Deutschlands zu einer nähe- 
ren Prüfung heran, dann bleiben in Europa an wertvollen für die Zukunft mög- 
lichen Bundesgenossen tatsächlich nur zwei Staaten über : Italien und England. 
Das Verhältnis Italiens zu England selbst ist schon heute ein gutes und wird sich 
aus Gründen, die ich an einer anderen Stelle schon anführte, in der nächsten Zeit 
kaum trüben. Auch dies hat nichts mit gegenseitigen Sympathien zu tun, sondern 
beruht vor allem auf italienischer Seite auf einem vernüftigen Einschätzen der 
tatsächlichen Machtverhältnisse. Beiden Staaten ist dabei gemeinsam eine Ab- 
neigung gegen uferlose und unbegrenzte Hegemonie Frankreichs in Europa. Für 
Italien, weil seine vitalsten europäischen Interessen bedroht werden, für England, 
weil ein in Europa übermächtiges Frankreich der heute an sich nicht mehr voll- 
kommen zweifelsfreien See- und Weltherrschaft der Engländer eine neue Bedro- 
hung zufügen kann. 

Daß dieser Interessengemeinschaft, wenn auch nur im stillen, wohl schon heute 
auch Spanien und Ungarn zuzurechnen sind, liegt begründet in der Abneigung 
Spaniens gegen die französische nordafrikanische Kolonisationstätigkeit sowie in der 
Feindschaft Ungarns gegen Jugoslawien, das von Frankreich dabei gestützt wird. 



217 



Würde Deutschland es gelingen, in Europa an einer neuen Staatenkoalition 
teilzunehmen, die entweder zu einer Verschiebung der Schwergewichtslage im 
Völkerbund selbst führen müßte oder die bestimmten Kraftfaktoren überhaupt 
außerhalb des Völkerbundes entwickeln ließe, dann wäre die erste innerpolitische 
Voraussetzung für eine spätere aktive außenpolitische Betätigung erfüllbar. Die 
durch den Versailler Vertrag uns auferlegte Waffenlosigkeit und damit praktisch 
Wehrlosigkeit könnte, wenn auch langsam, ein Ende finden. Nur wenn die bis- 
herige Siegerkoalition selbst in dieser Frage zerfällt, ist dies möglich, niemals aber, 
sei es im Bunde mit Rußland oder gar im Verein mit anderen sogenannten unter- 
drückten Nationen, gegen die uns umklammernde gemeinsame Front der koalier- 
ten Siegerstaaten von einst. 

In ferner Zukunft läßt sich dann vielleicht eine neue Völkervereinigung denken, 
die, aus Einzelstaaten mit hohem Nationalwert bestehend, dann der drohenden 
Überwältigung der Welt durch die amerikanische Union entgegentreten könnte. 
Denn mir scheint, daß den heutigen Nationen das Bestehen der englischen Welt- 
herrschaft weniger Leiden zufügt als das Aufkommen einer amerikanischen. 

Kein Paneuropa aber kann zur Lösung dieses Problems berufen sein, sondern 
nur ein Europa mit freien und unabhängigen Nationalstaaten, deren Interessen- 
gebiete auseinandergehalten und genau begrenzt sind. 

Für Deutschland aber kann dann erst die Zeit heranreifen, gesichert durch ein 
in seine Schranken zurückgewiesenes Frankreich und gestützt auf die erneut ge- 
wordene Wehrmacht, die Behebung seiner Raumnot in die Wege zu leiten. Sowie 
aber unser Volk erst einmal dieses große raumpolitische Ziel im Osten erfaßt 
haben wird, tritt als Folge nicht nur eine Klarheit, sondern auch eine Stabilität 
der deutschen Außenpolitik ein, die auf eine wenigstens menschlich absehbare Zeit 
politische Irrsinnigkeiten vermeiden lassen wird, wie diejenigen, die unser Volk 
am Ende in den Weltkrieg verstrickten. Und dann wird man auch endgültig die 
Periode des kleinen täglichen Geschreis und der vollkommen unfruchtbaren 
Wirtschafts- und Grenzpolitik überwunden haben. 

Deutschland wird dann aber auch im Innern zur stärksten Konzentration seiner 
Kraftmittel schreiten müssen. Es wird erkennen müssen, daß man Heere und 
Flotten nicht nach romantischen, sondern nach praktischen Bedürfnissen errich- 
tet und organisiert, es wird sich von selbst dann wieder als unsere Hauptaufgabe 
herausschälen die Bildung einer überragend starken Landarmee, denn unsere Zu- 
kunft liegt tatsächlich nicht auf dem Wasser, sondern sie liegt in Europa. 

Erst wenn man die Bedeutung dieses Satzes restlos erkannt haben wird, und 
im Sinne dieser Erkenntnis in großzügigster Weise die Baumnot unseres Volkes 
im Osten beendet, wird auch die deutsche Wirtschaft aufhören, ein Faktor der 
Weltbeunruhigung zu sein, der tausend Gefahren auf unser (Haupt?) herabbe- 
schwört. Sie wird dann wenigstens in der großen Hauptsache der Befriedigung 
unserer inneren Bedürfnisse dienen. Ein Volk, das seinen Landnachwuchs nicht 
mehr als Fabriksarbeiter in die Großstädte zu schieben braucht, sondern als freie 



218 



Bauern auf eigener Scholle anzusiedeln vermag, wird der deutschen Industrie ein 
inneres Absatzgebiet erschließen, das sie langsam vom tobenden Kampf und dem 
Geraufe um den sogenannten Platz an der Sonne in der übrigen Welt entziehen 
und entheben kann 1 . 

Diese Entwicklung vorzubereiten und einmal auch durchzuführen, ist die außen- 
politische Aufgabe der nationalsozialistischen Bewegung. Sie muß aus ihrem welt- 
anschaulichen Gedankenkreis heraus auch die Außenpolitik in den Dienst der 
Reorganisation unseres Volkstums stellen. Sie hat auch hier den Grundsatz zu 
verankern, daß man nicht um Systeme, sondern für ein lebendes Volk kämpft, 
also für Fleisch und Blut, das erhalten werden muß, dem das tägliche Brot nioht 
fehlen darf, auf daß es infolge seiner körperlichen Gesundheit auch geistig gesund 
zu sein vermag. 

So wie sie in ihrem innerpolitischen Reformkampf über tausend Widerstände, 
Unverständnisse und Bosheiten hinwegschreiten muß, so wird sie auch außen- 
politisch aufräumen müssen, ebenso mit dem bewußten Landesverrat des Marxis- 
mus sowohl als auch dem Wust von wertlosen, ja schädlichen Phrasen und Vor- 
stellungen unserer nationalen, bürgerlichen Welt. Je geringer dabei augenblick- 
lieh das Verständnis für den Sinn ihres Kampfes sein wird, umso gewaltiger ist 
einst ihr Erfolg. 

C 

Warum heute Italien für Deutschland in allererster Linie als Bundesgenosse in 
Frage kommen kann, hängt zusammen mit der Tatsache, daß in diesem Lande 
als einzigem die Innen- und Außenpolitik bestimmt wird von rein italienischen 
nationalen Interessen. Diese italienisch-nationalen Interessen aber sind es allein, 
die deutschen Interessen nicht widersprechen und denen umgekehrt die deutschen 
Interessen nicht zuwiderlaufen. 

Und dies ist nicht nur aber aus tatsächlichen Gründen wichtig, sondern auch 
noch aus folgenden: 

Der Krieg gegen Deutschland wurde von einer übermächtigen Weltkoalition ge- 
führt, bei der nur ein Teil der Staaten ein direktes Interesse an der Vernichtung 
Deutschlands haben konnte. In nicht wenigen Ländern erfolgte die Umstellung 
zum Krieg durch Einflüsse, die in keiner Weise den wirklichen inneren Interessen 
dieser Völker entspringen oder ihnen auch nur zugute kommen könnten. Eine 
ungeheure Kriegspropaganda begann die öffentliche Meinung dieser Völker zu 

1 Hier deutet Hitler Ideen an, die später besonders mit dem Namen von Werner Daitz 
verbunden waren, dem Autor des Buches Der Weg zur völkischen Wirtschaß und zur euro- 
päischen Qroßraumwirtschaft (Dresden: Meinhold Verlagsgesellschaft, 1938 und 1943). D. 
spielte nach 1933 eine gewisse Kolle in der NS- Außenpolitik und war die führende Persönlich- 
keit der am 21. September 1939 gegründeten „Gesellschaft für. europäische Wirtschafts- 
planung und Großraumwirtschaft e. V.". 



219 



vernebeln und für einen Krieg zu begeistern, der diesen Völkern selbst zum Teil 
gar keinen Gewinn zu bringen vermochte, ja, manchmal den wahren Interessen 
geradezu zuwiderlief. 

Die Macht, die diese ungeheuere Kriegspropaganda veranlaßte, war das inter- 
nationale Weltjudentum 1 . Denn so sinnlos für manche dieser Nationen auch die 
Beteiligung am Krieg, vom Standpunkt der eigenen Interessen aus besehen, sein 
mochte, so sinnvoll und logisch richtig war sie, vom Gesichtspunkt der Interessen 
des Weltjudentums betrachtet 2 . 

Es ist hier nicht meine Aufgabe, eine Abhandlung über die Ju denfra ge a n sich 
zu geben. Dies kann nicht im Rahmen einer so kurzen, gezwungenerweise ge- 
drängten Darstellung geschehen. Nur [soviel] sei zum besseren Verständnis hier 
folgendes gesagt : 

Das Judentum ist ein Volk mit rassisch nicht ganz einheitlichem Kern, aber 
als Volk dennoch mit besonderen Wesenseigenheiten, die es von allen sonst auf 
der Erde lebenden Völkern scheiden. Das Judentum ist keine Beligionsgemein- 
schaft, sondern die religiöse Bindung der Juden untereinander ist in Wirklichkeit 
die augenblickliche staatliche Verfassung des jüdischen Volkes. Der Jude hat 
niemals einen räumlich begrenzten und ihm zu eigenen [sie] Staat nach Art arischer 
Staaten gehabt. Nichtsdestoweniger ist seine Religionsgemeinschaft ein wirklicher 
Staat, da sie die Erhaltung, die Vermehrung und die Zukunft des jüdischen Volkes 
gewährleistet. Dies aber ist die Aufgabe des Staates ganz allein. Daß der jüdische 
Staat keiner territorialen Begrenzung unterliegt, wie dies bei arischen Staaten der 
Fall ist, hängt zusammen mit einem Wesen des jüdischen Volkes, das die pro- 
duktiven Kräfte zum Aufbau und zur Erhaltung eines eigenen Raumstaates ver- 
missen läßt. 

So wie jedes Volk als Grundtendenz seines gesamten irdischen Handelns die 
Sucht der Erhaltung seiner selbst als treibende Kraft besitzt, genauso auch das 
Judentum. Nur ist hier entsprechend der grundverschiedenen Veranlagung ari- 
scher Völker und des Judentums der Lebenskampf auch in seinen Formen ver- 
schieden. Die Grundlage des arischen Lebenskampfes ist der Boden, der von ihm 
bebaut wird und der nun die allgemeine Basis für eine Wirtschaft gibt, die zu- 
nächst im inneren Kreislauf durch die produktiven Kräfte des eigenen Volkes die 
eigenen Bedürfnisse befriedigt. 

Das jüdische Volk kann mangels eigener produktiver Fähigkeiten einen Staats- 
bau räumlich empfundener Art nicht durchführen, sondern braucht als Unterlage 
seiner eigenen Existenz die Arbeit und schöpferischen Tätigkeiten anderer Natio- 

1 Hier beginnt das eigentliche Schlußwort des Buches, wobei das Thema „Judentum" irgend- 
wie herbeigezogen werden mußte, wie auch am Ende von Hitlers Leben in seinem politischen 
Testament. 

2 Bekanntlich lag es in Wirklichkeit genau umgekehrt. Insoweit man überhaupt von einer 
„jüdischen" Stellungnahme im Ersten Weltkrieg sprechen kann, war diese — wegen der Po- 
grome in Bußland — eher pro- als antideutsch. 



220 



nen. Die Existenz des Juden selbst wird damit zu einer parasitären innerhalb des 
Lebens anderer Völker. Das letzte Ziel des jüdischen Lebenskampfes ist dabei die 
Versklavung produktiv tätiger Völker. Zur Erreichung dieses Zieles, das in Wirk- 
lichkeit den Lebenskampf des Judentums zu allen Zeiten darstellte, bedient sich 
der Jude aller Waffen, die dem Gesamtkomplex seines Wesens entsprechen. 

Innenpolitisch kämpft er dabei innerhalb der einzelnen Völker erst um die 
Gleich- und später um die Überberechtigung. Als Waffen dienen ihm hiezu die 
Eigenschaften der Schläue, Klugheit, List, Tücke, Verstellung usw., die im Wesen 
seines Volkstums wurzeln. Sie sind Kriegslisten in seinem Lebenserhaltungskampf, 
so wie die Kriegslisten anderer Völker im Schwertkampf. 

Außenpolitisch versucht er die Völker in Unruhe zu bringen, von ihren wahren 
Interessen abzulenken, in gegenseitige Kriege zu stürzen und auf diesem Wege 
langsam mit Hilfe der Macht des Geldes und der Propaganda sich zu ihrem Herrn 
aufzuschwingen. 

Sein Endziel ist die Entnationalisierung, die Durcheinanderbastardierung der 
anderen Völker, die Senkung des Rassenniveaus der Höchsten, sowie die Beherr- 
schung dieses Rassenbreies durch Ausrottung der völkischen Intelligenzen und 
deren Ersatz durch die Angehörigen seines eigenen Volkes. 

Das Ende des jüdischen Weltkampfes wird daher immer die blutige Bolsche- 
wisierung sein,, das heißt in Wahrheit die Vernichtung der mit den Völkern ver- 
bundenen eigenen geistigen Oberschichten, so, daß er selbst zum Herrn der führer- 
los gemachten Menschheit aufzusteigen vermag. 

Dummheit, Feigheit und Schlechtigkeit arbeiten ihm dabei in die Hände. In 
den Bastarden sichert er sich die ersten Öffnungen zum Einbruch in einen frem- 
den Volkskörper. 

Das Ende einer Judenherrschaft ist dabei stets der Verfall jeglicher Kultur und 
endlich jier W ahnsinn des Juden selbst. Denn er ist Völkerparasit, und sein Sieg 
bedeutet ebensosehr den Tod seines Opfers als sein eigenes Ende. 

Mit dem Zusammenbruch der antiken Welt traten den Juden junge, zum Teil 
noch vollkommen unverdorbene, rassisch instinktsichere Völker gegenüber, die ihm 
ein Eindringen in sie verwehrten. Er war Fremdling, und alle Lüge und Verstel- 
lung haben ihm nahezu P/a tausend Jahre nur wenig genützt. 

Erst die Feudalherrschaft und das Fürstenregiment schufen einen allgemeinen 
Zustand, der ihm gestattete, sich dem Kampfe einer unterdrückten Gesellschafts- 
schichte anzuschließen, ja diesen in kurzer Zeit zu seinem eigenen zu machen. 
Mit der französischen Revolution erhielt er die bürgerliche Gleichberechtigung. 
Damit war nun die Brücke geschlagen, über die er zur Eroberung der politischen 
Macht innerhalb der Völker schreiten konnte. 

Das XIX. Jahrhundert gibt ihm eine beherrschende Stellung innerhalb der 
Wirtschaft der Völker durch den Ausbau des auf dem Zinsgedanken fußenden 
Leihkapitals. Uber den Umweg der Aktie setzt er sich endlich in den Besitz eines 
großen Teiles der Produktionsstätten und mit Hilfe der Börse wird er langsam 



221 



zum Regenten nicht nur des öffentlichen wirtschaftlichen, sondern endlich auch 
politischen Lebens. Er unterstützt diese Herrschaft durch die geistige Entartung 
der Völker mit Hilfe der Freimaurerei sowie durch die Arbeit der von ihm ab- 
hängig gewordenen Presse. Im neuaüfstrebenden vierten Stand der Handarbeiter- 
schaft entdeckt er die mögliche Kraft zur Vernichtung des bürgerlich geistigen 
Regiments, so wie das Bürgertum einst das Mittel zur Zertrümmerung der Feu- 
dalherrschaft gewesen war. Bürgerliche Dummheit und unanständige Gesinnungs- 
losigkeit, Geldgier und Feigheit arbeiten ihm dabei in die Hände. Er formiert den 
Berufsstand der Handarbeiter zu einer besonderen Klasse, die er nun den Kampf 
gegen die nationale Intelligenz aufnehmen läßt. Der Marxismus wird zum geisti- 
gen Vater der bolschewistischen Revolution. Er ist die Waffe des Terrors, die der 
Jude nun rücksichtslos und brutal ansetzt. 

Um die Jahrhundertwende ist die wirtschaftliche Eroberung Europas durch 
den Juden ziemlich vollzogen, er beginnt nun mit der politischen Sicherung. Das 
heißt, die ersten Versuche zur Ausrottung der nationalen Intelligenz werden in 
Form von Revolutionen unternommen. 

Die Spannung der europäischen Völker, die zum größten Teil ihrer allgemeinen 
Raumnot zuzuschreiben ist, mit den Folgen, die daraus erwachsen, nützt er zu 
seinen Gunsten aus, indem er planmäßig zum Weltkriege hetzt. 

Das Ziel ist die Vernichtung des innerlich antisemitischen Rußland sowohl 
als die Vernichtung des in Verwaltung und Heer dem Juden noch Widerstand 
entgegensetzenden Deutschen Reiches. Weiteres Ziel ist der Sturz jener Dyna- 
stien, denen noch nicht eine vom Juden abhängige und geleitete Demokratie über- 
geordnet war. 

Dieses jüdische Kampfziel ist zum Teil zumindest restlos erreicht worden. Der 
Zarismus und der Kaiserismus in Deutschland wurden beseitigt. Mit Hilfe der bol- 
schewistischen Revolution wurde unter unmenschlichen Martern und Grausam- 
keiten die russische Oberschichte und auch russische nationale Intelligenz ermordet 
und restlos ausgerottet. Die Gesamtopfer dieses jüdischen Kampfes um die Vor- 
herrschaft in Rußland betrugen für das russische Volk 28—30 Millionen Menschen 
an Toten. 15mal so viel, als der Weltkrieg Deutschland gekostet hat. Nach ge- 
lungener Revolution riß er sämtliche Bande der Ordnung, der Moral, der Sitte 
usw. [weiter] weg, hob die Ehe als höhere Institution auf und proklamierte statt 
dessen die allgemeine Paarung untereinander mit dem Ziele, auf dem Wege einer 
regellosen Verbastardierung einen allgemeinen minderwertigen Men schenbrei her- 
anzuzüchten, der aus sieh selbst heraus zur Führung unfähig ist und den Juden 
endlich als einziges geistiges Element nicht mehr entbehren kann. 

Inwieweit dies gelungen ist und inwieweit nun natürliche Reaktionskräfte einen 
Wandel dieses furchtbarsten Menschheitsverbrechens aller Zeiten noch herbeizu- 
führen vermögen, wird die Zukunft lehren. 

Augenblicklich bemüht er sich, die übriggebliebenen Staaten demselben Zu- 
stand entgegenzuführen. Er wird dabei unterstützt in seinem Bestreben und in 



222 



seinen Handlungen und gedeckt von den bürgerlichen nationalen Parteien der 
sogenannten nationalen vaterländischen Verbände, während als offensive Kampf- 
truppe der Marxismus, die Demokratie und das sogenannte christliche Zentrum 
in Erscheinung treten. 

Das erbittertste Ringen um den Sieg des Judentums spielt sich zur Zeit in 
Deutschland ab. Hier ist es die nationalsozialistische Bewegung, die als einzige 
den Kampf gegen dieses fluchwürdige Menschheitsverbrechen aufgenommen hat. 

In allen europäischen Staaten wird augenblicklich ein zum Teil stiller und hef- 
tiger Kampf, wenn auch oft nur unter der Decke, um die politische Macht durch- 
gefochten. 

Entschieden ist dieser Kampf zunächst außer in Rußland auch noch in Frank- 
reich. Dort hat der Jude durch eine Anzahl von Umständen begünstigt, eine Inter- 
essengemeinschaft mit dem französischem nationalen Chauvinismus geschlossen. 
Jüdische Börse und französische Bajonette sind seitdem Verbündete. 

Unentschieden ist dieser Kampf in England. Der jüdischen Invasion tritt dort 
immer noch eine altbritische Tradition entgegen. Noch sind die Instinkte des 
Angelsachsentums so scharfe und lebendige, daß von einem vollständigen Sieg des 
Judentums nicht gesprochen werden kann, sondern daß dieser zum Teil noch ge- 
zwungen ist, seine eigenen Interessen den englischen anzupassen. 

Wird in England der Jude siegen, dann werden die englischen Interessen genau- 
so in den Hintergrund treten, wie für Deutschland heute nicht mehr deutsche, 
sondern jüdische maßgebend sind. Siegt hingegen der Brite, dann kann eine Um- 
steHüÜg 'Ellgla-nds DeTttseWand gegenüber noch stattfinden 1 . 

Entschieden ist der Kampf des Judentums um seine Vorherrschaft auch in 
Italien. Mit dem Sieg des Faszismus hat in Italien das italienische Volk gesiegt. 
Wenn auch der Jude gezwungenerweise heute sich in Italien dem Faszismus an- 
zupassen versucht, so zeigt doch seine Einstellung außerhalb Italiens zum Faszis- 
mus seine innere Auffassung über ihn. Seit dem denkwürdigen Tag, da die faszi- 
stischen Legionen nach Rom zogen, ist für das Schicksal Italiens nur mehr sein 
eigenes nationales Interesse maßgebend und bestimmend. 

Aus diesem Grunde ist auch kein anderer Staat so wie Italien heute für Deutsch- 
land als Bundesgenosse geeignet. Es entspricht nur der bodenlosen Dummheit und 
hinterhältigen Gemeinheit unserer sogenannten Völkischen, daß sie den einzigen 
Staat, der heute national regiert wird, ablehnen und lieber als echte Deutschvölki- 
sche 2 mit den Juden in eine Weltkoalition gehen würden. Es ist ein Glück, daß 
die Zeit dieser Narren in Deutschland ausgespielt ist 3 und damit der Begriff deutsch- 



1 Ein gutes Beispiel dafür, daß die wahnwitzigen Rassentheorieu Hitler auch zu unhaltbaren 
außenpolitischen Konklusionen verführten. 

2 Einer der ehemaligen deutschvölkischen Reichstagsabgeordneten, v, Graefe, gehörte zu 
denen, gegen die Hitler Strafantrag wegen Beleidigung in der Südtiroler Frage gestellt hatte, 
vgl. oben, S. 24. 

3 Die Deutschvölkisohen hatten bei der Reichstags wähl vom 20.Mai 1028 kein Mandat erlangt. 



223 



völkisch aus der Umschliagung ebenso kleiner wie erbärmlicher Kreaturen gelöst 
wird. Er wird dadurch unendlich gewinnen 1 . 



1 Der Wortlaut der letzten Seiten und der Schlußstrich berechtigen zu der Annahme, daß 
dies der Schluß des Buches sein sollte und daß keine Blatter fehlen. 



ANLÄGE 



MUNICH 

Centraiverlag der NSDAP Target No: 589 

Thierschstr. 11 Priority: 3 

Remarks : 

1. This is a supplementary report. Joseph Berg, who lives at 35 Scheubner Rich- 
ter Strasse, Munich, and was technical manager of this publishing house, 
gave us a manuscript of an alleged unpublished work by Adolf Hitler. It was 
written over 15 years ago and locked up in a safe. Mr. Berg had strictest Or- 
ders that the manuscript could neither be printed or shown to anybody. More 
Information on this can be had through Mr. Berg. 

2. Mr. Berg also informed us that a evaeuation place (Ausweichstelle) for books 
of the Verlag is in the Willibalds Burg nr. Eichstaedt. 

Paul M. Leake 
Gapt. SC 

ÜBERSETZUNG 

München 

Zentralverlag der NSDAP 
Thierschstr. II 1 

Bemerkungen : 

1. Dies ist ein ergänzender Bericht 2 . Josef Berg, in München, Scheubner-ßichter- 
Straße 35, wohnhaft und früher technischer Leiter dieses Verlages, übergab uns 
ein Manuskript eines angeblich unveröffentlichten Werkes von Adolf Hitler. Es 
wurde vor über 15 Jahren geschrieben und in einen Tresor geschlossen. Herr 
Berg hatte strengste Anweisung, daß das Manuskript weder gedruckt noch 
irgendjemandem gezeigt werden dürfe. Herr Berg kann weitere Auskünfte 
darüber geben. 

2. Herr Berg hat uns auch berichtet, daß sich eine Ausweichstelle für Bücher des 
Verlages in der Willibaldsburg bei Eichstätt befindet. 

Paul M. Leake 
Hptm. SC 

1 Dieses Gebäude wurde 1929 vom Eher- Verlag gekauft, Dresler, S. 207. 

2 Ein vorhergehender Bericht ist nicht aufgefunden worden. 
s Wohl für Signal Corps. 



Ziel Nr.: 589 
Vorrang : 3 



225 



REGISTER 
Siehe auch die Zusammenfassung des Inhalts, S, 30-33 



Abel, Werner (Prozeß-Zeuge) 24 
Adolf-Hitler-Schulen 56, 1 
Albanien 96 

Alldeutscher Verband 72ff. 
Amann, Max (Eher-Verlagsdir.) 7, 15, 36 
Andreas-Hofer-Bund 205 
Anschluß 22f., 33, 185, 207 ff. siehe auch un- 
ter Österreich 
Argentinien 50 

Auswanderung 23, 28, 50f., 57, 84, 124f., 
202 f. 

Bayerische Volkspartei 197 f. 
Bayern 190f., 200 
Belgien 188, 201 

Benedetti, Vincent (franz. Diplomat) 108 
Berg, Josef (Angestellter im Eher-Verlag) 7, 
16,225 

Berliner Kongreß 1878 89, 170 

Berliner Tageblatt 153 

Bernstorff, Johann Heinrich von (dt. Diplo- 
mat) 212 ff. 

Bethmann Hollweg, Theobald von (Reichs- 
kanzler) 179, 183 

Bismarck, Otto von 27, 34, 81, 85ff., 89f., 
98, 103, 108f., 114, 141, 146, 150, 156, 170, 
179 

Blücher, Gebhard Leberecht von (preuß. Ge- 
neral) 146 

Bormann, Martin (Sekretär des Führers) 17 f. 
Bosnien 89, 97 

Briey und Longwy 27, 105, 185 
Bündnisse 29, 80, 94, 98, 136, 139, 167 f. 
Buren 136 

Cavour, Camino 27, 176 
China 60, 128, 131 
Christentum 18 

Claß, Heinrich (führender Alldeutscher) 72 
Clausewitz, Karl von (preuß. General) 142, 
146 

Clauß, Ludwig Ferdinand („Rassenforscher") 
65 



Clemenceau, Georges (franz. Staatsmann) 
183, 190 

Coudenhove-Kalergi, Graf (Schöpfer der Pan- 
europa-Bewegung) 128, 131 f. 

Dänemark 188 

Daitz, Werner (NS-Wirtschaftspolitiker) 219 
Dawes-Plan 174 

Demokratie 66ff., 87, 106, 129, 172 
Deutsche Demokratische Partei 116, 181, 

188f., 195, 223 
Deutscher Krieg 1866 94, 109 
Deutsch-französischer Krieg 1870-71 80, 

83, 90, 108f., 169f. 
Deutschnationale Volkspartei 37, 197 
Deutschvölkische Freiheitspartei 191, 223 
Dreibund 89ff., 98, 134, 177f., 183, 185 

Eckart, Dietrich (NS-Dichter) 200 
Eher-Verlag 7, 15f., 22, 1; 36, 225 
Elsaß-Lothringen 29, 81, 149ff., 194, 201 
England 28, 34, 63, 82f., 97 f., 100ff„ 107f., 

110, 119, 122, 126, 133, 146ff., 164ff., 

171 ff., 181 ff., 188, 217, 223 
Entente 134, 182, 184 

Epp, Franz Ritter von (NS-Politiker und 

General) 24 
Erzberger, Matthias (dt. Staatsmann) 104,204 
Euthanasie 56 f. 

Faschismus 141, 180, 187, 199, 205, 217, 223 
Fememörder 199 

Flotte, Flottenpolitik 101f., 122, 147, 169ff., 
Flyim, William F. (amerik. Beamter) 212 f. 
Frankfurter Zeitung 153 
Frankreich 23, 25, 28f., 81 f., 96f., 102f., 

108ff., 133, 136, 146ff., 154f., 157, 167ff., 

171ff„ 176ff., 183f., 187f., 190, 194, 201, 

206ff., 210, 217, 221, 223 
Freimaurer 29, 182, 222 
Friedrich II. (der Große) 76, 109, 139, 141f., 

I68f., 171 
Friedrich Wilhelm I. 168 



226 



Geburtenbeschränkung 28, 48, 50f., 56f., 121, 

125 f., 202f. 
Gneisenau, Neithardt von (preuß. General) 

146 

Griechenland 136 
Großgrundbesitz 58 f. 
Guderian, Heinz (dt. General) 81 

Habsburg 88 ff., 184f., siehe auch unter Öster- 
reich 

Heer — Heeresorganisation, Generalstab — 
63ff., 107 f., llOff., 171, 218 

Heim, Heinrich (Stenograph im Führer- 
hauptquartier) 17 

Heß, Kudolf (Stellv. d. Führers) 19, 24f. 

Himmler, Heinrich (Reichsführer-SS) 81 

Hitler, Adolf 43ff., 71, 74ff., 96f„ 104, 125, 
142, 181f., 189ff., 196, 200, 210, 216; an- 
gebliches Buch über Kunst und Kasse 37, 
Denkschrift zum Vierj&hresplan 18; per- 
sönliches Testament 18; politisches Testa- 
ment 34; Reden 23ff., 27ff., 123, 147, 188, 
196, 205; Tischgespräche 16ff.; siehe auch 
Mein Kampf und Selbstmord 

Höß, Rudolf (Kommandant in Auschwitz) 
40, 199 

Hofer, Andreas (Tiroler Nationalheld) 23, 191 
Hoffmann, Heinrich (NS-Photograph) 19 
Hoßbach- Aufzeichnung 178 
Hugenberg, Alfred (Führer der Deutschnatio- 
nalen Volkspartei) 21, 37, 58 

Indien 166, 173 

Innere Kolonisation 58 f. 

Institut für Deutsche Ostarbeit 81 

Internationalismus 106, siehe auch Pazifis- 
mus, Paneuropa 

Italien 21, 25, 28 f., 44f., 58, 82, 90, 93ff., 
136, 140f., 176ff., 223 

Japan 18, 25, 60, 171 f. 

„Jonny spielt auf" (Oper) 197, 200 

Juden, Judenfrage 9, 18, 29, 34, 62, 64, 125, 

129, 135, 153f., 158, 174f., 189, 191, 198, 

204, 219ff. 

Jugoslawien, Südslawen 177f., 187f., 208, 
217 

Kärnten 187 

Karl I. (Kaiser von Österreich) 90 



Kolonien 97, 99ff., 16Öff. 
Krause, Karl Wilhelm (Kammerdiener Hit- 
lers) 15 

Krieg, Präventivkrieg 25, 27, 48ff., 54f., 71, 

80, 108 ff., 195f., 206f. 
Krim 35 
Kroaten 96 
Kunst 197 f. 

Lebensraum passim, besonders 34, 53 ff. , 70 ff . , 
78 ff., 85f., 102ff., 159, 177f., 195, 206f., 
216, 218 

Locarno- Vertrag 22, 114 

Ludendorff, Erich (dt. General) 186 

Luftwaffe 148, 173 

Magyaren, Ungarn 92f., 217 

Marxisten 44, 106, 116, 134, 181, 188f., 191, 

195ff., 219, 222f. 
„Mein Kampf" 9, 18, 22, 24, 28, 34ff., 43, 

56f., 61, 91f., 94ff., 101, 108, 113, 120, 143, 

153, 195, 
Moltke, Helmut von 164, 170 
Morell, Theo (Leibarzt Hitlers) 19 
Mussolini, Benito 21ff., 29, 182, 191, 197, 206 f. 

Napoleon III. 108 
Napoleonische Kriege 139f., 145 
Niederlande 167f. 
Niel, Adolphe (franz. General) 109 

Oberschlesien 187 

Österreich, Österreich-Ungarn 23, 88ff., 132, 
134, 137, 170, 176, 178, 180, 182 ff., 204, 207 ff. 

Paneuropäische Bewegung 128ff., 218 

Pazifismus, Pazifisten 27, 55, 62, 80, 124, 140f. 

Picker, Henry (Stenograph im Führerhaupt- 
quartier) 17 

Polen 29, 35, 79, 81, 105, 136, 147f., 155, 
186, 188, 201 

Produktionssteigerung in der Landwirtschaft 
54, 57ff„ 84, 120f. 

Raeder, Erich (dt. Admiral) 34 
Rassefragen 49ff., 62, 64ff., 78, 124ff., lööff., 
220ff. 

Reichskommissar für die Festigung deut- 
schen Volkstums 81 
Reichsparteitag 1928 der NSDAP 26, 36 



227 



Reichstagswahl 20. Mai 1928 23f., 26, 38, 
223 

Reiohwehr, siehe unter Heer 
Ribbentrop, Joachim von (Reichsaußen- 
minister) 94, 188 
Rom (Antike) 129f. 

Rosenberg, Alfred (NS-Ideologe) 22f., 37, 
200, 207 

Rüokversicherungsvertrag 89, 98 
Rumänien 93, 98, 188 

Rußland 28, 34, 60, 82, 89f., 93, 98ff., 108, 
110, 128, 133, 146, 149, 153ff., 170, 172f., 
185 f., 218, 222; russisch -japanischer Krieg 
1904-05 101, 172 

Scharnhorst, Gerhard von (preuß. General) 146 
Schopenhauer, Arthur (Philosoph) 152 
Schröder, Christa (Sekretärin Hitlers) 15, 18f. 
Schweiz 193, 209 

Seeckt, Hans von (dt. General) 111 
Seipel, Ignaz (österr. Kanzler) 23, 25 
Selbstmord 28, 202 
Serbien 93, 98 
Slawen 91 ff., 155 ff., 

Sozialdemokratische Partei 25, 89f., 92, 191, 

siehe auch unter Marxisten 
Spanien 140, 167, 217 
Sparta 56 f. 

St. Germain (Friedensvertrag) 196 
Stein, Karl Freiherr vom (dt. Staatsmann) 
140, 146 



Stresemann, Gustav (dt. Staatsmann) 20, 

23 f., 29, 36, 85, 114, 135, 203 f. 
Südtirol 18, 21ff., 29f., 34f., 37, 43ff., 88, 

92, 118, 180, 182, 188, 191 ff. 

Tripolitanischer Krieg 1911-12 96f., 178 
Tschechen, Tschechoslowakei 29,79,92, 147 f„ 

188, 203, 208 
Türkei 97, 103, 136 

Ungarn, siehe unter Magyaren 

Vereinigte Staaten 9, 28, 34, 50, 58, 60, 110, 

117, 120, 123ff., 140, 172f., 218 
Versailler Vertrag 20, 63f„ 113, 196 
„Verstädterung" 61 f. 
Völkerbund 135, 144, 208, 215, 218 

Weltkrieg 1914-18 27, 33 f., 68, 90, 94, 104f., 

145, 158, 173, 184f., 211 
Welt wirtschaftskonferenz 1933 60 
Wimpffen, Emmanuel (franz. General) 150 
Wilhelm I. 64 

Wilson, Woodrow 211, 213 ff. 
Wirtschaftspolitik 23, 28, 59ff„ 99ff., 122E, 
218f. 

Young-Plan 20f., 36f., 174 

Zentrumspartei 88f., 116, 181, 188f., 195, 
223 

Zoller, Albert (franz. Offizier) 15, 18